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Generalkommando z.b.V. Nr. 64 (Bestand)
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Militärische Bestände 1871-ca. 1920 >> Behörden und Formationen >> Höchste Kommandobehörden und Höhere Stäbe >> Generalkommandos
1917-1918
Inhalt und Bewertung
Auf Wunsch des Chefs des Generalstabs des Feldheeres übernahm Württemberg im Dezember 1916 die Aufstellung eines Generalkommandos zur besonderen Verwendung. Es wurde im Oberelsaß um Colmar eingesetzt. Das Generalkommando unterstand ab 1917 der Heeresgruppe Herzog Albrecht von Württemberg und nahm dabei den rechten Flügel der Armee-Abteilung B ein. An seiner Spitze stand Generalleutnant Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württemberg. Der Bestand enthält operative und taktische Akten, Kriegstagebücher, einzelne Unterlagen über die Demobilisierung des Generalkommandos und einige wenige Akten des entsprechenden Soldatenrats. Der Bestand enthält Schriftgut aus der Kriegszeit; einige Akten wurden nach Dezember 1918 weitergeführt.
Organisatorischer Rahmen: Das Generalkommando war von seinem Einrücken ins Feld am 11. Januar 1917 bis zu seiner Auflösung am 16. Dezember 1918 dem Oberkommando der Armee-Abteilung B unterstellt. Entsprechend dieser gehörte es zunächst der Heeresgruppe Kronprinz des Deutschen Reichs an, ab dem 25. Februar 1917 aber der zu diesem Zeitpunkt errichteten Heeresgruppe Herzog Albrecht von Württemberg <1>. Diese befehligte damals die Armee-Abteilungen A und B; im April trat noch die Armee-Abteilung C hinzu <2>. Mit dem Hauptquartier Straßburg war die Heeresgruppe Herzog Albrecht für die Abwehr an der elsaß-lothringischen Front (von Verdun bis zur Schweizer Grenze) zuständig. Ihre strategische Aufgabe war die Sicherung gegen einen möglichen französischen Angriff im Sundgau und durch die Schweiz. Mit der großen französischen Offensive gegen die Aisne/Champagne-Front (April/Juni 1917) verlor die Heeresgruppe an Bedeutung; ihre Tätigkeit an dieser ruhigen und beiderseits schwach besetzten Front beschränkte sich im wesentlichen auf Stellungskämpfe.
Strategischer Rahmen (Offensive 1918): Ab Oktober 1917 wurden bei der Obersten Heeresleitung Erwägungen über größere deutsche Angriffsoperationen auf dem westlichen Kriegsschauplatz angestellt; diese waren für das kommende Frühjahr 1918 geplant <3>. Bei einer Besprechung in Kreuznach am 27. Dezember 1917 erhielten die Generalstabschefs der drei Heeresgruppen Weisungen zur Vorbereitung von Angriffen an der Westfront, die das endgültige Vorgehen noch nicht festlegten. Dabei fiel der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht die Ausarbeitung von Angriffsentwürfen an ihrer ganzen Front zu, während für die Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog Albrecht nur ablenkende Unternehmungen vorgesehen waren. Letztere sollte insbesondere einen Angriff aus dem Breusch-Tal (Operationsbezeichnung "Straßburg") und die Abwehr im Sundgau ("Belfort") vorbereiten. Nachdem aber die entsprechenden Entwürfe der Armee-Abteilungen A und B im Januar aufgrund des nicht zu sichernden Kräftebedarfs von einem Angriff an der elsässischen Gesamtfront abgeraten hatten, verzichtete General Ludendorff dort endgültig auf einen Ablenkungsangriff, der dem Entscheidungsschlag hätte vorausgehen sollen. So blieb die Vorbereitung der großen Offensive allein den beiden anderen Heeresgruppen vorbehalten. Im Angriffsbefehl der Obersten Heeresleitung vom 10. März 1918 bestand die der Heeresgruppe Herzog Albrecht zugewiesene operative Aufgabe nur in der Vortäuschung bevorstehender Offensiven zur Fesselung der gegnerischen Kräfte. Mit dem Ausgang der sog. Großen Schlacht in Frankreich (21. März - 15. Juli 1918) und den Rückzugskämpfen des deutschen Heeres nach deren Scheitern hatte die Heeresgruppe Herzog Albrecht nichts zu tun. Sie hatte lediglich für die Zuführung von Reservetruppen zu sorgen. An die Durchführung etwaiger Angriffspläne im Elsaß <4> wurde von der Obersten Heeresleitung nicht ernsthaft gedacht. Ebensowenig kam es ab September 1918 zu für möglich gehaltenen französischen Angriffen im Oberelsaß bei der Armee-Abteilung B <5>.
