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Galerie Parnass (Bestand)
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Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e.V. ZADIK (Archivtektonik)
Inhalt: Die Original-Registratur wurde zum großen Teil in den achtziger Jahren von Rolf und Anneliese Jährling zugunsten einer nach Künstlern und nach Ausstellungen geordneten Ablage aufgelöst. Nach dem Tod von Rolf Jährling wurde diese Umordnung unter Mithilfe der Kunsthistorikerin Dr. Noemi Smolik weitergeführt und beendet.
Von Dr. Anneliese Jährling wurden am 22.3.1994 dem Zentralarchiv als Eigentum übergeben: 91 vorgeordnete Einheiten (in Kästen oder Mappen); vorgeordnet nach Künstlern oder nach Ausstellungen bilden 59 "Kästen" den Kern des Archivs; unter dem Rest sind u.a. gesammelte Kunstkritiken und Klischees oder Druckstöcke; weiterhin 1 Kiste mit 25 Tonbändern von Eröffnungs- und Einführungsreden; zwei Kartons mit Reproduktionen der an die Silverman Collection verkauften Fotonegative; weiterhin ca. 30-40 Publikationen der Galerie und Publikationen anderer Institutionen sowie eine lose Sammlung von Einladungen und Broschüren der Galerie. Komplett-Abgabe: 90 Kästen mit Ausstellungs-Materialien; 30-40 Bücher und Kataloge der Galerie; 1 Kiste mit 25 Tonbändern von Eröffnungsreden; 2 Kartons mit Abzügen der Silverman-Collection. Existenz der Galerie von 1949 bis 1965.
In dem Bestand befinden sich zu den Fluxus-Aktionen einige Akten mit (lediglich) Kopien von Fotos der Aktionen (siehe Akten zu "9-Nein-Décollagen" und "24-Stunden-Happening"). Diese wurden größtenteils von Ute Klophaus aufgenommen. Laut Auskunft von Frau Anneliese Jährling wurden die Original-Fotos an die Silverman Fluxus Collection gegeben. Sie befanden sich zunächst größtenteils in der Gilbert and Lila Silverman Fluxus Collection, Detroit (Kurator: Jo Hendricks). Die Silverman Fluxus Sammlung ist im Dezember 2008 übergegangen ans MoMA, New York . Für die Foto-Credits ist die folgende Angabe zu verwenden:
"The Museum of Modern Art, New York. The Gilbert and Lila Silverman Fluxus Collection Gift, 2008".
Nach dem Tod von Dr. Anneliese Jährling am 1.6.2010 erhielt das ZADIK von den Erben eine weitere wertvolle Ergänzung des Bestandes, die nun sukzessive erschlossen wird.
Geschichte: Lebensdaten der Bestandsbildner:
Rolf Jährling 27.10.1913 - 05.07.1991
Dr. Anneliese Jährling geb. Schu 20.7.1923 - 1.6.2010
Adressen:
- ab Januar 1949: Aue 30a, Wuppertal-Elberfeld
- ab Oktober 1950: Alte Freiheit 16/18, Wuppertal-Elberfeld
- ab Dezember 1958: Gathe 83, Wuppertal
- ab November 1959: Morianstr. 14, Wuppertal
- ab 2.12.1961: Moltkestr. 67, Wuppertal-Elberfeld
Die Galerie Parnass von Rolf und Anneliese Jährling zählte zu einer der ersten Galerien im Rheinland, die sich schon früh nach 1945 um die Vermittlung von Kunst der Gegenwart einsetzte. Sie galt in den 1950er und 1960er Jahren als „eine der führenden Avantgarde-Treffpunkte in Nordrhein-Westfalen“ und als eine der Pioniergalerien für die rheinische Avantgarde und die abstrakte Kunst. Unter dem Dach eines halbzerstörten Lagerhauses mietete der Architekt Rudolf Jährling 1949 Räume für sein Architekturbüro und eine Galerie an. Als Schüler von Heinrich Tessenow an der Technischen Hochschule Berlin war der Diplom-Ingenieur Rudolf Wolfgang Jährling zunächst an moderner Architektur interessiert. Dass er sein Augenmerk auf moderne Kunst legte, ist wohl der Initiative seines Kollegen Heinz Rasch zu verdanken, einem führenden Vertreter des Neuen Bauens, der zwischen 1946 und 1953 in seinem 'Studio für neue Kunst' rund 120 Einzelausstellungen lebender Künstler und Architekten zeigte. Bei der Eröffnung seines eigenen Architekturbüros, eine Wohnung im dritten Stock (Wuppertal, Aue 30a), folgte Jährling im Frühjahr 1949 dessen Beispiel und nutzte seine Räume in gleicher Weise. Sein Plan war, eine Auswahl neuer Gestaltung vorzustellen, um mit der Kunst der Gegenwart bekannt zu machen. Der Name Parnass, im klassischen Altertum der Sitz des Apoll und der Musen, steht sowohl für das anspruchsvolle Programm, dem sich Jährling verschrieben hatte, als auch für die Vielfalt der Aktivitäten der Galerie: Neben Architektur, Plastik, Bühnenkunst, Photographie zählten dazu Vorträge, Diskussionen, Happenings und Lesungen.
