A Rep. 020-17 Königin-Luise-Schule - Lietzenseeschule (Bestand)
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A Rep. 020-17
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> A Bestände vor 1945 >> A 2 Magistrat der Stadt Berlin >> A 2.4 Nachgeordnete städtische Behörden und Einrichtungen >> A Rep. 020-03 bis A Rep. 020-ff Städtische Schulen
1906 - 1951
Vorwort: A Rep. 020-17 Königin-Luise-Schule / Lietzenseeschule
1. Schulgeschichte
Am 24. April 1906 wurde die dritte höhere Mädchenschule der Stadt Charlottenburg in den Räumen des städtischen Gebäudes Bismarckstraße 43/44 mit 78 Schülerinnen in drei Klassen und drei Lehrern eröffnet. Im Sommer 1908 waren es bereits 368 Schülerinnen mit zehn Lehrern. In der Zwischenzeit errichtete die Stadt Charlottenburg ein neues Schulgebäude auf dem Grundstück Danckelmannstraße 26-28 nach den Plänen der Architekten Stadtbaurat Prof. Otto Schmalz und Heinrich Seeling, welches im Sommer 1908 unter der Leitung von Dr. Lenschau bezogen werden konnte. Am Schluss des Schuljahres 1910/1911 besuchten bereits 591 Schülerinnen in 14 Klassen die Anstalt. Dr. Lenschau wurde an die Königliche Augusta-Schule berufen, so dass Oberlehrer Dr. Wildhagen zum neuen Direktor berufen wurde. Am 1. Juni 1911 übernahm Dr. Curt Christmann die Leitung der Schule. Die Anstalt wurde nunmehr mit der Eröffnung weiterer Klassen und 690 Schülerinnen als 3. Städtisches Lyzeum in Entwicklung bezeichnet. Zu Michaelis 1913 wurde die letzte Klasse in der Oberstufe eröffnet, so dass die Anstalt als Vollanstalt bezeichnet werden konnte.
Seit dem 2. Januar 1914 durfte die Anstalt durch Königlichen Erlass vom 20. Dezember 1913 den Namen "Königin-Luise- Schule" führen. Nach der Einberufung des Direktors Dr. Christmann zum Heeresdienst anlässlich des Weltkrieges 1914 übernahm Prof. Dr. Burg im September 1914 die Leitung der Anstalt. Im Rahmen der Kriegshilfe wurden Büchersammlungen für Lazarette, Kochkurse und Wäsche-Sammlungen für Lazarette sowie andere Liebesgaben veranstaltet.
1920 wurde nach den neuen Schulanforderungen ein Elternbeirat begründet. Die Anstalt sollte bei den Umstrukturierungen als gymnasiale Form ausgebaut werden, deshalb sollte der gymnasiale Zweig der Fürstin-Bismarck-Schule an die Anstalt verlegt werden. Im Juli 1921 wurden 738 Schülerinnen in 22 Klassen von 31 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet. Als neuer Kurs wurde "Tanzturnen" eingerichtet. Die im Winterhalbjahr 1921 eröffnete Gymnasialobersekunda wurde Michaelis 1922 wegen zu geringer Schülerinnenzahl wieder aufgelöst. 1923 wechselte der Direktor Dr. Christmann an die Sophie-Charlotten-Schule, während Dr. Otto Schröder die Leitung der Anstalt übernahm. Am 30. April 1924 begann das Schuljahr mit 19 Klassen, 27 Lehrkräften und 607 Schülerinnen. Durch die Auflösung des "Apelschen Privatlyzeums" 1927 übernahm die Anstalt ca. 150 Schülerinnen und bildete drei neue Klassen. Die älteren Schülerinnen aus der Obertertia wurden bestehenden Klassengemeinschaften zugeordnet. Im Zuge der Berliner Verwaltungsreform im Schulwesen begann sich die Schule, um eine Anerkennung als Oberlyzeum zu bemühen. Im Sommerhalbjahr 1928 konnte die Obersekunda eines Oberlyzeums mit 27 Schülerinnen eröffnet werden. Die Ruderriege wurde im April 1929 eröffnet. Seit dem Sommer 1929 wurde Englisch auf Anweisung als erste Fremdsprache geführt. 653 Schülerinnen wurden von 38 Lehrkräften in 20 Klassen unterrichtet. Im Februar 1931 wurden in 20 Klassen die 652 Schülerinnen von 38 Lehrkräften unterrichtet.
