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Nachlass Wilhelm Richard Barthlott (1913-1942) und Gertrud
Barthlott (1915-2003) (Bestand)
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Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Generallandesarchiv Karlsruhe (Archivtektonik) >> Nichtstaatliches Archivgut >> Nachlässe >> Andere Nachlässe >> Barthlott
1931-1949, 2006
Inhalt und Bewertung
Enthält v. a.: Schriftwechsel zwischen Wilhelm Barthlott und Gertrud Barthlott, geb. Licht. Enthalten sind auch einige Fotos.
1. Biographie: Wilhelm Richard Barthlott kam am 22. Juni 1913 in dem bäuerlichen Kraichgaudorf Zaisenhausen zur Welt und wurde evangelisch getauft. Im Gasthaus Ochsen in der Hauptstraße 238, in das sein Vater Wilhelm Barthlott senior (1872-1951) durch die Vermählung mit Regina Katharina App (1868-1940) im Jahr 1898 eingeheiratet hatte, wuchs er als eines von neun Kindern auf. Seine Eltern betrieben neben der Gaststätte, an die sich die Metzgerei des Sohnes Arthur anschloss, Landwirtschaft und Weinbau. Der Saal im Gasthaus diente vielfach als Versammlungsort der Gemeinde und ihrer Vereine. Wilhelm Barthlott, dessen Vorfahren 1698 als Glaubensflüchtlinge aus dem Val Perosa in Piemont zunächst in verschiedene im Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 verwüstete württembergische Orte wie Dürrmenz gekommen waren, ehe sie sich im Kraichgau zunächst in Gölshausen, dann in Zaisenhausen niedergelassen hatten, besuchte die Volksschule in Zaisenhausen, bevor er an Ostern 1931 die Obersekundareife an der Realschule Eppingen erwarb. Mit der erlangten mittleren Reife trat eine kaufmännische Lehre bei der Firma Sinner AG in Karlsruhe an, die er am 7. April 1934 abschloss, wechselte zum 1. Juli 1934 als Angestellter in das NSDAP-Gaupersonalamt in Karlsruhe und am 31. Oktober als Sekretär des Anstaltsleiters, Kanzlist und Buchhalter in das staatliche Erziehungsheim Schloss Flehingen, in dem sein späterer Schwiegervater Ernst Licht gedient hatte. Zeitgleich strebte Wilhelm Barthlott einen höheren Schulabschluss an. Um sich erfolgreich einer Schulfremdenprüfung zu unterziehen, nahm er Nachhilfestunden in Eppingen und erlangte schließlich zu Ostern 1937 an der Kant-Oberrealschule in Karlsruhe die sogenannte wilde Unterprimareife. (Die auch Primareife genannte Versetzung in die vorletzte Klasse einer höheren Schule entspricht als Schulabschluss der heutigen Fachhochschulreife.) Parallel zum Externenprüfung bewarb er sich beim Badischen Ministerium des Innern in Karlsruhe um die Aufnahme als Anwärter für den gehobenen mittleren Dienst der inneren Verwaltung. Kurz darauf schied Wilhelm Barthlott aus dem Angestelltenverhältnis im Flehinger Erziehungsheim aus und trat zum 10. Mai 1937 als Verwaltungsanwärter für den gehobenen mittleren Verwaltungsdienst beim Bezirksverband Bruchsal in den Staatsdienst ein. Im März 1939 bestand er nach einem um ein Jahr verkürzten zweijährigen Vorbereitungsdienst die Inspektorenprüfung und bezog am 13. April offiziell seine erste Stelle am Landratsamt Mosbach, dem er bereits seit 15. März dieses Jahres als Krankheitsvertretung zur Dienstleistung zugewiesen worden war. Seinen beruflichen Aufstieg verdankte Wilhelm Barthlott nicht nur seiner Beharrlichkeit, seinem Fleiß und Ehrgeiz, sondern auch seinem politischen Engagement. Bereits früh setzte sich Wilhelm