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Carl Pantenius an Karl Weltzien

Verzeichnungsstufe:
Archivale
Archivaliensignatur:
KIT-Archiv, 27072 / 368
Kontext:
27072 Nachlass Karl Weltzien >> 1 Korrespondenzstücke in der alphabetischen Folge der Absender >> 1.117 Pantenius, Carl
Laufzeit:
1835 Februar 14, Göttingen
Enthältvermerke:
Enthält: (1r) Pantenius hat von Weltzien eine Schilderung von dessen angenehmem Studentenleben in Heidelberg erhalten. Weltzien hat wohl den Plan aufgegeben, als Arzt in Deutschland oder Russland zu praktizieren. Es ist eine schöne Art des Daseins, sich der Gesellschaft einer Frau und den Wissenschaften hinzugeben. Pantenius möchte wissen, ob Weltzien gleich nach dem Examen heiraten will. Weltzien hat Pantenius wegen dessen Abgeschiedenheit in Göttingen bedauert. Pantenius erwidert, dass er sich dort wohlfühlt. Er möchte nicht darlegen, womit er sich zerstreut, weil er ein strenges Urteil Weltziens vorhersieht. Dieser kennt die betreffenden Schwächen "des halben Menschengeschlechts nicht". Weltzien hat sich mit Ausnahme von (Ernst August Wilhelm/Karl?) Himly und (Friedrich) Stromeyer negativ über die (medizinischen) Göttinger Professoren geäußert. Zurecht spreche Weltzien nicht von (Johann Wilhelm Heinrich) Conradi. Weshalb Weltzien aber (Eduard Caspar Jakob von) Siebold nicht von dem Urteil ausnimmt, ist Pantenius unklar. Bei diesem kann man viel lernen, vielleicht genau soviel wie bei (Franz Carl) Nägele, der wohl der "erste" Geburtshelfer Deutschlands ist. Pantenius pflegt die Bekanntschaft mit Siebold und hält sich einen Abend in der Woche bei ihm auf. Dabei lernt er mehr als in vielen Stunden in Nägeles Vorlesung. Pantenius schätzt (Conrad Johann Martin) Langenbeck trotz seines vielen Fehlens, insbesondere für die Lehre von "Thatsachen". Ob Langenbeck der "erste Operateur" ist, (1v) kann Pantenius nicht beurteilen, da er nur ihn gesehen hat. Auch Leute mit mehr Erfahrung schätzen Langenbeck. Pantenius würde, wenn er Zeit und Geld hätte, gerne in Heidelberg studieren. Bei (Maximilian Joseph) Chelius und Nägele kann man viel lernen. Pantenius bleibt in Göttingen, um zu promovieren. Danach wird er voraussichtlich eine kleine Reise durch Deutschland unternehmen und dann im nächsten Winter zurück nach Russland gehen. Er bedauert dies. Weltzien erkundigte sich, welchen Grad Schüßler im Examen erhielt. Pantenius erfuhr, dass es "der erste" war. Schüßler arbeitet nach dem Examen noch mit gleichem Fleiß. In der Kürze der Zeit hat er viel gelernt, doch hat Weltzien Recht, wenn er Schüßler "für nicht sehr gründlich gebildet" hält. Der gemeinsame Bekannte Peters hat im Examen den zweiten Grad erhalten. Er machte sein Examen zusammen mit sehr schwachen Kandidaten, von denen einer nur knapp den dritten Grad erhielt. Schüßler war schwach in Anatomie und Chemie. Pantenius übte mit ihm Neurologie und fand dort Lücken. In Mecklenburg soll Peters sehr gute lateinische Arbeiten eingereicht und "brilliant" bestanden haben. Pantenius verstand sich mit Peters so gut wie früher, aber auch nicht besser. Grund war wohl die Ankunft von Peters' Bruder, mit dem dieser viel zusammen war und zwischen dem und Pantenius kein gutes Verhältnis bestand. Weltzien schrieb, dass er Schiemann und (Constantin von) Kleist zuletzt seltener sah. Beide denken wohl nicht an die Arbeit, wenn sie über den Sommer in Heidelberg bleiben. Pantenius kann sich denken, wie Schiemann bei der gemeinsamen "Champagnerkneiperei" mit Weltzien "aufm Strumpf gewesen ist und wie tüchtig er gebrüllt hat". Weltzien soll schreiben, was er nun von Schiemann denkt und ob dieser sich nun "etwas feiner zu machen weiß". (2r) Weltzien erkundigte sich, ob Langenbecks "Osteologie und Splanchnologie" bereits erschienen ist. Das Werk ist im Buchhandel noch nicht erhältlich, weil erst die Abbildungen der Schädelknochen gedruckt sind. Deuerlich hat das Buch noch nicht. Wahrscheinlich wird es erst im Herbst fertig. Eberlein ist erst beim Becken. Langenbeck meint allerdings, dass er schneller fertig wird. Wenn Pantenius im Sommer noch in Göttingen ist, besorgt er den Druck gerne für Weltzien. Aus Göttingen kann Pantenius nicht viele Neuigkeiten mitteilen. Wahrscheinlich weiß Weltzien schon, dass im Winter ein Theater in Göttingen gastierte. Pantenius hat sich bei einem einmaligen Besuch gelangweilt. Um das "Corpsleben" kümmert sich Pantenius nicht. Der jetzige Prorektor (Friedrich Christian) Bergmann soll sehr streng sein. Er hat viele Leute "geschickt". Im Hospital sah es im Winter "traurig" aus. Solange Pantenius dort ist, kamen noch nie so wenig "interessante Fälle" vor. Pantenius praktiziert nun, hatte aber bislang nur drei Patienten. Daneben praktiziert er in der Geburtshilfeanstalt ("Accouchement"). In der Anatomie verbrachte er im Winter "manch angenehme Stunde". Nach dem Weggang von Dr. Reinhold hat Pantenius dem Prosektor oft geholfen, wenn dieser etwas für die Vorlesung zu tun hatte, und gelegentlich "pathologische Sachen fürs Cabinett praeparirt". Dabei lernt man "auf eine höchst angenehme Weise". Pantenius bestellt Grüße an die gemeinsamen Landsleute. Poststempel, Lacksiegel: Totenkopf mit gekreuzten Knochen
Umfang:
2 Blatt
Archivalientyp:
Handschriften
Indexbegriffe Ort:
Göttingen/DE
Heidelberg/DE
Digitalisat im Angebot des Archivs:
kein Digitalisat verfügbar
Bestand:
27072 Nachlass Karl Weltzien