Entstehung, Aufgaben, Organisation und Auflösung des Generalkommandos z.b.V. Nr.64: Die Einteilung der Armeen in Armeekorps mit jeweils einem Generalkommando an der Spitze und deren Agieren im festen Korpsverband mit zwei unterstellten Divisionen war im Verlauf des Krieges nicht mehr zu erhalten gewesen. Zunächst hatte man sich mit der Neuformation von Reserve-Korps zu helfen gesucht. Daß die Generalkommandos zudem am betreffenden Frontabschnitt eingesetzt, die Verbände dagegen zur Wiederauffrischung immer wieder abgelöst werden mußten, führte schließlich zur Auflösung der Korpsverbände <6>. Anstelle von neuen Korps schuf man sogenannte "Generalkommandos zur besonderen Verwendung" ab 1916. Das Generalkommando verwandelte sich somit praktisch zum Stab einer Kampfgruppe von ständig je nach Bedarf wechselnden Divisionen. Auch die Bezeichnung "Gruppe", in Verbindung mit dem Namen des Kommandierenden Generals oder dem Ort der Stationierung, fand sich während des Stellungskrieges anstelle des Namens "Generalkommando". Am 29. Dezember 1916 fragte der Chef des Generalstabes des Feldheeres beim Kriegsministerium Stuttgart an, ob Württemberg zur Aufstellung eines Generalkommandos zur besonderen Verwendung Nr.64 bereit wäre. Nachdem von dort noch am gleichen Tag eine Zusage erfolgt war, wurde das Generalkommando der Armee-Abteilung B zugeteilt und rückte am 11. Januar 1917 ins Feld. Dieses zweite württembergische Generalkommando (neben dem des XIII. Armee-Korps) wurde im Oberelsaß stationiert und blieb dort bis zum Ende des Krieges; es hatte sein Korpshauptquartier, nach zwei Tagen in Colmar, vom 13. Januar 1917 bis zum 13. November 1918 in Schoppenweier, 6 km nördlich von Colmar. An seine Spitze trat Generalleutnant Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württemberg, bisher Kommandeur der 26. Infanterie-Division. Chef des Generalstabes waren von 31. Dezember 1916 bis 16. März 1918 Oberstleutnant Wöllwarth, von 16. März bis 20. Dezember 1918 Major Zimmermann. Dem Generalkommando fiel die Aufgabe zu, die für den Schutz Süddeutschlands wichtige deutsche Vogesenfrontstrecke Markirch-Gebweiler zu sichern. Dabei nahm es den rechten Flügel der Armee-Abteilung B ein. Dieser gehörten außerdem noch die Generalkommandos des X. Armee-Korps und XV. Armee-Korps <7>, später des XXI. Armee-Korps an. Entsprechend der strategischen Funktion der Heeresgruppe Herzog Albrecht gingen die Kampftätigkeiten des Generalkommandos über das Einschießen von Batterien sowie Patrouillen- und Streifunternehmungen nicht hinaus. Allerdings stand es unter den schwierigen Bedingungen des Gebirgskriegs in den Vogesen. Die dem Generalkommando fest zugeteilten Stellungsdivisionen wechselten: die 6. bayerische Landwehr-Division blieb bis zum 3. Dezember 1918 unterstellt; die 12. Landwehr-Division dagegen wurde am 15. Mai 1917 von der 7. Kavallerie-Division, diese wiederum am 17. Mai 1918 von der 4. Kavallerie-Division abgelöst. Darunter gab es zahlreiche Zu- und Abgänge von Einheiten aller Rangstufen, Waffengattungen und Länder. Als württembergischer Verband ist insbesondere das württembergische Gebirgs-Bataillon zu nennen, das seit Februar 1917 dem Generalkommando zugeteilt war. Dennoch bleibt festzuhalten, daß das Generalkommando Nr.64 dauerhaft keine württembergischen Divisionen befehligte. Nach Abschluß des Waffenstillstands am 11. November 1918 vollzog sich die Auflösung des Generalkommandos Nr.64 in Form von ständig wechselnden Truppenzugängen von anderen Generalkommandos, der Verlagerung der Korpshauptquartiere in Richtung