Barthlott bekennend politisch ein und engagierte sich in der nationalsozialistischen Bewegung. Schon am 1. Dezember 1931 schloss er sich der Hitler-Jugend (HJ), avancierte zum HJ-Führer und bezeichnete sich 1937 in seinem Bewerbungsschreiben für die Aufnahme als Anwärter für den gehobenen mittleren Dienst der inneren Verwaltung als "ersten Hitlerjungen im Kraichgau im Kampf um das 3. Reich", der trotz seiner beruflichen Verpflichtungen in Karlsruhe und seines "jungen Alters in zäher harter und verantwortungsvoller Aufbauarbeit an der Erfassung der deutschen Jugend mitgearbeitet¿ habe. In seinem handschriftlichen Lebenslauf bezeichnete er sich als ¿Gründer und Führer des Standortes Zaisenhausen". Neben seinem Dienst im HJ-Unterbann Gochsheim sowie in der Gefolgschaft Bretten wirkte Barthlott noch in drei weiteren Kraichgauer Gefolgschaftsbezirken. Er erhielt das goldene HJ-Ehrenzeichen und trat sich am 1. Juli 1934 als Mitglied mit der Nummer 3.589.945 in die NSDAP ein, wo er unter anderem als Schulungsleiter in der Ortsgruppe Zaisenhausen fungierte . Bereits in der Schulzeit lernte Wilhelm Barthlott seine spätere Frau, Gertrud Maria Amalia Licht (31.7.1915 - 18.12.2003), kennen. Die in der katholischen Konfession erzogene Gertrud war das älteste der sechs Kinder von Ernst (1887-1960) und Maria Anna Licht, geborene Vögle (1895-1948). Ernst Licht, dessen Schreiben an seine Tochter Gertrud und an seinen Schiegersohn Wilhelm Barthlott in den Nachlass eingegangen sind, erlernte zunächst das Malerhandwerk, bevor er in den staatlichen Strafvollzug eintrat und seinen Dienst als Erster Gefängnisinspektor in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal sowie in der Fürsorgererziehungsanstalt Schloss Flehingen versah. Sein Spruchkammerverfahren vor der Spruchkammer Mannheim ist ebenfalls im Generallandesarchiv archiviert (Signatur: 465 n Nr. 24890). Neben der Schulzeit ergaben sich Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme zwischen Wilhelm und Gertrud dadurch, dass Ernst Licht in der Zeit, in der er im Flehinger Erziehungsheim für Jungen wirkte, mit seiner Familie wiederholt in der Gastwirtschaft Ochsen in Zaisenhausen einkehrte, die die Familie Barthlott betrieb. Gertrud Licht besuchte von 1926 bis 1932 die Oberrealschule in Bretten, danach ein Jahr die Mädchenschule Bruchsal bis zur Primareife und absolvierte am Karlsruher Hauswirtschafts-Lehrerinnenseminar von 1933 an eine Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin, die sie im März 1935 mit der Note "gut" abschloss. Das Paar lernte sich lieben, wie der Schriftverkehr der beiden bezeugt. 1933, noch vor der ab 1936 gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtmitgliedschaft, trat Gertrud Licht in den weiblichen Zweig der HJ, den Bund Deutscher Mädel (BDM), ein, 1936 leistete sie in Enzberg als Arbeitsmaid den Reichsarbeitsdienst (RAD) ab. Nach einem zweimonatigen Kurs an der RAD-Führerinnenschule im Schloss des oberhessischen Ortes Bingenheim kehrte Gertrud Licht in ihren Beruf zurück und unterrichtete ab 1. Juli 1937 an der Haushaltungsschule in Marxzell. Am 1. Januar 1938 wechselte sie als Lehrerin an ein Mädchenpensionat in Marburg und arbeitete vom 15. Mai 1938 bis nach ihrer Heirat am Karlsruher Kinderkrankenhaus. Im darauffolgenden Jahr trat sie mit 24 Jahren auch der NSDAP bei. Am 29. Juli 1939 vermählten sich Wilhelm