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Schreiben von Dr. Wilhelm Thies, Sohn der Taufpatin von Karolina Schlamann, aus Cathrinhagen, Kreis Rinteln, Philadelphia und Chicago an Johann Heinrich Schlamann in Minden
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Schreiben von Dr. Wilhelm Thies, Sohn der Taufpatin von Karolina Schlamann, aus Cathrinhagen, Kreis Rinteln, Philadelphia und Chicago an Johann Heinrich Schlamann in Minden
Stadt Minden WN 30 Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann, Nr. 58
Stadt Minden WN 30 Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann
Nachlass Karolina Koch geb. Schlamann
1881 - 1883
Enthält: u.a. Bitte um Zusendung von Ohrringen zur Auswahl als Geschenk zur Konfirmation von [Karolina Schlamann], 20. Apr. 1881; Zusendung von Medizin gegen Asthma aus der Pflanze Grindelia Robusta, 21. Mai 1881; Schreiben vom 15. November 1881 zur Überfahrt von Bremerhaven nach New York (Transkription durch Doris Schöne-Bake) s.u.; unvollständiges Schreiben (S. 5 - 8) aus Chicago, [ab 1900] Seite 1 01 Philadelphia, den 15 November 1881 02 Mein lieber Herr Schlamann: 03 Die Postkarten v[o]n England 04 die anderen von New York, worin ich Ihnen 05 meine Ankunft auf amerikanischen Boden 06 mitteilte werden Sie damals erhalten haben. 07 Ich würde schon früher geschrieben, jedoch so 08 wie ich nach Philadelphia retour kam, wurde ich 09 krank und mußte bis letzte Woche das Zimmer 10 hüten, jetzt geht bis auf Kopfweh - etwas 11 besser. - Die Reise auf'n Ocean war eine 12 sehr rauhe Fahrt - sowie wir durch den Canal 13 waren und in See kamen, fing der ent- 14 setzliche Sturm an, und welchen wir die gan- 15 ze Reise hindurch hatten. Ich hatte es mir 16 fest vorgenommen, dießmal nicht Seekrank zu werden - 17 aber wo blieb der Wille - kaum einige Stunden Seite 2 18 im Ocean, fing schon die unbarmherzige See - 19 krankheit an - und hatte sie volle sieben Tage. 20 Oh diese Seekrankheit - dieselbe ist unbe- 21 schreiblich - mehr als Dutzehnd mal, wünschte 22 ich wenn das Schiff nur unterginge, um von der 23 Seekrankheit erlöset zu werden -. Die ganze 24 Zeit nichts essen zu können, weiter nichts, als 25 etwas Eiswasser getrunken. Mehr denn tausend 26 mal wünschte ich, ich wäre in Minden, und 27 könnte von der schönen Weinsuppe essen, welche 28 die liebe Frau Schlamann so schön zubereiten 29 konnte - ich glaubte ganz sicher, dann wäre 30 Seekrankheit vorüber. Volle acht Nächte habe ich 31 oben auf'n Deck geschlafen, ich konnte wegn 32 des Geruchs nicht in der Cajüte schlafen - 33 nun denke Sie sich - 8 Nächte in einer 34 Reihe auf Deck sitzen, die nasse Kälte - da- 35 bei der furchtbare Ocean - nein - dieses war 36 eine unbeschreibliche Reise, wie ich in New 37 York ankam, war einem jedes Glied, wie Seite 3 38 gerädert, dann wegen den Schiffgeruch, 39 und von dem Kochen u[nd] s[o] w[eiter] war es mir nicht 40 möglich weder im Saloon noch in Cajüte zugehen. 41 Nur wie wir nach New York war alles vorüber, 42 jedoch muß ich mich bei dem fortwährend auf'n 43 Deck sein, eine Erkältung zugezogen haben 44 und zwar eine Rippenfellentzündung, welche doch 45 so ziemlich bei dieser Zeit verschwunden ist. 46 Wir hatten 15hundert Zwischendeck-Passagiere und 47 über 200 Cajüten-Passagiere - also mit Schiff- 48 manschaften beinah 2tausend - an Board. Die 49 Zwischendeck-Passagiere klagten sehr, hauptsächlich 50 über die schlechte Luft, welche in den Unterräu- 51 men wäre, ich bin nur einmal unten in 52 diesen Räumen gegangen, und zwar wie 53 wir auf der Nordsee waren, also gleich nach 54 der Abfahrt von Bremerhafen - und ich war 55 froh als ich wieder oben war. Auf der Nord- 56 See konnten die Fenster noch geöffnet werden, 57 Zumal die Wellen auf der Nordsee nicht sehr 58 hoch gingen, jedoch sowie wir aus Canal in Seite 4 59 den Ocean kamen, mußten gar alle Fenster 60 fest verschlossen sein - nun Sie können es 61 sich Lebhaft denken, was für eine Luft dort 62 gewesen sein muß, wenn 15hundert Menschen 63 anfangen Seekrank zu werden und dann ge- 64 zwungen sein in solchen engen Räumen zusein. 