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Münch-Bellinghausen, Eligius Franz Joseph Reichsfreiherr von
Theaterzettel ; Text
1867-09-18
11
Friedrich Halm, d. i. Münch-Bellinghausen.
Die Deutsche Schaubühne, Bd. 8 (1867), Heft 10/11, S. 110f.: „Die Wirkung dieses hochpoetischen dramatischen Gedichts beruht hauptsächlich auf der virtuosen Durchführung der Titelrolle, in welcher die sich widersprechenden Elemente der angebornen sanften weiblichen Natur und des von frühauf mit Knabenkleidern anerzogenen und angewöhnten männlichen Trotzes und wilden Uebermuths in stetem Farbenwechsel chamäleontisch ineinander spielen. Frl. Charles gab dieselbe mit vielem Fleiß und in den sentimentalen Schattirungen auch mit vielem Gelingen, aber zur erschöpfenden Charakteristik des Wildfeuers blieb doch ein bedeutendes Mehr an leichtblütigem Temperament, rascher Beweglichkeit, Wildheit, Trotz, Uebermuth, kecker, sprühender Laune zu wünschen übrig und trat demnach auch der innere Widerspruch des Charakters, der sich namentlich in den scharf markirten, schroffen Uebergängen von einer Stimmung zu zeigen hat, nicht ganz ausdrucksvoll genug hervor. Für eine vollendete Lösung dieser ungemein schwierigen, in der Dramatik fast beispiellosen künstlerischen Aufgabe reicht überhaupt die gewöhnliche Darstellungskraft nicht aus; sie verlangt eine eminente, sublime Begabung, wie sie nur wenigen Auserwählten zu Theil wird. Die geniale Hedwig Raabe mit ihrer ganzen eigengearteten künstlerischen Individualität würde für dies „Wildfeuer“ nach allen Seiten hin die rechte Darstellerin sein und somit auch das ganze Stück erst zur rechten dramatischen Geltung bringen. Auch auf den Darsteller des geliebten Freundes von „Wildfeuer“, des jungen Waffenmeisters „Marzel“ kommt ungemein viel an. Miene, Ton und Haltung müssen bei ihm den Stempel idealer Männlichkeit tragen, jener Männlichkeit, die dem Weibe nicht weniger imponirend als anziehend ist, und diese Eigenschaft ist es gerade, welche der persönlichen Erscheinung und dem Organ des Hrn. Savits, so gelungene einzelne Momente sonst sein Spiel, besonders in der mit leidenschaftlicher Ergriffenheit gegebenen herrlichen Kußscene des dritten Akts auch bot, nicht in dem wünschenswerthen Maaße verliehen ist. Wenn unter diesen Umständen die hochpoetischen Intentionen des Dichters freilich nicht zum vollsten Ausdruck kamen, so blieb doch immerhin der Eindruck seines romantischen Dramas, das übrigens mehr Grazie des Geistes, Gedankenfülle und Formenschönheit der Diktion als eigentliche dramatische Kraft entfaltet, ein bedeutender und bekundete hinlänglich, daß der gefeierte Dichter der „Griseldis“, des „Sohnes der Wildniß“ und des „Fechters von Ravenna“ auch in einem weniger glückliche gewählten Stoff sich nicht verleugnet. Nicht blos den Aktschlüssen, sondern auch den hervorragendsten Scenen folgte rauschender Beifall und fand auf höchstem [sic] Befehl bereits am 2. Oktober die erste Wiederholung, mit gleich günstigem Erfolge, statt.“