Basel (Domstift) (Bestand)
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Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe, 19
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Ältere Bestände (vornehmlich aus der Zeit des Alten Reichs) >> Urkunden >> Größere Territorien >> Basel (Domstift)
1239-1801
Überlieferungsgeschichte
Seit 1792 Flüchtungen des Archivs des Basler Domkapitels von dessen Sitz in Arlesheim, zuletzt nach Regensburg. Bei der Säkularisation 1803 Übernahme des Archivs von Regensburg nach Karlsruhe wegen des badischen Anspruchs auf die rechtsrheinischen Besitzungen des Domstifts. Extraditionen zwischen Baden und den Basler Kantonen bis 1923. Einreihung der ältesten Urkunden in die Bestände A-E und den Rödel-Selekt
Inhalt und Bewertung
Generalia, badische Orte A-Z, nichtbadische Orte A-Z
Zur Geschichte des Basler Domstifts: Wie an den anderen Domkirchen entlang des Rheins schieden sich auch in Basel die Vermögensmassen von Bischof und Domkapitel im Lauf des hohen Mittelalters. So entstanden einerseits das Hochstift, andererseits das Domstift, und naturgemäß erwuchsen aus den getrennten Geschäftsbereichen auch separate Archivkörper. Das Domstift hatte bis zur Reformation seinen Sitz bei der Kathedrale in Basel und suchte, als es 1529 die fortan evangelische Stadt verlassen musste, Zuflucht im vorderösterreichischen und mithin katholischen Freiburg im Breisgau. Dort erwarb es 1587 das Stürtzel¿sche Anwesen, den heutigen Basler Hof (Kaiser-Joseph-Straße 167), in dem es bis zur Einnahme der Stadt durch die Franzosen residierte. 1678 siedelte es schließlich nach Arlesheim im Baselbiet über, wo es bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ansässig blieb. Zum Herrschaftsgebiet des Domkapitels gehörten zur Zeit des Alten Reiches die rechtsrheinischen, dann badischen Orte Schliengen, Steinenstadt, Mauchen und Istein.
Überlieferungsgeschichte: Das Archiv des Domkapitels wurde bei den Ortswechseln von Basel über Freiburg nach Arlesheim stets mitgeführt. In Arlesheim erfolgte im 18. Jahrhundert seine Neuordnung der Bestände. Die Kriege im Gefolge der Französischen Revolution machten wiederholte Flüchtungen des Archivs erforderlich, 1792 von Arlesheim nach Basel, im Jahr darauf nach Schaffhausen (in 23 Kisten) und 1799 nach Regensburg. Aufgrund der Bestimmung des Reichsdeputationshauptschlusses (1803), wonach ¿die Reste des Bistums Basel¿ samt dem Besitz des Domkapitels dem Kurfürsten von Baden zufallen sollten, wurde das domkapitelische Archiv wenig später in Regensburg an Baden ausgeliefert und nach Karlsruhe verbracht. Teile der derart erworbenen Überlieferungen wurden später in die Schweiz extradiert, zuletzt 1923 in einer Tauschaktion mit dem Kanton Basel-Stadt. Auch im Basler Stadtarchiv gibt es einen umfangreichen, rund tausend Stücke zählenden Urkundenbestand ¿Domstiftsarchiv¿, der 1529 offenbar ¿ vielleicht weil die Besetzung der Dompropstei aufgrund eines Zugeständnisses Papst Clemens VII. dem städtischen Rat oblag ¿ dort verblieben und nicht nach Freiburg überführt worden war. Nur der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass das Archiv der Basler Bischöfe 1529 in die bischöfliche Residenz nach Pruntrut gebracht wurde und sich zum Teil noch heute dort befindet (Archives de l'ancien Évêché de Bâle), zum Teil liegt es im Staatsarchiv Basel. Allerdings sind einzelne Stücke mehr oder minder zufällig ins Generallandesarchiv gelangt, so namentlich das Lehnbuch des Basler Bischofs Friedrich zu Rhein aus dem Jahr 1441.
Verzeichnung: In Karlsruhe wurden, wie im 19. Jahrhundert hier üblich, die Urkunden von den Akten und Amtsbüchern getrennt. Unter letzteren sind vor allem die Domkapitelsprotokolle von 1537 bis 1792, die Jahrzeitbücher und sechs Bände Findbücher des alten Domkapitelsarchivs zu nennen. Die Urkunden wurden nach dem Brauer¿schen Rubrikenschema geordnet und nach 1886 von Alois Schulte verzeichnet; anschließend haben 1910 Hermann Baier und Albert Krieger das Bandrepertorium geschrieben. Die Neusignierung erfolgte 1986. Die Konversion des handschriftlichen Findmittels besorgte 2012 Frau Johanna Gilg, die Endredaktion 2014 Kurt Andermann. Weiteres Archivgut gleicher Provenienz befindet sich insbesondere in den Beständen A bis E, 44, 61, 62, 64-68, 72, 85 und 176 sowie im Bestand 229 bei den einst domkapitelischen Orten.