Heimat sowie andauernden Abtransporten <8>. Am 16. Dezember 1918 erhielt das Generalkommando von der Obersten Heeresleitung die Genehmigung zum Abmarsch von Donaueschingen am 17. Dezember nach Stuttgart zur Demobilmachung. Die noch nicht abbeförderten Divisionsteile traten unter den unmittelbaren Befehl des Armee-Oberkommandos B. Der Aufbau des Generalkommandos sah nach dem vor Mai 1917 gültigen Organisationsplan (vgl. M 34 Nr. 23) 10 Abteilungen vor, die während des Weltkriegs zweimal verändert wurden. So kamen nach dem Organisationsplan vom 1. Mai 1917 (ebd.) noch der Nachrichtenoffizier, der Verkehrsoffizier, der Gruppenfernsprech-Kommandeur, die Artillerie, die Holzbeschaffungsstelle, der Wirtschaftsoffizier, der Korpsarzt und der Korpsveterinär dazu. Zusätzlich dazu führt der Organisationsplan vom 1. Mai 1918 (vgl. M 34 Nr. 226) die Abteilungen Bürooffizier, Ib Mun., Q 1 und Q 2 (Quartiermeister), Gruppenbild-Abteilung, Gruppenkartenstelle 4 und IIc an.
Bestandsgeschichte: Die Akten des Generalkommandos wurden von Anfang an nach dem Organisationsplan abgelegt. Dies geht aus den Aktendeckeln und den mit schwarzen Tuschezeichen darauf angebrachten Aktenzeichen hervor. Diese sind allerdings unterhalb der Abteilungen nicht durchgängig zu finden. Bereits während des 1. Weltkriegs wurde ein Teil der Akten vom Generalkommando an den Großen Generalstab bzw. Stellvertretenden Generalstab der Armee in Berlin abgegeben. Darunter befanden sich insbesondere die Kriegstagebücher; für sie galt die Bestimmung, daß ein Exemplar, meist die Zweitfertigung, dorthin abzuliefern war <9>. In Berlin erhielten die Akten eine zweiteilige, zehn- bis elfstellige und in roter oder blauer Schrift aufgeschriebene Registraturnummer. Auffallend ist, daß dabei oftmals eine einzige Nummer für mehrere Büschel vergeben wurde, ohne daß dafür ein sachlicher Zusammenhang erkennbar wäre. Bei Kriegsende kamen diese Archivalien ins neugegründete Reichsarchiv in Potsdam <10>. Dort wurden sie mit einem roten Stempel ("WüB" - für Württemberg--Baden - und Nummer) signiert. Möglicherweise wurden diese Akten danach auch mit einer durchlaufenden Nummer ensprechend ihrer Anordnung versehen. Der andere Teil der Akten kam nach der Auflösung des Generalkommandos vermutlich im Oktober 1919 an das Heeresabwicklungsamt Württemberg in Stuttgart. Innerhalb dieser Behörde war das Abwicklungsamt des früheren XIII. Armee-Korps die zuständige Abwicklungsstelle für die Höheren Stäbe. Danach fielen die Akten zunächst der im Oktober 1920 errichteten Aktenverwaltung XIII. A.K. zu, die die Sammlung, Übernahme und Verwaltung des Schriftguts der württembergischen Truppen zu besorgen hatte. Nachdem aus dieser wiederum im März 1921 die Reichsarchivzweigstelle Stuttgart geworden war, hatten die Akten ihren endgültigen Verwahrungsrot gefunden. Dort wurden sie 1928 unter Leitung von Haldenwangs verzeichnet, der sich bei der Ordnung nach den Abteilungen gemäß der Geschäftseinteilung des Generalkommandos vom 1. Mai 1917 richtete. 1938 gelangten im Rahmen einer Ablieferung des Heeresarchivs Potsdam von 1828 Bünden, die an das Heeresarchiv Stuttgart kam <11>, wahrscheinlich auch die früher abgegebenen Akten als Nachtrag wieder zurück. Sie wurden zunächst gesondert ohne Erschließung an den Bestand angehängt. Zwischen 1940 und 1945 wurden ca. 135 Hefte kassiert (im alten Repertorium durch rote Haken gekennzeichnet). Es handelte sich dabei vor allem um Brieftagebücher, den Zahlungsverkehr der Holzbeschaffungsstelle, sonstige Rechnungsbeilagen sowie Personalangelegenheiten.
