Guts- u. Familienarchiv v. Münchhausen, Rinteln (Bestand)
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NLA BU, D 10
Nds. Landesarchiv, Abt. Bückeburg (Archivtektonik) >> Gliederung >> 2 Nichtstaatliche Bestände >> 2.1 Adels- und Gutsarchive
1501-1900
Bestandsgeschichte: Archivgeschichte. Im Juli 1965 übernahm das Staatsarchiv die im Stadtarchiv Rinteln deponierten Reste des ehemaligen münchhausenschen Gutarchivs in Rinteln: Urkunden und 46 Fach Akten sowie einige Karten. Sie wurden Eigentum des Staatsarchivs.
Die Geschichte des Gutsarchivs ist eine höchst unerfreuliche und Symbol für den Niedergang einer Adelsfamilie.
Im 18. Jahrhundert hat ein Professor Bucher ein Repertorium angelegt. Kurz vor 1850 verzeichnete der Obergerichtsrepositar Sopp aus Rinteln das Gutsarchiv in Rinteln, wie aus den Signaturen auf den noch erhaltenen Aktendeckeln zu erkennen ist. Sopp hatte bereits vorher (?) in den Jahren 1844 - 1845 - die Münchhausen - Archive Hessisch Oldendorf und Rinteln inventarisiert (vgl. das Vorwort zu Depos. 6 GH), hier wie dort mit einer gewissen Flüchtigkeit.
Wie aus einer Korrespondenz im Gutsarchiv Hessisch Oldendorf (Depos. 6 GH) hervorgeht, soll der braunschweigische Kammersekretär Bernstorff um 1900 in Brauchschweig auch das Archiv Rinteln verzeichnet haben.
Als dann nach 1933 die SA in Rinteln das "Archivhäuschen" auf dem Gutshof in der Ritterstrasse zu ihrem Versammlungslokal wählte, begann die Leidenszeit des Archivs. Es wurde umlagert, z.T. vermutlich in eine Gutsscheune gepackt; ein anderer Teil soll "unter der Treppe" im Wohnhaus gelegen haben, als der derzeitige Stadtarchivar Dr. Feige um 1950 herum die stark vermoderten Reste des Archivs barg und mit Einwilligung von Frau v. Platen, geb. v. Münchhausen, als Depositum in das Ratsarchiv übernahm. Ein Vertrag darüber scheint wegen des mangelnden Interesses der Eigentümer nicht angefertigt worden zu sein. Wie Frau v. Platen sich deutlich zu erinnern glaubt, ist im Kriege ein Teil des Archivs- vermutlich alle - den Obristen Hilmar betr. Sachen - in das Staatsarchiv Hannover gelangt und dann i. J. 1943 verbrannt. Es fällt jedenfalls auf, dass sich unter den in
Bestandsgeschichte: das Staatsarchiv gelangten Archivalien keine Korrespondenzen Hilmars und auch keine Bestallungsurkunden des genannten befinden.
Die Archivalien, die der 1945 verst. Studiendirektor Ande vor dem 2. Weltkrieg z.T. noch geordnet hatte, lagen nun nach 1950 im Stadtarchiv. Irgendwelche Ordnungs- und Entfeuchtungsarbeiten wurden nicht unternommen.
Inhalt und Umfang des Bestandes
.
Der Aktenbestand umfaßt jetzt 44 Fach. Ca. 1 1/2 Fach wurden wegen völliger innerer Zerstörung bzw. wegen mangelnder Archivwürdigkeit kassiert.
Wie aus den vorhandenen Aktendeckeln und dem von Sopp für Oldendorf und Lauenau in gleicher Weise angefertigten Sachschema zu ersehen ist, dürfte das Archiv vor seiner Verwahrlosung bzw. Überführung nach Hannover etwa doppelt so groß gewesen sein. Einige Sachgruppen sind stark dezimiert, so vor allem die wichtigsten Abteilungen A und B, die vermutlich beide zahlreiche Korrespondenzakten enthalten haben. Dagegen scheinen die Abteilungen K (Prozesse) und M (Rechnungen) noch mit am wenigsten Verluste aufzuweisen.
In dem Bestande befinden sich - trotz aller Verluste immer noch wertvolle Akten. Besonders seien erwähnt die Finanzsachen des Statius v. Münchhausen, der in seinen Konkurs den ganzen niedersächsischen Adel hineingerissen haben soll. Erwähnt seien auch die zahlreichen auf Bodenwerder bezüglichen Schriftstücke, vor allem aus der Zeit des Hieronymus Carl Friedrich v. Münchhausen (+ 1797). Die Güter Rinteln und Bodenwerder befanden sich bekanntlich zeitweise in einer Hand. Immer aber gehörten sie einer Untergruppe der "Schwarzen Linie". Bei verschiedenen Stücken ist die Provenienz Bodenwerder ganz eindeutig. Damit sind von dem Gutsarchiv Bodenwerder also auch in diesem Bestand Reste erhalten geblieben (vgl. Depos. 3 F X). Auch einige Akten betr. die Samtfamilie ("Schwarze Linie") sind vorhanden.
Ordnungsarbeiten. Nachdem die
Bestandsgeschichte: Restaurierungswerkstatt etwa ein Drittel der 44 Fach instandgesetzt hatte, konnte der Unterzeichnete - 6 Wochen vor seiner Versetzung - mit den Arbeiten an dem völligen durcheinander geratenen, vermoderten und verdreckten Bestand beginnen. In Anbetracht der Kürze der Zeit mußte die Verzeichnung oberflächlich bleiben, besonders was die Datierungen anbetrifft. Viele Stücke müßten unbedingt noch restauriert werden, ehe sie völlig zuerfallen.
