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Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland (Archivtektonik) >> 1. Behörden und Bestände vor 1816 >> 1.2. Geistliche Institute >> 1.2.4. M - N >> 1.2.4.7. Marienheide
Form und Inhalt: Marienheide (Oberbergischer Kreis). - St. Achatius und Gefährten / St. Mariä Heimsuchung, gegründet 1420/21, [faktisch] aufgehoben 1836.
Geschichtlicher Abriss:
Im Jahr 1417 wird ein Klausner Heydenreich erwähnt, der die Einsiedelei ”auf der Mergenheyde“ bewohnte. Er brachte ein Marienbild aus Köln zu seiner Klause und stellte es in einer Kapelle zur Verehrung auf. Dem darauf einsetzenden Pilgerstrom Folge tragend, ließ Graf Gerhard von der Mark seit 1420/21 Dominikanermönche nach Marienheide kommen und legte damit den Grundstein für den Konvent, dessen Einrichtung Papst Martin V. 1421 bewilligte. Anstelle der Kapelle wurden bald darauf Kloster (1423-1470) und Kirche (1425-ca. 1490) gebaut.
1454 erhielten die Einwohner der bergischen Honnschaft Scharde das Recht, sich an den Konvent zu halten. Die Kirche nahm in dieser Zeit den Heiligen Achatius als Schutzpatron an.
Die große Pest zu Anfang des 16. Jahrhunderts überlebten bis 1503 nur ein Priester und ein Novize. Nach einem Brand wurde das Kloster 1504 neu aufgebaut. Die Wallfahrtskirche erhielt ein prächtiges, aus Holz geschnitztes Chorgestühl.
In den Religionswirren brachen für das Kloster schwere Zeiten an. Zum Ende des 16. Jahrhunderts sah sich Marienheide plötzlich einer überwiegend lutherischen Umgebung ausgesetzt: Die Reformation hielt Einzug in den Nachbargemeinden Rönsahl, Gummersbach und Meinerzhagen, die Honnschaft Scharde war fast durchweg lutherisch geprägt und selbst die eigene Pfarrkirche in Müllenbach nahm den neuen Glauben an. Der Katholizismus konnte sich lediglich in Gimborn sowie zeitweise in Wiedenest behaupten. Im Jahr 1636 wurde das Kloster von kaiserlichen Truppen ausgeplündert. Zudem überzog 1634-1637 eine neue Pestwelle das Land. Der Rönsahler Pastor fand in Scharde Zuflucht und zelebrierte dort 7 Jahre lutherische Messen. Im Religionsvergleich, der nach dem 30jährigen Krieg geschlossen wurde, wird für die Pfarrei Müllenbach nur noch ein einziger Katholik erwähnt.
Der klösterliche Grundbesitz wurde ausschließlich an Katholiken, oft aus Lindlar oder Wipperfürth stammend, vergeben. So speiste sich die neue katholische Gemeinde vor allem aus den Pächtern der großen Klostergüter, ferner aus einigen Eingesessenen, die weit von der Pfarrkirche entfernt wohnten. 1677 wurde die Rosenkranzbruderschaft gegründet. 1682 erlangte das Kloster die Pfarrgewalt über die im Umkreis lebenden Katholiken sowie die lutherisch gewordenen Pfarreien.
Im Jahr 1709 eröffnete in Marienheide eine von den Dominikanern betriebene Klosterschule. Die spätgotische Hallenkirche wurde zwischen 1714 und ca. 1717 in eine Barockkirche umgewandelt. Beim Dachstuhlbrand 1717 fiel ein Großteil des Archivs den Flammen zum Opfer. Seit 1752 hatte der Konvent das Recht, die katholischen Bürger von Marienheide zu taufen und zu verheiraten. Die Einnahmen daraus musste es jedoch an den lutherischen Pastor in Müllenbach abführen.
Der Reichsdeputationsschluss von 1803 leitete den rund 20 Jahre währenden Untergang des Konvents ein. Es durften keine Novizen mehr aufgenommen werden, die Dominikaner verließen nach und nach Marienheide. Das Klostergebäude diente als Priesterwohnung, die Klosterschule wurde geschlossen. Der Schulunterricht wurde ins Küsterhaus in der Klosterstraße verlegt, fand aber aus Lehrermangel bis 1824 kaum mehr statt.