Das 25jährige Schuljubiläum feierte die Anstalt mit Jubiläumskonzert, Festakt und einer großen Feier im Etablissement Tiergartenhof für Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern. Zu Ostern 1931 wurde 22 Abiturientinnen das erste Abitur an der Anstalt abgenommen. Im freiwilligen Unterricht wurde Latein, Werkunterricht und Kurzschrift unterrichtet, der Ruderverein konnte drei Boote mit Schülerinnen besetzen. 1932 fuhren im Schüleraustausch der Stadt Berlin fünf Schülerinnen der Anstalt nach England bzw. Frankreich.
Zu Ostern 1933 wurde die jüdische Studienrätin Johanna Bergas beurlaubt und im November 1933 in den Ruhestand versetzt. Seit 12. November 1933 wurde eine Nagelung eines Hakenkreuzschildes durchgeführt. 1934 unterrichteten 25 Lehrkräfte die 480 Schülerinnen in 16 Klassen. Zahlreiche außerschulische Aktivitäten, wie z.B. Handarbeiten für das Winterhilfswerk und Informationsveranstaltungen zum Luftschutz, fanden statt. Im Winterhalbjahr 1935 wurde der jüdische Studienrat Dr. Krakauer beurlaubt und in den Ruhestand versetzt. Als wahlfreier Unterricht wurde Latein und Flugmodellbau angeboten. 51,5 % der Schülerinnen waren dem BDM und Jungvolk angeschlossen.
Die Olympiafeier 1936 brachte für die 21 Lehrkräfte und 432 Schülerinnen Einschränkungen im Unterricht mit sich. Die Olympiasiegerin und ehemalige Schülerin Ellen Preis führte am 27. August 1936 mit dem Berliner Fechtmeister einen Florettwettkampf in der Schule vor. 1937 wurden 410 Schülerinnen in 14 Klassen von 24 Lehrkräften unterrichtet.
Mit der Neugestaltung des höheren deutschen Schulwesens durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 erfolgte die Umbenennung der Königin-Luise-Schule in Lietzenseeschule. Hintergrund war der Versuch, eine Vereinheitlichung der verschiedenen deutschen Schulformen vorzunehmen, wobei die Oberschule zukünftig die Regelform darstellen sollte. Per Definition handelte es sich bei der "Lietzenseeschule" um eine Oberschule für Mädchen, sprachliche Form.
Bei Beginn des Krieges im September 1939 gab es eine Woche Unterrichtsausfall. Zahlreiche Luftschutzmaßnahmen wurden durchgeführt. Im Oktober 1939 verlegte man die 4. Charlottenburger Volksschule in das Gebäude der Lietzenseeschule, was Schichtunterricht mit sich brachte. Weiterer Unterrichtsausfall war die Folge der Heizungsbeschränkungen und 1940 die Belegung einzelner Schulräume durch die Kartenstelle.
Die Schülerinnen der Klassen 1-4 fuhren im November in die Kinderlandverschickung nach Weichsel in den Beskiden (Krs. Teschen, Oberschlesien) und erlebten dort den Jahreswechsel 1940/1941. Nach nächtlichen Fliegeralarmen 1942 wurde der Unterricht später begonnen bzw. verkürzt. 1943 besuchten 329 Schülerinnen in dreizehn Klassen die Lietzenseeschule. Weitere Schülerinnen nahmen an der Kinderlandverschickung teil.
Im Juli 1946 fanden wieder erstmals Reifeprüfungen unter der Leitung von Frau Tobiank in der Lietzenseeschule statt, vier Schülerinnen erhielten daraufhin ihre Reifezeugnisse. 1948 wurde die Koedukation an der Lietzenseeschule eingeführt. Im Schulkollegium wurden gute Erfahrungen im Unterricht von Mädchen und Jungen gesammelt. 1949 standen im Schulgebäude Danckelmannstraße 26/28 für die Lietzenseeschule, die 11. Volksschule, die 12./18. Volksschule und eine Meisterschule 24 Klassenräume und 18 sonstige Räume zur Verfügung. Die Aula und die Turnhalle waren völlig zerstört.
