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Anna Freifrau Hiller von Gaertringen (geb. von Salviati) (1855-1939) (Bestand)
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Archiv der Herzöge von Urach
1905-1917, 1927-1934 und o. J.
Überlieferungsgeschichte
Eingekommen im Jahre 1987
Inhalt und Bewertung
Tochter des königlich preußischen Generalleutnants à la suite Alexander von Salviati und der Natalie von Arnim, geb. 1. Juni 1855 in Breslau, vermählt seit 4. April 1878 mit Ferdinand Freiherr Hiller von Gaertringen, königlich württembergischer Major und Flügeladjutant, gest. 6. Januar 1939 in Ditzingen
1. Biografie: Der Bestand GU 203 enthält Unterlagen aus dem schriftlichen Nachlass der Anna Freifrau Hiller von Gaertringen (auch Gärtringen) (geb. von Salviati). Anna von Salviati wurde am 1. Juni 1855 als Tochter des Königlich preußischen Generalleutnants Alexander von Salviati (1827-1881) und der Natalie von Salviati (geb. von Arnim) (1828-1908) in Breslau (Wroclav) geboren. Fräulein von Salviati gehörte einer ursprünglich aus Italien stammenden, um 1740 in Preußen eingewanderten Familie an. Stammvater dieses Geschlechts war Angelo Maria Salviati (um 1717-1782), der als Graveur und Sprachlehrer in der französischen Kolonie in Berlin wirkte. Dessen Enkel Heinrich Salviati (1786-1856), Königlich preußischer Geheimer Legationsrat und Geschäftsträger in Stuttgart sowie Erzieher des Prinzen Karl von Preußen, und Wilhelm Salviati (1794-1869), Königlich preußischer Oberstleutnant, wurden am 12. September 1830 in den preußischen Adelsstand erhoben. Außer den genannten Familienmitgliedern sind v. a. Alexander von Salviati (1865-1922) und dessen Kinder Hans-Viktor von Salviati (1897-1945) und Dorothea von Salviati (1907-1972) erwähnenswert. Alexander von Salviati, der Bruder von Anna von Salviati, war Königlich württembergischer Kammerherr und später Hofmarschall bzw. Hofchef der Victoria Prinzessin von Preußen, die mit Adolf Prinz zu Schaumburg-Lippe verheiratet war und das Palais Schaumburg in Bonn, das spätere Bundeskanzleramt, bewohnte. Hans-Viktor von Salviati, Neffe Anna von Salviatis, war Turnierreiter, Mitglied der SS, Major und während des Zweiten Weltkrieges Adjutant von Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt (1875-1953). Um 1940 entwickelte sich Hans-Viktor zum Gegner des Nazi-Regimes und pflegte Kontakte zum Widerstand. Er versuchte vergeblich, Generalfeldmarschall von Rundstedt für den Widerstand gegen Hitler zu gewinnen. Im Zusammenhang mit den Strafaktionen der Nazis nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wurde Hans-Viktor von Salviati verhaftet. Unter anderem aufgrund von seinen Tagebucheinträgen, in denen er sich sehr kritisch über die Nazi-Regierung geäußert hatte, blieb Hans-Viktor im Gefängnis. Wenige Tage vor Kriegsende und vor dem Ende der Nazi-Barbarei wurde Hans-Viktor von Salviati am 22. April 1945 in Berlin-Plötzensee von den Nazis hingerichtet. Hans-Viktors Schwester Dorothea, eine Nichte der Anna von Salviati, war seit 1933 in einer nicht standesgemäßen Ehe mit Wilhelm Prinz von Preußen (1906-1940), dem Sohn von Wilhelm Kronprinz von Preußen und Enkel Kaiser Wilhelms II., vermählt. Diese Ehe hatte den Verzicht des Prinzen Wilhelm auf die Chefwürde des Hauses Hohenzollern und die Übernahme derselben durch Wilhelms jüngeren Bruder Louis Ferdinand Prinz von Preußen zur Folge. Doch zurück zu Anna von Salviati. Im Jahre 1878 heiratete sie Ferdinand Freiherr Hiller von Gaertringen (1840-1887), der Königlich württembergischer Major und Flügeladjutant König Karls von Württemberg