Literaturhinweise: Hansmartin Schwarzmaier/Gabriele Wüst (Bearb.), Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 2, Urkundenbestände (1-45), Stuttgart 1996, S. 148-153 (dort auch Nachweise für die ältere Literatur); Marco Jorio, Der Untergang des Fürstbistums Basel (1792¿1815). Der Kampf der beiden letzten Fürstbischöfe Joseph Sigismund von Roggenbach und Franz Xaver von Neveu gegen die Säkularisation, Freiburg i. Ü. 1981; Catherine Bosshart-Pfluger, Das Basler Domkapitel von seiner Übersiedlung nach Arlesheim bis zur Säkularisation (1678-1803) (Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte 11), Basel 1983; Marco Jorio, Das Schicksal des fürstbischöflich baslerischen Archivs seit 1789, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 83 (1983) S. 85-125; Werner Kundert, Die badischen Ansprüche auf die Besitzungen der säkularisierten Hochstifter Konstanz und Basel in der Schweiz, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 39 (1991) S. 157-175; Nicola Eisele, Das Basler Domkapitel im Freiburger Exil (1529-1678). Studien zum Selbstverständnis einer reichskirchlichen Institution (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte 49), Freiburg i. Br. u. a. 2004.
Seit 1792 Flüchtungen des Archivs des Basler Domkapitels von dessen Sitz in Arlesheim, zuletzt nach Regensburg. Bei der Säkularisation 1803 Übernahme des Archivs von Regensburg nach Karlsruhe wegen des badischen Anspruchs auf die rechtsrheinischen Besitzungen des Domstifts. Extraditionen zwischen Baden und den Basler Kantonen bis 1923. Einreihung der ältesten Urkunden in die Bestände A-E und den Rödel-Selekt
Inhalt und Bewertung
Generalia, badische Orte A-Z, nichtbadische Orte A-Z
Zur Geschichte des Basler Domstifts: Wie an den anderen Domkirchen entlang des Rheins schieden sich auch in Basel die Vermögensmassen von Bischof und Domkapitel im Lauf des hohen Mittelalters. So entstanden einerseits das Hochstift, andererseits das Domstift, und naturgemäß erwuchsen aus den getrennten Geschäftsbereichen auch separate Archivkörper. Das Domstift hatte bis zur Reformation seinen Sitz bei der Kathedrale in Basel und suchte, als es 1529 die fortan evangelische Stadt verlassen musste, Zuflucht im vorderösterreichischen und mithin katholischen Freiburg im Breisgau. Dort erwarb es 1587 das Stürtzel¿sche Anwesen, den heutigen Basler Hof (Kaiser-Joseph-Straße 167), in dem es bis zur Einnahme der Stadt durch die Franzosen residierte. 1678 siedelte es schließlich nach Arlesheim im Baselbiet über, wo es bis zur Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts ansässig blieb. Zum Herrschaftsgebiet des Domkapitels gehörten zur Zeit des Alten Reiches die rechtsrheinischen, dann badischen Orte Schliengen, Steinenstadt, Mauchen und Istein.
Überlieferungsgeschichte: Das Archiv des Domkapitels wurde bei den Ortswechseln von Basel über Freiburg nach Arlesheim stets mitgeführt. In Arlesheim erfolgte im 18. Jahrhundert seine Neuordnung der Bestände. Die Kriege im Gefolge der Französischen Revolution machten wiederholte Flüchtungen des Archivs erforderlich, 1792 von Arlesheim nach Basel, im Jahr darauf nach Schaffhausen (in 23 Kisten) und 1799 nach Regensburg. Aufgrund der Bestimmung des Reichsdeputationshauptschlusses (1803), wonach ¿die Reste des Bistums Basel¿ samt dem Besitz des Domkapitels dem Kurfürsten von Baden zufallen sollten, wurde das domkapitelische Archiv wenig später in Regensburg an Baden ausgeliefert und nach Karlsruhe verbracht. Teile der derart erworbenen Überlieferungen wurden später in die Schweiz extradiert, zuletzt 1923 in einer Tauschaktion mit dem Kanton Basel-Stadt. Auch im Basler Stadtarchiv gibt es einen umfangreichen, rund tausend Stücke zählenden Urkundenbestand ¿Domstiftsarchiv¿, der 1529 offenbar ¿ vielleicht weil die Besetzung der Dompropstei aufgrund eines Zugeständnisses Papst Clemens VII. dem städtischen Rat oblag ¿ dort verblieben und nicht nach Freiburg überführt worden war. Nur der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass das Archiv der Basler Bischöfe 1529 in die bischöfliche Residenz nach Pruntrut gebracht wurde und sich zum Teil noch heute dort befindet (Archives de l'ancien Évêché de Bâle), zum Teil liegt es im Staatsarchiv Basel. Allerdings sind einzelne Stücke mehr oder minder zufällig ins Generallandesarchiv gelangt, so namentlich das Lehnbuch des Basler Bischofs Friedrich zu Rhein aus dem Jahr 1441.