1951 wurde die Lietzenseeschule aufgelöst und die 4. Oberschule praktischer Zweig gegründet. Heute befindet sich in diesem Schulkomplex das Oberstufenzentrum Recht.
Die Schulakten wurden im Jahr 2000 als Zugang 5517 dem Landesarchiv Berlin vom BIL (Gutachterstelle für deutsches Schul- und Studienwesen im Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung früher Pädagogisches Zentrum) übergeben. 2016 übergab die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (Serviceeinheit Personalstelle/ Archiv und Gutachterstelle für Deutsches Schul- und Studienwesen) weitere Unterlagen dem Landesarchiv Berlin.
2. Bestandsgeschichte
Der Bestand umfasst 82 Akten (1,80 lfm) mit der Laufzeit 1906-1951. Er beinhaltet Akten der Schulleitung betr. die Jahresberichte, Konferenzprotokolle und Gutachten der Schülerinnen zur Aufnahme in eine höhere Schule. Darüber hinaus sind Akten betr. die Reifeprüfungen der Jahre 1936- 1943 vorhanden. Abgangszeugnisse, Schlusszeugnisse und Reifezeugnisse dokumentieren die Ergebnisse der Schülerinnen. Zwei Fotos von 1908 und mehrere Erinnerungsberichte zur Kinderlandverschickung im Lager Weichsel (Krs. Teschen in Oberschlesien) runden den Bestand ab.
Im Januar 2002 wurde im Rahmen der Ausbildung zur Archivinspektoranwärterin von Anne Rothschenk eine Klassifikation erstellt, die 73 Akten entsprechend archivischer Grundsätze geordnet und in die Datenbank Augias-Archiv eingegeben. Im Anschluss wurden die Akten in säurefreie Kartons umgebettet und ins Magazin eingelagert. Bei Verzeichnungsarbeiten an anderen Schulbeständen wurden weitere Akten der Königin-Luise-Schule aufgefunden und im September 2013 eingearbeitet. Dabei wurden einige Aktentitel und die Klassifikation neu überarbeitet.
Am Ende der Ausbildung zur Archivinspektoranwärterin wurden von Nathalie Huck im September und November 2017 weitere Akten die sich bei der Bearbeitung des Bestandes Lietzenseeschule Charlottenburg (B Rep. 140-16) anfanden, hier zugeordnet.
Ebenfalls im November 2017 wurde mit der Mustersystematik "Höhere Schulen A" der Schulbestand neu gegliedert.
Die Schülerinnenkartei der Königin-Luise-Schule / Lietzensee-Schule wurde als separater Bestand formiert und befindet sich nun im Karteienmagazin.
Zahlreiche Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesarchivs.
Der Bestand ist wie folgt zu zitieren: Landesarchiv Berlin, A Rep. 020-17, Nr. ... .
3. Korrespondierende Bestände
Landesarchiv Berlin
A Rep. 020-01 - Magistrat der Stadt Berlin, Städtische Schuldeputation / Hauptschulamt
A Rep. 020-17 (Karteien) Königin-Luise-Schule / Lietzensee-Schule
B Rep. 015 Senatsverwaltung für Schule, Beruf, Bildung und Sport
B Rep. 140-16 Lietzenseeschule Charlottenburg
E Rep. 200-93 - Nachlass Familie Behne / Wirsig
Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung - Gutachterstelle des BIL
Signatur: GUT PERS 302 Personalberichte der Königin-Luise-Schule Berlin-Charlottenburg 1922-1940. Enthält: Meldungen der Personal- und Einkommensveränderungen der Lehrkräfte: Zu- und Abgänge, Veränderungen der dienstlichen und privaten Verhältnisse. - Lehrerverzeichnisse.
Signatur: GUT SAMML 2263 Lietzensee-Schule Berlin-Charlottenburg : Schüleraufsätze über die Verlegung der Schule [Kinderlandverschickung] 1940-1941.
