Auf unserer Webseite werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt. Sie können die Website auch ohne diese Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Ich stimme zu“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen hier einsehen und ändern.
Jülich, Gerichte AA 0042 (Bestand)
Anmelden
Um Merklisten nutzen zu können, müssen Sie sich zunächst anmelden.
Gerichtsprotokolle der jülichschen Ämter, Prozessakten
Form und Inhalt: Vorbemerkungen zum Bestand
a) Allgemeine Hinweise zur Bestandsgeschichte
Die Überlieferung der Gerichtsprotokolle beginnt meist im 16. Jahrhundert (mit Vorakten aus dem frühen 15. Jahrhundert) und endet mit der Einführung der Friedensgerichtsbarkeit nach französischem Muster zu Beginn des Jahres 1798.
Vor allem in der Zeit nach 1648 treten immer wieder (meist) zeitlich befristete Zusammenlegungen von Gerichten auf (bspw. Kombiniertes Gericht Bergheim; Pulheim und Geyen, etc.). Das Ende der alten Justizverfassung bewirkte der Einmarsch der französischen Revolutionstruppen im Herbst 1794. Von 1794-1797 trugen die damals bestehenden lokalen Gerichte die Bezeichnung "Friedensgericht". Mit der Anweisung des Oberbefehlshabers Lazare Hoche, die alten Justizbehörden zu restituieren, nahmen diese ab dem 3. April 1797 erneut ihre Tätigkeit auf, bis sie infolge des Aufbaus einer neuen, an der allgemeinen Verwaltungseinteilung orientierten Justizverwaltung aufgehoben wurden.
Es handelt sich insgesamt um die aus der Tätigkeit der unteren landesherrlichen Gerichtsbarkeit hervorgegangenen Verfahrensakten und Protokolle der einzelnen jülichschen Ämter und Gerichte. Appellationsinstanz für diese Gerichte war das Hauptgericht Jülich, ab 1697 allerdings nur noch zuständig für die Stadt Jülich und die zugehörigen Dörfer Broich und Stetternich. Die Unterlagen ab 1697 befinden sich heute im Teilbestand Jülich, Gerichte XI d. Als Kriminalgericht blieb das Hauptgericht Jülich für die anderen jülichschen Ämter bestehen.
Die Protokolle der jülichschen Gerichte (siehe Klassifikationspunkt "Protokolle") bestehen zum einen aus Verhandlungsprotokollen, zum anderen aus sogenannten Obligations-, Kauf- und Erbungsbüchern, mitunter auch Anlagen dazu. Die Akten hingegen (siehe Klassifikationspunkt "Akten") betreffen Einzelverfahren mit den unterschiedlichsten Klagegegenständen. Daneben ist auch weiterer amtlicher Schriftverkehr des Amtmanns bzw. des Vogtes in den Bestand gelangt.
Der Bestand befand sich, wie es scheint, als er, vermutlich nach 1830, in das damalige Provinzialarchiv Düsseldorf gelangte, in einem völlig ungeordneten Zustand und stellte eher eine Sammlung loser Blätter dar als einen Verband fester Archiveinheiten. In dieser Verfassung hat der Bestand offenbar bis 1913 gelegen. In diesem Jahr begann der Archivar Croon, die Gerichtsbücher (Protokolle) der Jülicher Gerichte zu verzeichnen, konnte die Arbeit aber nicht zu Ende führen. 1915 nahm sich Friedrich Lau des Bestandes an, beschränkte sich aber in der Hauptsache darauf, die losen Unterlagen nach dem sogenannten Provenienzprinzip ämterweise zu sortieren bzw. einzelne Archiveinheiten zu formieren, ohne daß es zur Bildung von Aktentiteln und zur Erstellung eines Repertoriums kam. 1921 führte Bernhard Vollmer die von Croon begonnene Erfassung der Gerichtsprotokolle fort. Bis 1925 verzeichnete er die Protokolle aller Jülicher Ämter, soweit sie erhalten waren. Bei den Akten gelang es ihm jedoch nur, die Überlieferung aus den Ämtern Born-Millen, Boslar, Brüggen und Düren, zu einem geringen Teil auch Geilenkirchen, zu bearbeiten, indem er einzelne Faszikel bildete, sie in Umschläge, u. a. aus preußischen Justizakten, packte, auf denen Aktentitel, Laufzeit und Provenienz (z. B. "Amtsverhör Boslar") vermerkt wurden. Die so gebildeten Faszikel faßte er in einem Repertorium zusammen (bis auf Amt Geilenkirchen). Versendungen und andere Anlässe führten dazu, daß z. B. in den 1930er Jahren die eine oder andere Akte geheftet wurde und einen festen Einband erhielt. Als das Hauptstaatsarchiv 1975 einen Neubau (Mauerstr. 55 in Düsseldorf) bezog, verpackte man bei der Umlagerung die bisher zusammengeschnürten oder lose liegenden Akten in Archivkartons. Nach dem Umzug begann Hans Schmitz, die losen Einzelblätter der Gerichtsakten des Amtes Wilhelmstein zu Archiveinheiten zu formieren und zu verzeichnen, konnte aber seine Arbeit nicht beenden. Die Archivreferendare der Kurse 1975-1977 und 1989-1991 verzeichneten lose Blätter des Amtes Geilenkirchen. Weitere Verzeichnungsarbeiten an den Akten der Ämter Geilenkirchen und Wilhelmstein erfolgten durch Praktikantinnen in den Jahren 2009 und 2014.