Bearbeiterbericht: 1. Zur Ordnung und Verzeichnung des Bestandes So präsentierte sich der Bestand vor seiner aktuellen archivischen Bearbeitung in zwei Teilen, den verzeichneten, in Stuttgart verbliebenen Akten (133 Büschel) und dem unverzeichneten Nachtrag (128 bzw. 127 Büschel). Bei der Neuordnung sollte die vorgefundene Ordnung nach dem Geschäftsverteilungsplan beibehalten, der Nachtrag darin eingearbeitet werden. Vorher erwies es sich jedoch als zweckmäßig, eine Trennung zwischen Akten und Kriegstagebüchern durchzuführen. a) Akten Bei der neuen Ordnung der Akten wurde der Geschäftsverteilungsplan des Generalkommandos vom 1. Mai 1918 zugrunde gelegt, nach dem 25 Abteilungen unterschieden waren. Diese wurden allerdings zum Teil zusammengefaßt; zum Teil blieben sie unberücksichtigt, wenn keine Aktenunterlagen dazu vorhanden waren. Akteneinheiten, die mehrere Abteilungen durchlaufen hatten und entsprechende Eingangsvermerke enthalten (z.B. Iac), wurden in der Regel bei der Abteilung gelassen, bei der sie zuletzt geführt und vom Registrator zugewiesen worden waren. In manchen Fällen, wo die letzte Ablage nicht mehr zu ermitteln war, und bei Archivalien, bei denen aufgrund der aufgeschriebenen Aktenzeichen keine Abteilung dominierte, erfolgte die Zuweisung zur Abteilung Ia als der Zentralstelle des Stabes. Unterhalb dieser Ebene wurde neu gegliedert, da in der Regel keine durchgehende Ordnung erkennbar war. In der Operationsabteilung wurden von einem allgemeinen Teil zum einen die sog. "Akten geh. op." und "Akten geh. op. mob." abgesondert; diese enthalten Unterlagen zu geheimen Angriffsoperationen und speziell zur Geheimoperation "Mob." , also der deutschen Frühjahrsoffensive des Jahres 1918 (das Generalkommando war daran im Rahmen des Angriffsplans "Straßburg" beteiligt) <12>. Zum anderen wurden die taktischen Tagesmeldungen und Wochenberichte als Einheit zusammengefaßt und jeweils chronologisch geordnet. Die Akten zum Nachrichtenwesen (in den Abteilungen Ic und Ild) bedurften ebenfalls einer Neugliederung, die in erster Linie die Vielzahl der Meldungen zu strukturieren hatte. In der Abteilung Artillerie-Nachrichtenwesen wurde dabei zunächst eine formale Einteilung nach der Art der Meldungen bzw. Berichte und dann zusätzlich bei den Erkundungseinheiten und Artillerie-Tagesmeldungen nach Absendern bzw. Adressaten vorgenommen. Letztere rich- Akteneinheiten, wonach keine durchgehenden chronologischen Serien gebildet, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten Meldungen verschiedener Provenienz zusammengetan worden waren. Dies führte dazu, daß die Tagesmeldungen dieser Erkundungsorgane (also v.a. der Ballone, Flieger, Flakgruppen) auseinandergerissen wurden und sowohl in der Nachrichtenabteilung Ic wie beim Artillerie-Nachrichtenwesen IId zu finden sind. Die Titelaufnahme mußte sich am Charakter der Akten ausrichten, die in erster Linie operative und taktische Belange betreffen (sog. Operations- bzw. Kriegsakten). Das Schriftgut besteht zum großen Teil aus Befehlen übergeordneter Kommandostellen, Befehlen und Berichten des Generalkommandos, Meldungen von Truppenteilen sowie Kartenmaterial. Die einzelnen Faszikel sind dabei in ihrer Zusammensetzung wenig einheitlich, da in ihnen oftmals viele Absender und Empfänger von Befehlen bzw. Absender von Meldungen vereinigt sind. In solchen Fällen wurde ein Sachtitel gewählt, die Befehls- und Berichtsstellen aber in den Enthält-Vermerk gesetzt. Bei Überwiegen eines bestimmten Typs (z.B. Tagesmeldungen) oder bei diffusen Betreffen kamen allerdings sowohl eine formale als auch eine inhaltliche Charakterisierung in den Titel. Generell wurde also alte