Nikolaus Weckhenmann, Notar und Stadschreiber zu Munderkingen, bestätigt: vor ihm erschien in Gegenwart der Meisterin Anna Sibylla von Gemmingen Euphrosina Speth von Zwiefalten, Priorin und des gesamten adligen Konvents, sowie Peter Georg Wörles, Prior zu Sankt Georgen, zur Zeit Beichtiger und Prediger in Urspring, ferner Johann Gannser, Hofmeister des Klosters, und legen wegen des Zehntens zu Ennabeuren folgenden Protest vor: Der Amtmann des Klosters Urspring erhebt im Namen der Meisterin Anna Sibylla von Gemmingen, der Priorin Euphrosina Speth von Zwiefalten und des Konvents zu Urspring aufgrund der im Religionsfrieden festgelegten Bestimmungen Protest, dass, nachdem das Kloster in Ennabeuren das Patronatsrecht, die Widemhöfe samt Vogtei und Vogtrecht, den Laienzehnten, ferner den Zwing und Bann der Gemeinde Feldstetten innehatte, 1596 der damalige Vogt zu Urach, der Keller zu Münsingen und der Spezial in Blaubeuren auf Befehl ihres Fürsten ohne Mitwirkung der Urspringer Meisterin einen lutherischen Prädikanten eingesetzt haben. Dazu wurde der nattenbuchische kleine und der urspringische große Zehnt geteilt; als das Kloster dann dem katholischen Priester jährlich 150 fl. zugestand, wurden auch diese geteilt. Proteste beim württenbergischen Herzog waren ohne Erfolg. Nun hat am 25. Sept. 1639 Johann Joachim Grickher, württembergischer Keller zu Münsingen, durch den württembergischen Anwalt in Ennabeuren, Hans Stoll und den Schultheiß Benedikt Steudle dem Mesner die Schlüssel zur katholischen Kirche unter Bezug auf einen angeblichen fürstlichen Befehl weggenommen, ferner die Zehntfrucht ohne Wissen der Mitvogtherrschaft von Fürstenberg arrestieren und dem lutherischen Prädikanten zukommen lassen. Gegen diese gewalttätige Handlungen will nicht nur das Kloster, sondern auch Wratislaus Graf von Fürstenberg Protest einlegen. Dem Protest des urspringischen Hofmeisters schließt sich Christoph Braun, Vogt zu Hayingen, namens des Grafen Wratislaus von Fürstenberg an. Daraufhin ist der Aussteller sofort nach Münsingen aufgebrochen und hat am folgendenen Tag, Mittwoch 23. Mai, versucht, im dortigen Schloß dem Amtmann und Keller den Protest zu überreichen. Dieser war jedoch nach Stuttgart verreist, weswegen der Aussteller sich zu dem ihm als Stellvertreter benannten Bürgermeister Hans Georg Jele begab. Dieser zog die Mitglieder des Gerichts, Joh. Glückh, Christoph Neuffer und Christoph Walter hinzu. Auf Bekanntgabe des Protests wünschte der Bürgermeister die Zuziehung des Stadtschreibers, da die Angelegenheit ihm zu schwierig sei und auch nur den Keller anginge. Der Aussteller gestattete dies, übergab eine Ausfertigung des Protests und begab sich daraufhin nach Ennabeuren, ließ dort den württembergischen Anwalt Hans Stoll und die ganze Gemeinde zusammenrufen und gab ihnen in Gegenwart des fürstenbergischen Schultheißen Michael Knör den Protest zur Kenntnis. Stoll erklärte daraufhin, er habe niemals Gewalt angewendet und erklärte die Angelegenheit mit den Schlüsseln folgendermaßen: Er sei mit dem Amtmann zum Mesner gegangen und habe die Schlüssel gefordert. Dieser habe sich geweigert, sie auszuliefern, der Amtmann habe sie jedoch unter einem Hut hängen gesehen und mit dem Bemerken mitgenommen, auch sie müßten einmal in die Kirche gehen. In Ennabeuren ließ der Aussteller daraufhin ebenfalls ein Vidimus des Protests aufhängen.