Bückeburg, den 29. Oktober 1965
gez.
Bestandsgeschichte: Schaer
Zusatzinformationen: Abgeschlossen: Ja
Zusatzinformationen: abgeschlossen
Die Geschichte des Gutsarchivs ist eine höchst unerfreuliche und Symbol für den Niedergang einer Adelsfamilie.
Im 18. Jahrhundert hat ein Professor Bucher ein Repertorium angelegt. Kurz vor 1850 verzeichnete der Obergerichtsrepositar Sopp aus Rinteln das Gutsarchiv in Rinteln, wie aus den Signaturen auf den noch erhaltenen Aktendeckeln zu erkennen ist. Sopp hatte bereits vorher (?) in den Jahren 1844 - 1845 - die Münchhausen - Archive Hessisch Oldendorf und Rinteln inventarisiert (vgl. das Vorwort zu Depos. 6 GH), hier wie dort mit einer gewissen Flüchtigkeit.
Wie aus einer Korrespondenz im Gutsarchiv Hessisch Oldendorf (Depos. 6 GH) hervorgeht, soll der braunschweigische Kammersekretär Bernstorff um 1900 in Brauchschweig auch das Archiv Rinteln verzeichnet haben.
Als dann nach 1933 die SA in Rinteln das "Archivhäuschen" auf dem Gutshof in der Ritterstrasse zu ihrem Versammlungslokal wählte, begann die Leidenszeit des Archivs. Es wurde umlagert, z.T. vermutlich in eine Gutsscheune gepackt; ein anderer Teil soll "unter der Treppe" im Wohnhaus gelegen haben, als der derzeitige Stadtarchivar Dr. Feige um 1950 herum die stark vermoderten Reste des Archivs barg und mit Einwilligung von Frau v. Platen, geb. v. Münchhausen, als Depositum in das Ratsarchiv übernahm. Ein Vertrag darüber scheint wegen des mangelnden Interesses der Eigentümer nicht angefertigt worden zu sein. Wie Frau v. Platen sich deutlich zu erinnern glaubt, ist im Kriege ein Teil des Archivs- vermutlich alle - den Obristen Hilmar betr. Sachen - in das Staatsarchiv Hannover gelangt und dann i. J. 1943 verbrannt. Es fällt jedenfalls auf, dass sich unter den in
Bestandsgeschichte: das Staatsarchiv gelangten Archivalien keine Korrespondenzen Hilmars und auch keine Bestallungsurkunden des genannten befinden.
Die Archivalien, die der 1945 verst. Studiendirektor Ande vor dem 2. Weltkrieg z.T. noch geordnet hatte, lagen nun nach 1950 im Stadtarchiv. Irgendwelche Ordnungs- und Entfeuchtungsarbeiten wurden nicht unternommen.
Inhalt und Umfang des Bestandes
.
Der Aktenbestand umfaßt jetzt 44 Fach. Ca. 1 1/2 Fach wurden wegen völliger innerer Zerstörung bzw. wegen mangelnder Archivwürdigkeit kassiert.
Wie aus den vorhandenen Aktendeckeln und dem von Sopp für Oldendorf und Lauenau in gleicher Weise angefertigten Sachschema zu ersehen ist, dürfte das Archiv vor seiner Verwahrlosung bzw. Überführung nach Hannover etwa doppelt so groß gewesen sein. Einige Sachgruppen sind stark dezimiert, so vor allem die wichtigsten Abteilungen A und B, die vermutlich beide zahlreiche Korrespondenzakten enthalten haben. Dagegen scheinen die Abteilungen K (Prozesse) und M (Rechnungen) noch mit am wenigsten Verluste aufzuweisen.
In dem Bestande befinden sich - trotz aller Verluste immer noch wertvolle Akten. Besonders seien erwähnt die Finanzsachen des Statius v. Münchhausen, der in seinen Konkurs den ganzen niedersächsischen Adel hineingerissen haben soll. Erwähnt seien auch die zahlreichen auf Bodenwerder bezüglichen Schriftstücke, vor allem aus der Zeit des Hieronymus Carl Friedrich v. Münchhausen (+ 1797). Die Güter Rinteln und Bodenwerder befanden sich bekanntlich zeitweise in einer Hand. Immer aber gehörten sie einer Untergruppe der "Schwarzen Linie". Bei verschiedenen Stücken ist die Provenienz Bodenwerder ganz eindeutig. Damit sind von dem Gutsarchiv Bodenwerder also auch in diesem Bestand Reste erhalten geblieben (vgl. Depos. 3 F X). Auch einige Akten betr. die Samtfamilie ("Schwarze Linie") sind vorhanden.
Ordnungsarbeiten. Nachdem die
Bestandsgeschichte: Restaurierungswerkstatt etwa ein Drittel der 44 Fach instandgesetzt hatte, konnte der Unterzeichnete - 6 Wochen vor seiner Versetzung - mit den Arbeiten an dem völligen durcheinander geratenen, vermoderten und verdreckten Bestand beginnen. In Anbetracht der Kürze der Zeit mußte die Verzeichnung oberflächlich bleiben, besonders was die Datierungen anbetrifft. Viele Stücke müßten unbedingt noch restauriert werden, ehe sie völlig zuerfallen.
Bückeburg, den 29. Oktober 1965
gez.
Bestandsgeschichte: Schaer
Zusatzinformationen: Abgeschlossen: Ja
Zusatzinformationen: abgeschlossen
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
16.06.2025, 11:33 MESZ