Böhmisch-österreichische Religionsirrungen und Unruhen (Krieg in Jütland und Pommern) (Bestand)
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I. HA GR, Rep. 3
Tektonik >> ZENTRALE VERWALTUNGS- UND JUSTIZBEHÖRDEN BRANDENBURG-PREUSSENS BIS 1808 >> Geheimer Rat >> Sach-Reposituren >> Konfessionspolitik
Laufzeit: (1472 - ) 1603 - 1660
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.
Vorbemerkung
Behördengeschichte:
Hinter der Repositurbezeichnung "Böhmisch-österreichische Religionsirrungen und Unruhen (Krieg in Jütland und Pommern)" verbergen sich drei historische Ereignisse:
- Der Bruderzwist im Hause Habsburg, der sich seit ca. 1600 und dem Todesjahr Kaiser Rudolfs II. (1612) zwischen diesem und seinem Bruder Erzherzog Matthias von Österreich, seit 1608 König von Ungarn, seit 1611 auch König von Böhmen, entfaltete;
- der Ständeaufstand in Böhmen, die Wahl des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen sowie die daraus entstehenden Anfänge des Dreißigjährigen Krieges bis zu Friedrichs Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg 1621;
- die Beteiligung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg am Feldzug in Pommern und Jütland (1659/60) als Teil der gegen Schweden gerichteten Allianz Polen-Litauens, Dänemarks, Österreichs und der Niederlande im Zweiten Nordischen Krieg (1655-1660).
Da der Schwerpunkt der Überlieferung auf dem Bruderzwist und dem Ständeaufstand in Böhmen liegt, gilt es hier vornehmlich die behördengeschichtlichen Zusammenhänge des Geheimen Rats in dieser Zeit zu beleuchten. Das 1604 gegründete Kollegium war damals noch eine vergleichsweise neue Institution. Feste Zuständigkeiten gab es in dem bis zu zehn Personen umfassenden Kollegium damals kaum. Daher war die Mehrzahl der Geheimen Räte unter den Kurfürsten Johann Sigismund und Georg Wilhelm an den politischen Geschäften rund um Bruderzwist und Ständeaufstand beteiligt.
Das Aufgabenportfolio des Kollegiums umfasste sowohl außen- als auch innenpolitische Materien. Bruderzwist und Ständeaufstand zählen zu den außenpolitischen Belangen, was sich auch im entstandenen Archivgut spiegelt: Es dominieren einerseits Vorgänge, die aus Gesandtschaften erwachsen sind, und andererseits Schriftwechsel mit den beteiligten Parteien (Kaiser, Erzherzog, Stände, Reichsfürsten usw.). Auffällig ist die zentrale Stellung des kurbrandenburgischen Kanzlers Dr. Friedrich Pruckmann, der auch in eigenem Namen Kontakte pflegte und dem der kurbrandenburgische Resident in Prag berichtspflichtig war. Die Tatsache, dass sowohl Johann Sigismund als auch Georg Wilhelm im fraglichen Zeitraum im herzoglich-preußischen Königsberg residierten, schlägt sich ebenfalls in der Überlieferung nieder. Immer wieder trifft man auf Schriftwechsel zwischen Berlin-Cölln und Königsberg, wobei der Kurfürst seine Schreiben stets an den Statthalter, den Kanzler und die Geheimen Räte insgesamt adressierte.
Als Statthalter während der Abwesenheit des Kurfürsten fungierte zumindest zeitweise Markgraf Johann Georg von Brandenburg-Jängerndorf, ein Bruder des Kurfürsten Johann Sigismund. Johann Georg war als schlesischer Herzog selbst Lehnsvasall des böhmischen Königs und die schlesischen Stände standen mit den böhmischen und mährischen, aber auch mit den ober- und niederösterreichischen in enger Korrespondenz. Ergänzt wurde das seit dem 15. Jahrhundert bestehende dynastische Interesse der Hohenzollern-Dynastie an Schlesien durch konfessionelle Gesichtspunkte, welche die Brandenburger mit jenen Kräften verbanden, die gegen das Kaisertum opponierten.
