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Prof. Dr. Helmut Arntzen (Bestand)
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Bestandsbeschreibung: Werkmanuskripte (literaturwissenschaftliche und literarische Arbeiten), Vorarbeiten und Materialsammlungen, Tagebücher, Korrespondenzen, Lebensdokumente, Unterlagen aus Hochschultätigkeit, Sammlungen (u. a. zu Albert Bloch)
Form und Inhalt: Der literarische und literaturwissenschaftliche und Nachlass von Universitäts-Professor em. Dr. phil. Helmut Arntzen wurde aufgrund eines Depositalvertrages vom 14.10./11.12.2009 als Bestand 1031 in das Westfälische Literaturarchiv im LWL-Archivamt für Westfalen übernommen. Der Nachlass umfasst 335 Verzeichnungseinheiten mit Unterlagen von 1892-2017. Der Bestand ist benutzbar im Lesesaal des LWL-Archivamtes und zu bestellen bzw. zu zitieren als: Westfälisches Literaturarchiv im LWL-Archivamt für Westfalen (WLA), Bestand 1031/Nr. [...].
1. Anmerkungen zu Biographie und Werk
1.1 Helmut Arntzen wurde am 10. Januar 1931 in Duisburg geboren. 1952 legte er sein Abitur am Duisburger Steinbart-Gymnasium ab und studierte ab Sommersemester 1952 Germanistik, Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte an den Universitäten Heidelberg, Freiburg/Breisgau und Köln. 1957 promovierte er an der Universität Köln mit einer Arbeit über Robert Musil (Druckausgabe: Satirischer Stil. Zur Satire Robert Musils im "Mann ohne Eigenschaften". Bonn: Bouvier, 1960). Ein Jahr später legte er das Examen als Diplom-Bibliothekar in Köln ab (vgl. seine Hausarbeit für die Bibliothekarsprüfung in 1031/227). 1959 folgte er seinem Lehrer Wilhelm Emrich als wissenschaftlicher Assistent und Lehrbeauftragter an die Freie Universität Berlin. Zeitweise hatte Arntzen die Vertretung einer Professur an der Kirchlichen Hochschule Berlin und einen Lehrauftrag für Universitätskurse der FU Berlin. Nach einem Habilitandenstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft erfolgte 1967 die Habilitation (Druckausgabe der Habilitationsschrift: Die ernste Komödie. Das deutsche Lustspiel von Lessing bis Kleist. München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1968). Anschließend wurde er beamteter Privatdozent an der FU Berlin. 1967/68 vertrat er einen Lehrstuhl für neuere deutsche Literatur an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, seit dem 1. Oktober 1968 ordentlicher Professor und Direktor des Germanistischen Instituts. 1996 wurde Helmut Arntzen emeritiert; am 7. Februar 1996 hielt er seine Abschiedsvorlesung: "Über die Notwendigkeit der Interpretation".
Helmut Arntzen hatte Gastprofessuren an der Ain-Shams-Universität Heliopolis/Kairo (1982), als Max Kade Distinguished Visiting Professor an der University of Kansas, Lawrence (1987), an der Al-Azhar-Universität Kairo mit Ferienkurs in Alexandria (1990), an der Hebrew University Jerusalem (1994/95). Er unternahm Vortragsreisen durch Portugal, Österreich, USA, Italien und hielt im In- und Ausland zahlreiche Einzelvorträge. Neben Ämtern in der akademischen Selbstverwaltung war Helmut Arntzen von 1975 bis 1982 auch Mitglied der Studienreformkommission für Sprach- und Literaturwissenschaften des Landes Nordrhein-Westfalen.
Für seine Verdienste um die Musil-Forschung erhielt er 1983 die Robert-Musil-Medaille der Stadt Klagenfurt; weitere Ehrungen waren ein Akademie-Stipendium der Stiftung Volkswagenwerk (1985/86) und eine Berufung in den wissenschaftlichen Beirat der Germanistischen Studien Kairo (1996). Als Schriftsteller (Essays, Aphorismen, Fabeln) wurde Helmut Arntzen 1971 zum Mitglied des deutschen PEN-Zentrums der Bundesrepublik gewählt. 1976 gründete er gemeinsam mit Jürgen P. Wallmann einen Literaturkreis Münster ("Kartoffelfeuer"-Runde); 1991 mit Rainer Tölle eine interdisziplinäre Freitagsgesellschaft an der Universität Münster.
Helmut Arntzen starb am 26. November 2014 in Senden (Westfalen).
