Auf unserer Webseite werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt. Sie können die Website auch ohne diese Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Ich stimme zu“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen hier einsehen und ändern.
Doppelporträt mit Emerich von Stadion und Emile Mario Vacano
Anmelden
Um Merklisten nutzen zu können, müssen Sie sich zunächst anmelden.
Schwarz-Weiß-Fotografie eines Doppelporträts (Brustporträt), das Emerich von Stadion (rechts) und Emile Mario Vacano (links) im Profil zeigt. Die beiden Männer stehen leicht versetzt hintereinander, ihre Köpfe sind aneinander gelehnt, beide schauen geradeaus. Beide tragen Anzugjacken und ein helles Hemd, von Stadion außerdem eine schwarze Schleife am Kragen. Der Hintergrund ist neutral, vermutlich handelt es sich um eine Atelieraufnahme, die als Vignette hergestellt wurde.
Kontext:
Der Sexualwissenschaftler und Sexualreformer Magnus Hirschfeld führt in seinem Buch „Geschlechtsübergänge“ Beispiele homosexueller männlicher Paare an, darunter das hier gezeigte. Er schreibt, dass Homosexualität von Natur aus zu den verschiedenen Formen der „Geschlechtsübergängen“ gehöre: „Nicht minder merkwürdig, wie das Fehlen eines Grundstoffes im periodischen System der Elemente würde das Nichtvorhandensein der Homosexualität in dem Kettenringe hermaphroditischer Formationen sein.“ (vgl. Hirschfeld, Magnus (1913): Geschlechtsübergänge. Mischungen männlicher und weiblicher Geschlechtscharaktere (Sexuelle Zwischenstufen), Max Spohr, Text vor Tafel XXXII).
Emerich von Stadion und Emile Mario Vacano waren Schriftsteller. Vacano war, bevor er sich dem Schreiben zuwandte, Seiltänzer und Kunstreiter im Zirkus und Schauspieler (vgl. Bergmann, Hans (2018): „Vacano Emile Mario“, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 15, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, S. 140 f.)
Dieses Foto war Teil der Bilderwand „Sexuelle Zwischenstufen“, die für den im August 1913 in London tagenden internationalen medizinischen Kongress angefertigt und dann im Institut für Sexualwissenschaft gezeigt wurde. Der Gründer des Instituts, Magnus Hirschfeld, wollte mit der Bilderwand seine um 1910 vorgelegte „Zwischenstufentheorie“ veranschaulichen und untermauern.
Sehr verkürzt gesagt, beschreibt das Konzept der Zwischenstufen die Tatsache, dass jedes Individuum sowohl „männlich“ als auch „weiblich“ ausgeprägte Eigenschaften vereint, die einen oder mehrere der vier Bereiche betreffen können: 1. die Geschlechtsorgane, 2. sonstige körperliche Eigenschaften, 3. den Geschlechtstrieb und/oder 4. sonstige seelische Eigenschaften.
Mit dieser Theorie öffnete Hirschfeld bereits 1907 das gängige Konzept des biologisch-genitalen Geschlechts für Aspekte, die u.a. auf der erlebten Identität der Individuen beruhten.
Damit ebnete die „Zwischenstufentheorie”, die „während der Institutszeit die wissenschaftliche Leitidee für die meisten Mitarbeiter“ blieb, den Weg für das Verständnis von sexueller Vielfalt und Variabilität. (vgl. Herrn, Rainer (2022): Der Liebe und dem Leid, Suhrkamp, S. 31). Einher gingen damit auch eine Entpathologisierung und Entkriminalisierung des vermeintlich Abweichenden, von Menschen also, die außerhalb der gesellschaftlichen Norm standen.
Bildunterschrift in Hirschfeld: Geschlechtsübergänge: Die Homosexualität.
Graf Emmerich von Stadion.
Bildunterschrift in Levy-Lenz: Hexenkessel der Liebe: Homosexuelle Liebespaare
Graf Emmerich v. Stadion (links) und Emil Mario Vacano. Beide waren Schriftsteller, Vacano vorher Schulreiterin
Hirschfeld, Magnus, 1913: Geschlechtsübergänge. Mischungen männlicher und weiblicher Geschlechtscharaktere (Sexuelle Zwischenstufen), Leipzig, Text vor Tafel XXXII
Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft, Berlin
FSIFS-110_a
Förderprogramm zur Digitalisierung von Objekten des kulturellen Erbes des Landes Berlin
Fotografische Sammlung des ehemaligen Instituts für Sexualwissenschaft