65 Einige machten nur ihre Äußerungen, daß der 66 entgegengesetzer Platz vom Himmel nicht schlimmer 67 sein könnte als in Zwischendeck. Sieben Tote hatten 68 wir auf der ganzen Reise. Darunter 3 Kinder. 69 Als wir in New York ankamen, war es ein 70 wunderschöner Morgen und hätte ich mir die 71 Erkältung nicht zugezogen, so wären alle Leiden 72 der Seekrankheit verschwunden gewesen. Das 73 Wetter war bis jetzt immer noch als wie das 74 Frühjahr-Wetter in Deutschland, einen Ueberzieher 75 braucht man bis jetzt noch nicht, erinnere mich 76 nicht ehr einen Ueberzieher getragen zu haben. 77 als bis nach Weihnachten. 78 Während meiner Abwesenheit von 18 Monaten Seite 5 79 hat sich hier sehr vieles und manches verändert, das 80 Hauptthema ist immer noch die Ermordung von 81 President Garfield. Wie ich nach New York kam, war 82 beinah jedes Haus von oben bis unten in schwarzen 83 Floor gehüldt. u[nd] s[o] w[eiter]. In einigen Tagen soll der Prozeß 84 des Assassin In Waschington seinen Anfang nehmen, 85 welcher mit großer Spannung entgegen gesehen wird. 86 Ich werde Ihnen einige hiesige Zeitung zusenden, worin 87 die Verhandlungen verzeichnet sind. - 88 Ihre liebe Frau Gemahlin wird Lina wohl, wie damals 89 bestimmt, in Pension gebracht haben - ich habe öfters 90 gedacht - ob daß selten ausbleibende Heimweh wohl bei 91 ihr eingetreten ist - und ob sie daß weinen am Abend beim 92 Schlafen gehen - oder des Morgens beim Aufstehen erledigt 93 hat. - Ich kann von wenig in solcher persönlich mit- 94 sprechen. Doch seitdem ich wieder hier bin, möchte ich gern 95 in Deutschland sein - oder möchte oder könnte trotz der 96 grauenhaften Seekrankheit - heute nach Deutschland wieder 97 abreisen. Das Leben ist ein ganz Anderes, zwar kein 98 Vergleich mit den Western-Leben, wo H[err] Franke wohnt - doch 99 immer noch sehr abweichend von'n gemütlichen deutschen Familien- 100 Leben. Noch sehr öfters denke ich an die Stunden, welche 101 ich Minden in Ihren lieben Familien-Kreise verlebt habe; 102 und jetzt hält uns der Ocean so weit entfernt - Dieser 103 unbarmherzige Ocean nur mit Schaudern - kann ich 104 an die Oceantage zurück denken. - Ich glaube, wenn 105 dieses die liebe kleine Hennie hört wirst [!] sie wohl nicht nach 106 hier kommen wollen. Wie gefällt es soweit dann Fr[äu]l[ein] 107 Lina in ihrer neuen Situation? - Nun ich hoffe, daß 108 Sie nebst Familie in guter Gesundheit sind. - und hoffe Seite 7 109 auch daß Ihnen sonst Ihre Wiesbader Cur gut bekommen 110 ist. Es thut mir Leid, daß meine Zeit am letzten Male 111 so comprimiert war -. und wir auch so coincident 112 zusammen ankommen mußten? 113 Hat Herr Franke von sich schon wieder hören lassen? 114 Ich beinah ebensoweit von ihm entfernt als ich jetzt 115 von Deutschland bin. - 116 Ich bin mit meiner Correspondenz etwas in Rück- 117 halt gekommen - müße deßhalb diese wenigen Zeilen 118 gegenwärtig entschuldigen. Vergessen Sie nicht, mir 119 doch auch einige Zeilen Zu schreiben - ich würde mich sehr 120 freuen Zuhören wie es Ihnen und Ihrer lieben Familie 121 geht. Mit freundlichen Gruß an Frau David - und. 122 Grüßt herzlich Ihnen und Ihre liebe Familie 123 Ihr Dr. Wilhelm Thies.
Darin: Visitenkarte
Nachlasssplitter Johann Heinrich Schlamann
Akten
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.