Stiftung Stadtmuseum Berlin
Inventarnummer: SM/FO 92/132 Fotopostkarte Schulgebäude der Königin Luise-Schule in Berlin-Charlottenburg 1938 (Fot. Hildegard Spremberg, Bln.-Chlbg.) (https://sammlung-online.stadtmuseum.de/Details/Index/194049 )
Berlin, Januar 2002, September 2013, November 2017 Anne Rothschenk, Kerstin Bötticher, Nathalie Huck
Fußnoten
Als Liebesgaben wurden im Deutschen Kaiserreich Hilfsgüter-Sendungen bezeichnet, die von der Bevölkerung beispielsweise während des Ersten Weltkriegs an die Soldaten an der Front übersandt wurden. Sie gingen aber auch an Kriegsverwundete in Lazaretten und an deutsche Kriegsgefangene im Ausland. Es handelte sich um Geschenkpakete die hauptsächlich Bekleidung und Lebensmittel enthielten. Die Pakete wurden von gemeinnützigen Organisationen, wie dem Roten Kreuz und Frauenvereinen, aber auch von Schülern der jeweiligen Schulen, Firmen und privaten Spendern versandt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liebesgaben
Die Nationalsozialisten griffen unmittelbar nach der Machtübernahme die erfolgreiche Idee der Nagelungen auf. Zwar war nach - sicher propagandistisch übertreibender - Aussage der Reichsleitung der NSDAP vom 7. Dezember 1933 "die öffentliche Naglung des Wappenschildes der Hitlerjugend in allen Teilen des Reiches zu einem gewaltigen Erfolg geworden" (siehe Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen 1933, S. 319/320), insgesamt jedoch verlief die Spendenaktion offensichtlich bei weitem nicht so erfolgreich wie im Ersten Weltkrieg. Genagelt wurden hauptsächlich Hakenkreuze, Schilder mit Hakenkreuzmotiven und Wappenschilder zu Gunsten des Winterhilfswerks, und zwar in erster Linie durch die Hitlerjugend. Quelle: https://www.kriegsnagelungen.com/kriegsnagelungen-zur-zeit-des-nationalsozialismus/ .
1. Schulgeschichte
Am 24. April 1906 wurde die dritte höhere Mädchenschule der Stadt Charlottenburg in den Räumen des städtischen Gebäudes Bismarckstraße 43/44 mit 78 Schülerinnen in drei Klassen und drei Lehrern eröffnet. Im Sommer 1908 waren es bereits 368 Schülerinnen mit zehn Lehrern. In der Zwischenzeit errichtete die Stadt Charlottenburg ein neues Schulgebäude auf dem Grundstück Danckelmannstraße 26-28 nach den Plänen der Architekten Stadtbaurat Prof. Otto Schmalz und Heinrich Seeling, welches im Sommer 1908 unter der Leitung von Dr. Lenschau bezogen werden konnte. Am Schluss des Schuljahres 1910/1911 besuchten bereits 591 Schülerinnen in 14 Klassen die Anstalt. Dr. Lenschau wurde an die Königliche Augusta-Schule berufen, so dass Oberlehrer Dr. Wildhagen zum neuen Direktor berufen wurde. Am 1. Juni 1911 übernahm Dr. Curt Christmann die Leitung der Schule. Die Anstalt wurde nunmehr mit der Eröffnung weiterer Klassen und 690 Schülerinnen als 3. Städtisches Lyzeum in Entwicklung bezeichnet. Zu Michaelis 1913 wurde die letzte Klasse in der Oberstufe eröffnet, so dass die Anstalt als Vollanstalt bezeichnet werden konnte.
Seit dem 2. Januar 1914 durfte die Anstalt durch Königlichen Erlass vom 20. Dezember 1913 den Namen "Königin-Luise- Schule" führen. Nach der Einberufung des Direktors Dr. Christmann zum Heeresdienst anlässlich des Weltkrieges 1914 übernahm Prof. Dr. Burg im September 1914 die Leitung der Anstalt. Im Rahmen der Kriegshilfe wurden Büchersammlungen für Lazarette, Kochkurse und Wäsche-Sammlungen für Lazarette sowie andere Liebesgaben veranstaltet.