1.2 Arbeits- und Interessengebiete des Literaturwissenschaftlers Arntzen sind Robert Musil, Satire, Komödie, Karl Kraus, Literaturtheorie, Sprachdenken/Sprach- und Medienkritik sowie als weitere Themen v. a. die Gattungen Roman, Lyrik und Aphorismus, Literatur und Medien der 1930er Jahre, Lichtenberg, Goethe, Kleist, Carl Sternheim, Ödön von Horváth, Ernst Meister, Walter Kempowski, Albert Bloch (als einziger amerikanischer Künstler des 'Blauen Reiter' und Leser und Übersetzer von Karl Kraus).
Gemeinsam mit Karl Pestalozzi gab er die Reihe "Komedia. Deutsche Lustspiele vom Barock bis zur Gegenwart. Texte und Materialien" heraus (1962-1971), begründete eine eigene Schriftenreihe "Literatur als Sprache. Literaturtheorie, Interpretation, Sprachkritik" (1983-2011) und war Herausgeber der Online-Zeitschrift "Zur Lage der Nation. Bemerkungen zur Sprache, Literatur, Kultur, Politik und zu den Medien in Deutschland" (2002-2012).
Als Schriftsteller veröffentlichte er Essays, Aphorismen und Fabeln als selbständige Buchtitel (zuerst: Kurzer Prozess. Aphorismen und Fabeln. München: Nymphenburger Verlagshandlung, 1966) und unselbständig in Anthologien, Lesebüchern, Festschriften sowie in renommierten Zeitschriften wie "Neue Deutsche Hefte", "Magnum" und als Rundfunkbeiträge ("Sätze über Sätze", Kommentare für Rundfunkhörer; vgl. 1031/99 und 1031/277).
2. Bestandsstruktur und Bearbeitung
Der Bestand wurde ab Dezember 2009 bis April 2016 von Helmut Arntzen und posthum von seiner Frau, Regine Arntzen, übernommen. Er war großenteils vorgeordnet, jeweils in Stehordnern abgelegt und der Inhalt von H. A. in Stichworten indiziert. Bei der Bestandsklassifikation wurden die Unterlagen zum Werk (01.) vorangestellt; neben den literaturwissenschaftlichen und den literarisch/essayistischen Arbeiten sind hier auch die verschriftlichten Vorlesungen und Seminare des Hochschullehrers erfasst. Die Tagebücher (02.) wurden von H. A. von 1944 bis 2014 kontinuierlich geführt, teilweise sind sie transkribiert bzw. nach Schlagworten indiziert (auszugsweise veröffentlicht in der Online-Zeitschrift "Zur Lage der Nation"); ergänzt werden sie durch Reisetagebücher aus Auslandsaufenthalten als Gastprofessor. Die Korrespondenzen (03.) waren von 1947 bis 1994 weitgehend alphabetisch, nach Korrespondenzpartnern abgelegt; von 1995 bis 2014 jeweils nach Datum aller Schriftstücke eines Jahres. Korrespondenzen zu Veröffentlichungen waren nach den Buchtiteln geordnet. Die Lebensdokumente (04.) enthalten u. a. Schriftgut aus beruflicher Qualifikation (Hausarbeit für die Prüfung zum Diplombibliothekar, 1958) und privater Lebensführung (Reden für den Abiturjahrgang 1952). Nach Sachbetreffen abgelegt (05.) waren Überlieferungen, meist Korrespondenzen und zugehörige Materialien u. a. zu Wilhelm Emrich, dem Literaturkreis Münster, zu den Projekten Albert Bloch, aus dem Nachlass des Arntzen-Schülers Winfried Nolting. Die Sammlungen (06.) beziehen sich vor allem auf wesentliche Arbeits- und Interessengebiete H. A.s wie Robert Musil, Karl Kraus, Albert Bloch, enthalten daneben auch Dokumente zur Studentenbewegung und Hochschulreform der 1960er und 1970er Jahre. Belegexemplare von selbständigen und unselbständigen Veröffentlichungen Helmut Arntzens sind abschließend klassifiziert und verzeichnet (07.).
3. Literaturhinweise
Die wichtigsten bio-bibliographischen Angaben enthält der Eintrag in der Datenbank "Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren" (www.lwl.org/literaturkommission/alex/index.php), auf der Grundlage und in Fortführung des vierbändigen "Westfälischen Autorenlexikons 1750-1950" (im Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hrsg. und bearb. von Walter Gödden und Iris Nölle-Hornkamp, Paderborn: Schöningh Verlag, 1993-2002).
Auf der Website www.helmut-arntzen.de sind u. a. abrufbar eine thematisch geordnete Personalbibliographie sowie die von Helmut Arntzen herausgegebene Internet-Zeitschrift "Zur Lage der Nation. Bemerkungen zur Sprache, Literatur, Kultur, Politik und zu den Medien in Deutschland", Nr. 1 (März 2002) - Nr. 30 (März 2012).
Einen jeweils aktuellen Nachweis der Literatur von und über Helmut Arntzen gibt der Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.