Von der Ablage des entstehenden Schriftguts her zeichnet sich mit dem Regierungswechsel von Johann Sigismund zu Georg Wilhelm ein Umbruch ab: Unter Johann Sigismund wurde die Ablage wohl primär nach dem Gesichtspunkt der Korrespondenzpartner gebildet. Dabei wurden die in großer Menge zirkulierenden Abschriften, Beilagen und Avisen (Zeitungen/Neuigkeiten) vielfach unverbunden abgelegt, sodass sich heute nicht mehr ohne weiteres erkennen lässt, in welchen Zusammenhängen sie im Geheimen Rat eingingen und behandelt wurden bzw. welche Rolle sie bei der Entscheidungsfindung spielten. Es ist jedoch durchaus denkbar, das für die zeitgenössischen Akteure die so entstehenden Sammlungen wichtiger waren als der begleitende Schriftwechsel, da daraus der Status quo hervorging. Kopiert und weitergereicht wurden vielfach namentlich solche Schriftstücke, aus denen sich Rechts- und Verfassungszusammenhänge ableiten ließen. Bei der Verzeichnung wurden diese Sammlungen jedoch in der Regel nur summarisch aufgenommen; das Hauptaugenmerk ruhte dagegen auf jenen Konvoluten, welche die Handlungen des Kurfürsten und seiner Geheimen Räte spiegeln. Unter Georg Wilhelm tritt die Korrespondenz als Ordnungsprinzip dann stärker in den Hintergrund; man findet nun auch verstärkt Konvolute, in denen Schriftwechsel mit unterschiedlichen Adressanten zu ähnlichen Materie abgelegt wurden (ohne dass schon von Sachakten im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann). Soweit sinnvoll, wurde den genannten Ordnungsprinzipien bei der Verzeichnung Rechnung getragen.
Über die näheren behördengeschichtlichen Zusammenhänge, unter denen die Überlieferung zum Feldzug in Pommern im Geheimen Rat entstand, kann hier kaum Aufschluss gegeben werden. Da die Akten überwiegend bereits in älterer Zeit formiert und gebunden worden sind, erübrigte sich eine eingehendere Beschäftigung mit dem Archivgut im Zuge der Verzeichnung. Immerhin kann angedeutet werden, dass auch die Überlieferung zu den Kriegsläuften 1659/60 unter den Bedingungen einer räumlichen Trennung des im Felde stehenden Kurfürsten und dem in Berlin-Cölln tagenden Geheimen Rat entstand. Schriftwechsel mit unterschiedlichen Parteien, vorrangig zur Absicherung der eigenen Expansionsziele in Vorpommern, dominieren dabei.
Bestandsgeschichte:
Der heutige Bestand wurde bereits im frühen 17. Jahrhundert von dem kurfürstlichen Sekretär und Archivar Johann Zernitz (gest. 1639) als Repositur 3 formiert. Dabei fügte er Überlieferungen zusammen (Nr. 1 bis Nr. 38 Fasz. 6), die sich auf den Bruderzwist im Hause Habsburg und den Ständeaufstand in Böhmen bezogen. Sein Nachfolger Christoph Schönbeck fügte dem später Überlieferung aus dem Zweiten Nordischen Krieg an (Nr. 39 bis Nr. 53), da er diesen Krieg als Auftakt zu einem neuen allgemeinen Krieg betrachtete. Die so entstandene Repositur erhielt den langen, aber treffenden Titel: "Differentien zwischen Kaiser Rudolphen und König Matthiae, item Österreicher, Kärnter und Steiermärker in puncto religionis, vorgangen de annis 1608-1608, 1610, 1612. Item Böhemische Unruhe de anno 1618, 1619, 1620, 1621, 1622. Continuatio wegen des Krieges mit Schweden, welcher sich anno 1658 aus Polen nach Holstein und Jütland und ferners in Vorpommern gezogen." Mit den nach 1660 zur Repositur gekommenen Ergänzungen war die Bestandsbildung abgeschlossen. Im ersten Band des den auswärtigen Beziehungen gewidmeten, nach seiner Einbandfarbe benannten Roten Buchs entstand Ende des 17. Jahrhundert eine summarische Verzeichnung, die bis in die Gegenwart hinein als Findbuch diente.
