Maschinenfabrik, Eisengießerei und Brückenbauanstalt Johann Wilhelm Spaeth (Bestand)
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E 9/379
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Johann Wilhelm Späth (14.6.1786-10.8.1854) wurde in Ismannsdorf bei Ansbach geboren. Im väterlichen Betrieb erlernte er das Müllerhandwerk. Nach seiner Wanderschaft begann er 1813 als Mühlarzt mit der Konstruktion von Maschinen und legte den Grundstein der ersten Maschinenbauanstalt Bayerns, die über 150 Jahre familiengeführt blieb. Ab 1820 betrieb Späth eine Mechanische Werkstätte auf dem Gelände der Tuchfabrik Lobenhofer in Wöhrd -zunächst als Lobenhofers Pächter, von 1827-1830 als Späth & Comp., danach als Einzelunternehmer. 1833 wurde die Werkstätte an den Dutzendteich verlegt. Späth hatte dort bereits 1825 zusammen mit seinem Bruder Johann Michael ein altes Hammerwerk gekauft. Der Standort sollte bis ins Jahr 1960 erhalten bleiben. 1842 erhielt Späth die Konzession zum Betrieb einer Maschinenfabrik und errichtete auch eine Eisengießerei. In zahlreichen Branchen führte Späth in Bayern den Maschinenbetrieb ein (u.a. Mühlen-, Textil-, Tabak-, Hopfen-, Porzellan-, Drahtzug-, Spiegelglasindustrie). Bekannt wurde seine Firma v.a. durch den Zusammenbau der Lokomotive "Adler" und durch die Arbeiten am Ludwig-Donau-Main Kanal (hier v.a. Schleusen und Stauwehre). Man konzentrierte sich zunehmend auf Eisenbahnzubehör (wie Drehscheiben, Weichen und Brücken), besaß aber stets eine breite Produktpalette. Die Firma blieb immer im Familienbesitz: Nach Späths Tod 1854 leitete sein Schwiegersohn Johannes Falk das Unternehmen. Er nahm ab 1870 seine beiden Schwiegersöhne Eduard Wilhelm Hammerbacher und Johann Baptist Külb in die Geschäftsführung auf. Otto Hammerbacher übernahm die alleinige Führung im Jahr 1917, sein Sohn Walter Wolfgang Hammerbacher leitete das Unternehmen von 1950 bis 1970.Auf ihrem Höhepunkt - um die Jahrhundertwende - waren in der Fabrik über 400 Arbeiter beschäftigt, der Jahresumsatz lag über 1 Mio. Reichsmark. Beachtenswert ist die Zeit 1933-1945: Die zufällige Nachbarschaft des Firmengeländes zum Reichsparteitagsgelände der NSDAP verursachte vielfache und massive Probleme. Am `Wirtschaftswunder' hatte man aus unterschiedlichsten Gründen keinen Anteil mehr. Ein Neuanfang in Boxdorf im Jahr 1960 brachte nur wenige Jahre Erfolg, 1970 ging die Firma Spaeth in der "Stahlrohrbau Nürnberg - Dr. Fritz Gnoth KG" auf.Das heutige Firmenarchiv Spaeth (E 9/379) wurde bei der Verzeichnung in "I Akten" und "II Pläne" unterteilt. Es stellt einen umfangreichen Bestand dar, ist jedoch bei weitem nicht vollständig. Die restlichen Teile gelten als verschollen, in anderen Archiven sind keine Bestände bekannt. Akten und Pläne kamen auf unterschiedlichen Wegen ins Stadtarchiv Nürnberg. Georg Eibert vermittelte ab 1974 zwischen dem letzten Firmenleiter und städtischen Behörden wegen der Übernahme der Pläne der ehemaligen Firma. 1986 kam das Material ins Stadtarchiv, darunter befanden sich auch vereinzelte Aktenstücke. Dr. Dieter Rossmeissl übergab dem Stadtarchiv 1996 und 2008 einige Akten aus seinem Privatbesitz, ebenso Frau Eibert im Jahr 1996.Uta-Elisabeth (eine Nichte Walter Wolfgang Hammerbachers) und Klaus-Rüdiger Trott, übergaben 2002 den Großteil des heutigen Aktenbestands dem Stadtarchiv. Sie richteten zudem die "Spaeth-Falk-Hammerbacher-Stiftung Nürnberg zur Erforschung der Sozial-, Wirtschafts-, Technik-, und Industriegeschichte Nürnbergs im 18. und 19. Jahrhundert" ein, um zunächst die Verzeichnung und wissenschaftliche Auswertung des Firmenarchivs zu unterstützen. Weitere Archivalien aus dem Privatbesitz des Ehepaares Trott sollen noch ans Stadtarchiv abgegeben werden.Die Akten und Pläne mußten vor der Verzeichnung geordnet und teilweise gereinigt und von Schimmel befreit werden. Die Akten beinhalten Briefkopierbücher, Rechnungsbücher, Lohnlisten, Werkstattinventare, usw. Die Pläne spiegeln weite Teile der Produktpalette der Firma Spaeth wieder. Ungefähr 15.000 Stück kamen ins Stadtarchiv, etwa die Hälfte davon wurde als archivwürdig eingestuft. Der Rest beinhaltete Dubletten oder Ausschnittszeichnungen, deren Zuordnung unmöglich war. Sie trugen keinerlei Beschriftung, da sie ausschließlich für den internen Gebrauch in den Werkstätten vorgesehen waren. Im Jahr 2011 stiftete das Ehepaar Trott weitere Akten hinzu, die verzeichnet wurden, sich aktuell zum Teil noch bei den Abgebern befinden. In diesem Fall empfiehlt sich eine Kontaktaufnahme mit dem Ehepaar über die E-Mail Adresse klaustrott@yahoo.it.2016 konnten dem Bestand durch Vermittlung des Stadtarchivs Lauf (Acc. Nr. C 8/2016) lange Zeit als verschollen gegoltene Firmenunterlagen hinzugefügt werden. Es handelt sich um 30 Stücke, davon 28 Akten und zwei Pläne. Der Plan einer Sägmühlenanlage für die Fa. Wiß in Lauf und ein Stich mit dem Titel "Der Obere Marktplatz Lauf" wurden im Stadtarchiv Lauf belassen. Unter den Akten befinden sich zahlreiche Briefkopierbücher aus einer alphabetischen Serie, die bislang nur bruchstückhaft überliefert war, sowie Unterlagen der Buchführung (Journale und Kontokorrentbücher), von denen bislang noch nichts überliefert war. Besonders hervorzuheben ist auch eine Firmenchronik der Jahre 1857-1877 mit unregelmäßigen Eintragungen zu technischen Neuerungen, Bauvorhaben, Personaljubiläen u.a.
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.06.2025, 11:18 MESZ