Thies Hackenberg, Richter zu Hagen, bekundet nach einer eigens dafür anberaumten Gerichtssitzung die vom Amtmann zu Wetter, Jürgen von Boenen, veranlaßte Zeugenbefragung über die Waserrechte an der Ruhr. Durch Boenens erwählten Vorsprecher wurden vor Gericht zitiert: die Adeligen Hermann Düding, Hermann [von] Syberg, Thies von Hoete, Bernd Ovelacker und Adolf Grüter; sowie Engelbert Fischer, Hermann Brinckmann, Peter Schulte, Evert Borggreve, Steffen Schulte im Koeden, Peter Riesse und Dietrich op der Ruhr. Sie wurden befragt, wie es bislang im Amt Wetter an der Ruhr rechtmäßig gehalten wurde: - mit dem Land, das gewaltsam durch Fluteinwirkung ("durch Gewalt ader Floyde") vom Ufer abgebrochen und andernorts wieder angeschwemmt wird; - mit den Sandbänken ("Twyfloette"), die im Flußlauf entstehen. Die Zeugen berieten sich darüber, kehrten dann wieder ins Gericht zurück und ließen durch einen gewählten Vorsprecher Folgendes aussagen. Wenn einem [Grundbesitzer] durch das Wasser Land abgetragen und dieses andernorts am selben oder anderen Ufer wieder angeschwemmt wird, so hat der Grundbesitzer daran kein Recht mehr, sondern derjenige, bei dem es sich angeschwemmt wird, kann es gebrauchen. Wenn der [Grundbesitzer], welchem das Land abgetragen wurde, doch soviel an Rasen und Zweigen ("an Thorve oder Twyge") behält, daß eine Gans mit ihren Jungen darauf sitzen kann ("dar eyne Ghans myt eyren Jungen opsitten koenthe"), darf er auch weiteres Land, das dort etwa neu angeschwemmt wird, gebrauchen. Wenn eine Sandbank im Fluß ensteht, darf der [Grundbesitzer], der flußabwärts berechtigt ist ("wem dan dey Stroym dar entegen thokome"), diese an sich bringen und gebrauchen ("dey moege en vysschen und gerbucken"). Wem die Sandbank von seinem Land abegtargen wurde, darf ihr folgen und sie wieder an sich bringen, wenn er das zustande bringt. Ist gleichzeitig einem [Grundbesitzer] vom anderen Ufer Land abgetragen und an dieser Sandbank angeschwemmt worden, darf auch dieser so handeln und haben sich beide die Sandbank je nach ihrer Uferseite zu teilen. Landet die Sandbank an einem Ufer an, darf sie nur der gebrauchen, der dort berechtigt ist. Auf folgende Weise kann ein [Grundbesitzer] von seinem Land aus in das Wasser eines anderen ein Wehr setzen ("floegelen und weren"). Wenn er am Flußufer steht, soll er einen Pfahl mit einem Schlägel, dessen Stiel dreieinhalb Fuß lang ist ("myt eyner Slagen, darvan dey Stell derdenhalven Voyth lanck sy"), in der ihm größtmöglichen Reichweite einschlagen, und dann [von diesem aus] einen Schritt weit den nächsten Pfahl soweit in die Ruhr hineinschlagen, wie er mit dem Schlägel reichen kann und nicht weiter ("und den derden Payll so verne int der Ruyr slayn, als hey myt dar gemelten Slage langen kan und nicht vorder"). So wurde es, soweit die Erinnerung der Zeugen zurückreicht, mit dem Wasserrecht der Ruhr gehalten. Darüber haben sie einen Eid geleistet. Nachdem diese Aussagen gerichtlich gemacht und mit Urteil und Rechtsspruch bekräftigt wurden und der Richter darüber eine ordnungsgemäße Urkunde empfangen hat ("und ich myne geboerliche Orkundt darop entfangen hebbe, alß recht ist"), hat er diese von Gerichts und Rechts wegen mit seinem Siegel besiegelt. Standgenossen des Gerichts waren: Johann Greve, Dietrich Potgieter, Jakob Hobreker, Jörgen Beckmann, Drees Molner, Heinrich Rademecker, Jörgen Hobreker, Johann Schulte tho Eckesey ("Exei"), Tiemann Smedt, Thönies Geytebrügge, Degeners Heinrich, Tiemann tho Refflinghausen und Heinrich Stuckmann. Bem.: Vgl. die Ausfertigung mit gut erhaltenem Siegel und Initiale "I" in Form eines Fisches (Staatsarchiv Münster, Haus Busch, Urkunden, 1542 April 12); dazu Abschriften des 18. Jahrhunderts (Staatsarchiv Münster, KMR, Lds, Nr. 26, fol. 35-36 sowie Staatsarchiv Münster, Stift Herdecke, Urkunden, Nr. 95-97) und Abdrucke (Joh. Dietr. v. Steinen, Westf. Geschichte, Bd. 1, Stück 6, S. 1701-1705 sowie Grimm, Weisthümer, Bd. III, S. 44)

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Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Abteilung Rheinland
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