Nachlass Hermann Freiherr von Mittnacht Ministerpräsident (* 1825, + 1909) (Bestand)
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Q 1/51
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Nachlässe, Verbands- und Familienarchive >> Politische Nachlässe
1870-1901
Überlieferungsgeschichte
Die in diesem Bestand vereinigten Unterlagen stammen vor allem von General Adolf von Neidhardt, dem Schwiegersohn von Hermann Mittnacht, daneben übersandte Ministerialrat a.D. Ludwig Gammertinger im Jahr 1944 einen Aufsatz über den Fall Woodcock, der anhand von Unterlagen Mittnachts, die im Besitz von Adolf von Neidhardt sich befanden, verfasst wurde.
Inhalt und Bewertung
Hermann Carl Friedrich von Mittnacht, ab 1887 Freiherr von Mittnacht (* 17. März 1825 in Stuttgart; ¿ 2. Mai 1909 in Friedrichshafen) war Jurist und erster Ministerpräsident des Königreichs Württemberg. Er war der Sohn des Oberfinanzrats und Vermessungsdirektors Franz Jakob (von) Mittnacht (1781-1849), württembergischer Beamter aus den neuwürttembergischen Gebieten, und der Magdalene von Sulzbeck (1791-1829).
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart studierte Mittnacht von 1842 bis 1848 Jura in Tübingen und Heidelberg. Während des Studiums wurde er Mitglied des Corps Suevia Tübingen und des Corps Guestphalia Heidelberg. Nach seinem Eintritt in den württembergischen Justizdienst im Jahre 1849 und Assistenztätigkeiten an verschiedenen Gerichtsstandorten wurde er 1854 Oberjustizassessor und 1857 Staatsanwalt in Ellwangen. Herrmann von Mittnacht heiratete im Jahre 1854 Angelika Bucher (1835-1910), die Tochter des württembergischen Landtagsabgeordneten Franz Xaver Bucher (1798-1859).
Von 1861 bis 1900 war Mittnacht Abgeordneter für das Oberamt Mergentheim in der Zweiten Kammer des württembergischen Landtags. Im Jahre 1862 wurde er Stadtrichter in Stuttgart, seit 1864 mit dem Titel Oberjustizrat und 1865 zum Obertribunalrat befördert. Im Jahre 1867 wurde Mittnacht Justizminister unter dem "Leitenden Minister" Karl von Varnbüler. Nach Varnbülers Rücktritt im Herbst 1870 wurde Mittnacht Leiter der württembergischen Regierung (Präsident des Geheimen Rats und Vorsitzender im Ministerrat).
1873 wurde er als Nachfolger des Freiherrn von Wächter auch Außenminister und 1876 erster Ministerpräsident des Königreichs Württemberg (offizieller Titel: Präsident des Staatsministeriums). Diese 1876 gelungene Schaffung eines eigenständigen Staatsministeriums markierte die tatsächliche Verselbstständigung der württembergischen Regierung gegenüber dem König. Mittnacht - der am Anfang seiner politischen Laufbahn eher großdeutsch gesinnt war - verhielt sich seit 1871 stets loyal dem Deutschen Reich gegenüber. Allerdings achtete er im Sinne des Königspaars Karl und Olga auf die Wahrung der föderalen Struktur des Reichs, insbesondere auch durch sein Festhalten an wichtigen Reservatrechten für das Königreich Württemberg (z. B. eigenes württembergisches Außenministerium, eigene Gesandtschaften im Ausland, eigene Armee, eigene Steuern sowie eigenes Post- und Eisenbahnwesen). Dennoch wurde er zum Vertrauten Bismarcks, zu dem er auch nach dessen Rücktritt als Reichskanzler im Jahre 1890 die Verbindung nicht abreißen ließ.
Im Bundesrat in Berlin war Mittnacht eine geachtete Autorität. Zu Hause in Stuttgart gelang es Mittnacht in sehr pragmatischer Art und Weise zwischen dem politisch desinteressierten König Karl und dem Landtag während seiner gesamten Regierungszeit der eigentlich starke Mann des Königreichs zu sein und es somit auf den Weg einer parlamentarischen Monarchie zu bringen. Dabei stützte er seine Politik auf die regierungstreue "Landespartei" und die nationalliberale "Deutsche Partei". Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ihm all dies in einem mehrheitlich protestantisch-schwäbisch geprägten Land gelang, obwohl er selbst katholisch und zudem fränkischer Abstammung war.
Im Jahre 1900 trat Mittnacht aus Altersgründen von all seinen Regierungsämtern und dem Landtagsmandat zurück. Seinen Ruhestand verbrachte er in Friedrichshafen am Bodensee.
Der Bestand enthält wenige Unterlagen Mittnachts darunter ein Tagebuch aus den Jahren 1892-1901, Briefe von König Karl und König Wilhelm II. von Württemberg an Freiherr von Mittnacht sowie einen Aufsatz von Ludwig Gammertinger über den Fall Woodcock aus dem Jahr 1944.
