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200,43/Nachlass Friedrich Karl Kühlwein (Bestand)
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Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld (Archivtektonik) >> Nichtamtliches Schriftgut >> Familienarchive und Nachlässe
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben:
Form und Inhalt: Vorwort zum Bestand 200,43/Nachlass Friedrich Karl Kühlwein
Biographie Friedrich Karl Kühlwein
Friedrich "Fritz" Karl Kühlwein (geb. 29. November 1892, Hatten, Kreis Weißenburg, Elsaß; gest. 25. September 1972, Nürnberg) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generalleutnant im Zweiten Weltkrieg, der von 1946 bis 1955 in Brackwede und Bielefeld wohnte. 1947 hatte ihn der Historische Verein für die Grafschaft Ravensberg mit einer Dokumentation über das Kriegsende in Bielefeld und Umgebung beauftragt. Kühlwein sammelte Zeitzeugenberichte und zeitgenössische Dokumente und veröffentlichte hierzu 1950/51 einen Beitrag. Der Nachlass besteht ganz überwiegend aus den Materialsammlungen Kühlweins für diesen Aufsatz und wenigen ergänzenden Dokumenten (Nr. 16, 19 u. 22).
Kühlwein war am 29. November 1892 im elsässischen Hatten als Sohn des Rentmeisters Heinrich Kühlwein und der Katharina Kühlwein geb. Moeser geboren worden. Nach dem Besuch der örtlichen Gemeindeschule und dem Erwerb des Reifezeugnisses am Gymnasium in Hagenau, trat er im Juli 1912 als Fahnenjunker in das Infanterie-Regiment 97 ein und besuchte 1913 die Kriegsschule Hannover.
Im Ersten Weltkrieg war er zunächst Bataillonsadjutant im IR 97, danach Ordonanzoffizier im Regimentsstab, bei dem er am 16. Februar 1916 verwundet wurde, ehe er im April 1916 als Bataillonsadjutant zurückkehrte. Nach einem Lazarettaufenthalt war er vom 1. Oktober 1916 bis 31. Januar 1917 Kompanieführer beim Ersatz-Bataillon IR 97. Nach seiner Versetzung zum IR 148 am 1. Februar 1917 wurde er am 24. Februar 1917 Kompaniechef 5./148, am 16. März 1917 als Ordonanzoffizier zum Regimentsstab kommandiert. Nach einem Intermezzo beim Landwehr-IR 109 im April 1917 wurde er am 30. April 1917 zur Fliegerabteilung 109 abgeordnet. Im September/Oktober 1917 war er kurzzeitig stellvertretender Bataillonsführer im IR 148 und nach einem einwöchigen Besuch der Nachrichtenschule der 4. Armee in Gent im November 1917 im Februar 1918 mit einer Kompanieführerstelle der Nachrichtenkompanie IR 148 beliehen und zur Nachrichtenschule in Namur kommandiert. Von Mai 1918 an war er wieder stellvertretender Bataillonsführer des IR 148, im Dezember 1918 Gerichtsoffizier geworden.
Nach der Demobilmachung übernahm er als Grenzschutzführer die 8./148 und absolvierte im April/Mai 1919 auf dem Truppenübungsplatz Arys (Ostpreußen) einen Offiziers-Ausbildungskurs. Bis zur Auflösung des Regiments war er Kompanieführer 6./148, danach ab 1. August 1919 der 6./82, des Bataillons-Nachrichtenzuges und der 4./82. Nach Auflösung des IR 82 wurde er am 21. Oktober 1919 zum Schützen-Regiment 40 versetzt, übernahm die Führung der 10. Kompanie und der Nachrichtenkompanie und war als Nachrichtenoffizier des Regimentsstabs tätig. Am 1. Oktober 1920 wechselte er zum IR 1, war dort im Regimentsstab und bei der Minenwerfer-Kompanie, danach wieder beim Regimentsstab (September 1924), Chef der 16./1, bei der Minenwerfer-Kompanie und wieder Chef jetzt der 2./1.
