Johannes-Wagner-Schule Nürtingen (staatliche Schule für Hörgeschädigte und Sprachbehinderte) (Bestand)
Show full title
Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, FL 240/4 I
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik) >> Untere Verwaltungsbehörden seit um 1945 >> Geschäftsbereich Kultusministerium >> Schulen
1844-2014
Inhalt und Bewertung
1823 wurde in Gmünd die erste württembergische Taubstummenanstalt eingerichtet. Im Jahr 1843 wurde in Nürtingen ein Lehrerseminar gegründet, dem zum 1. November 1846 eine Taubstummenanstalt angegliedert wurde, um nach den Überlegungen des Direktors Theodor Eisenlohr den Seminaristen auch die Unterrichtspraxis bei taubstummen Kindern zu ermöglichen. Die Betreuung von zunächst "5 Knaben evangelischer Konfession" im schulischen (Unterricht der Schüler, Lehrproben der Seminaristen) und alltäglichen Bereich (Unterbringung, Versorgung, außerschulische Betreuung) übernahm der bisher in Zürich tätige 23-jährige Wilhelm Hirzel. Die Leitung und Vorstandschaft der Anstalt lag, wie dies auch in anderen Seminaren mit Taubstummenanstalt geregelt war, beim jeweiligen Rektor des Seminars. In den frühen Jahren waren dies die Herren Eisenlohr, Pfisterer, Gundert und Beckh.
Eine Besonderheit war ab 1853 das Externat, d.h. die Unterbringung der hörgeschädigten Kinder in ortsansässigen Familien, den sog. Pflegehäusern. Durch die Trennung von Schul- und Wohnräumen konnten nun auch Mädchen zum Unterricht zugelassen werden. Diese Form der Unterbringung in Pflegefamilien bestand bis 1985.
Im Jahr 1893 endete die räumliche Verbindung zwischen dem Seminar und der stetig angewachsenen Taubstummenschule. Während das Seminar im Areal der heutigen Fachhochschule verblieb, konnte die bisher im Gebäude links des Torbogens gelegene Taubstummenschule einen Neubau auf dem Gelände des heutigen Amtsgerichts Ecke Neuffener- und Steinengrabenstraße beziehen.
Elementar für die künftige Orientierung der Schule war die Erkenntnis des Lehrers Johannes Wagner über die unterschiedlichen Erfordernisse beim Unterricht taubstummer Kinder und solcher mit einem Resthörvermögen, welches durch besondere Lehrmethoden zu fördern war. Er richtete daher im Jahr 1902 die landesweit erste "Hörklasse" ein. Gleichzeitig kam das von ihm entwickelte Schlauchhörrohr zum Einsatz. 1918 wurde Johannes Wagner zum Direktor in Nürtingen ernannt und ab 1920 wurde die Schule von der Taubstummen- zur Schwerhörigen-Schule umgewidmet, d.h. es wurden nur noch Kinder mit einem gewissen Resthörvermögen aufgenommen. Volltaube Schüler wurden in Bönnigheim und Gmünd beschult. Seit 1986 trägt die Nürtinger Schule den Namen ihres Lehrers Johannes Wagner. Die politische Situation nach 1933 und insbesondere die Umsetzung des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" traf auch die (ehemaligen) Schüler der Schwerhörigen-Schule in Nürtingen. Unterlagen hierzu finden sich einerseits im Kapitel 1.4.8 Erbgesundheitsgesetz, andererseits in den Schüleraktenserien.
Die ständigen Bemühungen um die finanzielle Absicherung, Unterbringung und Versorgung der Kinder ziehen sich seit der Anstaltsgründung durch die Schülergenerationen hindurch. Gleichzeitig kann die kontinuierliche Entwicklung von der ursprünglichen Taubstummenanstalt zu einer modernen Einrichtung mit Internat, Realschule und Kleinkinderbetreuung, anhand der gesamten Überlieferung ebenso anschaulich verfolgt werden, wie grundlegende Neuerungen in den sonderpädagogischen Unterrichtsmethoden. Das Kapitel 1.1.5 Schulchronik, Jubiläen enthält Berichte, Chroniken und sonstige Aufzeichnungen, die den Weg der Johannes-Wagner-Schule - seit 1970 auf einem eigenen Schulcampus in der Braike - über das 150-jährige Jubiläum hinaus belegen.