1920 wurde nach den neuen Schulanforderungen ein Elternbeirat begründet. Die Anstalt sollte bei den Umstrukturierungen als gymnasiale Form ausgebaut werden, deshalb sollte der gymnasiale Zweig der Fürstin-Bismarck-Schule an die Anstalt verlegt werden. Im Juli 1921 wurden 738 Schülerinnen in 22 Klassen von 31 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet. Als neuer Kurs wurde "Tanzturnen" eingerichtet. Die im Winterhalbjahr 1921 eröffnete Gymnasialobersekunda wurde Michaelis 1922 wegen zu geringer Schülerinnenzahl wieder aufgelöst. 1923 wechselte der Direktor Dr. Christmann an die Sophie-Charlotten-Schule, während Dr. Otto Schröder die Leitung der Anstalt übernahm. Am 30. April 1924 begann das Schuljahr mit 19 Klassen, 27 Lehrkräften und 607 Schülerinnen. Durch die Auflösung des "Apelschen Privatlyzeums" 1927 übernahm die Anstalt ca. 150 Schülerinnen und bildete drei neue Klassen. Die älteren Schülerinnen aus der Obertertia wurden bestehenden Klassengemeinschaften zugeordnet. Im Zuge der Berliner Verwaltungsreform im Schulwesen begann sich die Schule, um eine Anerkennung als Oberlyzeum zu bemühen. Im Sommerhalbjahr 1928 konnte die Obersekunda eines Oberlyzeums mit 27 Schülerinnen eröffnet werden. Die Ruderriege wurde im April 1929 eröffnet. Seit dem Sommer 1929 wurde Englisch auf Anweisung als erste Fremdsprache geführt. 653 Schülerinnen wurden von 38 Lehrkräften in 20 Klassen unterrichtet. Im Februar 1931 wurden in 20 Klassen die 652 Schülerinnen von 38 Lehrkräften unterrichtet.
Das 25jährige Schuljubiläum feierte die Anstalt mit Jubiläumskonzert, Festakt und einer großen Feier im Etablissement Tiergartenhof für Schülerinnen, Lehrkräfte und Eltern. Zu Ostern 1931 wurde 22 Abiturientinnen das erste Abitur an der Anstalt abgenommen. Im freiwilligen Unterricht wurde Latein, Werkunterricht und Kurzschrift unterrichtet, der Ruderverein konnte drei Boote mit Schülerinnen besetzen. 1932 fuhren im Schüleraustausch der Stadt Berlin fünf Schülerinnen der Anstalt nach England bzw. Frankreich.
Zu Ostern 1933 wurde die jüdische Studienrätin Johanna Bergas beurlaubt und im November 1933 in den Ruhestand versetzt. Seit 12. November 1933 wurde eine Nagelung eines Hakenkreuzschildes durchgeführt. 1934 unterrichteten 25 Lehrkräfte die 480 Schülerinnen in 16 Klassen. Zahlreiche außerschulische Aktivitäten, wie z.B. Handarbeiten für das Winterhilfswerk und Informationsveranstaltungen zum Luftschutz, fanden statt. Im Winterhalbjahr 1935 wurde der jüdische Studienrat Dr. Krakauer beurlaubt und in den Ruhestand versetzt. Als wahlfreier Unterricht wurde Latein und Flugmodellbau angeboten. 51,5 % der Schülerinnen waren dem BDM und Jungvolk angeschlossen.
Die Olympiafeier 1936 brachte für die 21 Lehrkräfte und 432 Schülerinnen Einschränkungen im Unterricht mit sich. Die Olympiasiegerin und ehemalige Schülerin Ellen Preis führte am 27. August 1936 mit dem Berliner Fechtmeister einen Florettwettkampf in der Schule vor. 1937 wurden 410 Schülerinnen in 14 Klassen von 24 Lehrkräften unterrichtet.
Mit der Neugestaltung des höheren deutschen Schulwesens durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 erfolgte die Umbenennung der Königin-Luise-Schule in Lietzenseeschule. Hintergrund war der Versuch, eine Vereinheitlichung der verschiedenen deutschen Schulformen vorzunehmen, wobei die Oberschule zukünftig die Regelform darstellen sollte. Per Definition handelte es sich bei der "Lietzenseeschule" um eine Oberschule für Mädchen, sprachliche Form.
Bei Beginn des Krieges im September 1939 gab es eine Woche Unterrichtsausfall. Zahlreiche Luftschutzmaßnahmen wurden durchgeführt. Im Oktober 1939 verlegte man die 4. Charlottenburger Volksschule in das Gebäude der Lietzenseeschule, was Schichtunterricht mit sich brachte. Weiterer Unterrichtsausfall war die Folge der Heizungsbeschränkungen und 1940 die Belegung einzelner Schulräume durch die Kartenstelle.
