Privileg der Gerichtsfreiheit
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A 2 b (Verfassung u.a.) Nr. A 2 b (Verfassung u.a.) Nr. B 72/12
A 2 b (Verfassung u.a.) Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 7 u. 20)
Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 7 u. 20) >> Bd. 7 Kaiserliche Privilegien
1434 Juni 4, Freitag vor St. Bonifacien Tag
Regest: Wir Sigmund von Gottes Gnaden römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, und zu Ungarn, zu Beheim (Böhmen), Dalmatien, Kroatien etc. König, bekennen und tun kund offenbar mit diesem Briefe allen denen, die ihn sehen oder hören lesen, daß wir angesehen und gnädiglich betrachtet haben solche genehme und getreue Dienste, die unsere und des Reichs liebe Getreue, die Bürgermeister und Räte der Stadt zu Rutlingen uns und dem Reiche dicke (= häufig) und oft nützlich und unverdrossiglich (= unverdrossen) getan haben, täglich tun und fürbaß (= fernerhin) tun sollen und mögen in künftigen Zeiten, und wir haben darum mit wohlbedachtem Mute, gutem Vorrate (= Vorberatung, Überlegung) und rechter Wissen (= Einsicht) den obgenannten, Bürgermeister, Räten und Bürgern gemeinlich (= insgesamt) diese besondere Gnade getan und Freiheit gegeben, tun und geben ihnen die von römischer kaiserlicher Machtvollkommenheit gegenwärtig mit diesem Brief, nämlich daß nun fürbaßmehr (= künftig) niemand, wer und in welchen Ehren, Staate (= Stande) oder Würden der sei, die obgenannten Bürgermeister, Räte und Bürger gemeinlich (= insgesamt) oder auch sonderlich (= einzeln) und die Ihren laden, fordern, heischen, ansprechen, beklagen, kümmern (= bedrängen), urteilen oder ächten solle oder möge vor unsern kaiserlichen Hofgerichten oder dem Hofgericht zu Rottweil oder irgend einem andern Landgericht und Gericht, wo die gelegen oder wie die genannt seien, sondern wer zu denselben von Rutlingen insgemein oder in Besonderheit (= gegen einen einzelnen) zu sprechen (= als Kläger aufzutreten) oder zu ihnen (= gegen sie) zu klagen hat oder gewinnt (= bekommt), der soll das tun vor dem Stadtgericht oder dem Rate zu Rutlingen, welches ihm gefällt (= nach seinem Belieben), und hindert anders (= sonst nirgends). Daselbst soll auch dem Kläger und Ansprecher mit einem förderlichen und solchen Recht (= Gerichtsverfahren) zu jederzeit geholfen werden, wie sich gebührt. Wäre es aber, daß dem Kläger oder Ansprecher daselbst Recht kundlich (= offenkundig) versagt oder aber verzogen (= hingezogen, verschleppt) wurde, so mag der Kläger das Recht fürder ziehen und suchen (wohl = an ein anderes Gericht sich wenden), wie ihn das eine Notdurft sein (= nötig) bedünkt. Darum so gebieten wir allen und jeglichen geistlichen und weltlichen Fürsten, Grafen, freien Herren, Rittern, Knechten, Bürgermeistern, Räten und Gemeinschaften und nämlich (= namentlich, ausdrücklich) unsern und des Reichs Hofrichtern und Landrichtern, auch andern Richtern und Urteilsprechern und sonst allen andern unsern und des Reichs lieben Getreuen ernstlich und festiglich mit diesem Briefe, daß sie die obgenannten von Rutlingen an der vorgemeldeten unserer Gnade und Freiheit nicht irren (= stören) oder hindern noch ihnen die auch überfahren (= schädigen, beeinträchtigen) in irgend einer Weise, sondern sie dabei geruhlich bleiben lassen, schuren (= schützen) und handhaben (= unterstützen), so lieb ihnen und ihrer jeglichem ist, unsere und des Reichs schwere Ungnade zu vermeiden, und bei Verliesung (= Verlust) einer Pene (= Strafe) 20 Mark lötiges (= vollwichtiges) Goldes, die ein jeglicher, der wider diese unsere Gnad täte, so oft das geschähe, verfallen sein soll, halb in unsere kaiserliche Kammer und halb den ebgenannten von Rutlingen unleslich (= unablöslich oder = unerläßlich) zu bezahlen. Mit Urkund dieses Briefs, versiegelt mit unserer kaiserlichen Majestät Insigel, gegeben zu Ulm.
Ad mandatum domini Imperatoris domino ... Cancellario referente Theodoricus Ebbracht
Ad mandatum domini Imperatoris domino ... Cancellario referente Theodoricus Ebbracht
Archivale
Ausstellungsort: Ulm
Bemerkungen: Original: HStA Stuttgart H 51 U 1340a
Regest: Regesta Imperii, Sigmund - RI XI,2 n. 10473
Verweis: Kopie: S 161 Nr. 20 U 4. Abschrift: Privilegienbuch I (vorl. Nr. 6), fol. 19
Bemerkungen: Original: HStA Stuttgart H 51 U 1340a
Regest: Regesta Imperii, Sigmund - RI XI,2 n. 10473
Verweis: Kopie: S 161 Nr. 20 U 4. Abschrift: Privilegienbuch I (vorl. Nr. 6), fol. 19
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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