Zwischen 1930 und 1938 erhielt der Bestand die an den Ämtern und Rechtsbezirken orientierte Signatur. Eine größere Anzahl von Akten gehörte zu den Kahnakten ("Main 68"), die in einigen Fällen ab den 1960er Jahren, meist jedoch erst in den späten 1980er Jahren restauriert wurden. Zwischen 1987 und 1989 wurde von Dr. Heike Preuß eine Revision vorgenommen. Nachdem der Bestand geteilt wurde in A. Protokolle und B. Akten, wurde im November / Dezember 2008 der Bestand A. Protokolle durch Andreas Becker M. A. nach numerus currens umsigniert.
Vorläufige Beobachtungen zur Häufigkeit der Verfahrensgegenstände:
1. Am häufigsten sind Grundstückssachen, Käufe, Verkäufe, Pfändungen und Verpfändungen, Schuldforderungen, Obligationen;
2. Erbstreitigkeiten sowie Erbschaftsregelungen überhaupt;
3. dazu gehören in gewissem Sinn auch die Testaments- und Vormundschaftssachen;
4. geht es um Diebstahl, vor allem von Pferden, Beleidigungen, Körperverletzung, z. T. mit Todesfolge (es haben offenbar häufig Gasthausschlägereien stattgefunden) sowie tätliche Angriffe einschließlich Mißhandlungen. Interessant dürften dabei Arzthonorare sein, sowie Klagen wegen unerlaubter chirurgischer Behandlung;
5. in Wirtschaftssachen sind noch interessant die Klagen wegen Lohnfestsetzung und Lohnforderung, die Klagen wegen Holzfrevels, Steuersachen;
6. desgleichen die gegen Ende des 18. Jahrhunderts sich häufenden Klagen von Frauen wegen Schwangerschaft, Brüche des Eheversprechens, Vaterschaft;
7. Namenslisten sind in ihrer Ortsbezogenheit eine Fundgrube für Genealogen.
b) Verweise auf andere Archive und Literatur
Eine größere Anzahl von parallelen und komplementären Überlieferung weist Tille nach. Die entsprechenden Bemerkungen finden sich im Alt-Findbuch und in der Datenbank VERA.
Die Protokolle des Hauptgerichts Sittard befinden sich nicht mehr im Bestand, sondern sind 1926 an die Niederlande (Rijksarchief Maastricht) abgegeben worden (Altsignaturen Jülich, Gerichte II, Hauptgericht Sittard 38-64).
Die im Findbuch aufgeführten Altsignaturen Jülich, Gerichte XI e 135 bis 139 (Findbuch S. 30) sind in den Bestand Herrschaft Stolberg Nr. 1 bis 5 umgelegt worden. Im Findbuch findet sich der zusätzliche Vermerk "Protokolle 1723-1753, 1763 im Stadtarchiv Düren, cf. Annalen [des Historischen Vereins für den Niederrhein] 64, 461".
Ebenfalls umgelegt wurde das Gerichtsprotokollbuch des Gerichts der Herrschaft Warden von 1707-1783 (Altsignatur: Jülich, Gerichte XI e 140). Es befindet sich bereits seit Mitte des 20. Jh.s im Bestand Herrschaft Warden 15.
