Landeskirchliche Einrichtungen: Wilhelmsfeld - August-Winnig-Haus (Bestand)
Vollständigen Titel anzeigen
120.06.
Landeskirchliches Archiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Landeskirchliche Ämter, Einrichtungen und Dienste >> Landeskirchliche Einrichtungen
Geschichte des August-Winnig-Hauses Wilhelmsfeld
Mitte der 1930er Jahre entstand in Wilhelmsfeld im Bereich der Erlbrunner Höhe ein Erholungs- und Familienheim für evangelische Geistliche und ihre Angehörigen. Ziel der Gründer war es außerdem, Theologen und Studenten einen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem freier Gedankenaustausch zwischen Lehrenden und Lernenden möglich sein sollte. Der Träger des Heimes, das 1935 fertiggestellt wurde, war der Verein "Evangelisches Theologenheim Wilhelmsfeld", der auf Initiative des Heidelberger Theologenverbandes entstanden war. Die Finanzierung erfolgte durch den Dekan der theologischen Fakultät Heidelberg, Professor Dr. Jelke, der zugleich die Leitung des Heims übernahm. Nach seiner Fertigstellung verfügte das Haus über 15 Zimmer mit insgesamt 40 Betten. Bereits 1936 wurde das Heim zweckentfremdet und als Schulungslager des NS-Lehrerbund genutzt, der dort 10 - 14-tägige Kurse veranstaltete. In dieser Zeit war die Heimleitung darum bemüht, sich eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren, musste sich jedoch zugleich mit den Nationalsozialisten arrangieren. Dekan Jelke sah sich beispielsweise gezwungen, ein Mitglied der NSDAP, "einen alten Parteigenossen" (Gomille 2004:226) zum Heimleiter zu machen. Die Aktivitäten im Tagungsheim sowie die verschiedenen Gruppen von Gästen standen unter permanenter Beobachtung der NSDAP und der Gestapo. Während des Zweiten Weltkriegs sprach die Kreisleitung der NSDAP schließlich das Theologenheim der IG-Farben (BASF) für kriegswichtige Zwecke zu.
Nach Kriegsende belegten zunächst amerikanische Truppen das Tagungsheim. Ab November 1945 wurden Ostflüchtlinge dort untergebracht. Erst 1952 erwirkte der Wilhelmsfelder Pfarrer Gottlob Weber, dass das Haus wieder als kirchliches Tagungsheim genutzt werden konnte. Der Verein "Evangelisches Theologenheim Wilhelmsfeld e.V." übereignete es der Badischen Landeskirche und löste sich auf. Die Renovierung erfolgte durch den neuen Träger, der es anschließend der evangelischen Studentengemeinde Heidelberg zur Verfügung stellte. Seit 1955 fanden dort zur besseren Ausnutzung auch Tagungen des Männer- und Arbeiterwerks statt. In dieser Zeit wurde das Theologenheim in August-Winnig-Haus umbenannt, nach dem Schriftsteller und Politiker August Winnig (1878 -1956), der 1919/20 Oberpräsident von Ostpreußen war und in seinen autobiographischen Schriften von seiner persönlichen Entwicklung vom Marxisten zum Christen berichtet. Das Haus erlebte eine Blütezeit. Es fanden dort Tagungen zu unterschiedlichsten Themen statt, viele Berufsgruppen, Institutionen und Behörden zählten zu den Gästen. Zum Programm gehörten auch Familienerholung und Freizeiten für Ältere. Die gute Auslastung machte 1961 einen größeren Neubau und eine erneute Erweiterung 1973 erforderlich.
In den 1980er Jahren fand eine allmähliche Aufwertung anderer landeskirchlicher Tagungszentren statt, die sich auf den Betrieb des August-Winnig-Hauses nachteilig auswirkte. Der Oberkirchenrat beschloss 1985 das Haus zu schließen. Zwischen 1989 und 1994 wurde es noch einmal zur Unterbringung von Flüchtlingen aus Osteuropa genutzt. 1999 beschloss der Gemeinderat in Wilhelmsfeld, die leer stehenden Gebäude abzureißen, um an gleicher Stelle einen Neubau für betreutes Wohnen zu errichten.
