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NL 109: Heinrich (Bestand)
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Bestände des Stadtarchivs Mainz >> Nachlässe >> Nachlässe nach Nummern, NL 101-150
um 1800, 1818 - 1947, 1965
1) Zur Familie Heinrich und Firma Josef Falck:
"Dieses alte württembergische Geschlecht stammt nach dem bisherigen Stande der Forschung aus Urbach, Oberamt Schorndorf." So beginnt Carl Ernst Heinrich, dessen Stammbaum bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, 1932 einen Eintrag für das Lexikon deutscher Familien.
Die Geschichte der Heinrichs in Mainz beginnt mit Friedrich Wilhelm (1833-1916). Er wuchs als eines von acht Kindern von Luise Friederike, geb. Schanzenbach, und Friedrich Ludwig Heinrich (1797-1882) in Heilbronn auf. Dort besaß die Familie in der dritten Generation das "Gasthaus zur Sonne", damals der bekannteste Gasthof der Stadt mit Gästen wie Schiller, Goethe, Kurfürsten und Königen.
Friedrich Wilhelm schlug eine kaufmännische Laufbahn ein. Nach einer Lehre 1849 bis 1853 in Heilbronn arbeitete er als Prokurist und Handelsreisender für Firmen in Lahr, Vallendar und Paris und schließlich ab 1861 als erster Buchhalter bei der Lederfabrik Mayer, Michel und Deninger in Mainz. Hier heiratete er am 17. November 1864 Clara Falck (1842-1909), mit der er zwei Söhne bekam: Friedrich Joseph (1865-1948) und Adolph Carl (1867-1931).
Clara Falck stammte aus einer alten Mainzer Familie. Ihr Vater, Joseph Falck II (1819-1883), hatte 1850 eine Weinhandlung unter seinem Namen gegründet. Friedrich Wilhelm Heinrich stieg 1864 in das Geschäft seines Schwiegervaters ein und übernahm es nach dessen Tod gemeinsam mit seinem Schwager Joseph Carl Johann Ludwig Falck (1849-1938), der sich nach seiner Hochzeit mit Hedwig Bramigk Joseph Falck-Bramigk nannte. Noch im selben Monat begannen die neuen Inhaber, das Geschäft auszubauen. Sie gaben den bisherigen Standort in der Schusterstraße 43 (heute Galeria Kaufhof) auf und kauften von der Stadt das Grundstück Boulevard 25-27 (später Kaiserstraße) für einen privaten und geschäftlichen Neubau.
In den folgenden Jahrzehnten war Friedrich Wilhelm Heinrich nicht nur Weingroßhändler, sondern auch Handelsrichter beim Landgericht, Mitglied der Handelskammer und Gründungs- und Vorstandsmitglied der Lagerei-Berufsgenossenschaft. 1892 wurde er zum Kommerzienrat ernannt. Im selben Jahr schied Joseph Falck-Bramigk aus der Firma aus und gründete in seinem Gebäudeteil (Kaiserstraße 27, später 37, 86 und Am Fort Josef 7) ein Weinkommissionsgeschäft. Ab sofort war Friedrich Wilhelm Heinrich alleiniger Inhaber der Weinhandlung Josef Falck und erteilte seinen beiden Söhnen Prokura. Als er sich nach der Jahrhundertwende allmählich aus dem Geschäftsleben zurückzog, übergab er ihnen die Firma.
Friedrich Joseph Heinrich, geboren 1865, hatte nach dem Besuch der Realschule schon 1881 eine Lehre im Geschäft seines Großvaters begonnen. Am 24. September 1900 heiratete er die aus Hildburghausen in Thüringen stammende Jüdin Hedwig Steinhard (1877-1945). Aus dieser Ehe gingen die Kinder Friedrich Max Otto (1902), Johanna (1906) und der zu Beginn erwähnte Carl Ernst (1907) hervor.
1907 schied Adolph Carl Heinrich, der zudem norwegischer Vizekonsul (später Konsul) war, wieder aus der Firma Josef Falck aus und gründete die Weinhandlung Meyer und Coblenz (später Domkellerei) am Liebfrauenplatz. Sein Bruder Friedrich Joseph dagegen baute das großväterliche Geschäft weiter aus und übernahm die Firmen H. J. Kullmann und Co (1910) und Henkell und Co, Stillwein-Export (1912), ein Teil des heutigen gleichnamigen Großkonzerns. 1911 gehörten der Weingroßhandlung Josef Falck neben dem Geschäftshaus in der Kaiserstraße 25 Kellereien in der Kaiserstraße 12, 21, 23, 24 und Bahnhofstraße 3 sowie Weinberge im Oppenheimer und im Rauenthaler Berg im Rheingau. Zu ihren Kunden zählten der König von Württemberg, der König von Belgien und die Herzogin von Anhalt-Bernburg.