Barthlott und Gertud Licht standesamtlich und traten in der Bruchsaler Hofkirche vor den Traualtar. Das junge Paar bezog im Frühjahr 1940 in Mosbach eine Wohnung und gründete einen gemeinsamen Hausstand. Am 24. September 1940 kam die gemeinsame Tochter Uda Ingrid Roswitha im Bezirkskrankenhaus der Odenwaldstadt zur Welt. Nach der Trauung traten beide Partner aus ihren jeweiligen Kirchen aus und bezeichneten sich als "gottgläubig" . Der bereits 1936 gemusterte Wilhelm Barthlott erhielt 1941 nach mehreren Uk-Rückstellungen seine Einberufung und rückte am 3. Mai 1941 zum Dienst in die zweite Kompanie des Infanterie-Ersatz-Bataillons 80 in die Heidelberger Großdeutschlandkaserne ein, wo er seine militärische Grundausbildung erhielt. Daneben erfuhr Barthlott eine Spezialausbildung zum Fernsprecher bzw. -melder und Blinker. Am 21. Juni 1941, einen Tag vor dem Überfall auf die Sowjetunion, wurde Barthlott der vierten Kompanie des erst tags zuvor aufgestellten Infanterie-Ersatz-Regiments 612 unterstellt, mit der er an seinem 28. Geburtstag über Darmstadt in das Generalgouvernement verlegt wurde. Barthlotts Schilderungen der Bevölkerung in Polen, der Ukraine und Russland stellen verbreitete rassistische und antisemitische Stereotype dar, die aus der NS-Gesellschaft in den Krieg getragen wurden und die er als ideologisch gefestigter Nationalsozialist verinnerlicht hatte. Seine Frau Gertrud spiegelte diese Wahrnehmungs- und Deutungsmuster in ihren Briefen wider. Anfang 1942 rückte Barthlott mit seiner Truppe in das Kampfgebiet östlich des Dnepr ein, wo er als Melder im Kompanietrupp eingesetzt wurde. Am 3. Februar 1942 wurde er gegen 9 Uhr durch einen Granatvolltreffer schwer verletzt und erlag rund sieben Stunden später auf dem Verbandsplatz im ostukrainischen Petropawliwka den Verletzungen, die ihm die Splitter des Sprenggeschosses zugefügt hatten.
2. Überlieferung, Inhalt und Bearbeitung: Der Nachlass gelangte im Februar 2016 als Schenkung von Frau Uda Kuhn, Pforzheim, in das Generallandesarchiv Karlsruhe. Die lose Briefsammlung wurde nach Korrespondenzpartnern geordnet und erschlossen. Die Unterlagen wurden in die Rubriken "Dokumente", "Schreiben von und an Wilhelm Barthlott", "Schreiben von und an Gertrud Barthlott, geb. Licht" sowie "Diverses" gegliedert. Darunter stellen die Korrespondenzserien Gertrud und Wilhelm Barthlotts den Großteil der Verzeichnungseinheiten. Den überwiegenden Teil der Korrespondenzen machen die Briefe Wilhelm Barthlotts an seine spätere Frau Gertrud aus. 166 der 248 Nummern stammen aus der Feder Wilhelm Barthlotts, sie beginnen im Jahr 1932 und enden zehn Jahre später mit dem letzten Brief vor dem Tod im Russlandfeldzug am 3. Februar 1942. Der Wilhelm Barthlott zuzuordnende Überlieferungskorpus lässt sich zeitlich und inhaltlich in zwei Abschnitte unterteilen: der erste liegt in den sogenannten Friedensjahren des NS-Regimes und dauert bis zur Eheschließung 1939, der zweite umspannt die Kriegsjahre 1939 bis 1942, in denen das Ehepaar im Frühjahr 1940 beruflich bedingt nach Mosbach umzog und einen gemeinsamen Hausstand gründete, die Geburt der Tochter Uda im September 1940 sowie die fast zweijährige Trennung der jungen Familie, die mit der Einberufung Wilhelm Barthlotts zum 1. Mai 1941 einsetzte und bis zum Tod Wilhelm Barthlotts anhielt. Der erste Korrespondenzteil beinhaltet vor allem