Im 19. und 20. Jahrhundert teilt der Bestand I. HA GR, Rep. 3 die Geschicke der übrigen Reposituren des Geheimen Rats. Mit diesen zusammen war sie zunächst im Geheimen Staatsarchiv im Berliner Schloss, dann im Berliner Hohen Haus und schließlich im Dahlemer Archivzweckbau aufgestellt, ehe sie nach kriegsbedingter Auslagerung ins Zentrale Staatsarchiv der DDR, Abteilung Merseburg gelangte. 1993 kehrte die gesamte Überlieferung des Geheimen Rats nach Dahlem zurück. Eine Neuverzeichnung erfolgte erst 2020 in Dahlem durch den Unterzeichneten. Die Verzeichnung orientiert sich an Georg Winters Beitrag über die "Ordnung und Verzeichnung loser Akten im Geheimen Staatsarchiv", der im Mitteilungsblatt der preußischen Archivverwaltung 4 (1938) erschien. Allerdings wurde von der von Winter vorgesehenen Foliierung der Konvolute aus Gründen der Arbeitsökonomie genauso Abstand genommen wie von der Anfertigung von Rotuli (Inhaltsangaben auf Vorgangs- bzw. Einzelblattebene). Enthält-Vermerke wurden systematisch vor allem in folgenden Fällen angelegt:
- zur Verdeutlichung von Entstehungs- bzw. Registratur-Zusammenhängen;
- zur Verdeutlichung des Behördenhandelns des Geheimen Rats;
- zur Hervorhebung wichtiger Sachverhalte und Akteure.
Sammlungen von Abschriften, Beilagen, Avisen, Zeitungen usw., die dem Geheimen Rat zu Informationszwecken vorlagen, wurden nicht durch Enthält-Vermerke erschlossen. Die im Rahmen der Verzeichnung erfolgte Faszikelbildung spiegelt grosso modo die Ablage-Reihenfolge in den vorgefundenen Konvoluten wieder. Verunordnungen, die sich durch Abgleich mit dem Roten Buch ermitteln ließen, wurden rückgängig gemacht; im Sinne der Verzeichnung wurden Schriftstücke hie und da neu geordnet. Es wurden keine Fremdprovenienzen aus der Repositur ausgeschieden.
Die Klassifikation folgt nicht der Aufteilung in Nummern und Faszikel, sondern (1.) ereignisgeschichtlichen und (2.) registraturmäßigen Zusammenhängen. Dabei wurde versucht, die vorgefundenen Ordnungsprinzipien - Ablage nach Korrespondenzpartnern bzw. Bildung von Sammlungen von Abschriften, Beilagen, Avisen usw. - beizubehalten bzw. herauszuarbeiten. Die wenigen Archivalien aus Jägerndorfer Registraturzusammenhängen wurden getrennt ausgewiesen.
(Ernst Müller/Ernst Posner, Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, I. Hauptabteilung (Mitteilungen der Preußischen Archivverwaltung, 24), Leipzig 1934, S. 6-7.)
