Nachlass Nortz, Eduard (Bestand)
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NL Nortz Eduard Nachlass Nortz, Eduard
Bayerisches Hauptstaatsarchiv (Archivtektonik) >> Beständetektonik des Bayerischen Hauptstaatsarchivs >> 5 Abteilung V: Nachlässe und Sammlungen >> 5.1 Nachlässe und Familienarchive >> 5.1.2 Nachlässe >> Nachlässe L - P
1914-1933
Nachlass Eduard Nortz: 1. Tabellarischer Lebenslauf von Alexander Eduard Nortz:
17.09.1868 geboren in Ruppertsberg (Pfalz) als Sohn des Rentners Johann Jakob Nortz
17.08.1890 nach Studium in Halle, München und Würzburg ebenda Examen
06.10.1890 Praktikum am Amtsgericht München I
07.07.1891 Praktikum am Landgericht München I
07.04.1892 Praktikum am Bezirksamt München II
07.10.1892 Praktikum beim Magistrat München
10.04.1893 Praktikum bei Rechtsanwalt Th. Riedel in München
1893 Juristische Staatsprüfung
14.06.1894 Praktikum beim Bezirksamt München II
08.07.1894 für ein Jahr zum Aufenthalt im Ausland beurlaubt
10.08.1895 Praktikum beim Bezirksamt München
02.1896 Praktikum bei der Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern
12.1896 erhält er Access
01.07.1897 Bezirksassessor in Schrobenhausen
16.04.1901 Bezirksassessor in München I
01.08.1906 Regierungsassessor in Ansbach
01.02.1909 Bezirksamtsmann in Stadtsteinach
01.02.1913 Regierungsrat bei der Regierung der Pfalz, Kammer des Innern
16.04.1918 Geheimer Legationsrat II. Klasse im Ministerium des Kgl. Hauses und des Äußern
01.04.1919 Oberregierungsrat im Handelsministerium
01.07.1919 Ministerialrat im Handelsministerium
1919 Mitglied im Pfälzer Hilfsausschuss
03.1920 Staatskommissar in Hof/Saale bei der Niederschlagung der Räteherrschaft (nach dem Kapp-Putsch)
30.08.1920 Landeskommissar für die Entwaffnung
16.10.1921 Polizeipräsident von München
1922/23 Leiter einer Sammelstelle zum Empfang von Zuschüssen aus dem Ausland für notleidende Deutsche
1923 legt Nortz den finanziellen Grundstock für die Gründung des "Bayern und Pfalz-Denkstein-Verbandes" in München
30.07.1923 Gründer und Vorsitzender des Pfälzischen Treubundes in München
16.08.1923 in den einstweiligen Ruhestand versetzt wegen seines "strammen Vorgehens gegen den Demagogen Hitler" (Jolas)
01.10.1923 Generalstaatsanwalt beim Verwaltungsgerichtshof in München
21.08.1928 Mitglied des Bayerischen Landtags (Bayerischer Mittelstandsbund) [vgl. Amtliches Handbuch des Bayerischen Landtags, München 1929, S.60; Abb. S. 141]
29.08.1929 Hochzeit mit Mathilde Emma Schaupp (Nortz hatte auch eine 1897 geborene Adoptivtochter)
vor 22.12.1929 Niederlegung seines Abgeordneten-Mandates
01.04.1933 Versetzung in den dauernden Ruhestand
04.03.1939 verstirbt Nortz in München
2. Der Nachlaß Eduard Nortz:
Eduard Nortz stammte aus Ruppertsberg im bayerischen Teil der Pfalz, wo er später (1925) noch Verwandte besaß (Gutsbesitzer Schultz ebenda). Nachdem er einen Abschnitt seiner Laufbahn als bayerischer Verwaltungsbeamter in Speyer zugebracht hatte, war er auch als Beamter im Handels- bzw. im Außenministerium von München aus dienstlich mit Angelegenheiten der nach dem Ersten Weltkrieg von Frankreich besetzten Pfalz befasst. Aus dieser Zeit hat sich ein Pass mit seinem Foto erhalten (s. Nachlass Nr. 1). In München engagierte sich Nortz als Mitglied des Pfälzer Wald-Vereins und anderer Organisationen an Hilfsmaßnahmen für vertriebene oder sonstwie in Not geratene Pfälzer und beteiligte sich durch Schriften oder Reden aktiv an der deutschen Propaganda, durch die in der Bevölkerung das Bewusstsein für die von der Abspaltung von Deutschland bedrohten linksrheinischen Gebiete wachgehalten und der dortige Widerstand unterstützt werden sollte. Zur besseren Koordination der im rechtsrheinischen Bayern bestehenden Pfälzer Vereine und Hilfsorganisationen gründete er 1923 den Pfälzer Treubund in München, dessen Vorsitz er übernahm. Abgesehen von seiner Stellung als hoher Beamter setzte Nortz die finanzielle Unterstützung seines Bruders Eugen, der in Le Havre, später in New York einen Kaffeehandel betrieb, auch während der Inflationszeit zu wirkungsvoller Unterstützung verschiedener Organisationen bzw. Maßnahmen in die Lage; so legte er etwa 1923 den finanziellen Grundstock für den "Bayern und Pfalz-Denkstein-Verband" (s. Nachlass Nr. 6). Wie viele nationalkonservativ eingestellte Beamte stand auch Nortz dem aufkommenden Nationalsozialismus distanziert gegenüber.