Verzeichnung: In Karlsruhe wurden, wie im 19. Jahrhundert hier üblich, die Urkunden von den Akten und Amtsbüchern getrennt. Unter letzteren sind vor allem die Domkapitelsprotokolle von 1537 bis 1792, die Jahrzeitbücher und sechs Bände Findbücher des alten Domkapitelsarchivs zu nennen. Die Urkunden wurden nach dem Brauer¿schen Rubrikenschema geordnet und nach 1886 von Alois Schulte verzeichnet; anschließend haben 1910 Hermann Baier und Albert Krieger das Bandrepertorium geschrieben. Die Neusignierung erfolgte 1986. Die Konversion des handschriftlichen Findmittels besorgte 2012 Frau Johanna Gilg, die Endredaktion 2014 Kurt Andermann. Weiteres Archivgut gleicher Provenienz befindet sich insbesondere in den Beständen A bis E, 44, 61, 62, 64-68, 72, 85 und 176 sowie im Bestand 229 bei den einst domkapitelischen Orten.
Literaturhinweise: Hansmartin Schwarzmaier/Gabriele Wüst (Bearb.), Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 2, Urkundenbestände (1-45), Stuttgart 1996, S. 148-153 (dort auch Nachweise für die ältere Literatur); Marco Jorio, Der Untergang des Fürstbistums Basel (1792¿1815). Der Kampf der beiden letzten Fürstbischöfe Joseph Sigismund von Roggenbach und Franz Xaver von Neveu gegen die Säkularisation, Freiburg i. Ü. 1981; Catherine Bosshart-Pfluger, Das Basler Domkapitel von seiner Übersiedlung nach Arlesheim bis zur Säkularisation (1678-1803) (Quellen und Forschungen zur Basler Geschichte 11), Basel 1983; Marco Jorio, Das Schicksal des fürstbischöflich baslerischen Archivs seit 1789, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 83 (1983) S. 85-125; Werner Kundert, Die badischen Ansprüche auf die Besitzungen der säkularisierten Hochstifter Konstanz und Basel in der Schweiz, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 39 (1991) S. 157-175; Nicola Eisele, Das Basler Domkapitel im Freiburger Exil (1529-1678). Studien zum Selbstverständnis einer reichskirchlichen Institution (Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte 49), Freiburg i. Br. u. a. 2004.
1900 Urkunden im Signaturbereich 1-1890; Nr. 1476 ist unbelegt
Bestand
Inventare des Großherzoglich Badischen General-Landesarchivs, 4. Band, Karlsruhe 1911, S. 155-162; Die Bestände des Generallandesarchivs Karlsruhe, Teil 2, Urkundenbestände, bearb. von Hansmartin Schwarzmaier und Gabriele Wüst, Stuttgart 1996, S. 148-153; Josef Bader, Regesta des ehemaligen Hochstifts Basel von 999-1360, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 4 (1853) S.208- 240, 356-384, 457-474. - Ders., Urkunden und Regeste über die ehemalige Hochstift Baslerische Landvogtei Schliengen, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 15 (1863) S.225-255, 458-488; 16 (1864) S.227-256; 17 (1865) S.99-126, 221-254, 356-374, 466-490; 18 (1866) S.218-224, 476-489; 19 (1867) S.105-128, 194-122; Heinrich Boos, Urkundenbuch der Landschaft Basel, 3 Bde., Basel 1881-1883; Urkundenbuch der Stadt Basel, hrsg. von der Historischen und antiquarischen Gesellschaft zu Basel, 11 Bde., Basel 1890-1910; Helvetia Sacra Abt. 1 Bd. 1, Bern 1972 S.142 ff. und 275 f.; Catherine Bosshart-Pfluger, Das Basler Domkapitel von seiner Übersiedlung nach Arlesheim bis zur Säkularisation (1687-1803), Basel 1983; Marco Jorio, Der Untergang des Fürstbistums Basel (1792-1815), Freiburg/Schweiz 1983; Ders., Das Schicksal des fürstbischöflich-baslerischen Archivs seit 1789, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 83 (1983) S.85-125, insbes. S. 117
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
03.04.2025, 11:03 MESZ