Formalangaben:
Letzte vergebene Nummer*: - (* bei Signierung nach nc)
Umfang (in laufenden Metern): 3,2
Gesamtlaufzeit des Bestandes: (1472 - ) 1603 - 1660
Lagerungsort : Westhafen
Die Akten sind auf gelbem Leihscheinen wie folgt zu bestellen: I. HA GR, Rep. 3, Nr. ## Fasz. ##
Zitierweise: I. HA GR, Rep. 3 Böhmisch-österreichische Religionsirrungen und Unruhen (Krieg in Jütland und Pommern), Nr. ## Fasz. ##
Berlin, 10. November 2020
Dr. Mathis Leibetseder, Archivoberrat
Zitierweise: GStA PK, I. HA GR, Rep. 3
Vorbemerkung
Behördengeschichte:
Hinter der Repositurbezeichnung "Böhmisch-österreichische Religionsirrungen und Unruhen (Krieg in Jütland und Pommern)" verbergen sich drei historische Ereignisse:
- Der Bruderzwist im Hause Habsburg, der sich seit ca. 1600 und dem Todesjahr Kaiser Rudolfs II. (1612) zwischen diesem und seinem Bruder Erzherzog Matthias von Österreich, seit 1608 König von Ungarn, seit 1611 auch König von Böhmen, entfaltete;
- der Ständeaufstand in Böhmen, die Wahl des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen sowie die daraus entstehenden Anfänge des Dreißigjährigen Krieges bis zu Friedrichs Niederlage in der Schlacht am Weißen Berg 1621;
- die Beteiligung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg am Feldzug in Pommern und Jütland (1659/60) als Teil der gegen Schweden gerichteten Allianz Polen-Litauens, Dänemarks, Österreichs und der Niederlande im Zweiten Nordischen Krieg (1655-1660).
Da der Schwerpunkt der Überlieferung auf dem Bruderzwist und dem Ständeaufstand in Böhmen liegt, gilt es hier vornehmlich die behördengeschichtlichen Zusammenhänge des Geheimen Rats in dieser Zeit zu beleuchten. Das 1604 gegründete Kollegium war damals noch eine vergleichsweise neue Institution. Feste Zuständigkeiten gab es in dem bis zu zehn Personen umfassenden Kollegium damals kaum. Daher war die Mehrzahl der Geheimen Räte unter den Kurfürsten Johann Sigismund und Georg Wilhelm an den politischen Geschäften rund um Bruderzwist und Ständeaufstand beteiligt.
Das Aufgabenportfolio des Kollegiums umfasste sowohl außen- als auch innenpolitische Materien. Bruderzwist und Ständeaufstand zählen zu den außenpolitischen Belangen, was sich auch im entstandenen Archivgut spiegelt: Es dominieren einerseits Vorgänge, die aus Gesandtschaften erwachsen sind, und andererseits Schriftwechsel mit den beteiligten Parteien (Kaiser, Erzherzog, Stände, Reichsfürsten usw.). Auffällig ist die zentrale Stellung des kurbrandenburgischen Kanzlers Dr. Friedrich Pruckmann, der auch in eigenem Namen Kontakte pflegte und dem der kurbrandenburgische Resident in Prag berichtspflichtig war. Die Tatsache, dass sowohl Johann Sigismund als auch Georg Wilhelm im fraglichen Zeitraum im herzoglich-preußischen Königsberg residierten, schlägt sich ebenfalls in der Überlieferung nieder. Immer wieder trifft man auf Schriftwechsel zwischen Berlin-Cölln und Königsberg, wobei der Kurfürst seine Schreiben stets an den Statthalter, den Kanzler und die Geheimen Räte insgesamt adressierte.
Als Statthalter während der Abwesenheit des Kurfürsten fungierte zumindest zeitweise Markgraf Johann Georg von Brandenburg-Jängerndorf, ein Bruder des Kurfürsten Johann Sigismund. Johann Georg war als schlesischer Herzog selbst Lehnsvasall des böhmischen Königs und die schlesischen Stände standen mit den böhmischen und mährischen, aber auch mit den ober- und niederösterreichischen in enger Korrespondenz. Ergänzt wurde das seit dem 15. Jahrhundert bestehende dynastische Interesse der Hohenzollern-Dynastie an Schlesien durch konfessionelle Gesichtspunkte, welche die Brandenburger mit jenen Kräften verbanden, die gegen das Kaisertum opponierten.
