Kloster Lichtenthal (Bestand)
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Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 35
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Ältere Bestände (vornehmlich aus der Zeit des Alten Reichs) >> Urkunden >> Kleinere geistliche Territorien >> Lichtenthal
1245-1803
Überlieferungsgeschichte
1796 Flüchtung des Archivs des Zisterzienserinnenklosters nach Friedenweiler, dabei Verluste. 1806 Übernahme eines Auslesebestands in das Generallandesarchiv, Einreihung der Kaiser- und Papsturkunden in Bestände D und E
Inhalt und Bewertung
Generalia, badische Orte A-W, nichtbadische Orte E-W
Das Kloster Lichtenthal: Eine Frauengemeinschaft in Beuern beziehungsweise Lichtenthal erscheint erstmals 1243 im Kontext einer Anniversarstiftung für Markgraf Hermann V. von Baden. Gleichwohl gilt traditionell die Bestätigung der von Markgräfin Irmengard gewährten ersten Dotierung vom Jahr 1245 als eigentliche Klostergründung. Der Gründungskonvent und die erste Äbtissin kamen aus Wald bei Sigmaringen, die Aufnahme in den Zisterzienserorden erfolgte 1247/48. Die ursprünglich dem Abt von Neuburg im Elsass obliegende Paternität wechselte mehrfach und lag seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bei Maulbronn, um 1490 bei Herrenalb, nach 1534 wieder bei Neuburg, 1622/25 bei Salem, 1625 bei Lützel und 1668 bei Tennenbach. Von seiner Gründung bis ins 15. Jahrhundert diente Lichtenthal den Markgrafen von Baden als Grablege. Während des ausgehenden Mittelalters entstammten die Konventualinnen praktisch ausnahmslos dem Ritter- und Dynastenadel der näheren und weiteren Umgebung; allein vier Äbtissinnen waren Töchter des Hauses Baden. Der Lichtenthaler Klosterbesitz hatte seinen Schwerpunkt zwischen Rastatt und Bühl in der Vorbergzone des Schwarzwalds; darüber hinaus streute er von der nördlichen Ortenau bis in den Pfinzgau sowie ins Elsass und in den Speyergau, ins Murgtal und ins Zabergäu. Infolge der Säkularisation musste das Kloster 1802/03 zwar seine Besitz- und Herrschaftsrechte an den badischen Staat abtreten, jedoch bestand aufgrund seiner althergebrachten engen Verbundenheit mit dem Haus Baden der Konvent fort und betreibt zum Nachweis seiner Gemeinnützigkeit seit 1815 eine Mädchenschule, inzwischen auch Kunstwerkstätten. Als Grablege der Markgrafen von Baden des 13. und 14. Jahrhunderts entging das Kloster Lichtental nach 1802 der völligen Aufhebung und besteht als Nonnenkonvent bis heute weiter. Die Güter und Gerechtigkeiten des Klosters wurden jedoch 1802 eingezogen, die Gebäude verstaatlicht. Die Bibliothek kam 1804 an die Karlsruher Hofbibliothek.
Überlieferung und Erschließung: Das bis dahin stets im Kloster verwahrte Archiv wurde 1796 vor den Heeren der Französischen Revolution nach Friedenweiler auf der Baar geflüchtet und erlitt dabei mancherlei Verluste. 1806 ins Generallandesarchiv verbracht, fand es sogleich das besondere Interesse Franz Joseph Mones, Joseph Baders und Franz Joseph Herrs, die es hinsichtlich der Geschichte des markgräflichen Hauses auswerteten. Der Verzeichnung der Urkunden widmete sich in den 1850er Jahren Joseph Dambacher, der zugleich alle vor dem Jahr 1400 datierenden Stücke in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins edierte. Das entsprechende Archivrepertorium stellte erst zwanzig Jahre später Moriz Gmelin fertig, sortiert, wie im Generallandesarchiv üblich, nach Generalia und Specialia. 1989 erfolgte die Neusignierung des Bestands mit fortlaufenden Nummern. Die Konversion zwecks Präsentation des Findmittels im Internet besorgte 2015 Kurt Andermann.
Literaturhinweise: Hansmartin Schwarzmaier / Gabriele Wüst (Bearbb.), Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 2, Urkundenbestände (1-45), Stuttgart 1996, S. 223 f.; Joseph Dambacher, Urkundenarchiv des Klosters Lichtenthal, in: ZGO 6 (1855) S. 440-466, 7 (1856) S. 85-99, 195-228, 351-384 und 453-492, 8 (1857) S. 72-105, 195-230, 343-357 und 451-463 und 9 (1858) S. 106-127; Lucia Reiß, Studien zur Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte des Zisterzienserinnen-Klosters Lichtenthal (1245-1803), in: ZGO 96 (1948) S. 230-306; Maria Agnes Wolters, Das Äbtissinnenverzeichnis der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal in den zwei ersten Jahrhunderten seit der Klostergründung, in: ZGO 77 (1957) S. 286-301; Maria Pia Schindele, Die Abtei Lichtenthal. Ihr Verhältnis zum Cistercienserorden, zu Päpsten und Bischöfen und zum badischen Landesherrn im Laufe der Jahrhunderte, in: FDA 104 (1984) S. 19-166 und 105 (1985) S. 67-248; Faszination eines Klosters. 750 Jahre Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal, Ausstellungskatalog des Badischen Landesmuseums, Sigmaringen 1995.
