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Schreiben von Paul Hans Hugo Stallmann und seiner Ehefrau Luise (Lilly) geb. Meier aus Minden an seinen Bruder Oswald Stallmann
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Stadt Minden WN 27 Nachlass Oswald Stallmann, Nr. 13
Stadt Minden WN 27 Nachlass Oswald Stallmann Nachlass Oswald Stallmann
Nachlass Oswald Stallmann
1940
Enthält u.a.: Paul: "Ja, nun ist das Jahr 1940 angebrochen. Was wird es uns bringen? Hoffen wir, das [!] es uns einen siegreichen Frieden bringen wird. […] gerade wird durchgegeben, daß heute nachmittag [!] 3 schwere englische Bomber neuster Bauart durch deutsche Jäger zum Absturz gebracht worden sind. Sie hatten die Deutsche Bucht angeflogen, und wurden so von unsern Messerschmidtmaschinen abgeschossen. Es tuen [!] einem nur die Leute leid, die sich für diese Kriegshetzerklicke herunterholen lassen müssen. Na die 3 sind erst einmal weniger. […] den Hannoverschen Anzeiger kann ich Dir nun nicht mehr senden, weil wir jetzt die Neusten Westfälischen Nachrichten abonnirt haben, und den Anzeiger abbestellt. Man muß ja jetzt eine Lokalzeitung haben; denn es wird ja immer in den Zeitungen aufgerufen, wenn es [!] irgent [!] etwas auf Marken ausgegeben wird. Doch wir werden Dir das Mindener Tageblatt schicken. Du liest es ja am liebsten. Lilly u. unsre Lene sind gerade wieder am Schachspielen. Ich habe ja von die Mädel ein Schachspiel bekommen. […] Mit dem Wunsche, daß es unserm Volk im Jahr 1940 vergönnt sein möge, einen entscheidenden Sieg über seine Feinde zu erringen, will ich Schluß machen.", 2. Jan. 1940; Paul: "Bei Kochs sind zu Weihnachten 2 Verlobungen von Stapel gegangen. Es ist ja für Liesbeth auch das Beste.", 8. Jan. 1940; Paul: "Gestern u. heute hatten wir 17° Kälte. […] Der Kanal ist auch zu gefroren, was sich in punkto Kohlenversorgung sehr unangenehm auswirkt. Auch die Weser treibt Eis.", 11. Jan. 1940; Paul: "fast Tauwetter", "Wie wird die Lage an den Fronten werden. Hoffentlich wird der Gegner bald nieder gerungen sein, damit alle bald wieder bei ihren Lieben sind.", 15. Jan. 1940; Paul: "Von unserer Regierung sind schon einige Beamte nach Kattowitz versetzt.", 21. Jan. 1940; Paul: immer noch 5° Kälte, 23. Jan. 1940; Paul über seinen Sohn Jochen: "Wenn man dann schimpft, sagt er: Jochen hat Geburtstag. Er meint, dann könnte er sich alles erlauben. Man muß jetzt so aufpassen; denn er wird jetzt so ein richtiger Stromer. Gerade hat er sich von mir eine Naht gefangen. Nun schweigt er, und sucht sich wieder anzuschmusen. Es ist so ein richtiger Junge. Er schüttelt die Schläge ab. Das Schöne ist ja, daß er es sich letzten Endes doch merkt.", 23. Jan. 1940; Lilly: "Sonntag waren wir alle zum Kaffee bei Onkel Willi, alle waren sie schon am schmausen [!] da legte der Junge [Jochen] seinen Löffel nieder und auf meine Frage, schmeckt es dir nicht? gab er zur Antwort: "Doch aber wir haben ja noch nicht gebetet! Begreift er ja noch nicht was es bedeutet so weiß er doch es gehört dazu.", 10. Febr. 1940; Paul: "Otten [Otto Koch jun.] hat sich doch sicher gefreut, als er Dich dort an seinem Standort vor sich stehen sah? Es ist ja auch eine Überraschung, in Feindesland ein bekanntes Gesicht zu sehen. […] Bei uns an der Regierung geht auch das Gerede herum, daß ein Teil nach dem Osten käme. Da ist man nun gespannt, wer daran glauben muß. Es werden verschiedene neue Regierungsbezirke eingerichtet. Wir werden ja sehen. Das große Rätselraten wird bei Euch doch auch wohl sein. Wann wird der entscheidende Schlag gegen England ausgeführt. Ich glaube, wenn der Zeitpunkt da ist, wird dem Tommy die Spucke wegbleiben. Dann wird auch der Friede bald wieder die deutschen Lande erfüllen. Ich habe die feste Hoffnung, daß der Sieg unser ist, und nicht mehr lange auf sich warten läßt. Heute ist ja auch die deutsche Frühjahresmesse in Leipzig eröffnet. Mitten im Krieg vermögen wir noch ein solch wirtschaftliches Unternehmen aufzuziehen. Die Weser ist am vorigen Sonntag auch wieder aufgebrochen. Es war ein Schauspiel, anzusehen, wie gewaltigen [!] Eismassen die Weser herunter kamen.", 3. März 1940; Paul: "Lilly muß augenblicklich zur Luftschutzschulung, der Kursus