Einen Karrieresprung bedeutete die am 1. April 1934 erfolgte Versetzung zur Infanterieschule (ab 1935 Kriegsschule) in Dresden, nachdem er seit 1932 Kommentare zu Dienstvorschriften publiziert hatte, und unterrichtete bis 1937 als Taktiklehrer. Am 12. Oktober 1935 wurde er nominell dem IR 55 zugeordnet und war im März 1938 im Österreich-Einsatz, zu dem keine weiteren Daten vorliegen. Mit seiner Beförderung zum Oberst am 31. März 1939 gehörte er zur Führungsreserve des Wehrkreis-Kommandos XIII, übernahm am 16. Januar 1940 das Kommando über das Infanterie-Ersatz-Regiment 73, am 21. Oktober 1940 über IR 133 und zählte danach zur Führungsreserve des Oberkommandos des Heeres.
Vom 27. Februar 1942 bis 29. April 1943 erhielt er das Kommando über die 45. Infanteriedivision an der Ostfront. Als Divisionskommandeur führte er Auseinandersetzungen mit untergebenen Offizieren, so u. a. mit Oberst Alfred Burgemeister (1906-1970), den er seines Kommandos enthob und vor ein Kriegsgericht stellen ließ, das aber Kühlweins Anordnungen kassierte. Aufgrund dieser und anderer Vorkommnisse bezeichnet ihn die Forschung als "einen schwierigen, teilweise geradezu spleenigen Vorgesetzten (Hartmann, Wehrmacht, S. 173, Anm. 580). Seine Beurteilungen deuten einen zunehmenden Bedeutungsverlust an (1/1943: "manchmal vielleicht etwas pedantisch"; 8/1943: "nicht mehr voll auf der Höhe", weshalb ihm die Eignung für ein Divisionskommando an der Ostfront abgesprochen wurde). Dennoch war er noch am 30. Juni 1943 der Führungsreserve des Oberkommandos des Heeres zugeordnet worden.
Kühlwein kommandierte danach die inzwischen von einer Kommandoeinheit zu einer regulären Truppe umgewandelte Panzergrenadierdivision "Brandenburg" (10. April bis 20. Oktober 1944), gegen Kriegsende nur noch eine Feldersatz-Division.
Beförderungen (vor 1913 unvollständig):
- 17. Juli 1912: Fahnenjunker (Eintritt)
- 22. Okt. 1912: Gefreiter
- 22. Dez. 1912: Unteroffizier
- 22. März 1913: Fähnrich
- 18. Febr. 1914: Leutnant
- 18. April 1917: Oberleutnant
- 1. Sept. 1924: Hauptmann
- 1. April 1934: Major
- 1. Aug. 1936: Oberstleutnant
- 1. April 1939: Oberst
- 1. April 1942: Generalmajor
- 1. Jan. 1943: Generalleuntant.
Aus seiner am 23. Oktober 1919 in Königsberg/Ostpreußen geschlossenen Ehe mit Charlotte Kühlwein geb. Plitt (geb. 12. März 1895, Koldzeiken, Kreis Löbau/Westpreußen) gingen die Söhne Fritz Werner (geb. 1920, Preußisch Eylau) und Sohn Erhard (Hans) Kühlwein (geb. 1926, Königsberg) hervor, der später als Leitender Baudirektor in Nürnberg ein Finanzbauamt leitete.
Kühlwein wurde im November 1946 aus dem englischen Internierungslager Staumühle entlassen und zog am 29. November 1946 nach Brackwede, war Ende 1946 kurzzeitig nach Würzburg abgemeldet, wo seine Familie lebte, und wohnte zunächst allein, von August 1947 bis 27. März 1951 mit Familie in Brackwede, danach bis Juni 1956 in Bielefeld. Laut Meldekarten war Kühlwein vor seinem Ruhestand als Handelsvertreter tätig. Im Juni 1956 verzog die Familie nach Nürnberg, wo Kühlwein am 25. September 1972 verstarb.