1796 Flüchtung des Archivs des Zisterzienserinnenklosters nach Friedenweiler, dabei Verluste. 1806 Übernahme eines Auslesebestands in das Generallandesarchiv, Einreihung der Kaiser- und Papsturkunden in Bestände D und E
Inhalt und Bewertung
Generalia, badische Orte A-W, nichtbadische Orte E-W
Das Kloster Lichtenthal: Eine Frauengemeinschaft in Beuern beziehungsweise Lichtenthal erscheint erstmals 1243 im Kontext einer Anniversarstiftung für Markgraf Hermann V. von Baden. Gleichwohl gilt traditionell die Bestätigung der von Markgräfin Irmengard gewährten ersten Dotierung vom Jahr 1245 als eigentliche Klostergründung. Der Gründungskonvent und die erste Äbtissin kamen aus Wald bei Sigmaringen, die Aufnahme in den Zisterzienserorden erfolgte 1247/48. Die ursprünglich dem Abt von Neuburg im Elsass obliegende Paternität wechselte mehrfach und lag seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bei Maulbronn, um 1490 bei Herrenalb, nach 1534 wieder bei Neuburg, 1622/25 bei Salem, 1625 bei Lützel und 1668 bei Tennenbach. Von seiner Gründung bis ins 15. Jahrhundert diente Lichtenthal den Markgrafen von Baden als Grablege. Während des ausgehenden Mittelalters entstammten die Konventualinnen praktisch ausnahmslos dem Ritter- und Dynastenadel der näheren und weiteren Umgebung; allein vier Äbtissinnen waren Töchter des Hauses Baden. Der Lichtenthaler Klosterbesitz hatte seinen Schwerpunkt zwischen Rastatt und Bühl in der Vorbergzone des Schwarzwalds; darüber hinaus streute er von der nördlichen Ortenau bis in den Pfinzgau sowie ins Elsass und in den Speyergau, ins Murgtal und ins Zabergäu. Infolge der Säkularisation musste das Kloster 1802/03 zwar seine Besitz- und Herrschaftsrechte an den badischen Staat abtreten, jedoch bestand aufgrund seiner althergebrachten engen Verbundenheit mit dem Haus Baden der Konvent fort und betreibt zum Nachweis seiner Gemeinnützigkeit seit 1815 eine Mädchenschule, inzwischen auch Kunstwerkstätten. Als Grablege der Markgrafen von Baden des 13. und 14. Jahrhunderts entging das Kloster Lichtental nach 1802 der völligen Aufhebung und besteht als Nonnenkonvent bis heute weiter. Die Güter und Gerechtigkeiten des Klosters wurden jedoch 1802 eingezogen, die Gebäude verstaatlicht. Die Bibliothek kam 1804 an die Karlsruher Hofbibliothek.
Überlieferung und Erschließung: Das bis dahin stets im Kloster verwahrte Archiv wurde 1796 vor den Heeren der Französischen Revolution nach Friedenweiler auf der Baar geflüchtet und erlitt dabei mancherlei Verluste. 1806 ins Generallandesarchiv verbracht, fand es sogleich das besondere Interesse Franz Joseph Mones, Joseph Baders und Franz Joseph Herrs, die es hinsichtlich der Geschichte des markgräflichen Hauses auswerteten. Der Verzeichnung der Urkunden widmete sich in den 1850er Jahren Joseph Dambacher, der zugleich alle vor dem Jahr 1400 datierenden Stücke in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins edierte. Das entsprechende Archivrepertorium stellte erst zwanzig Jahre später Moriz Gmelin fertig, sortiert, wie im Generallandesarchiv üblich, nach Generalia und Specialia. 1989 erfolgte die Neusignierung des Bestands mit fortlaufenden Nummern. Die Konversion zwecks Präsentation des Findmittels im Internet besorgte 2015 Kurt Andermann.
Literaturhinweise: Hansmartin Schwarzmaier / Gabriele Wüst (Bearbb.), Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 2, Urkundenbestände (1-45), Stuttgart 1996, S. 223 f.; Joseph Dambacher, Urkundenarchiv des Klosters Lichtenthal, in: ZGO 6 (1855) S. 440-466, 7 (1856) S. 85-99, 195-228, 351-384 und 453-492, 8 (1857) S. 72-105, 195-230, 343-357 und 451-463 und 9 (1858) S. 106-127; Lucia Reiß, Studien zur Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte des Zisterzienserinnen-Klosters Lichtenthal (1245-1803), in: ZGO 96 (1948) S. 230-306; Maria Agnes Wolters, Das Äbtissinnenverzeichnis der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal in den zwei ersten Jahrhunderten seit der Klostergründung, in: ZGO 77 (1957) S. 286-301; Maria Pia Schindele, Die Abtei Lichtenthal. Ihr Verhältnis zum Cistercienserorden, zu Päpsten und Bischöfen und zum badischen Landesherrn im Laufe der Jahrhunderte, in: FDA 104 (1984) S. 19-166 und 105 (1985) S. 67-248; Faszination eines Klosters. 750 Jahre Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal, Ausstellungskatalog des Badischen Landesmuseums, Sigmaringen 1995.
417 Urkunden
Bestand
Inventare des Großherzoglich Badischen General-Landesarchivs, 4. Band, Karlsruhe 1911, S. 159-160; Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 2, Urkundenbestände, bearb. von Hansmartin Schwarzmaier und Gabriele Wüst, Stuttgart 1996, S. 223-224; Josef Dambacher, Urkundenarchiv des Klosters Lichtental, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 6 (1855) S.440-466; 7 (1856) S.85-99, 195-228, 351-384, 453-492; 8 (1857) S.72-105, 195-230, 343-357, 451-463; 9 (1858) 5. 106-127. - Faszination eines Klosters. 750 Jahre Zisterzienserinnen-Abtei Lichtenthal. Ausstellungskatalog des Badischen Landesmuseums, Sigmaringen 1995
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
03.04.2025, 11:03 AM CEST
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