historische Titel meist nicht belassen, sondern entweder ergänzt oder ganz neu formuliert. Die Enthält-Vermerke sind infolge dieser heterogenen Zusammensetzung der Akten ausführlich gehalten; sie sollten ebenso deren Inhalt wie Struktur aufschlüsseln. Dabei wurden bei Sachakten nur ommandostellen aufgenommen, während die Korrespondenzpartner im Fall von taktischen Meldungen, Artillerie-Tagesmeldungen, Wochenberichten u. a. vollständig erfaßt wurden. Bei Akten, die fast ausschließlich Befehle und Berichte oder Meldungen enthalten, unterblieb ein besonderer Hinweis auf das Generalkommando, soweit dessen Funktion eindeutig erkennbar war. Demnach sind "Befehle von ..." als Befehle von Kommandostellen an das Generalkommando, "Befehle an ..." als Befehle des Generalkommandos an unterstellte Einheiten zu verstehen, usw. Festzuhalten bleibt ferner, daß sich nicht selten Dokumente finden, in denen Weisungen nicht direkt an das Generalkommando, sondern an diesem übergeordnete Stellen enthalten sind. Es handelt sich dabei zum einen um Befehle höchster und höherer Kommandostellen (Chef des Generalstabes des Feldheeres, Oberste Heeresleitung, Kriegsministerium, Heeresgruppenkommando Herzog Albrecht, Armee-Oberkommando B), die an die je nach Kompetenz niedrigeren Truppenverbände gegeben und von dort durch Abschrift, Zitat oder indirekt an das Generalkommando weitergeleitet wurden; es kommt sogar vor, daß dieses das jeweilige Aktenstück dann wieder zurückleitete. Teilweise war aber das Generalkommando einfach in dem Verteilerplan für die Anordnungen höherer Stellen aufgeführt. Andererseits sind auch Schriftstücke beim Generalkommando abgelegt, die den Weg zu untergeordneten Divisionen und wieder zurück genommen haben. Karten, Skizzen und Pläne wurden in "Darin"-Vermerken ausgeworfen. Für sie gilt prinzipiell, daß sie in nahezu allen Fällen die Frontabschnitte von Generalkommando, Armee-Abteilung B oder Heeresgruppe Herzog Albrecht betreffen, also im Oberelsaß zu lokalisieren sind. Deshalb wurden sie in der Titelaufnahme regional nicht gekennzeichnet, die entsprechenden Örtlichkeiten aber im Register geographisch eingegrenzt. Außerdem wurde die Regelung angewandt, daß die Anzahl der Karten - falls nicht in der Akte verzeichnet - nur bei weniger als 10 Stück angegeben wurde; dann erfolgte allerdings auch eine knappe inhaltliche Kennzeichnung. b) Kriegstagebücher Bei den Kriegstagebüchern des Generalkommandos wurden zwei durchlaufende Serien geschieden. Die erste (geheftete Büschel) enthält fortlaufende Tagebucheintragungen, nacheinander vor allem zu Gefechtstätigkeit, Zu- und Abgängen sowie Wetter. Dieser Reihe sind auch Kriegsranglisten und Nachweise über Verpflegungsstärken beigegeben. Die zweite Reihe (gebundene Büschel) ist in Form von Übersichten geführt, in deren Spalten Bemerkungen schwerpunktmäßig zur "kriegerischen Tätigkeit" und anderen Betreffen eingetragen wurden. Davon abgetrennt sind Tagebücher von Feldintendantur, Korpsarzt und Korpsveterinär geführt worden. In zwei Fällen (Nr. 235 und 236) sind die Kriegstagebücher des Korpsveterinärs allerdings den allgemeinen beigefügt. Alle diese Kriegstagebücher wurden innerhalb ihrer Reihe chronologisch geordnet. Eventuell vorhandene Beilagen wurden grundsätzlich durch "Enthält auch", aktenartige Beilagen dagegen durch "Darin" vermerkt. Als Anlagen zu den Kriegstagebüchern sind in erster Linie Karten erhalten. Die Fliegerbilder (Nr. 258) fanden als Anlagen zu den Kriegsakten ebenfalls hier ihren Platz. Ausgesondert wurde eine Akteneinheit der Provenienz Armee-Abteilung D; diese war 1917 in Rußland eingesetzt. Prinzipien der Registererstellung: Das Register wirft