dauert 6 Tage als Laienhelferin. […] Die Ortsgruppe ist jetzt auch von der Süntelstraße nach der Deisterstraße verlegt.", 5. März 1940; Paul: Oswalds Urlaub verzögert sich, "Du hast recht, es ist Krieg, und da müssen alle persönlichen Wünsche zurücktreten. Doch einmal wird auch für Dich die Stunde kommen, wo Du Deinen Urlaub antreten kannst.", 12. März 1940; Paul: "Am Sonntag [17. März] war hier Tag der Wehrmacht. Die Pionierkapelle war extra dazu hergekommen. Mittags konnte man aus der Feldküche essen. Alles zu Gunsten des W.H.W. […] Gestern waren der Führer u. d. Duce am Brenner. Hoffentlich wird unserer Truppe bald die Möglichkeit werden, dem Tommy das Fall zu gerben. Ich glaube, daß jeder den Tag herbeisehnt, an dem er alle Schurkenstreiche dieses Inselvolkes mit der Waffe rächen kann.", 19. März 1940; Paul: "Lieber Oswald! Dein [!] Brief vom 7. 4. 40 mit der Karte vom Führer haben wir erhalten. […] Nun bist Du schon bald 14 Tage wieder in Deinem Wirkungskreis. So gehen die Tage dahin, und wir gehen mit. In den letzten Tagen hat sich ja so allerhand ereignet. Möge doch bald der letzte Schlag geschlagen werden, damit wieder Friede in die Welt einziehen möchte. […] Gerade kommen die Meldungen von dem herrlichen Sieg unserer jungen Flotte in den letzten Tagen vor Norwegens Küste durch. […]. Für unser Vaterland doch ein freudiges Wissen, und stolz schauen wir auf unsere Truppen. Was wird nun in den nächsten Tagen werden. Hoffen wir nun auf einen deutschen Sieg. Man sieht, daß der Feind der deutschen Wehrmacht nicht gewachsen ist.", 14. Apr. 1940; Paul: "Heute kam durch Minden auch, ich glaube es war wohl über 1 Regiment Infanterie. Da hörte man mal wieder seit langem wieder [!] Militärmusik. Am Adolf Hitler-Platz war der Vorbeimarsch am Kommandeur statt [!]. Von der Reichsbodenschätzung hier in Minden kommen am 6.5.1940 wieder 3 Mann fort. Sie kommen nach der Regierung Zichenau [?]. Das liegt oben an der Grenze von Ostpreußen. So geht einer nach dem Andern, bis auch uns das Los trifft. Wie wird die Lage sich in Zukunft gestalten? In den letzten Tagen hat der Engländer allerhand einbüßen müssen. Allein im Norwegenkonflikt hat er 60 Schiffe (Kriegsschiffe) verloren. Wenn sich die Verlustziffer so dran hält, dann wird in seinen Schiffsbestand aber eine nette Lücke gerissen. […] Hier in Minden wird wieder fleißig gemustert. Jahrgang 1940 [!] u. 1905 wird erfaßt [!]. Von Sonntag an geht nun die große Sammlung für das Hilfswerk des Roten Kreuzes. Wir von der N.S.V. haben wieder die Ehre, die Sammler zu stellen. Na ja wird tuen es ja auch gern. Wenn nur den Soldaten dadurch an der Front wir helfen können, wollen wir alles andere gern tun. Die schwerste Sammlung ist ja immer die erste. Damit wir die Leute gleich in das rechte Fahrwasser bringen können, muß man alle Überredungskünste aufbieten. Die folgenden Sammlungen regeln sich dan[n] von selbst. Doch ich glaube, daß das Volk Verständnis hat für diese Sammelaktion. Auch die Metallspende hat auch [!] hier in Minden einen überwaltigen [!] Erfolg gebracht. Wenn man so sieht, wie das Volk hinter dem Führer steht, kann man doch vertrauend in die Zukunft schauen. An diesem Volk wird der Vernichtungswille unserer Feinde zerschellen. Wie wir unserm Jochen die Karte mit dem Führer, die Du gesandt hast zeigen, und fragen: Wer ist das, antwortet er: Adolf Hitler, unser Führer.", 26. Apr. 1940; Paul: "Am letzten Sonnabend sind von uns wieder drei Mann nach Polen gekommen. Was davon noch wird, muß man nun erst abwarten. Nun wird die Feldarbeit so recht in vollem Tempo in Arbeit genommen. Hoffentlich wird dieses Jahr uns auf diesem Gebiet der Segen unsers Gottes geschenkt werden. Dieser Sieg wird von großer Bedeutung sein. In den letzten Tagen hat auch unsere Wehrmacht dem Feinde ganz erhebliche, und schmerzhafte Schläge zu gefügt. Nun scheint der Engländer den Krieg zum Mittelmeer verlegen zu wollen. Er versucht die letzten Chancen aus nutzen zu wollen. Doch auch das wird ihm nichts nützen. An dem Siegeswillen unserer tapferen Truppen wird er versagen.", 7. Mai 1940; Paul: "Nun ist das deutsche Westheer zum Entscheidungskampf angetreten. Gigantische Erfolge krönen die Ausbildung unseres