Bei dem vorliegenden Nachlass von Eduard Nortz handelt es sich lediglich um einen Teil- oder Restbestand eines ursprünglich umfangreicheren Bestandes aus dessen Privatbesitz. Nach dem Tod von Nortz übernahm der ehemalige Pfalzkommissar Heinrich Jolas mit Erlaubnis der Tochter des Verstorbenen aus dessen "literarischen" Nachlass einige für seine eigenen Arbeiten wichtige Unterlagen, die er dann vermutlich zusammen mit diesen und einigen Belegstücken 1948 und 1949 an das Geheime Staatsarchiv in München abgab (vgl. Nachlaß Heinrich Jolas). 1966/67 erfolgte die Verzeichnung der seither als Doppelnachlass "Nortz-Jolas" aufgestellten Bestände. Bei der Neuverzeichnung 1993 wurden beide Bestände separiert, zwei bis dahin unverzeichnete Akten aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv Abt. V (Nachlässe und Sammlungen) in den Nachlass Nortz eingearbeitet und dieser neu geordnet. Im gegenwärtigen Zustand geben die zum Teil unvollständigen oder aus größeren Zusammenhängen gelösten Akten Hinweise insbesondere auf die dienstliche Tätigkeit von Nortz als bayerischer Verwaltungsbeamter bzw. als Mitglied verschiedener Pfalz-Vereine, an erster Stelle des Pfälzer Treubundes. Von Bedeutung sind die Flugblätter und anderes Propagandamaterial aus der Zeit der Besetzung der Pfalz sowie von den Wahlen des deutschen Reichspräsidenten aus den Jahren 1925 bis 1933. Quantitativ stehen Zeitungen und Zeitungsausschnitte zum Thema Pfalz und Rheinland aus der Besatzungszeit an erster Stelle.
3. Quellen und Literatur:
BayHStA, MInn 84502 (Personalakte).
Gerhard Gräber/Matthias Spindler, Revolverrepublik am Rhein. Die Pfalz und ihre Separatisten, Bd. 1: Nov. 1918 - Nov. 1923, Landau 1992.
Heinrich Jolas, Berufliche Erlebnisse eines pfalzbayerischen Verwaltungsbeamten, masch., 1935-1938 (Nachlass Jolas Nr. 2).
Derselbe, Kampf mit dem Alter, masch., 1946, bes. S. 107 (Nachlass Jolas Nr. 4).
23.12.1993
Andreas Jakob
(Archivkurs 1993/1996)
17.09.1868 geboren in Ruppertsberg (Pfalz) als Sohn des Rentners Johann Jakob Nortz
17.08.1890 nach Studium in Halle, München und Würzburg ebenda Examen
06.10.1890 Praktikum am Amtsgericht München I
07.07.1891 Praktikum am Landgericht München I
07.04.1892 Praktikum am Bezirksamt München II
07.10.1892 Praktikum beim Magistrat München
10.04.1893 Praktikum bei Rechtsanwalt Th. Riedel in München
1893 Juristische Staatsprüfung
14.06.1894 Praktikum beim Bezirksamt München II
08.07.1894 für ein Jahr zum Aufenthalt im Ausland beurlaubt
10.08.1895 Praktikum beim Bezirksamt München
02.1896 Praktikum bei der Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern
12.1896 erhält er Access
01.07.1897 Bezirksassessor in Schrobenhausen
16.04.1901 Bezirksassessor in München I
01.08.1906 Regierungsassessor in Ansbach
01.02.1909 Bezirksamtsmann in Stadtsteinach
01.02.1913 Regierungsrat bei der Regierung der Pfalz, Kammer des Innern
16.04.1918 Geheimer Legationsrat II. Klasse im Ministerium des Kgl. Hauses und des Äußern
01.04.1919 Oberregierungsrat im Handelsministerium
01.07.1919 Ministerialrat im Handelsministerium
1919 Mitglied im Pfälzer Hilfsausschuss
03.1920 Staatskommissar in Hof/Saale bei der Niederschlagung der Räteherrschaft (nach dem Kapp-Putsch)
30.08.1920 Landeskommissar für die Entwaffnung
16.10.1921 Polizeipräsident von München
1922/23 Leiter einer Sammelstelle zum Empfang von Zuschüssen aus dem Ausland für notleidende Deutsche
1923 legt Nortz den finanziellen Grundstock für die Gründung des "Bayern und Pfalz-Denkstein-Verbandes" in München
30.07.1923 Gründer und Vorsitzender des Pfälzischen Treubundes in München
16.08.1923 in den einstweiligen Ruhestand versetzt wegen seines "strammen Vorgehens gegen den Demagogen Hitler" (Jolas)
01.10.1923 Generalstaatsanwalt beim Verwaltungsgerichtshof in München
21.08.1928 Mitglied des Bayerischen Landtags (Bayerischer Mittelstandsbund) [vgl. Amtliches Handbuch des Bayerischen Landtags, München 1929, S.60; Abb. S. 141]
29.08.1929 Hochzeit mit Mathilde Emma Schaupp (Nortz hatte auch eine 1897 geborene Adoptivtochter)