Als Reserveoffizier wurde Friedrich Joseph Heinrich 1914 für den Ersten Weltkrieg eingezogen, in dem er hauptsächlich an der Front in Russland und Polen kämpfte und 1917 zum Hauptmann der Landwehr-Infanterie berufen wurde. Er kehrte körperlich unversehrt nach Mainz zurück, wo sein Vater Friedrich Wilhelm 1916 im Alter von 83 Jahren verstorben war.
Nach dem Krieg setzte Friedrich Joseph die Familiengeschäfte unverändert fort. Er wurde wie sein Vater Handelsrichter am Landgericht, Vertrauensmann der Lagerei-Berufsgenossenschaft sowie stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Rheinhessischer Weinhändler.
Während sein ältester Sohn Friedrich Max Otto ins Familiengeschäft eintrat und Johanna Kunstwissenschaft studierte, widmete sich der jüngste Bruder, Carl Ernst, ab Mitte der 1920er Jahre einer intensiven Familienforschung. Beruflich konnte er jedoch keinen Fuß fassen. Im Frühjahr 1932 brach er ein Politikstudium ab, um zur kaufmännischen Ausbildung nach Dublin zu gehen. Wegen der Wirtschaftskrise wurde jedoch seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert, sodass er schon im November nach Deutschland zurückkehren musste. Danach hielt er zunehmend Ausschau nach Arbeit in den britischen Kolonien. Zu den wirtschaftlichen Problemen trat ab 1933 auch die zunehmende Ausgrenzung durch die Nationalsozialisten als Sohn einer "privilegierten Mischehe". 1935 brach Carl Ernst die Familienforschung endgültig ab und wanderte nach Kapstadt aus.
Der Rest der Familie blieb in Deutschland. Während sich Friedrich Joseph aus der Firma zurückzog, wurde Friedrich Max Otto, seit 1930 Prokurist, 1935 Mit- und 1940 alleiniger Inhaber der Weingroßhandlung, die Mitte der 30er Jahre in die Adam-Karillon-Straße 56 umgezogen war.
Über das Familienleben in der NS-Zeit ist wenig bekannt. Friedrich Max Otto heiratete 1934 Herta Pein, mit der er zwei Töchter hatte. Seine Mutter Hedwig beging am 19. Februar 1945, vermutlich aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in Zusammenhang mit den letzten Deportationen, im städtischen Krankenhaus Selbstmord mit Gift. Nur acht Tage später wurde das Haus in der Kaiserstraße 25 bei den Luftangriffen auf Mainz zerstört und Friedrich Max Otto musste mit seiner Familie und dem alten Vater nach Rauenthal im Rheingau umziehen. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Mainz zurück, wohnte kurzzeitig in der Kaiserstraße 31 und dann in der Adam-Karillon-Straße 56 zur Miete.
Am 22. Dezember 1948 starb Friedrich Joseph Heinrich mit 83 Jahren in Oppenheim. Sein Sohn Friedrich Max Otto führte die Weinhandlung gemeinsam mit seiner Frau Herta weiter bis ins hohe Alter: Erst 1988 taucht die Firma Josef Falck im Adressbuch nicht mehr auf.
2) Zum Nachlass
Der Familiennachlass Heinrich besteht im Kern aus persönlichen Dokumenten einer bürgerlichen Mainzer Familie im Laufe eines Jahrhunderts: von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Insbesondere die Generationen Friedrich Wilhelms, des Begründers der Mainzer Linie, und seines Sohnes Friedrich Joseph sind durch Urkunden, Passdokumente und Briefe gut abgebildet.
Von besonderem Interesse sind die zahlreichen Stücke aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, wie Lebensmittelmarken, Kriegsanleihen sowie Zeitungsausschnitte, Aushänge, Ausweisdokumente und eine Armbinde aus der Zeit der Revolution 1918/19 (NL 109 / 11-13). Darüber hinaus umfasst der Nachlass Unterlagen der Weingroßhandlung Josef Falck, die sich ab 1892 in Familienbesitz befand (NL 109 / 18-21).
