Autographensammlung Engelmann, HHI.94.5036.503
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1936
"Verehrliche Direktion,
im Besitz Ihres Briefes vom 23. d. m. danke ich Ihnen bestens für das Interesse an meinem Stück.
Sicherlich ist Ihre Auffassung von der Wiener Bearbeitung des Stückes 'Von Prag nach Bratislava in 365 Tagen' vollständig richtig. Ich selbst kannte sie zwar nicht, aber meine Wiener Freunde schrieben mir übereinstimmend, dass sie sinnlos und eine Verkitschung des Stücks darstellt.
Meine Dramatisierung ist seinerzeit beim Arcadia-Verlag erschienen und kann ohne Zweifel so gespielt werden, wie sie ist. Ich selbst besitze nur ein einziges Exemplar, das ich selbstverständlich nicht aus der Hand geben kann. Falls Sie aber vom Arcadia-Verlag Bühnenexemplare verlangen würden, würde er daraus den Rechtstitel ableiten, von einer eventuellen Aufführung Tantiemen zu beanspruchen, obwohl er nach der Rechtslage dazu nicht mehr berechtigt ist (Uebrigens ist eine der wichtigsten Szenen des Stücks in der Vervielfältigung nicht vorhanden, ich habe jedoch eine Abschrift der Szene hier.)
Die Idee des Stückes stammt ebenso wie die jetzige Bühnenfassung von mir allein, (sie ist im Jahre 1930 geschrieben worden), mein Freund Longen, der mit Hasek an einer früheren Bearbeitung beteiligt war, hat eine Abfindung erhalten und den Nicht-Besitz seiner Rechte schriftlich erklärt, die Familia Jaroslav Haseks, dessen Namen ich auf dem Manuskript erhalten wissen wollte, erhält einen Teil meiner Tantieme von mir selbst.
Ich kann meine Einwilligung zur Aufführung des Stückes nur geben, wenn es in der von mir hergestellten Fassung gespielt würde. Sehr froh wäre ich, wenn Artur Longen Regie führen, und wenn er gar die Rolle des Mikulaschek übernehmen könnte. Ich sage das nicht aus Freundschaft, sondern weil ich ihn für einen genialen Regisseur und für einen Darsteller halte, dessen Debut vor dem Prager deutschen Publikum Sensation hervorrufen würde. Seine Regie-Leistungen bei 'Tonka Sibenice' und 'Generalstabschef Redl' danke ich deren tschechischen Erfolg. (In Prag sind diese Stücke übrigens deutsch nie gespielt worden, in Berlin spielte Valetti die Tonka 400mal, Sima im Redl 60mal, etz.)
Nochmals für Ihr Interesse dankend, mit besten Empfehlungen und Grüssen an Herrn Direktor Dr. Eger, Herrn Dr. Gellner und Herrn Taub bin ich Ihr Egon Erwin Kisch"
im Besitz Ihres Briefes vom 23. d. m. danke ich Ihnen bestens für das Interesse an meinem Stück.
Sicherlich ist Ihre Auffassung von der Wiener Bearbeitung des Stückes 'Von Prag nach Bratislava in 365 Tagen' vollständig richtig. Ich selbst kannte sie zwar nicht, aber meine Wiener Freunde schrieben mir übereinstimmend, dass sie sinnlos und eine Verkitschung des Stücks darstellt.
Meine Dramatisierung ist seinerzeit beim Arcadia-Verlag erschienen und kann ohne Zweifel so gespielt werden, wie sie ist. Ich selbst besitze nur ein einziges Exemplar, das ich selbstverständlich nicht aus der Hand geben kann. Falls Sie aber vom Arcadia-Verlag Bühnenexemplare verlangen würden, würde er daraus den Rechtstitel ableiten, von einer eventuellen Aufführung Tantiemen zu beanspruchen, obwohl er nach der Rechtslage dazu nicht mehr berechtigt ist (Uebrigens ist eine der wichtigsten Szenen des Stücks in der Vervielfältigung nicht vorhanden, ich habe jedoch eine Abschrift der Szene hier.)
Die Idee des Stückes stammt ebenso wie die jetzige Bühnenfassung von mir allein, (sie ist im Jahre 1930 geschrieben worden), mein Freund Longen, der mit Hasek an einer früheren Bearbeitung beteiligt war, hat eine Abfindung erhalten und den Nicht-Besitz seiner Rechte schriftlich erklärt, die Familia Jaroslav Haseks, dessen Namen ich auf dem Manuskript erhalten wissen wollte, erhält einen Teil meiner Tantieme von mir selbst.
Ich kann meine Einwilligung zur Aufführung des Stückes nur geben, wenn es in der von mir hergestellten Fassung gespielt würde. Sehr froh wäre ich, wenn Artur Longen Regie führen, und wenn er gar die Rolle des Mikulaschek übernehmen könnte. Ich sage das nicht aus Freundschaft, sondern weil ich ihn für einen genialen Regisseur und für einen Darsteller halte, dessen Debut vor dem Prager deutschen Publikum Sensation hervorrufen würde. Seine Regie-Leistungen bei 'Tonka Sibenice' und 'Generalstabschef Redl' danke ich deren tschechischen Erfolg. (In Prag sind diese Stücke übrigens deutsch nie gespielt worden, in Berlin spielte Valetti die Tonka 400mal, Sima im Redl 60mal, etz.)
Nochmals für Ihr Interesse dankend, mit besten Empfehlungen und Grüssen an Herrn Direktor Dr. Eger, Herrn Dr. Gellner und Herrn Taub bin ich Ihr Egon Erwin Kisch"
1 Brief mit Unterschrift
Absender*in: Egon Erwin Kisch
Archivalie – Korrespondenz
Deutsch
Egon Erwin Kisch - Absender*in
Versailles - Absendeort
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
11.11.2025, 11:59 AM CET
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