Ab Oktober 1950 bezog Rolf Jährling selbst konzipierte, neue Räume in der Alten Freiheit 16/18, die neben einem Architekturbüro- und Ausstellungssaal auch Platz für eine kleine Studiobühne und eine Dachterrasse für Skulpturen boten. Rolf Jährling war einer der ersten Galeristen, der den jungen noch unentdeckten Vertretern der abstrakten Kunst, des Tachismus, der École de Paris und dem deutschen Informel ein Forum bot. Ab 1950 fanden eine beachtliche Anzahl deutscher Erstausstellungen in der Galerie Parnass statt. Wesentliche Vertreter des deutschen Informel, wie Emil Schumacher, Bernard Schultze, WOLS, Hans Hartung, Heinz Kreutz, Gerhard Hoehme, Karl Fred Dahmen, Rolf Cavael und Peter Brüning, stellten ab 1954 in der Galerie Parnass aus, deren Präsentationen stets von namhaften Kunstkritikern und -theoretikern eröffnet wurden. John Anthony Thwaites, Eduard Trier, Albert Schulze Vellinghausen, Rolf Wedewer, Pierre Restany und auch Jean Pierre Wilhelm, Inhaber der Düsseldorfer Galerie 22 zählten zu den wichtigsten Verfechtern dieser neuen Kunstrichtung.
Bemerkenswert war auch die beachtliche Anzahl von französischen Künstlern, die bei Parnass ausstellten und damit den deutsch-französischen Kulturaustausch vorangetrieben. Die Galerie wurde damit zur ersten Anlaufstelle für die französische Avantgarde. An den Gruppenausstellungen „Poème Objet“ (1956), „Vier Maler aus Paris“ (1958) und der „Gruppe Phases“ (1958) war die junge Generation der französischen Künstler ebenfalls stark beteiligt. Meistens überließ Rolf Jährling die Konzeption und die Auswahl den französischen Kritikern oder Kunstschriftstellern wie Michel Tapié, Pierre Restany und Edouard Jaguer, die auch zu den Eröffnungen sprachen oder Texte verfassten. Sie spielten eine Schlüsselrolle in der Vermittlung der informellen Kunst in Europa. So wurden durch diese Kooperation die deutschen informellen Künstler wie Schumacher, Schultze, Hoehme, Götz und Brüning mit den französischen Künstlern wie Camille Bryen, Jacques Herold, Serpan und Pierre Soulages zusammengebracht.
Zwischen 1962 und 1965 bot die Galerie Parnass frühen Prä-Fluxus-Veranstaltungen ein erstes öffentliches und experimentelles Forum, die den weiteren Ruf der Galerie begründeten.