Die Unterlagen der Taubstummenanstalt Nagold, die dem dortigen Lehrerseminar angeschlossen war, runden den Nürtinger Archivbestand für den Zeitraum von 1887 bis zur Vereinigung im Jahr 1911 zusätzlich ab.
Eine weitere Ergänzung bildet Kapitel 3 mit einer Sammlung der Sonderschullehrerin Annelie Williams, u.a. zur Tätigkeit des Sonderpädagogischen Dienstes (Kooperation zwischen Sonderschulen und allgemeinbildenden Schulen).
Neben dem Archivgut enthielten die Ablieferungen der Johannes-Wagner-Schule Nürtingen auch umfangreiche Fachliteratur aus der Schulbibliothek und dem Handapparat der Schulleitung. Bis auf die in Kapitel 4 aufgeführten Bücher und sonstigen Publikationen wurde das abgegebene Bibliotheksgut der Dienstbibliothek des Staatsarchivs Ludwigsburg zugewiesen.
Im jahr 2021 kamen durch eine Schenkung Annelie Williams' weitere Druckschriften zum Bestand hinzu. Hierbei handelte es sich vor allem um Tagungsberichte und -publikationen sowie z.B. um Ratgeber für Eltern zum Umgangg mit sonderpädagogisch betreuten Kindern aus dem Zeitraum der 1980er-Jahre. Ein Teil dieses Zugangs wurde ebenfalls wieder der Dienstbibliothek des Staatsarchivs Ludwigsburg zugewiesen.
Der Bestand FL 240/4 I umfasst 589 Büschel und 2 gerahmte Fahnen, die von 2013 bis 2021 in mehreren Zugängen an das Staatsarchiv Ludwigsburg abgegeben wurden. Er wurde in den Jahren 2014 und 2021 von den Unterzeichnenden bearbeitet.
Regina Schneider
Vincent Lenk Erweiterung 2016
Der Bestand wurde um digitale audiovisuelle Quellen und ein digitales Schulportfolio ergänzt. Näheres in DO 378 dieses Bestands.
Dr. Kai Naumann
1823 wurde in Gmünd die erste württembergische Taubstummenanstalt eingerichtet. Im Jahr 1843 wurde in Nürtingen ein Lehrerseminar gegründet, dem zum 1. November 1846 eine Taubstummenanstalt angegliedert wurde, um nach den Überlegungen des Direktors Theodor Eisenlohr den Seminaristen auch die Unterrichtspraxis bei taubstummen Kindern zu ermöglichen. Die Betreuung von zunächst "5 Knaben evangelischer Konfession" im schulischen (Unterricht der Schüler, Lehrproben der Seminaristen) und alltäglichen Bereich (Unterbringung, Versorgung, außerschulische Betreuung) übernahm der bisher in Zürich tätige 23-jährige Wilhelm Hirzel. Die Leitung und Vorstandschaft der Anstalt lag, wie dies auch in anderen Seminaren mit Taubstummenanstalt geregelt war, beim jeweiligen Rektor des Seminars. In den frühen Jahren waren dies die Herren Eisenlohr, Pfisterer, Gundert und Beckh.
Eine Besonderheit war ab 1853 das Externat, d.h. die Unterbringung der hörgeschädigten Kinder in ortsansässigen Familien, den sog. Pflegehäusern. Durch die Trennung von Schul- und Wohnräumen konnten nun auch Mädchen zum Unterricht zugelassen werden. Diese Form der Unterbringung in Pflegefamilien bestand bis 1985.
Im Jahr 1893 endete die räumliche Verbindung zwischen dem Seminar und der stetig angewachsenen Taubstummenschule. Während das Seminar im Areal der heutigen Fachhochschule verblieb, konnte die bisher im Gebäude links des Torbogens gelegene Taubstummenschule einen Neubau auf dem Gelände des heutigen Amtsgerichts Ecke Neuffener- und Steinengrabenstraße beziehen.