Von der Ablage des entstehenden Schriftguts her zeichnet sich mit dem Regierungswechsel von Johann Sigismund zu Georg Wilhelm ein Umbruch ab: Unter Johann Sigismund wurde die Ablage wohl primär nach dem Gesichtspunkt der Korrespondenzpartner gebildet. Dabei wurden die in großer Menge zirkulierenden Abschriften, Beilagen und Avisen (Zeitungen/Neuigkeiten) vielfach unverbunden abgelegt, sodass sich heute nicht mehr ohne weiteres erkennen lässt, in welchen Zusammenhängen sie im Geheimen Rat eingingen und behandelt wurden bzw. welche Rolle sie bei der Entscheidungsfindung spielten. Es ist jedoch durchaus denkbar, das für die zeitgenössischen Akteure die so entstehenden Sammlungen wichtiger waren als der begleitende Schriftwechsel, da daraus der Status quo hervorging. Kopiert und weitergereicht wurden vielfach namentlich solche Schriftstücke, aus denen sich Rechts- und Verfassungszusammenhänge ableiten ließen. Bei der Verzeichnung wurden diese Sammlungen jedoch in der Regel nur summarisch aufgenommen; das Hauptaugenmerk ruhte dagegen auf jenen Konvoluten, welche die Handlungen des Kurfürsten und seiner Geheimen Räte spiegeln. Unter Georg Wilhelm tritt die Korrespondenz als Ordnungsprinzip dann stärker in den Hintergrund; man findet nun auch verstärkt Konvolute, in denen Schriftwechsel mit unterschiedlichen Adressanten zu ähnlichen Materie abgelegt wurden (ohne dass schon von Sachakten im eigentlichen Sinne gesprochen werden kann). Soweit sinnvoll, wurde den genannten Ordnungsprinzipien bei der Verzeichnung Rechnung getragen.
Über die näheren behördengeschichtlichen Zusammenhänge, unter denen die Überlieferung zum Feldzug in Pommern im Geheimen Rat entstand, kann hier kaum Aufschluss gegeben werden. Da die Akten überwiegend bereits in älterer Zeit formiert und gebunden worden sind, erübrigte sich eine eingehendere Beschäftigung mit dem Archivgut im Zuge der Verzeichnung. Immerhin kann angedeutet werden, dass auch die Überlieferung zu den Kriegsläuften 1659/60 unter den Bedingungen einer räumlichen Trennung des im Felde stehenden Kurfürsten und dem in Berlin-Cölln tagenden Geheimen Rat entstand. Schriftwechsel mit unterschiedlichen Parteien, vorrangig zur Absicherung der eigenen Expansionsziele in Vorpommern, dominieren dabei.
Bestandsgeschichte:
Der heutige Bestand wurde bereits im frühen 17. Jahrhundert von dem kurfürstlichen Sekretär und Archivar Johann Zernitz (gest. 1639) als Repositur 3 formiert. Dabei fügte er Überlieferungen zusammen (Nr. 1 bis Nr. 38 Fasz. 6), die sich auf den Bruderzwist im Hause Habsburg und den Ständeaufstand in Böhmen bezogen. Sein Nachfolger Christoph Schönbeck fügte dem später Überlieferung aus dem Zweiten Nordischen Krieg an (Nr. 39 bis Nr. 53), da er diesen Krieg als Auftakt zu einem neuen allgemeinen Krieg betrachtete. Die so entstandene Repositur erhielt den langen, aber treffenden Titel: "Differentien zwischen Kaiser Rudolphen und König Matthiae, item Österreicher, Kärnter und Steiermärker in puncto religionis, vorgangen de annis 1608-1608, 1610, 1612. Item Böhemische Unruhe de anno 1618, 1619, 1620, 1621, 1622. Continuatio wegen des Krieges mit Schweden, welcher sich anno 1658 aus Polen nach Holstein und Jütland und ferners in Vorpommern gezogen." Mit den nach 1660 zur Repositur gekommenen Ergänzungen war die Bestandsbildung abgeschlossen. Im ersten Band des den auswärtigen Beziehungen gewidmeten, nach seiner Einbandfarbe benannten Roten Buchs entstand Ende des 17. Jahrhundert eine summarische Verzeichnung, die bis in die Gegenwart hinein als Findbuch diente.