Zur Herrschaft Laurensberg 1575-1617 siehe KPA Laurensberg (Tille II 32).
Amt Remagen-Sinzig: Gerichtsbücher von Oberwinter 1744-1768 (1 Bd.) und Sinzig 1756-1787 (2 Bde.) im Stadtarchiv Bonn (Nachrichtenblatt für rheinische Heimatpflege II, 291).
Akten im Stadtarchiv Sinzig (Tille V 140 nr. 1)
Amt Tomberg: Akten des Amtmanns im Archiv Eicks (Tille III 30 nr. 142, 145).
Oberdrees (A. Kr. Euskirchen): Rodderbuch 1650, Hofgericht 1674-1743 (unvollständig) in der Sammlung Hauptmann-Bonn (Tille I 147).
Oberkastenholz: Pr. u. EB 1568-1632 1896 im Besitz von Agnes Fritz zu Niederkastenholz (Tille I 200).
c) Hinweise aus dem Altfindbuch 120.20.02 ”Jülich, Gerichte: Akten der Ämter Born und Millen, Boslar, Brüggen und Düren“
Repertorium der beim Oberprokurator in Köln liegenden Amtsakten von Grevenbroich, Kaster, Brüggen 1829/1832 s. Regierung Düsseldorf Nr. 17972.
Verzeichnis der Prozessakten der Ämter Brüggen und Dahlen von 1829 in Regierung Düsseldorf Nr. 17972.
Gemeindebuch von Bracht, (1635-) 1654-1764 (-1843):
Band von 183 Blättern, Papier, in Pappeinband mit zerissenem Pergamentüberzug, im Besitz der Amtsverwaltung Bracht.
Titel: "Specificatio und memorialpuncten sowas dorff und keirßpel Bracht unumbgenglich mußen bezahlen" (geschrieben um 1680, bezieht sich speziell auf Seite 166):
fol. 4-52: Kauf- und Obligationsbuch des Gerichts Bracht, 1654-1685;
fol. 56' - 57: Kauf- und Obligationsbuch des Gerichts Bracht, 1729;
fol. 53: Extrakt aus dem Hauptrezeß Düsseldorf, den 5. November 1672;
fol. 52', 53', 54-56, 58-69: Gemeinde- und Pfarrchronik (mit Urkunden über Pfarrbesetzung und Kirchenreparaturen) 1703-1740;
fol. 70-71: Übertragung von Gemeindeland an Arme 1826-1829;
fol. 152-153: Gemeindeschuldenwesen 1733-1738;
fol. 164: Gemeindeland 1704;
fol. 166-172: Gemeindeschuldenwesen 1682-1685 (darunter Kriegslasten 1635-1636);
fol. 173'-174: Polizeiliches Vorgehen gegen Verletzung einer Gemeindegerechtsame 1764;
fol. 175-176, 182: Gemeindechronik, Gemeindelasten und Schulden 1676-1680;
fol. 177: Grenz- und Berechtigungsvergleich zwischen den Herren von Gesell, Belfet und Lohe sowie den Gemeinden Kaldenkirchen und Bracht um 1680. Beurkundet von Amtmann und Vogt des Amtes Brüggen;
fol. 178: Beschreibung der Grenzen der Gerechtigtkeit des "Komerschlages" um 1680;
fol. 178: Verzeichnis der Gemeindewege um 1680 (mit Nachtrag 1843);
fol. 180: Ländereien des St. Nicolas und Anna-Altars 1810.
Akten des Amtes Brüggen 1927 im Besitz des Dr. med. Hommelsheim in Köln, Hohenzollernring 5, s. Rep. Reg. A 7 a I 104.
Im Speeschen Archiv zu Heltorf N 2, 251: Die dem Amtmann zustehenden Benden und Weiher, 17. Jh. -
Weiteres ebd. M 1:
1,1: Schenkungen an die Kirchen in Brüggen und Brüchten 1695 u. 1700;
1,4: Amtsgehalt f. Christian Fr. Freih. von Spee 17. Jh.;
1,6: betr. Gut Rade zu Waldniel 149x Nov. 29;
1,7: Mühle in Ro. 1651 20/3;
1-8: Verkauf von Gemeindegründen in Dilkrath, An St. Anton, Waldniel, Kaldenkirchen, ...gelen 16./17. Jh.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.