Kühlwein veröffentlichte zwischen 1932 und 1934 verschiedene mehrfach aufgelegte und erweiterte sowie unter variierenden Titeln erschienene Kommentierungen zu militärischen Dienstvorschriften:
- Felddienst-ABC für den Schützen, Berlin 1932 bis 1934 (8 Aufl., 9. Aufl. = Schützen-ABC, 1936)
- Merkbuch für die Unterführer-Ausbildung, Berlin 1932 (1. u. 2. Aufl.; 3. u. 4. Aufl.: Merkbuch für den Unterführer, 1933 u. 1934; 5. bis 7. Aufl.: Unterführer-ABC, 1934; 8. u. 9. Aufl.: Unterführer-Merkbuch für die Schützen- und Maschinengewehr-Kompanie, 1937 u. 1939)
- Die Gruppe im Gefecht (Einheitsgruppe), Berlin 1932 bis 1938 (10 Aufl., 11. Aufl. = Die Gruppe im Gefecht (Die neue Gruppe), 1940)
- Schützenzug und Kompanie im Gefecht, Berlin 1934 bis 1940 (5 Aufl.)
- Gefechtstaktik des verstärkten Bataillons, Berlin 1936 u. 1938 (2 Aufl.)
Bestandsgeschichte
Die Unterlagen sind offensichtlich über den Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg in das Stadtarchiv gelangt. Die Nr. 19 ist 1985, die Nr. 22 am 3. Januar 2014 angefügt worden.
Benutzungshinweise
Die Benutzung der Nr. 9 bis 14 geschieht bevorzugt über die Auswertungs- und Kopiervorlagen in Nr. 21.
Archivalienbestellungen: 200,43/Nachlass Kühlwein, Nr.
Zitation: Stadtarchiv Bielefeld oder StArchBI, Best. 200,43/Nachlass Friedrich Karl Kühlwein, Nr.
Literatur
- Blank, Ralf, Kriegsendphase und "Heimatfront" in Westfalen, in: Westfälische Forschungen 55 (2005), S. 361-421
- Hartmann, Christian, Wehrmacht im Ostkrieg. Front und militärisches Hinterland 1941/42 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 75), München (2. Aufl.) 2010, mit verschiedenen Hinweisen auf Kühlwein
- Henke, Klaus-Dietmar, Die amerikanische Besetzung Deutschlands, München 1995
- Kühlwein, Friedrich Karl, Die Kämpfe in und um Bielefeld im März und April 1945, in: 56. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (1950/51), S. 269-318
- Kühne, Hans-Jörg, Der Tag, an dem Bielefeld unterging - 30. September 1944 (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte, Bd. 18), Bielefeld 2003
- Kühne, Hans-Jörg, Zwischen Krieg und Frieden - Bielefeld 1945 (Bielefelder Beiträge zur Stadt- und Regionalgeschichte, Bd. 19), Bielefeld 2004
- Mues, Willi, Der große Kessel. Eine Dokumentation über das Ende des Zweiten Weltkrieges zwischen Lippe und Ruhr/Sieg und Lenne, Erwitte 1984
- "… in jenen Tagen" - Bielefeld 1945-1950. Materialien zur Ausstellung des Stadtarchivs und der Landesgeschichtlichen Bibliothek vom 3.5.-31.7.2005, Bielefeld 2005
- Rath, Jochen, 4. April 1945: Kriegsende in Bielefeld (online-Ressource: http://www.bielefeld.de/de/biju/stadtar/rc/rar/01042015.html)
- Sax-Demuth, Waltraut, In jenen Tagen … Weiße Fahnen über Bielefeld. Untergang und Neubeginn 1945, Herford 1981
- Stumpf, Hermann, Bielefeld in jenen Tagen - ein Zeitbild, Bielefeld (ca. 1953)
- Vogelsang, Reinhard, Geschichte der Stadt Bielefeld, Bd. 3: Von der Novemberrevolution 1918 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, Bielefeld 2006
- Wegmann, Günter, Das Kriegsende zwischen Ems und Weser 1945 (Osnabrücker Geschichtsquellen und Forschungen, Bd. 23), Osnabrück 1982
- Zimmermann, John, Pflicht zum Untergang. Die deutsche Kriegführung im Westen des Reiches 1944/45 (Zeitalter der Weltkriege, Bd. 4), (Diss. Hamburg 2006) Paderborn/München/Wien/Zürich 2009
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.