grundsätzlich alle in den Titelaufnahmen vorkommenden Orts- und Personennamen aus. Diesen wurde zusätzlich noch eine Kennzeichnung beigegeben, und zwar der jeweiligen Person durch ihren militärischen Rang oder ihre Funktion im Kontext und der jeweiligen n wurden dann z.T. beide Teilbegriffe als Hauptstichwort ausgeworfen. Erfaßt wurden in erster Linie die inhaltlichen Sachbegriffe im Titel; hier wurde bei Sachakten auch Vollständigkeit angestrebt. Bei den Akteneinheiten dagegen, die überwiegend taktische und artilleristische Tagesmeldungen oder Wochenberichte enthalten, wurden wegen der Vielzahl und Gleichförmigkeit der Titelaufnahmen weder formale noch inhaltliche Begriffe indiziert, sondern nur die entsprechenden Truppenverbände, die auch sonst - ebenso wie militärische Dienststellen - vollständig im Register erscheinen. Dabei wurde allerdings bei Heeresgruppen, Armeen/Armee-Abteilungen und Armee-Korps in der Regel nur im Fall der Armee-Abteilung B zwischen dem Oberkommando/Generalkommando ("Armee-Oberkommando B") und der entsprechenden Einheit ("Armee-Abteilung B") differenziert. Sonst handelt es sich ohnehin meist um das Generalkommando eines Armee-Korps oder das Oberkommando einer Heeresgruppe. In den Index aufgenommen wurden ferner die wichtigsten Schlagwörter aus den Enthält- und Darin-Vermerken. Dies gilt auch bei Kriegstagebüchern und bei Karten, wobei auf das Stichwort "Kriegstagebuch" ganz verzichtet wurde, das Stichwort "Karte" nur aufgenommen wurde, wenn das entsprechende Büschel hauptsächlich aus Karten besteht. 2. Zum Quellenwert des Bestandes Die Akten setzen sich zu ca. einem Drittel (85 Büschel) aus taktischen Meldungen und Berichten zusammen, wovon wiederum etwa die Hälfte aus dem Bereich der Artillerie stammt. Schon die formale und inhaltliche Gleichförmigkeit der Titelaufnahmen (insbesondere der Tagesmeldungen) deutet auf den defensiven Charakter der Kampfführung des Generalkommandos hin. Generell spiegeln sich in der Bestandsstruktur zwei sich aus dem Stellungskrieg entwickelnden organisatorischen und strategischtaktischen Veränderungen im deutschen Westheer wider. Als erster Aspekt ist dabei das zunehmende Gewicht der Artillerie im Verlauf des Krieges hervorzuheben <13>. Sie wurde zur Hauptfeuerkraft der Landstreitkräfte und verlieh der Verteidigung ihre hohe Standhaftigkeit. Dies kommt in den Meldungen dadurch zum Ausdruck, daß Nachrichten über die Tätigkeit der eigenen, vor allem aber der feindlichen Artillerie sowohl in den Artillerie-Tagesmeldungen als auch in den allgemeinen Tagesmeldungen den breitesten Raum einnehmen. Gefechtstätigkeit der Infanterie dagegen findet kaum Erwähnung. Zum anderen erhellt sich aus den Meldungen die zentrale Bedeutung, die das Nachrichtenwesen im Verteidigungskrieg erlangt hat. Die geschlossenen Fronten hatten den Aufbau eines dichten Netzes von Drahtverbindungen von den vorderen Linien zu den rückwärtigen Gebieten erfordert; auf diesem Wege konnte sich dann die Übermittlung der taktischen Meldungen vollziehen. Die häufig vorkommenden Nachrichten von Erkundungs- und Aufklärungseinheiten hängen andererseits wiederum mit den veränderten Bedingungen der Artillerie zusammen. Flieger und Ballone waren eben vornehmlich zu dem Zweck eingesetzt, die gedeckt aufgestellten Batterien des Gegners zu ermitteln und ihre Bekämpfung zu kontrollieren <14>. Hinweise auf die spezifischen Probleme der Taktik im Stellungskrieg ergeben sich des weiteren aus den Sachakten der Operationsabteilung. Die beigelegten Karten und Skizzen vermitteln dabei detaillierte Informationen zum Frontverlauf und zu Stellungen. Hervorzuheben sind bei dieser Abteilung ferner