Etwa ein Viertel des Nachlasses besteht aus den Aufzeichnungen und Briefwechseln zur Familienforschung Carl Ernst Heinrichs (NL 109 / 22-26), die nicht nur sehr gut die damaligen genealogischen Methoden dokumentieren, sondern auch die zunehmenden Bedrängnisse aufgrund finanzieller Probleme und nationalsozialistischer Schikane.
Dieser Teil des Nachlasses ist als Geschenk von Carl Ernst Heinrich am 4. November 1977 unter dem Zugang 1977/76 ins Stadtarchiv aufgenommen worden. Es muss jedoch noch mindestens einen weiteren Zugang gegeben haben, der nicht im Zugangsbuch vermerkt wurde, denn dieser Eintrag nennt nur ein Konvolut von ca. 8 cm Breite.
Auf zwei beigelegten Zetteln befindet sich ein handschriftlicher Vermerk, vermutlich von Friedrich Schütz, mit Hinweis auf den Besuch eines Herrn Heinrich am 31. Juli 1978 und weitere Archivalien im Stadtarchiv Heilbronn und einen Stammbaum im Staatsarchiv Stuttgart.
In einem Umschlag, der seiner Aufschrift zufolge am 26. September 1991 von einer Nachfahrin der Familie Heinrich abgegeben wurde, befanden sich "Alte Urkunden etc. der Firma Josef Falck Inh. F. W. Heinrich".
Rätsel gibt ein weiterer Umschlag mit der Aufschrift "Erwina Portal - an Archiv in Donaueschingen schicken im Auftrag von" auf. Er enthielt Dokumente der Familie Geiges/Portal, die keinerlei Bezug zur Familie Heinrich/Falck erkennen lassen (NL 109 / 30).
Bis zur Erfassung des Bestandes durch den Praktikanten Paul Birkner im Januar 2018 war der Nachlass ungeordnet in drei Kartons aufbewahrt und nur die Quellen zum Ersten Weltkrieg in der FAUST-Datenbank erfasst. Fünf Dokumente wurden für die Ausstellung des Stadtarchivs anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsbeginns 1914 verwendet und digitalisiert.
Mainz, im Januar 2018
Paul Birkner
verzeichnet im Januar 2018
Form und Inhalt: 1) Zur Familie Heinrich und Firma Josef Falck:
"Dieses alte württembergische Geschlecht stammt nach dem bisherigen Stande der Forschung aus Urbach, Oberamt Schorndorf." So beginnt Carl Ernst Heinrich, dessen Stammbaum bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht, 1932 einen Eintrag für das Lexikon deutscher Familien.
Die Geschichte der Heinrichs in Mainz beginnt mit Friedrich Wilhelm (1833-1916). Er wuchs als eines von acht Kindern von Luise Friederike, geb. Schanzenbach, und Friedrich Ludwig Heinrich (1797-1882) in Heilbronn auf. Dort besaß die Familie in der dritten Generation das "Gasthaus zur Sonne", damals der bekannteste Gasthof der Stadt mit Gästen wie Schiller, Goethe, Kurfürsten und Königen.
Friedrich Wilhelm schlug eine kaufmännische Laufbahn ein. Nach einer Lehre 1849 bis 1853 in Heilbronn arbeitete er als Prokurist und Handelsreisender für Firmen in Lahr, Vallendar und Paris und schließlich ab 1861 als erster Buchhalter bei der Lederfabrik Mayer, Michel und Deninger in Mainz. Hier heiratete er am 17. November 1864 Clara Falck (1842-1909), mit der er zwei Söhne bekam: Friedrich Joseph (1865-1948) und Adolph Carl (1867-1931).
Clara Falck stammte aus einer alten Mainzer Familie. Ihr Vater, Joseph Falck II (1819-1883), hatte 1850 eine Weinhandlung unter seinem Namen gegründet. Friedrich Wilhelm Heinrich stieg 1864 in das Geschäft seines Schwiegervaters ein und übernahm es nach dessen Tod gemeinsam mit seinem Schwager Joseph Carl Johann Ludwig Falck (1849-1938), der sich nach seiner Hochzeit mit Hedwig Bramigk Joseph Falck-Bramigk nannte. Noch im selben Monat begannen die neuen Inhaber, das Geschäft auszubauen. Sie gaben den bisherigen Standort in der Schusterstraße 43 (heute Galeria Kaufhof) auf und kauften von der Stadt das Grundstück Boulevard 25-27 (später Kaiserstraße) für einen privaten und geschäftlichen Neubau.