sowie Majoratsherr auf Gärtringen war. Dieser starb jedoch bereits im Jahre 1887 an Typhus in Nizza, wo er im Gefolge des Königs Karl von Württemberg weilte und Anna Freifrau Hiller von Gaertringen wurde bereits im Alter von 32 Jahren Witwe. Aus der Ehe mit Ferdinand Freiherr Hiller von Gaertringen gingen zwei Kinder hervor: Berthold Freiherr Hiller von Gaertringen (1880-1951) war Rittmeister a. D. und als Nachfolger seines Vaters Majoratsherr auf Gärtringen. Brigitta (1882-1939) heiratete 1907 den späteren Oberstleutnant a. D. Ernst Freiherr von Woellwarth-Lauterburg (geb. 1882), von dem sie jedoch 1913 geschieden wurde. 1893 bis 1903 war Anna Freifrau Hiller von Gaertringen Vorsteherin des Pensionates des Königin-Katharina-Stifts in Stuttgart. Nachdem das Königin-Katharina-Stift kein Pensionat bzw. Internat mehr hatte, war die Position der Pensionats-Vorsteherin obsolet geworden. Die Baronin diente danach als Oberhofmeisterin der Prinzessinnen Reuß ältere Linie. Unter Letzteren befand sich auch Hermine Prinzessin Reuß, die später nach dem Ableben ihres ersten Gatten Prinz von Schönaich-Carolath die zweite Gemahlin von dem im Exil lebenden Kaiser Wilhelm II. wurde. Ab 1904 bis zu deren Tod 1912 wirkte Baronin Anna als Hofdame der Amalie Herzogin von Urach Gräfin von Württemberg (geb. Herzogin in Bayern). Danach diente sie den Töchtern der Herzogin Amalie aus dem Hause Urach und schließlich Wiltrud Herzogin von Urach Gräfin von Württemberg (geb. Prinzessin von Bayern). Anhand der im Bestand GU 203 verwahrten Archivalien lassen sich leider nur wenige Erkenntnisse über das Leben der Anna Freifrau Hiller von Gaertringen als Hofdame in der herzoglichen Familie von Urach gewinnen. Von 1921 bis zu ihrem Tod wohnte Baronin Hiller im Schloss Ditzingen, das sich erst seit 1891 im Besitz der Freiherrlichen Familie Hiller von Gaertringen befand. Dort starb Anna Freifrau Hiller am 6. Januar 1939.
2. Zum Inhalt des Bestandes: Den überwiegenden Teil des Bestandes bilden Briefe an Anna Freifrau Hiller von Gaertringen (geb. von Salviati) in Büschel 1. Unter den Korrespondenzpartnern sind v. a. Bernhard Friedrich von Bülow, Oberst a. D. Ulrich von Salviati, der Dirigent und Komponist Max von Schillings, der Dirigent Ernst Hermann Seyffardt sowie die Palastdame Olga Gräfin von Üxküll-Gyllenband nennenswert. Ein Schreiben des Württembergischen Kriegsministeriums beschäftigt sich mit dem Schicksal des britischen Leutnants und Kriegsgefangenen Henry J. B. Eyre von den Irish Guards während des Ersten Weltkriegs. Fast alle diese Briefe stehen in Verbindung mit Anna von Salviatis Tätigkeit als Hofdame der Amalie Herzogin von Urach bzw. mit Angehörigen des Hauses Urach. Ein Passierschein für eine Reise der Anna Freifrau Hiller von Gaertringen ins Elsass, ausgestellt im Oktober 1917, findet sich in Büschel 2 des Bestandes GU 203. Schließlich ist in GU 203 Büschel 3 die Hausordnung des Palais` Schaumburg in Bonn enthalten. Diese wurde sehr wahrscheinlich von dem eingangs bereits genannten Kammerherrn und Hofmarschall Alexander von Salviati, einem Bruder der Anna von Salviati, im Jahre 1905 erstellt. Unterlagen von und über Anna Freifrau Hiller von Gaertringen (geb. von Salviati) verwahrt das Hauptstaatsarchiv Stuttgart noch in den folgenden Beständen: Briefe von Baronin Hiller von Gaertringen an Amalie Herzogin von Urach Gräfin von Württemberg (geb. Herzogin in Bayern) und teilweise auch umgekehrt sind in GU 118 (Amalie Herzogin von Urach Gräfin von Württemberg geb. Herzogin in Bayern) Bü 200 bis 203, 260, 263 und 311 vorhanden. Der Bestand GU 117 (Wilhelm II. Herzog von Urach Graf von Württemberg) weist in Büschel 1462 und 1463 Durchschläge einzelner Feldpostbriefe des Wilhelm (II.) Herzog von Urach Graf von Württemberg aus dem Ersten Weltkrieg an Anna Freifrau Hiller von Gaertringen auf. Dass auch nach dem Ableben der Amalie Herzogin von Urach der Kontakt der Anna Freifrau Hiller von Gaertringen zu Angehörigen des Hauses Urach eng blieb, beweisen die über Jahrzehnte geführten Briefwechsel der Baronin Hiller von Gaertringen mit Amalies Töchter Carola Hilda und Margarete Fürstinnen von Urach Gräfinnen von Württemberg in den Beständen GU 123 (Carola Hilda Fürstin von Urach Gräfin von Württemberg) und GU 128 (Margarete Fürstin von Urach Gräfin von Württemberg). Außerdem sind im Bestand M 743/2 (Materialsammlung zu Biografien II) Bü 218 ein Zeitungsausschnitt mit der Todesanzeige und dem Nachruf für Anna Freifrau Hiller von Gaertringen vorhanden. Möglicherweise besitzt auch das Archiv der Freiherren Hiller von Gaertringen in Gärtringen Teile des schriftlichen Nachlasses der Anna Freifrau Hiller von Gaertringen.
3. Zur Ordnung und Verzeichnung des Bestandes: Der Bestand GU 203 gelangte zusammen mit dem Archiv der Herzöge und Fürsten von Urach Grafen von Württemberg im Jahre 1987 als Depositum unter Eigentumsvorbehalt ins Hauptstaatsarchiv. Dort bildet das Archiv im Rahmen der Tektonik (Beständegliederung) die GU-Beständeserie. Bei der Neuordnung des Archivs durch Ltd. Archivdirektor Dr. Wolfgang Schmierer erhielten die Unterlagen zu Anna Freifrau Hiller von Gaertringen (geb. von Salviati) die Signatur GU 203. Auf welchem Wege allerdings die Unterlagen aus dem Nachlass der Freifrau Hiller von Gaertringen in das Archiv bzw. in den Besitz des Hauses Urach kamen, ließ sich allerdings nicht ermitteln. Archivalien des Bestandes GU 203, die älter als 100 Jahre sind, dürfen nur mit Genehmigung der Direktorin des Hauptstaatsarchivs Stuttgart eingesehen werden. Die Nutzung von Materialien des Bestandes, die jünger als 100 Jahre sind, kann nur nach vorheriger Genehmigung des Chefs des Hauses Urach erfolgen. Das Repertorium des Bestandes GU 203 wurde im Oktober 2020 von Diplom-Archivar (FH) Eberhard Merk fertiggestellt. Der Bestand umfasst 0,05 lfd. Meter mit 3 Nummern.
4. Literatur: Nachruf auf Anna Freifrau Hiller von Gaertringen in einem Zeitungsartikel (in M 743/2 Bü 218) Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser Jg. 1908. Gotha 1908. S. 798-800. [Artikel über die Freiherrliche Familie] Hiller von Gaertringen. In: Genealogisches Handbuch des Adels. Freiherrliche Häuser B Bd. II (Bd. 16 der Gesamtreihe). Glücksburg 1957. S. 159-165. [Artikel über die Familie von] Salviati. In: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser B Bd. V (Bd. 26 der Gesamtreihe). Limburg an der Lahn 1961. S. 315-318. [Artikel über die Familie von] Salviati. In: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon Bd. XII (Bd. 125 der Gesamtreihe). Limburg an der Lahn 2001. S. 225f. Wikipedia-Artikel über Hans-Viktor von Salviati, Wilhelm Prinz von Preußen, Palais Schaumburg in Bonn und Schloss Ditzingen. Stuttgart, im Oktober 2020 Eberhard Merk
3 Nummern (0,05 lfd. m)
Bestand
Genealogisches Handbuch des Adels: Freiherrliche Häuser B Band II. Glücksburg 1957. S. 159.
Hiller von Gaertringen, Anna; Freifrau, geb. von Salviati, Hofdame der Amalie Herzogin von Urach, 1855-1939
Salviati, Anna von, verh. Freifrau Hiller von Gaertringen; Hofdame der Amalie Herzogin von Urach, 1855-1939
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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