Erfahrungsberichte anderer Einheiten und höherer Kommandobehörden sowie Übersetzungen von erbeuteten taktischen Anweisungen oder Broschüren des Gegners. Typisch für das Generalkommando als Befehlsstelle für wechselnde (in der Regel nicht-württembergische) Formationen sind außerdem Weisungen im Zusammenhang mit solchen Truppenveränderungen sowie entsprechende Unterkunfts- und Gliederungsübersichten. Erwähnenswert sind noch einzelne Komplexe, zu denen Akten mit Dokumentationswert vorliegen. Dazu gehören Gefangenenvernehmungen und Spionage (Nr. 108-111), Gas und Gasabwehr (speziell Nr. 107), Holzbeschaffung (Nr. 200-210). Bei den Operationsakten im engeren Sinne (Nr. 36-57), die insbesondere den Angriffsplan "Straßburg" betreffen, sticht vor allem die Diskrepanz zwischen den vielfältigen Vorbereitungen für Angriffe und deren letztendlich ausgebliebener Durchführung ins Auge. Schließlich sei auf die beiden Akten hingewiesen, die zur Provenienz Soldatenrat gehören und als Anhang an den Schluß des Bestandes gesetzt wurden (Nr. 259-260). Sie entstanden im Zusammenhang der Rückführung des Heeres im Zuge der Demobilisierung November und Dezember 1918 und enthalten in erster Linie Aufrufe an die Soldaten. Der Bestand wurde von September bis Januar 1991 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme von dem Zeitangestellten Bernhard Zaschka unter Leitung von Dr. Bernhard Theil geordnet und verzeichnet. Bernhard Zaschka hat auch die Einleitung verfaßt sowie das Register gefertigt. Der Bestand umfaßt jetzt 260 Büschel (= 6,8 lfd. m).
Anmerkungen: <1> Vgl. Bestand M 30/1. <2> Armee-Abteilungen unterschieden sich von Armeen nur durch die geringere Zahl von Truppeneinheiten, v.a. Einheiten der schweren Artillerie. <3> Vgl. Der Weltkrieg 1914 bis 1918, Bd. 14, Berlin 1944, hg. vom Bundesarchiv 1956, S. 51 ff. <4> Vgl. ebd. S. 534 f. <5> Ebd. S. 592. <6> Vgl. H. Cron, Die Organisation des deutschen Heeres im Weltkriege, Berlin 1923, S. 35 f. <7> In den Akten wird das XV.Armee-Korps auch XV. bayerisches Reserve-Korps genannt. Dessen Generalkommando ist im übrigen identisch mit der Gruppe Weiler. <8> Vgl. Archivrepertorium von 192 8, S. 13. <9> Zur Führung und Anlage der Kriegstagebücher vgl. J. Fischer, Das württembergische Kriegsarchiv, in: Festschrift für Eberhard Gönner, Stuttgart 1986, S. 101-128, hier: S. 116, Anm. 99. <10> Vgl. ebd. <11> Vgl. M 400/1 Nr. 472, 22.7.1938. <12> Hier ist allerdings zu berücksichtigen, daß entsprechend beschriftete Büschel bei den Abteilungen Pioniere und Artillerie auch dort gelassen wurden. <13> Vgl. Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte, Berlin 1985, Art. "Artillerie", Bd. 1, S. 40. <14> Vgl. ebd.
Literatur: Cron, Hermann: Die Organisation des deutschen Heeres im Weltkriege, Berlin 1923 (Forschungen und Darstellungen aus dem Reichsarchiv, Heft 5)
Fischer, Joachim: Das württembergische Kriegsarchiv, in: Aus der Arbeit des Archivars. Festschrift für Eberhard Gönner, hg. von Gregor Richter (= Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, Bd. 44), S. 101-128.
Moser, Otto von: Die Württemberger im Weltkrieg. Ein Geschichts-, Erinnerungs- und Volksbuch, Stuttgart 1927
Matuschka, Edgar Graf von: Organisationsgeschichte des Heeres 1890-1918, in: Handbuch zur deutschen Militärgeschichte 16481939, Bd. 3, S. 157-282, München 19792
Der Weltkrieg 1914 bis 1918, 14 Bde., Berlin 1925-1944, bes. Bd. 14: Die Kriegsführung an der Westfront im Jahre 1918, Berlin 1944, hg. vom Bundesarchiv 1956
Wörterbuch zur Deutschen Militärgeschichte, 2 Bde., Berlin (Ost) 1985, Art. "Artillerie", "Heeresgruppe", "Offensive 1918".
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.