Im 19. und 20. Jahrhundert teilt der Bestand I. HA GR, Rep. 3 die Geschicke der übrigen Reposituren des Geheimen Rats. Mit diesen zusammen war sie zunächst im Geheimen Staatsarchiv im Berliner Schloss, dann im Berliner Hohen Haus und schließlich im Dahlemer Archivzweckbau aufgestellt, ehe sie nach kriegsbedingter Auslagerung ins Zentrale Staatsarchiv der DDR, Abteilung Merseburg gelangte. 1993 kehrte die gesamte Überlieferung des Geheimen Rats nach Dahlem zurück. Eine Neuverzeichnung erfolgte erst 2020 in Dahlem durch den Unterzeichneten. Die Verzeichnung orientiert sich an Georg Winters Beitrag über die "Ordnung und Verzeichnung loser Akten im Geheimen Staatsarchiv", der im Mitteilungsblatt der preußischen Archivverwaltung 4 (1938) erschien. Allerdings wurde von der von Winter vorgesehenen Foliierung der Konvolute aus Gründen der Arbeitsökonomie genauso Abstand genommen wie von der Anfertigung von Rotuli (Inhaltsangaben auf Vorgangs- bzw. Einzelblattebene). Enthält-Vermerke wurden systematisch vor allem in folgenden Fällen angelegt:
- zur Verdeutlichung von Entstehungs- bzw. Registratur-Zusammenhängen;
- zur Verdeutlichung des Behördenhandelns des Geheimen Rats;
- zur Hervorhebung wichtiger Sachverhalte und Akteure.
Sammlungen von Abschriften, Beilagen, Avisen, Zeitungen usw., die dem Geheimen Rat zu Informationszwecken vorlagen, wurden nicht durch Enthält-Vermerke erschlossen. Die im Rahmen der Verzeichnung erfolgte Faszikelbildung spiegelt grosso modo die Ablage-Reihenfolge in den vorgefundenen Konvoluten wieder. Verunordnungen, die sich durch Abgleich mit dem Roten Buch ermitteln ließen, wurden rückgängig gemacht; im Sinne der Verzeichnung wurden Schriftstücke hie und da neu geordnet. Es wurden keine Fremdprovenienzen aus der Repositur ausgeschieden.
Die Klassifikation folgt nicht der Aufteilung in Nummern und Faszikel, sondern (1.) ereignisgeschichtlichen und (2.) registraturmäßigen Zusammenhängen. Dabei wurde versucht, die vorgefundenen Ordnungsprinzipien - Ablage nach Korrespondenzpartnern bzw. Bildung von Sammlungen von Abschriften, Beilagen, Avisen usw. - beizubehalten bzw. herauszuarbeiten. Die wenigen Archivalien aus Jägerndorfer Registraturzusammenhängen wurden getrennt ausgewiesen.
(Ernst Müller/Ernst Posner, Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin-Dahlem, I. Hauptabteilung (Mitteilungen der Preußischen Archivverwaltung, 24), Leipzig 1934, S. 6-7.)
Formalangaben:
Letzte vergebene Nummer*: - (* bei Signierung nach nc)
Umfang (in laufenden Metern): 3,2
Gesamtlaufzeit des Bestandes: (1472 - ) 1603 - 1660
Lagerungsort : Westhafen
Die Akten sind auf gelbem Leihscheinen wie folgt zu bestellen: I. HA GR, Rep. 3, Nr. ## Fasz. ##
Zitierweise: I. HA GR, Rep. 3 Böhmisch-österreichische Religionsirrungen und Unruhen (Krieg in Jütland und Pommern), Nr. ## Fasz. ##
Berlin, 10. November 2020
Dr. Mathis Leibetseder, Archivoberrat
Zitierweise: GStA PK, I. HA GR, Rep. 3
Umfang: 2,5 lfm (176 VE); 2,5 lfm (176 VE)
Bestand
deutsch
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
19.08.2025, 12:19 MESZ
Hierarchie
Hierarchie Detailansicht
- Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
- Tektonik
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