1820 wurde die bisher eigenständige Pfarrei Marienheide aufgehoben. Die Katholiken waren fortan dem Seelsorgebezirk des Pfarrers von Gimborn unterstellt. 1831 erfolgte die Wiedererhebung von Marienheide zur katholischen Pfarrei. Erste Weltgeistliche wurden die letzten beiden Dominikaner P. Joseph Hütt (Pfarrer) und P. Bernhard Zurstege (Vikar). Eine offizielle Aufhebung des Klosters gab es nie, doch war es mit dem Tod Zursteges 1836 vollständig ausgestorben.
Bestandsgeschichte:
Im Jahr 1975 bot das Kunst- und Buchantiquariat Venator, St. Apernstr. 56-62, 5000 Köln 1, einige Dokumente aus dem Klosterarchiv Marienheide zur Versteigerung an.
Haushaltsmittel für den Erwerb wurden am 19.2.1975 durch den damaligen Ltd. Staatsarchivdirektor Dr. Wilhelm Janssen beim Kultusminsterium des Landes Nordrhein-Westfalen beantragt (vgl. Altregistratur Dez. 42, Akten Nr. 1, Az.: I-A/1-188/75). Letztendlich wurden 3 Aktenbände und einige lose Schriftstücke (Umfang: 1 Archivkarton) vom Hauptstaatsarchiv Düsseldorf angekauft und am 14.3.1975 unter der Nr. I 5/75 akzessioniert.
Die Verzeichnung der Unterlagen erfolgte von Januar bis März 2009 durch Staatsarchivamtmann Jörg Franzkowiak.
Bestand
German
Ergänzungsüberlieferung:
1) im eigenen Hause:
Kurköln VIII:
Nr. 436) Dominikaner zu Marienheide im Schwarzenbergischen Amt Neustadt, Erlaubnis zum Terminieren [Betteln] im Herzogtum Westfalen, 1770
Jülich-Berg II:
Nr. 342) Religionsverhandlungen, Protokoll betr. Kleve-Mark und Ravensberg (u.a. Kloster Marienheide)
Nr. 5556) Landtagsverhandlungen, 1718: Bl. 190 betr. Kloster Marienheide, Schaderhoff
Jülich-Berg III:
Nr. 669) Schatz- und Dienstpflicht des Hofs zum Holz bei Wipperfürth, Eingaben der Stadt Wipperfürth, betrifft auch die Mühle zu Gogarden, dem Kloster Marienheide gehörig, 1565-1582
Jülich-Berg, Hofrat:
Amortisationsklagen
XXVII Nr. 61) Francken zu Düsseldorf gegen Kloster Marienheide, 1785/86
XXVII Nr. 62) Wilhelm Berrenberg gegen Kloster Marienheide, 1790/91
XXVII Nr. 63) Freiherr von Scharfenstein gen. Pfeil gegen Kloster Marienheide wegen Scharderhof, 1789/90
Jülich-Berg, Oberappellationsgericht:
D Nr. 19) Vorsteher Caspar Kattwinkel gegen Dominikanerkloster Marienheide wegen Forderung von 1100 Reichstalern, 1808
Kleve-Mark, Akten:
Nr. 435, Bl. 50) Liste der Freigüter im Amt Altena, 1684, darunter: Freigut Steinbach des Klosters Marienheide
Nr. 1136) Bielefelder Konferenz, 1670-1671, betr. u.a. Kloster Marienheide (?)
Großherzogtum Berg:
Nr. 731) Einzeltabellen über die am 1. Februar 1810 vorhandenen Klöster (u.a. Marienheide, Dominikaner), 1809-1810
Nr. 4798) Ernennung des Magisters Bernard Schorenstein, des ehemaligen preußischen Feldpropstes und Priors zu Soest, zum Vicarius Provincialis der Dominikanerklöster Soest, Dortmund und Marienheide, 1811
Nr. 5165) Kloster zu Marienheide bzw. das Kloster betreffende Anordnungen, Versetzung des P. Dominicus Hamm OP nach Soest, 1809-1812 [betr. Unordnung im Kloster]
vgl. Wilms, Alex: Das Dominikanerkloster Mariae Heimsuchung oder SS. Achatius und Gefährten in Marienheide (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland 32), 1935, S. 112 ff.