In den folgenden Jahrzehnten war Friedrich Wilhelm Heinrich nicht nur Weingroßhändler, sondern auch Handelsrichter beim Landgericht, Mitglied der Handelskammer und Gründungs- und Vorstandsmitglied der Lagerei-Berufsgenossenschaft. 1892 wurde er zum Kommerzienrat ernannt. Im selben Jahr schied Joseph Falck-Bramigk aus der Firma aus und gründete in seinem Gebäudeteil (Kaiserstraße 27, später 37, 86 und Am Fort Josef 7) ein Weinkommissionsgeschäft. Ab sofort war Friedrich Wilhelm Heinrich alleiniger Inhaber der Weinhandlung Josef Falck und erteilte seinen beiden Söhnen Prokura. Als er sich nach der Jahrhundertwende allmählich aus dem Geschäftsleben zurückzog, übergab er ihnen die Firma.
Friedrich Joseph Heinrich, geboren 1865, hatte nach dem Besuch der Realschule schon 1881 eine Lehre im Geschäft seines Großvaters begonnen. Am 24. September 1900 heiratete er die aus Hildburghausen in Thüringen stammende Jüdin Hedwig Steinhard (1877-1945). Aus dieser Ehe gingen die Kinder Friedrich Max Otto (1902), Johanna (1906) und der zu Beginn erwähnte Carl Ernst (1907) hervor.
1907 schied Adolph Carl Heinrich, der zudem norwegischer Vizekonsul (später Konsul) war, wieder aus der Firma Josef Falck aus und gründete die Weinhandlung Meyer und Coblenz (später Domkellerei) am Liebfrauenplatz. Sein Bruder Friedrich Joseph dagegen baute das großväterliche Geschäft weiter aus und übernahm die Firmen H. J. Kullmann und Co (1910) und Henkell und Co, Stillwein-Export (1912), ein Teil des heutigen gleichnamigen Großkonzerns. 1911 gehörten der Weingroßhandlung Josef Falck neben dem Geschäftshaus in der Kaiserstraße 25 Kellereien in der Kaiserstraße 12, 21, 23, 24 und Bahnhofstraße 3 sowie Weinberge im Oppenheimer und im Rauenthaler Berg im Rheingau. Zu ihren Kunden zählten der König von Württemberg, der König von Belgien und die Herzogin von Anhalt-Bernburg.
Als Reserveoffizier wurde Friedrich Joseph Heinrich 1914 für den Ersten Weltkrieg eingezogen, in dem er hauptsächlich an der Front in Russland und Polen kämpfte und 1917 zum Hauptmann der Landwehr-Infanterie berufen wurde. Er kehrte körperlich unversehrt nach Mainz zurück, wo sein Vater Friedrich Wilhelm 1916 im Alter von 83 Jahren verstorben war.
Nach dem Krieg setzte Friedrich Joseph die Familiengeschäfte unverändert fort. Er wurde wie sein Vater Handelsrichter am Landgericht, Vertrauensmann der Lagerei-Berufsgenossenschaft sowie stellvertretender Vorsitzender des Verbandes Rheinhessischer Weinhändler.
Während sein ältester Sohn Friedrich Max Otto ins Familiengeschäft eintrat und Johanna Kunstwissenschaft studierte, widmete sich der jüngste Bruder, Carl Ernst, ab Mitte der 1920er Jahre einer intensiven Familienforschung. Beruflich konnte er jedoch keinen Fuß fassen. Im Frühjahr 1932 brach er ein Politikstudium ab, um zur kaufmännischen Ausbildung nach Dublin zu gehen. Wegen der Wirtschaftskrise wurde jedoch seine Aufenthaltsgenehmigung nicht verlängert, sodass er schon im November nach Deutschland zurückkehren musste. Danach hielt er zunehmend Ausschau nach Arbeit in den britischen Kolonien. Zu den wirtschaftlichen Problemen trat ab 1933 auch die zunehmende Ausgrenzung durch die Nationalsozialisten als Sohn einer "privilegierten Mischehe". 1935 brach Carl Ernst die Familienforschung endgültig ab und wanderte nach Kapstadt aus.