Die in diesem Bestand vereinigten Unterlagen stammen vor allem von General Adolf von Neidhardt, dem Schwiegersohn von Hermann Mittnacht, daneben übersandte Ministerialrat a.D. Ludwig Gammertinger im Jahr 1944 einen Aufsatz über den Fall Woodcock, der anhand von Unterlagen Mittnachts, die im Besitz von Adolf von Neidhardt sich befanden, verfasst wurde.
Inhalt und Bewertung
Hermann Carl Friedrich von Mittnacht, ab 1887 Freiherr von Mittnacht (* 17. März 1825 in Stuttgart; ¿ 2. Mai 1909 in Friedrichshafen) war Jurist und erster Ministerpräsident des Königreichs Württemberg. Er war der Sohn des Oberfinanzrats und Vermessungsdirektors Franz Jakob (von) Mittnacht (1781-1849), württembergischer Beamter aus den neuwürttembergischen Gebieten, und der Magdalene von Sulzbeck (1791-1829).
Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart studierte Mittnacht von 1842 bis 1848 Jura in Tübingen und Heidelberg. Während des Studiums wurde er Mitglied des Corps Suevia Tübingen und des Corps Guestphalia Heidelberg. Nach seinem Eintritt in den württembergischen Justizdienst im Jahre 1849 und Assistenztätigkeiten an verschiedenen Gerichtsstandorten wurde er 1854 Oberjustizassessor und 1857 Staatsanwalt in Ellwangen. Herrmann von Mittnacht heiratete im Jahre 1854 Angelika Bucher (1835-1910), die Tochter des württembergischen Landtagsabgeordneten Franz Xaver Bucher (1798-1859).
Von 1861 bis 1900 war Mittnacht Abgeordneter für das Oberamt Mergentheim in der Zweiten Kammer des württembergischen Landtags. Im Jahre 1862 wurde er Stadtrichter in Stuttgart, seit 1864 mit dem Titel Oberjustizrat und 1865 zum Obertribunalrat befördert. Im Jahre 1867 wurde Mittnacht Justizminister unter dem "Leitenden Minister" Karl von Varnbüler. Nach Varnbülers Rücktritt im Herbst 1870 wurde Mittnacht Leiter der württembergischen Regierung (Präsident des Geheimen Rats und Vorsitzender im Ministerrat).
1873 wurde er als Nachfolger des Freiherrn von Wächter auch Außenminister und 1876 erster Ministerpräsident des Königreichs Württemberg (offizieller Titel: Präsident des Staatsministeriums). Diese 1876 gelungene Schaffung eines eigenständigen Staatsministeriums markierte die tatsächliche Verselbstständigung der württembergischen Regierung gegenüber dem König. Mittnacht - der am Anfang seiner politischen Laufbahn eher großdeutsch gesinnt war - verhielt sich seit 1871 stets loyal dem Deutschen Reich gegenüber. Allerdings achtete er im Sinne des Königspaars Karl und Olga auf die Wahrung der föderalen Struktur des Reichs, insbesondere auch durch sein Festhalten an wichtigen Reservatrechten für das Königreich Württemberg (z. B. eigenes württembergisches Außenministerium, eigene Gesandtschaften im Ausland, eigene Armee, eigene Steuern sowie eigenes Post- und Eisenbahnwesen). Dennoch wurde er zum Vertrauten Bismarcks, zu dem er auch nach dessen Rücktritt als Reichskanzler im Jahre 1890 die Verbindung nicht abreißen ließ.
Im Bundesrat in Berlin war Mittnacht eine geachtete Autorität. Zu Hause in Stuttgart gelang es Mittnacht in sehr pragmatischer Art und Weise zwischen dem politisch desinteressierten König Karl und dem Landtag während seiner gesamten Regierungszeit der eigentlich starke Mann des Königreichs zu sein und es somit auf den Weg einer parlamentarischen Monarchie zu bringen. Dabei stützte er seine Politik auf die regierungstreue "Landespartei" und die nationalliberale "Deutsche Partei". Bemerkenswert ist die Tatsache, dass ihm all dies in einem mehrheitlich protestantisch-schwäbisch geprägten Land gelang, obwohl er selbst katholisch und zudem fränkischer Abstammung war.
Im Jahre 1900 trat Mittnacht aus Altersgründen von all seinen Regierungsämtern und dem Landtagsmandat zurück. Seinen Ruhestand verbrachte er in Friedrichshafen am Bodensee.
Der Bestand enthält wenige Unterlagen Mittnachts darunter ein Tagebuch aus den Jahren 1892-1901, Briefe von König Karl und König Wilhelm II. von Württemberg an Freiherr von Mittnacht sowie einen Aufsatz von Ludwig Gammertinger über den Fall Woodcock aus dem Jahr 1944.
12 Bü
Bestand
Die Handakten von Hermann von Mittnacht werden im Bestand E 51 verwahrt.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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13.11.2025, 2:39 PM CET