Johanna Schauer-Henrich, M.A. (Juni 2014)
Mitte der 1930er Jahre entstand in Wilhelmsfeld im Bereich der Erlbrunner Höhe ein Erholungs- und Familienheim für evangelische Geistliche und ihre Angehörigen. Ziel der Gründer war es außerdem, Theologen und Studenten einen Ort zur Verfügung zu stellen, an dem freier Gedankenaustausch zwischen Lehrenden und Lernenden möglich sein sollte. Der Träger des Heimes, das 1935 fertiggestellt wurde, war der Verein "Evangelisches Theologenheim Wilhelmsfeld", der auf Initiative des Heidelberger Theologenverbandes entstanden war. Die Finanzierung erfolgte durch den Dekan der theologischen Fakultät Heidelberg, Professor Dr. Jelke, der zugleich die Leitung des Heims übernahm. Nach seiner Fertigstellung verfügte das Haus über 15 Zimmer mit insgesamt 40 Betten. Bereits 1936 wurde das Heim zweckentfremdet und als Schulungslager des NS-Lehrerbund genutzt, der dort 10 - 14-tägige Kurse veranstaltete. In dieser Zeit war die Heimleitung darum bemüht, sich eine gewisse Unabhängigkeit zu bewahren, musste sich jedoch zugleich mit den Nationalsozialisten arrangieren. Dekan Jelke sah sich beispielsweise gezwungen, ein Mitglied der NSDAP, "einen alten Parteigenossen" (Gomille 2004:226) zum Heimleiter zu machen. Die Aktivitäten im Tagungsheim sowie die verschiedenen Gruppen von Gästen standen unter permanenter Beobachtung der NSDAP und der Gestapo. Während des Zweiten Weltkriegs sprach die Kreisleitung der NSDAP schließlich das Theologenheim der IG-Farben (BASF) für kriegswichtige Zwecke zu.
Nach Kriegsende belegten zunächst amerikanische Truppen das Tagungsheim. Ab November 1945 wurden Ostflüchtlinge dort untergebracht. Erst 1952 erwirkte der Wilhelmsfelder Pfarrer Gottlob Weber, dass das Haus wieder als kirchliches Tagungsheim genutzt werden konnte. Der Verein "Evangelisches Theologenheim Wilhelmsfeld e.V." übereignete es der Badischen Landeskirche und löste sich auf. Die Renovierung erfolgte durch den neuen Träger, der es anschließend der evangelischen Studentengemeinde Heidelberg zur Verfügung stellte. Seit 1955 fanden dort zur besseren Ausnutzung auch Tagungen des Männer- und Arbeiterwerks statt. In dieser Zeit wurde das Theologenheim in August-Winnig-Haus umbenannt, nach dem Schriftsteller und Politiker August Winnig (1878 -1956), der 1919/20 Oberpräsident von Ostpreußen war und in seinen autobiographischen Schriften von seiner persönlichen Entwicklung vom Marxisten zum Christen berichtet. Das Haus erlebte eine Blütezeit. Es fanden dort Tagungen zu unterschiedlichsten Themen statt, viele Berufsgruppen, Institutionen und Behörden zählten zu den Gästen. Zum Programm gehörten auch Familienerholung und Freizeiten für Ältere. Die gute Auslastung machte 1961 einen größeren Neubau und eine erneute Erweiterung 1973 erforderlich.
In den 1980er Jahren fand eine allmähliche Aufwertung anderer landeskirchlicher Tagungszentren statt, die sich auf den Betrieb des August-Winnig-Hauses nachteilig auswirkte. Der Oberkirchenrat beschloss 1985 das Haus zu schließen. Zwischen 1989 und 1994 wurde es noch einmal zur Unterbringung von Flüchtlingen aus Osteuropa genutzt. 1999 beschloss der Gemeinderat in Wilhelmsfeld, die leer stehenden Gebäude abzureißen, um an gleicher Stelle einen Neubau für betreutes Wohnen zu errichten.
Johanna Schauer-Henrich, M.A. (Juni 2014)
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.12.2026, 01:08 MEZ