Der Rest der Familie blieb in Deutschland. Während sich Friedrich Joseph aus der Firma zurückzog, wurde Friedrich Max Otto, seit 1930 Prokurist, 1935 Mit- und 1940 alleiniger Inhaber der Weingroßhandlung, die Mitte der 30er Jahre in die Adam-Karillon-Straße 56 umgezogen war.
Über das Familienleben in der NS-Zeit ist wenig bekannt. Friedrich Max Otto heiratete 1934 Herta Pein, mit der er zwei Töchter hatte. Seine Mutter Hedwig beging am 19. Februar 1945, vermutlich aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in Zusammenhang mit den letzten Deportationen, im städtischen Krankenhaus Selbstmord mit Gift. Nur acht Tage später wurde das Haus in der Kaiserstraße 25 bei den Luftangriffen auf Mainz zerstört und Friedrich Max Otto musste mit seiner Familie und dem alten Vater nach Rauenthal im Rheingau umziehen. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Mainz zurück, wohnte kurzzeitig in der Kaiserstraße 31 und dann in der Adam-Karillon-Straße 56 zur Miete.
Am 22. Dezember 1948 starb Friedrich Joseph Heinrich mit 83 Jahren in Oppenheim. Sein Sohn Friedrich Max Otto führte die Weinhandlung gemeinsam mit seiner Frau Herta weiter bis ins hohe Alter: Erst 1988 taucht die Firma Josef Falck im Adressbuch nicht mehr auf.
2) Zum Nachlass
Der Familiennachlass Heinrich besteht im Kern aus persönlichen Dokumenten einer bürgerlichen Mainzer Familie im Laufe eines Jahrhunderts: von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg. Insbesondere die Generationen Friedrich Wilhelms, des Begründers der Mainzer Linie, und seines Sohnes Friedrich Joseph sind durch Urkunden, Passdokumente und Briefe gut abgebildet.
Von besonderem Interesse sind die zahlreichen Stücke aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, wie Lebensmittelmarken, Kriegsanleihen sowie Zeitungsausschnitte, Aushänge, Ausweisdokumente und eine Armbinde aus der Zeit der Revolution 1918/19 (NL 109 / 11-13). Darüber hinaus umfasst der Nachlass Unterlagen der Weingroßhandlung Josef Falck, die sich ab 1892 in Familienbesitz befand (NL 109 / 18-21).
Etwa ein Viertel des Nachlasses besteht aus den Aufzeichnungen und Briefwechseln zur Familienforschung Carl Ernst Heinrichs (NL 109 / 22-26), die nicht nur sehr gut die damaligen genealogischen Methoden dokumentieren, sondern auch die zunehmenden Bedrängnisse aufgrund finanzieller Probleme und nationalsozialistischer Schikane.
Dieser Teil des Nachlasses ist als Geschenk von Carl Ernst Heinrich am 4. November 1977 unter dem Zugang 1977/76 ins Stadtarchiv aufgenommen worden. Es muss jedoch noch mindestens einen weiteren Zugang gegeben haben, der nicht im Zugangsbuch vermerkt wurde, denn dieser Eintrag nennt nur ein Konvolut von ca. 8 cm Breite.
Auf zwei beigelegten Zetteln befindet sich ein handschriftlicher Vermerk, vermutlich von Friedrich Schütz, mit Hinweis auf den Besuch eines Herrn Heinrich am 31. Juli 1978 und weitere Archivalien im Stadtarchiv Heilbronn und einen Stammbaum im Staatsarchiv Stuttgart.
In einem Umschlag, der seiner Aufschrift zufolge am 26. September 1991 von einer Nachfahrin der Familie Heinrich abgegeben wurde, befanden sich "Alte Urkunden etc. der Firma Josef Falck Inh. F. W. Heinrich".
Rätsel gibt ein weiterer Umschlag mit der Aufschrift "Erwina Portal - an Archiv in Donaueschingen schicken im Auftrag von" auf. Er enthielt Dokumente der Familie Geiges/Portal, die keinerlei Bezug zur Familie Heinrich/Falck erkennen lassen (NL 109 / 30).
Bis zur Erfassung des Bestandes durch den Praktikanten Paul Birkner im Januar 2018 war der Nachlass ungeordnet in drei Kartons aufbewahrt und nur die Quellen zum Ersten Weltkrieg in der FAUST-Datenbank erfasst. Fünf Dokumente wurden für die Ausstellung des Stadtarchivs anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsbeginns 1914 verwendet und digitalisiert.
Mainz, im Januar 2018
Paul Birkner
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.