vor 22.12.1929 Niederlegung seines Abgeordneten-Mandates
01.04.1933 Versetzung in den dauernden Ruhestand
04.03.1939 verstirbt Nortz in München
2. Der Nachlaß Eduard Nortz:
Eduard Nortz stammte aus Ruppertsberg im bayerischen Teil der Pfalz, wo er später (1925) noch Verwandte besaß (Gutsbesitzer Schultz ebenda). Nachdem er einen Abschnitt seiner Laufbahn als bayerischer Verwaltungsbeamter in Speyer zugebracht hatte, war er auch als Beamter im Handels- bzw. im Außenministerium von München aus dienstlich mit Angelegenheiten der nach dem Ersten Weltkrieg von Frankreich besetzten Pfalz befasst. Aus dieser Zeit hat sich ein Pass mit seinem Foto erhalten (s. Nachlass Nr. 1). In München engagierte sich Nortz als Mitglied des Pfälzer Wald-Vereins und anderer Organisationen an Hilfsmaßnahmen für vertriebene oder sonstwie in Not geratene Pfälzer und beteiligte sich durch Schriften oder Reden aktiv an der deutschen Propaganda, durch die in der Bevölkerung das Bewusstsein für die von der Abspaltung von Deutschland bedrohten linksrheinischen Gebiete wachgehalten und der dortige Widerstand unterstützt werden sollte. Zur besseren Koordination der im rechtsrheinischen Bayern bestehenden Pfälzer Vereine und Hilfsorganisationen gründete er 1923 den Pfälzer Treubund in München, dessen Vorsitz er übernahm. Abgesehen von seiner Stellung als hoher Beamter setzte Nortz die finanzielle Unterstützung seines Bruders Eugen, der in Le Havre, später in New York einen Kaffeehandel betrieb, auch während der Inflationszeit zu wirkungsvoller Unterstützung verschiedener Organisationen bzw. Maßnahmen in die Lage; so legte er etwa 1923 den finanziellen Grundstock für den "Bayern und Pfalz-Denkstein-Verband" (s. Nachlass Nr. 6). Wie viele nationalkonservativ eingestellte Beamte stand auch Nortz dem aufkommenden Nationalsozialismus distanziert gegenüber.
Bei dem vorliegenden Nachlass von Eduard Nortz handelt es sich lediglich um einen Teil- oder Restbestand eines ursprünglich umfangreicheren Bestandes aus dessen Privatbesitz. Nach dem Tod von Nortz übernahm der ehemalige Pfalzkommissar Heinrich Jolas mit Erlaubnis der Tochter des Verstorbenen aus dessen "literarischen" Nachlass einige für seine eigenen Arbeiten wichtige Unterlagen, die er dann vermutlich zusammen mit diesen und einigen Belegstücken 1948 und 1949 an das Geheime Staatsarchiv in München abgab (vgl. Nachlaß Heinrich Jolas). 1966/67 erfolgte die Verzeichnung der seither als Doppelnachlass "Nortz-Jolas" aufgestellten Bestände. Bei der Neuverzeichnung 1993 wurden beide Bestände separiert, zwei bis dahin unverzeichnete Akten aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv Abt. V (Nachlässe und Sammlungen) in den Nachlass Nortz eingearbeitet und dieser neu geordnet. Im gegenwärtigen Zustand geben die zum Teil unvollständigen oder aus größeren Zusammenhängen gelösten Akten Hinweise insbesondere auf die dienstliche Tätigkeit von Nortz als bayerischer Verwaltungsbeamter bzw. als Mitglied verschiedener Pfalz-Vereine, an erster Stelle des Pfälzer Treubundes. Von Bedeutung sind die Flugblätter und anderes Propagandamaterial aus der Zeit der Besetzung der Pfalz sowie von den Wahlen des deutschen Reichspräsidenten aus den Jahren 1925 bis 1933. Quantitativ stehen Zeitungen und Zeitungsausschnitte zum Thema Pfalz und Rheinland aus der Besatzungszeit an erster Stelle.
3. Quellen und Literatur:
BayHStA, MInn 84502 (Personalakte).
Gerhard Gräber/Matthias Spindler, Revolverrepublik am Rhein. Die Pfalz und ihre Separatisten, Bd. 1: Nov. 1918 - Nov. 1923, Landau 1992.
Heinrich Jolas, Berufliche Erlebnisse eines pfalzbayerischen Verwaltungsbeamten, masch., 1935-1938 (Nachlass Jolas Nr. 2).
Derselbe, Kampf mit dem Alter, masch., 1946, bes. S. 107 (Nachlass Jolas Nr. 4).
23.12.1993
Andreas Jakob
(Archivkurs 1993/1996)
16
Bestand
Akten
deutsch
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
03.04.2025, 11:05 AM CEST
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