Die Schülerinnen der Klassen 1-4 fuhren im November in die Kinderlandverschickung nach Weichsel in den Beskiden (Krs. Teschen, Oberschlesien) und erlebten dort den Jahreswechsel 1940/1941. Nach nächtlichen Fliegeralarmen 1942 wurde der Unterricht später begonnen bzw. verkürzt. 1943 besuchten 329 Schülerinnen in dreizehn Klassen die Lietzenseeschule. Weitere Schülerinnen nahmen an der Kinderlandverschickung teil.
Im Juli 1946 fanden wieder erstmals Reifeprüfungen unter der Leitung von Frau Tobiank in der Lietzenseeschule statt, vier Schülerinnen erhielten daraufhin ihre Reifezeugnisse. 1948 wurde die Koedukation an der Lietzenseeschule eingeführt. Im Schulkollegium wurden gute Erfahrungen im Unterricht von Mädchen und Jungen gesammelt. 1949 standen im Schulgebäude Danckelmannstraße 26/28 für die Lietzenseeschule, die 11. Volksschule, die 12./18. Volksschule und eine Meisterschule 24 Klassenräume und 18 sonstige Räume zur Verfügung. Die Aula und die Turnhalle waren völlig zerstört.
1951 wurde die Lietzenseeschule aufgelöst und die 4. Oberschule praktischer Zweig gegründet. Heute befindet sich in diesem Schulkomplex das Oberstufenzentrum Recht.
Die Schulakten wurden im Jahr 2000 als Zugang 5517 dem Landesarchiv Berlin vom BIL (Gutachterstelle für deutsches Schul- und Studienwesen im Berliner Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung und Schulentwicklung früher Pädagogisches Zentrum) übergeben. 2016 übergab die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung (Serviceeinheit Personalstelle/ Archiv und Gutachterstelle für Deutsches Schul- und Studienwesen) weitere Unterlagen dem Landesarchiv Berlin.
2. Bestandsgeschichte
Der Bestand umfasst 82 Akten (1,80 lfm) mit der Laufzeit 1906-1951. Er beinhaltet Akten der Schulleitung betr. die Jahresberichte, Konferenzprotokolle und Gutachten der Schülerinnen zur Aufnahme in eine höhere Schule. Darüber hinaus sind Akten betr. die Reifeprüfungen der Jahre 1936- 1943 vorhanden. Abgangszeugnisse, Schlusszeugnisse und Reifezeugnisse dokumentieren die Ergebnisse der Schülerinnen. Zwei Fotos von 1908 und mehrere Erinnerungsberichte zur Kinderlandverschickung im Lager Weichsel (Krs. Teschen in Oberschlesien) runden den Bestand ab.
Im Januar 2002 wurde im Rahmen der Ausbildung zur Archivinspektoranwärterin von Anne Rothschenk eine Klassifikation erstellt, die 73 Akten entsprechend archivischer Grundsätze geordnet und in die Datenbank Augias-Archiv eingegeben. Im Anschluss wurden die Akten in säurefreie Kartons umgebettet und ins Magazin eingelagert. Bei Verzeichnungsarbeiten an anderen Schulbeständen wurden weitere Akten der Königin-Luise-Schule aufgefunden und im September 2013 eingearbeitet. Dabei wurden einige Aktentitel und die Klassifikation neu überarbeitet.
Am Ende der Ausbildung zur Archivinspektoranwärterin wurden von Nathalie Huck im September und November 2017 weitere Akten die sich bei der Bearbeitung des Bestandes Lietzenseeschule Charlottenburg (B Rep. 140-16) anfanden, hier zugeordnet.
Ebenfalls im November 2017 wurde mit der Mustersystematik "Höhere Schulen A" der Schulbestand neu gegliedert.
Die Schülerinnenkartei der Königin-Luise-Schule / Lietzensee-Schule wurde als separater Bestand formiert und befindet sich nun im Karteienmagazin.
Zahlreiche Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesarchivs.
Der Bestand ist wie folgt zu zitieren: Landesarchiv Berlin, A Rep. 020-17, Nr. ... .