Zur Eröffnung der Ausstellung „Kleines Sommerfest – Après John Cage“ (1962) fand ein Konzert mit Benjamin Patterson, Karlheinz Caspari, Nam June Paik und Jed Curtis statt. George Maciunas verlas sein theoretisches Manifest „Neo Dada in New York“, es war der erste öffentliche Auftritt Maciunas, sein Manifest gilt erstes wichtiges Statement zu Fluxus in Europa. 1963 lud Wolf Vostell in seinem „9-Nein-Décollagen“- Happening zu einer vierstündigen Busfahrt zu neun Ereignissen quer durch Wuppertal ein, deren Höhepunkt die Kollision zwischen einem Mercedes Benz und einer Lokomotive auf einem Eisenbahngleis darstellte. Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Medienkunst war 1963 die Ausstellung „Exposition of Music – Electronic Televison“ von Nam June Paik, der erstmals manipulierte Fernsehgeräte präsentierte. Als Abschiedsveranstaltung fand 1965 das legendäre „24-Stunden-Happening“ statt, mit Akteuren wie Joseph Beuys, Bazon Brock, Charlotte Moorman, Nam June Paik, Eckart Rahn, Tomas Schmit und Wolf Vostell.
Im September 1965 beendet Rolf Jährling nach fast 17 Jahren seine Galerietätigkeit und reist mit seiner Frau Anneliese in einem VW-Bus durch Afrika. In den Jahren 1968 bis 1974 arbeitet Jährling in Addis Abeba als Architekt und „Planning Adviser“ bei der Wirtschaftskommission für Afrika. Nach seiner Rückkehr aus Addis Abeba lebte Rolf Jährling von 1975 bis zu seinem Tod 1991 in Weidingen in der Eifel. Anneliese Jährling zog in das Haus ihrer Familie nach Köln, wo sie am 1. Juni 2010 verstarb.
Rolf Jährling zählt aufgrund seiner Auswahl der jeweils wichtigsten und neuesten Vertreter internationaler Strömungen zu den Schrittmachern und ersten Förderern der rheinischen Avantgarde und ihrer internationalen Begleitung.
Literatur:
Ausstellungskataloge:
Treffpunkt Parnass. Wuppertal 1949-1965. Hrsg. von Willi Baltzer und Alfons W. Biermann (Schriften des Rheinischen Museumsamtes Nr.. 11), Köln 1980. (Es gibt Kurzfassungen des Kataolges in Französisch und Englisch); sediment, Heft 1, Bonn 1994, S. 27-51 (verschiedene Autoren)
Zeitschriften:
Herzog, Günter: (Hrsg.): Richter, Polke, Lueg & Kuttner. Ganz am Anfang/How it all began., sediment. Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels. Heft Nr. 7, Nürnberg 2004
Herzog, Günter (Hrsg.): Nam June Paiks frühe Jahre im Rheinland. "On sunny days, count the waves of the Rhine..."., sediment. Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels. Heft Nr. 9, Nürnberg 2005.
Herzog, Günter: (Hrsg.): Wolf Vostell auf Straßen und Plätzen., sediment. Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels. Heft Nr. 14, Nürnberg 2007
Jacobs van Renswou, Brigitte: Rendevous auf dem Parnass. Pionierarbeit für die Avantgarde. In: Gerhard Finckh, Antje Birthälmer (Hrsg.):»Privat«. Wuppertaler Sammler der Gegenwart im Von der Heydt-Museum, S. 25
Anneliese Jährling im Gespräch mit Brigitte Jacobs van Renswou am 19.01.2009. In: sediment. Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels, Joseph Beuys. Wir betreten den Kunstmarkt, Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels e.V. ZADIK, Heft 16, Nürnberg 2009
Helga Behn: Herzlich, Ihr Max. Künstlerpost aus den Beständen des ZADIK. Verlag für moderne Kunst Nürnberg, Hrsg. Zentralarchiv des Internationalen Kunsthandels e.V. ZADIK, Köln 2010.
Eigene Publikationen:
siehe Treffpunkt Parnass, 1980, S. 313 sowie unter dem Bestand der Galerie Parnass A005, II
Zu zitieren als: Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung ZADIK, A 5
Lagerort: Magazin und Plakatschrank Ausstellungsraum
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.