Elementar für die künftige Orientierung der Schule war die Erkenntnis des Lehrers Johannes Wagner über die unterschiedlichen Erfordernisse beim Unterricht taubstummer Kinder und solcher mit einem Resthörvermögen, welches durch besondere Lehrmethoden zu fördern war. Er richtete daher im Jahr 1902 die landesweit erste "Hörklasse" ein. Gleichzeitig kam das von ihm entwickelte Schlauchhörrohr zum Einsatz. 1918 wurde Johannes Wagner zum Direktor in Nürtingen ernannt und ab 1920 wurde die Schule von der Taubstummen- zur Schwerhörigen-Schule umgewidmet, d.h. es wurden nur noch Kinder mit einem gewissen Resthörvermögen aufgenommen. Volltaube Schüler wurden in Bönnigheim und Gmünd beschult. Seit 1986 trägt die Nürtinger Schule den Namen ihres Lehrers Johannes Wagner. Die politische Situation nach 1933 und insbesondere die Umsetzung des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" traf auch die (ehemaligen) Schüler der Schwerhörigen-Schule in Nürtingen. Unterlagen hierzu finden sich einerseits im Kapitel 1.4.8 Erbgesundheitsgesetz, andererseits in den Schüleraktenserien.
Die ständigen Bemühungen um die finanzielle Absicherung, Unterbringung und Versorgung der Kinder ziehen sich seit der Anstaltsgründung durch die Schülergenerationen hindurch. Gleichzeitig kann die kontinuierliche Entwicklung von der ursprünglichen Taubstummenanstalt zu einer modernen Einrichtung mit Internat, Realschule und Kleinkinderbetreuung, anhand der gesamten Überlieferung ebenso anschaulich verfolgt werden, wie grundlegende Neuerungen in den sonderpädagogischen Unterrichtsmethoden. Das Kapitel 1.1.5 Schulchronik, Jubiläen enthält Berichte, Chroniken und sonstige Aufzeichnungen, die den Weg der Johannes-Wagner-Schule - seit 1970 auf einem eigenen Schulcampus in der Braike - über das 150-jährige Jubiläum hinaus belegen.
Die Unterlagen der Taubstummenanstalt Nagold, die dem dortigen Lehrerseminar angeschlossen war, runden den Nürtinger Archivbestand für den Zeitraum von 1887 bis zur Vereinigung im Jahr 1911 zusätzlich ab.
Eine weitere Ergänzung bildet Kapitel 3 mit einer Sammlung der Sonderschullehrerin Annelie Williams, u.a. zur Tätigkeit des Sonderpädagogischen Dienstes (Kooperation zwischen Sonderschulen und allgemeinbildenden Schulen).
Neben dem Archivgut enthielten die Ablieferungen der Johannes-Wagner-Schule Nürtingen auch umfangreiche Fachliteratur aus der Schulbibliothek und dem Handapparat der Schulleitung. Bis auf die in Kapitel 4 aufgeführten Bücher und sonstigen Publikationen wurde das abgegebene Bibliotheksgut der Dienstbibliothek des Staatsarchivs Ludwigsburg zugewiesen.
Im jahr 2021 kamen durch eine Schenkung Annelie Williams' weitere Druckschriften zum Bestand hinzu. Hierbei handelte es sich vor allem um Tagungsberichte und -publikationen sowie z.B. um Ratgeber für Eltern zum Umgangg mit sonderpädagogisch betreuten Kindern aus dem Zeitraum der 1980er-Jahre. Ein Teil dieses Zugangs wurde ebenfalls wieder der Dienstbibliothek des Staatsarchivs Ludwigsburg zugewiesen.
Der Bestand FL 240/4 I umfasst 589 Büschel und 2 gerahmte Fahnen, die von 2013 bis 2021 in mehreren Zugängen an das Staatsarchiv Ludwigsburg abgegeben wurden. Er wurde in den Jahren 2014 und 2021 von den Unterzeichnenden bearbeitet.
Regina Schneider
Vincent Lenk Erweiterung 2016
Der Bestand wurde um digitale audiovisuelle Quellen und ein digitales Schulportfolio ergänzt. Näheres in DO 378 dieses Bestands.
Dr. Kai Naumann
574 Akten (5,6 lfd. m), 378 digitale Objekte
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
13.11.2025, 2:40 PM CET
Hierarchy
Hierarchy detail view
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg (Archivtektonik)
- Untere Verwaltungsbehörden seit um 1945 (Archival tectonics)
- Geschäftsbereich Kultusministerium (Archival tectonics)
- Schulen (Archival tectonics)
- Johannes-Wagner-Schule Nürtingen (staatliche Schule für Hörgeschädigte und Sprachbehinderte) (Archival holding)