3. Korrespondierende Bestände
Landesarchiv Berlin
A Rep. 020-01 - Magistrat der Stadt Berlin, Städtische Schuldeputation / Hauptschulamt
A Rep. 020-17 (Karteien) Königin-Luise-Schule / Lietzensee-Schule
B Rep. 015 Senatsverwaltung für Schule, Beruf, Bildung und Sport
B Rep. 140-16 Lietzenseeschule Charlottenburg
E Rep. 200-93 - Nachlass Familie Behne / Wirsig
Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung - Gutachterstelle des BIL
Signatur: GUT PERS 302 Personalberichte der Königin-Luise-Schule Berlin-Charlottenburg 1922-1940. Enthält: Meldungen der Personal- und Einkommensveränderungen der Lehrkräfte: Zu- und Abgänge, Veränderungen der dienstlichen und privaten Verhältnisse. - Lehrerverzeichnisse.
Signatur: GUT SAMML 2263 Lietzensee-Schule Berlin-Charlottenburg : Schüleraufsätze über die Verlegung der Schule [Kinderlandverschickung] 1940-1941.
Stiftung Stadtmuseum Berlin
Inventarnummer: SM/FO 92/132 Fotopostkarte Schulgebäude der Königin Luise-Schule in Berlin-Charlottenburg 1938 (Fot. Hildegard Spremberg, Bln.-Chlbg.) (https://sammlung-online.stadtmuseum.de/Details/Index/194049 )
Berlin, Januar 2002, September 2013, November 2017 Anne Rothschenk, Kerstin Bötticher, Nathalie Huck
Fußnoten
Als Liebesgaben wurden im Deutschen Kaiserreich Hilfsgüter-Sendungen bezeichnet, die von der Bevölkerung beispielsweise während des Ersten Weltkriegs an die Soldaten an der Front übersandt wurden. Sie gingen aber auch an Kriegsverwundete in Lazaretten und an deutsche Kriegsgefangene im Ausland. Es handelte sich um Geschenkpakete die hauptsächlich Bekleidung und Lebensmittel enthielten. Die Pakete wurden von gemeinnützigen Organisationen, wie dem Roten Kreuz und Frauenvereinen, aber auch von Schülern der jeweiligen Schulen, Firmen und privaten Spendern versandt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liebesgaben
Die Nationalsozialisten griffen unmittelbar nach der Machtübernahme die erfolgreiche Idee der Nagelungen auf. Zwar war nach - sicher propagandistisch übertreibender - Aussage der Reichsleitung der NSDAP vom 7. Dezember 1933 "die öffentliche Naglung des Wappenschildes der Hitlerjugend in allen Teilen des Reiches zu einem gewaltigen Erfolg geworden" (siehe Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen 1933, S. 319/320), insgesamt jedoch verlief die Spendenaktion offensichtlich bei weitem nicht so erfolgreich wie im Ersten Weltkrieg. Genagelt wurden hauptsächlich Hakenkreuze, Schilder mit Hakenkreuzmotiven und Wappenschilder zu Gunsten des Winterhilfswerks, und zwar in erster Linie durch die Hitlerjugend. Quelle: https://www.kriegsnagelungen.com/kriegsnagelungen-zur-zeit-des-nationalsozialismus/ .
Bestand
Verwandte Verzeichnungseinheiten: LAB A Rep. 020-01 Magistrat der Stadt Berlin, Städtische Schuldeputation/Hauptschulamt
LAB B Rep. 015 Senatsverwaltung für Schule, Beruf, Bildung und Sport
E Rep. 200-93 Nachlass Familie Behne/Wirsig
LAB B Rep. 015 Senatsverwaltung für Schule, Beruf, Bildung und Sport
E Rep. 200-93 Nachlass Familie Behne/Wirsig
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Für nähere Informationen zu Nutzungs- und Verwertungsrechten kontaktieren Sie bitte info@landesarchiv.berlin.de.
22.08.2025, 11:21 MESZ
Hierarchie
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- A Bestände vor 1945 (Tektonik)
- A 2 Magistrat der Stadt Berlin (Tektonik)
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- A Rep. 020-03 bis A Rep. 020-ff Städtische Schulen (Bestand)
- A Rep. 020-17 Königin-Luise-Schule - Lietzenseeschule (Bestand)