das Kennenlernen sowie private Mitteilungen Wilhelm Barthlotts an Gertrud Licht, thematisiert aber auch den beruflichen Werdegang und das politische Engagement des jungen Mannes in der NS-Bewegung, besonders in der Hitler-Jugend. Der zweite Abschnitt handelt von der Einberufung Wilhelm Barthlotts, seiner militärischen Ausbildung zum Feldsprecher und Blinker, sowie seinen Erlebnissen auf den Stationen des militärischen Vormarsches im Russlandfeldzug, der Wihelm Barthlott über den Dnepr bis nach Petropawliwka in der Ostukraine führte. Zeitlich umfasst die Korrespondenz Wilhelm Barthlotts die Jahre 1932 bis 1942. Die Korrespondenz Gertrud Barthlotts ist enger gefasst. Sie reicht von 1938 bis 1942 und weist ihren Schwerpunkt in den Jahren 1941 und 1942 auf. Thematisch liegt der Fokus auf den Erlebnissen der jungen Mutter mit ihrer Tochter in Mosbach nach der Einberufung Wilhelm Barthlotts. Neben der Sorge um ihren Mann und dessen Versorgung mit Post und Päckchen, die im Februar 1942 abreißt, enthält dieser Überlieferungskomplex noch die Kondolenzschreiben zum Tod Wilhelm Barthlotts. Thematisch ergeben sich Querbezüge zu weiteren Beständen des Generallandesarchivs. Die Personalakten Wilhelm Barthlotts befinden sich im Bestand 466-2 Regierungspräsidium Karlsruhe: Personalakten (Signatur: 466-2 Nr. 407, 466-2 Nr. 408). Seine Versorgungsakte liegt im Bestand 466-22 Regierungspräsidium Karlsruhe: Versorgungsakten (Signatur: 466-22 Nr. 9260) und seine Spruchkammerakte im Bestand 465 h Spruchkammer Mosbach-Eberbach (Signatur: 465 t Nr. 13374), wo auch die Spruchkammerakte seiner Frau Gertrud zu finden ist (Signatur 465 t Nr. 13161). Zudem weist der Bestand 465 c Document Center eine Akte zu Wilhelm Barthlott auf (Signatur: 465 c Nr. 5905); aus diesem Bestand ist noch die Liste von 121 Parteianänwärtern, Partei- und Volksgenossen der NSDAP-Ortsgruppe Bretten und ihrer Untergliederungen an das Organisationsamt der NSDAP-Kreisleitung Karlsruhe vom 12. März 1938 zu nennen, in der Wilhelm Barthlott als "Politischer Leiter seit 1937" und als zu vereidigender NSV-Walter angeführt wird (Signatur: 465 c Nr. 1340). Karlsruhe, im November 2022 Dr. Peter Exner
3. Literatur: Ingrid U. Barthlott / Wilhelm A. Barthlott (Hgg.), Wilhelm Barthlott. Briefe aus den Jahren 1933 bis 1943, Aachen 2003. Ingrid U. Barthlott (Hg.), Kriegsjahr 1941/42 in Mosbach. Briefe meiner Mutter, Aachen 2008. Peter Exner: "Zumal ich ja auch ihr viel zu verdanken habe": Aufstieg über die Partei. Wilhelm Barthlott ¿ einer von zehn Millionen Parteigenossen Hitlers, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 171 (2023) [zum Druck angenommen].
248 Archivalien (Nr. 1-250)
Bestand
Ingrid U. Barthlott / Wilhelm A. Barthlott (Hgg.), Wilhelm Barthlott. Briefe aus den Jahren 1933 bis 1943, Aachen 2003.
Ingrid U. Barthlott (Hg.), Kriegsjahr 1941/42 in Mosbach. Briefe meiner Mutter, Aachen 2008.
Peter Exner: "Zumal ich ja auch ihr viel zu verdanken habe": Aufstieg über die Partei. Wilhelm Richard Barthlott ¿ einer von zehn Millionen Parteigenossen Hitlers, in: Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins 171 (2023) [zum Druck angenommen].
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
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Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
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