Hans Seder, Stadtamman der Reichsstadt Überlingen, bekundet: Als er am oberen Stadtgericht öffentlich zu Gericht saß, sind vor ihm die ehrbaren bescheidenen ganzen Gemeinden von Alberweiler (Aulberwyler, Aulberwiler) und Selgetsweiler (Selgenswyler) erschienen. Die von Alberweiler begehren einen Anlass, der mitgeteilt wird [s. Insert 1491 Mai 2 (Mo v. Kreuzauffindung)]. Nach Verlesung des Anlasses, bringen die von Alberweiler durch ihren Fürsprecher vor, dass die von Selgetsweiler ihnen die Weide auf dem Berg gesperrt haben, die sie seit Menschengedenken genutzt haben. Sie bitten, ehrbare Leute als Kundschaft zu hören und die von Selgetsweiler zur Aufhebung und Sperrung anzuweisen. Die von Selgetsweiler bestreiten in ihrer Antwort das Weiderecht derer von Alberweiler. (Beide Gerichte haben denen von Jungingen gehört.) Junker Burckhart von Jungingen habe in einer Entscheidung ein Weiderecht nur für das gemeine Vieh, nicht aber für Zugvieh gestattet. Für Alberweiler sagen nun 7 Personen aus, deren Aussagen mitgeteilt werden: 1) Ulrich Mulber von Pfullendorf (Pfullendorff), 2) Hans Helld von Billafingen (Bylafingen), früher Knecht des Klaus Schnederlin, 3) Hans Hirt von Mindersdorf (Minnersdorff), der dem Michel Hornung zu Selgetsweiler gedient hatte (erwähnt wird Heinz Luetz zu Alberweiler), 4) Lypp Pfluger von Herdwangen (Hedwanng), der dem Klaus Kercher zu Alberweiler gedient hatte, 5) Hans Mueller von Sauldorf (Suldorff), der Knecht bei Bennggler zu Alberweiler war, 6) Klaus Huetznach von Göggingen (Geggingen), der Knecht bei Bennggler zu Alberweiler war, 7) Hans Benntz von Sentenhart (Senntenhart), der Knecht bei Bennggler zu Alberweiler war. Für Selgetsweiler sagen folgende Personen aus: 1) Hans Gasser von Kalkofen (Calchouen), der Keller des Junkers Burckhard von Jungingen war (erwähnt werden Peter Mueller von Herdwangen, und Buerck Stenngelin von Mindersdorf (Minnerstorff); Flurnamen: die Branndäcker derer von Alberweiler), 2) Hans Bruning von Mindersdorf, war Kuhhirte derer von Alberweiler, später Knecht zu Selgetsweiler, 3) Konrad Maerck von Kalkofen (Cachofen), früher Knecht zu Selgetsweiler, 4) Klaus Brüning von Sahlenbach (Salenbach) (erwähnt werden sein Vetter Hans Waeber und der Kelnhof bei Selgetsweiler), 5) Hans Banntlin von Liggersdorf (Liggerstorff), früher zu Herdwangen gesessen (erwähnt wird Vly (auch Vlin) Cunnrat von Herdwangen, der Knecht des alten Bennggler von Alberweiler war), 6) Kaspar Marquart von Liggersdorf, der Knecht zu Selgetsweiler war, 7) Ulrich Maygerer von Kalkofen (Kallchofenn) (Flurnamen: Buechlin, das geschyblote praytlin), 8) Hans Adler von Liggersdorf (Lüggerstorff), der zu Alberweiler gedient hat, 9) Hans Ruetlinger, Knecht des Dekans von Liggersdorf (Lueggerstorff), 10) Hans Müller von Herdwangen, dessen Vater zu Selgetsweiler geboren ist, 11) Hans Koch von Liggersdorf (erwähnt wird Endras Bennggler von Alberweiler). Es ergeht das Urteil, dass die von Selgetsweiler die bessere Kundschaft haben. Die von Alberweiler müssen das Urteil an ihren Herrn von Petershausen (Peterßhusen) gelangen lassen. Die von Selgetsweiler erhalten auf ihre Bitte eine besiegelte Urkunde über das Urteil.