Heeres. Wir dürfen stolz auf Euch tapferen [!] Soldaten der Front sein. Möge der Gegner bald nieder gerungen sein, und der Friede bald wieder in unser Vaterland einziehen.", 19. Mai 1940; Paul: "Gestern kam nun die Aufsehen erregende Frage, daß Frankreich die Waffen niederlegen wollte, und von Deutschland die Bedingungen erwarte. Was für ein [!] Schlag muß Frankreich bekommen haben, wenn es sich zu diesem schweren Schritt begeben hat. Wollte doch, daß es doch zu diesem ersehnten Frieden kommen möge. Heute treffen sich ja unser Führer und der italienische Regierungschef. Sie werden über die Bedingungen beraten, und über die Forderungen. Die Schmach von Versailles ist in Deutschland nicht vergessen worden. Noch am 10. Mai 1940 schrieb das franz. Militärblatt, wie der Rundfunk heute durchgab, daß Deutschland ganz zerstückelt werden müßte, und ein Vertrag, wie der Vertrag zu Versaille[s] würde nicht gemacht; jetzt würde nur diktiert. Ich glaube Deutschland nimmt dieses zur Kenntnis, und wird demgemäß seine Forderungen stellen. Man muß ja staunen, mit welcher Wucht die deutschen Truppen zuschlagen. Karl Oswald schrieb uns heute auch. Der Brief war am 1. Juni geschrieben, und kam heute an. Er schreibt von dem Elend und von dem Leid, daß [!] das Land dort [Polen] getroffen hätte. Er meinte, er könnte jetzt erst verstehen u. so recht würdigen, was die Väter u. überhaupt die Soldaten des Weltkrieges von 1914-1918 geleistet hätten. Er sehnt sich so nach dem Frieden. Ich glauben [!] diesen Wunsch hat wohl jeder heute, denn wie unsagbares Leid hat doch schon dieser Krieg über die Völker gebracht. Wie manche Träne ist schon geweint um liebe Angehörige, die heute schon die kühle Erde deckt. Otto und Liesbeth wollen sich ja ferntrauen lassen. Die rechte Trauung soll dann nach dem Friedensschluß sein. […] Unser Jochen geht jetzt jeden Morgen zur Kinderschule. Er will dann immer nicht hin, doch wenn er erst dort ist, ist er gleich mittemang [!]. […] Bei uns im Amt ist alles fast fort. Einige Mann und die Lehrjungen halten die Stellung. Wer weiß, wie lange das noch währt. Man spricht, daß alle Jahrgänge bis 1888 gezogen werden sollten.", 18. Juni 1940; Paul: "Hier in H[annover] kommen die Tommy auch zu nächtlichen Besuchen, da sie sich bei Tage nicht über die Grenze wagen. Wir waren die letzte Nach auch wieder im Keller.", Jochen hat die Masern: "Er singt gerade im Bett "Wir fahren gegen Engeland, hoi." Häufig wenn wir Nachts [!] im Keller waren, und er dann im Halbschlaf lag, sang er in seiner Melodie diesen Vers. Wann wird nun zum großen Endspurt geblasen? Hoffentlich wird diesem Piratenvolk das Handwerk gelegt. Dieses Volk, das eine Welt ins Elend u. in Tränen gestürzt hat. Mögen die Leute, die diesen Krieg auf dem Gewissen haben, sich sagen lassen, daß Ihnen die Strafe, die sie verdient haben nicht erspart bleibt. Die erste Etappe des Krieges ist glänzend durch unsere unvergleichliche Wehrmacht erreicht. Bald wird auch zum letzten Angriff geblasen werden, und so Gott es will, mit Seiner Hilfe recht bald niedergerungen sein. Möge dieser Augenblick nicht mehr fern sein. Wenn dann das große Hallali [!] geblasen wird, und unsere tapferen Truppen mit sieggekrönten Fahnen heimkehren werden, dann wird von allen Türmen der Glockenschall in alle Winde ertönen "Friede auf Erden". Dieser Gedanke ist herrlich auszudenken. […] Tante Liesbeth ist nun ja auch Frau Koch. Kurt war gerade zu Haus, und hat der standesamtlichen Trauung beigewohnt. Es ist für Liesbeth vielleicht das Beste. Man weiß ja nicht was kommen kann. Karl-Oswald liegt scheinbar auch noch in der Richtung nach England. Möge Euch Gott bewahren, damit Ihr alle gesund heimkehren werdet. [… Jochen] muß nun nachts, wenn Flieger kommen, mit Lilly oben bleiben . Das ist ja nicht schön, doch man kann ihn ja nicht so mit in den Keller nehmen. Doch wir vertrauen auf unsern treuen Gott u. Herrn. Er wird Lilly u. Jochen auch in der Wohnung bewahren. Wenn nachts die Flak schießt, sagt Jochen "Ich schieße mit mein Soldatenauto."", 19. Juli 1940
Darin: 1 Fotografie von Joachim Stallmann im Weserglacis, [Sommer 1940, im Brief vom 19. Juli 1940]
Akten
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.