Nr. 8291) Kloster Marienheide zu Gummersbach, 2 Bde., 1808-1810 [betr. Domänen]
Nr. 9573) Administration der Dominikanerkonvents zu Marienheide, 1808-1812
Regierung Köln:
Nr. 3412) Kloster, Pfarre und Wohnung der Geistlichen zu Marienheide, 1816-1849
Nr. 3413) Verhältnisse des Klosters zu Marienheide, 1816-1820
Nr. 3414) Aufhebung des Dominikanerklosters Marienheide, 1818-1822
Nr. 4797) Veräußerung bzw. Vererbpachtung einiger zum Kloster Marienheide gehöriger Grundstücke an die Gebrüder Cramer aus Rönsahl zur Erweiterung deren Pulverfabrik, 1819-1827
2) in anderen Archiven, Bibliotheken usw.:
im Stadtarchiv Düren:
Hs. 15) Güterverzeichnis
im Archiv der Herrschaft Gimborn-Neustadt auf Haus Gimborn (im Besitz der Reichsfreiherrn von Fürstenberg):
D IV) Beschreibung des Klosters Marienheide, 1804
im Historischen Archiv der Stadt Köln:
Farr. Gelenii XIV Nr. 641) Relatio fundationis (ältere Fassung)
im Historischen Archiv des Erzbistums Köln:
Akten des Dekanats Deutz, 1680-1810
vgl. Wilms, Alex: Das Dominikanerkloster Mariae Heimsuchung oder SS. Achatius und Gefährten in Marienheide (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland 32), 1935, Vorwort
Dec. Siegb. 8, Marienheide Nr. 1) Fragebogen für eine Visitation, 1761
vgl. Torsy, Jakob: Wegweiser durch die Akten der alten Christianität Siegburg im Archiv des Erzbistums Köln, in: Heimatblätter des Siegkreises 21, 1953, S. 82, Nr. 206
im katholischen Pfarrarchiv Marienheide:
Buch der Rosenkranzbruderschaft, 1677-1840; einige Akten
vgl. Wilms, Alex: Das Dominikanerkloster Mariae Heimsuchung oder SS. Achatius und Gefährten in Marienheide (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland 32), 1935, Vorwort; s.a. Thomasbibliothek der Dominikaner zu Walberberg)
im Zentralarchiv Merseburg:
Rep. 76 Kultusministerium XIII 17 (1822-1848)
im Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen in Münster:
in der Thomasbibliothek der Dominikaner zu Walberberg:
Relatio fundationis conventus beatae Mariae virginis in Myrica ordinis fratrum praedicatorum in comitatu Marchiae st dynastia Neostadiana situati iuxta quod olim repertum fuit in scrinio conventus, 18. Jh.
Enthält: Kurze Beschreibung der Gründung und Geschichte des Dominikanerklosters und der Wallfahrt zu Marienheide (S. 1-8); beglaubigte Berichte über Wunder, die sich in der 1. Hälfte 18. Jhs. ereignet haben sollen (S. 9-24)
1 Bd. 8°; früher im katholischen Pfarrarchiv Marienheide - Literatur: s. Tille, Armin: Übersicht über den Inhalt der kleineren Archive der Rheinprovinz Bd. 1, Bonn 1899, S. 109, 397; Wilms, Alex: Das Dominikanerkloster Mariae Heimsuchung oder SS. Achatius und Gefährten in Marienheide (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland 32), 1935, S. 127 ff.
Lagerbuch von allen Gründen und Gütern des Konvents Marienheide, 1781/82, errichtet unter Prior Thomas Schmidt
Enthält: Güterverzeichnis; auch: einige Akten über die geplante Aufhebung des Klosters, 1781-1812
1 Bd., 282 Seiten; früher im katholischen Pfarrarchiv Marienheide - Literatur: Tille, Armin: Übersicht über den Inhalt der kleineren Archive der Rheinprovinz Bd. 1, Bonn 1899, S. 109, 397
Rechnungsbuch, 1731-1732
vgl. Wilms, Alex: Das Dominikanerkloster Mariae Heimsuchung oder SS. Achatius und Gefährten in Marienheide (= Quellen und Forschungen zur Geschichte des Dominikanerordens in Deutschland 32), 1935, Vorwort
Akten über Güterverkäufe des Klosters bei dessen Aufhebung, 1803 ff.
Literatur: Tille, Armin: Übersicht über den Inhalt der kleineren Archive der Rheinprovinz Bd. 1, Bonn 1899, S. 109
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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