Familie Baum (mit Bendix, Hecht, Meyer) (Bestand)
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367
Stadtarchiv Dortmund (Archivtektonik) >> Private Überlieferung und Sammlungen >> Private Archive >> Güter und Familien >> Familien
[1841-01-01/2000-12-31]
Vorwort: Zum Bestand
Der Bestand enthält Nachlassmaterialien von Helmut Baum (1913 -2000) zur Genealogie der jüdischen Familien Baum im Raum Bochum, Datteln, Dortmund, Dorstfeld, Huckarde, Mengede und Waltrop. Ein Teil des Bestandes setzt sich aus der Korrespondenz von Helmut Baum mit Verwandten (u. a. in Argentinien) und Familienforschern zuammen, die ungefähr zwischen 1985 und 1995 überwiegend zur Klärung genealogischer Zusammenhänge geführt wurde; der andere Teil beinhaltet Materialsammlungen zu verschiedenen Baum-Familien bzw. zu einzelnen Familienmitgliedern. Zu den Materialsammlungen zählen neben Beurkundungen des Personenstands auch einige Dokumente und Fotografien von Personen sowie von Grabdenkmalen in den verschiedenen Orten.
Die Materialien des vorliegenden Bestandes wurden dem Stadtarchiv 2008 von Herrn Gerd Friedt, München, übereignet, "um allen interessierten Forschern zur Verfügung" zu stehen (Zg. 28/2008).
Gerd Friedt begleitete die genealogische Sucharbeit von Helmut Baum seit den 1980er Jahren. Er schrieb dem Stadtarchiv (2008) hinsichtlich des Nachlasses u. a.: "Die Niederschriften von Helmut Baum über seine Familie sind teilweise aufschlussreich und wiederholen sich. Er war zum Schluss ... ein alter kranker Mann, welcher in der Vergangenheit der Familie lebte. Da er keine Kinder hatte, ist dies evtl. zu verstehen. Egal wie, er hat die Vergangenheit der Familie konserviert und Brücken der Versöhnung nach Deutschland geschlagen." Friedt erarbeitete auch eine Genealogie der Familie Baum. Denjenigen Teil des Nachlasses von Helmut Baum, der sich inhaltlich auf die angeheirateten Familien im Bergheimer Raum bezieht, wollte Gerd Friedt dem Stadtarchiv in Bergheim/Erft übergeben.
Der Bestand umfasst 39 Archiveinheiten bzw. 0,2 lfd. Regalmeter.
Zur Person von Helmut Baum
Helmut Baum wurde am 22. November 1913 in Waltrop als ältester Sohn von Jakob und Martha Baum geb. Bendix geboren. Nach dem Besuch des Hindenburg-Realgymnasiums in Dortmund absolvierte er eine Ausbildung zum Textilkaufmann. Seine beiden Brüder, Werner bzw. Menachem Alon (1915-2006) und Günter bzw. Gideon Alon (1918 - 1972), wanderten in der Zeit des Nationalsozialismus nach Palästina aus. Helmut Baum emigrierte zunächst nach Dänemark und 1943 nach Schweden und setzte dort seine Arbeit als Landarbeiter fort, die er in Dänemark gelernt hatte. Nach dem Krieg wandte er sich wieder dem Kaufmannsberuf zu und versuchte es mit Agenturen, die dann später in eigener Fabrikation geführt wurden (Druck von Sammlerbildern für Kinder). Nach dem günstigen Verkauf der Firma lebte er seit 1979 als wohlhabender Pensionär und befasste sich in der Folgezeit intensiv mit der Familiengeschichte.
Er hatte 1944 in Malmö Natalie Tisch (*1919 in Wien, lebte noch 2000 in Malmö) geheiratet, mit der er bis zur Scheidung 1968 zusammenlebte. 1979 heiratete er in zweiter Ehe die Haushaltslehrerin Ottilie Wintersberger aus Niederbayern (*1931, lebte 2006 in Dillingen). Helmut Baum starb im Jahr 2000 ohne Nachkommen.
Der Vater von Helmut Baum, Jakob, wurde 1878 in Mengede und die Mutter Martha 1889 in Dortmund geboren. Jakob Baum war Textilkaufmann und gründete 1904 zusammen mit Isaak Stern das Kaufhaus Stern & Baum in Waltrop, dessen alleiniger Inhaber er 1910 wurde und das 1934 aus wirtschaftlichen Gründen für die Familie verloren ging. Jakob Baum starb 1938, Martha Baum wurde 1942 von den Nationalsozialisten deportiert und umgebracht.
Zur Familiengeschichte
Die Vorfahren von Helmut Baum väterlicherseits stammten vom linken Niederrhein südwestlich von Bonn und die seiner Mutter (Bendix) aus dem Münsterland (Billerbeck).
Die Geschichte der jüdischen Familien Baum väterlicherseits wird von Helmut Baum bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts in die Rheinebene zurückverfolgt, wo sie im kurkölnischen Rheinbach sesshaft wurden. Als "Ausgangspunkt" der Vorfahren sah er die Heirat von Abraham Hirtz mit Getta Maises Cain aus Stommeln (Landkreis Köln) im Jahr 1723 an. Deren Sohn, Jacob Hirtz, um 1732 in Rheinbach geboren, nannte sich seit 1808 Jacob Baum. Dessen Kinder Charlotta, Salomon und Herz verliessen Stommeln, um sich in Huckarde bei Dortmund niederzulassen.
Schon 1831 heiratete Salomon Baum (+1917), von Beruf Viehhändler und Metzger, Henerine Cosmann aus Huckarde. Deren Kinder kamen teils in Huckarde und teils im nahe gelegenen Mengede zur Welt; denn Salomon lebte seit etwa 1846 in Mengede als Metzger und Viehhändler.
Herz Baum (+1891), der eine Metzgerei mit Lebensmittel- und Textilhandel betrieb, gründete eine zahlreiche Familie in Huckarde, als er 1836 Sophia Levy Samuel (Neugarten) heiratete. Deren Kinder Jakob bauten in Dortmund, Samuel in Huckarde und Netta in Mengede ihre Familien auf. Die Baum-Familien in Mengede und Huckarde waren eng miteinander verbunden. Der älteste Sohn Jacob (1843-1906), der schon 1863 ein großes Stofflager in Mengede besaß, war Gründer der Bettfedernfabrik "Betten-Baum" in Dortmund. Netta (+1848 in Huckarde), die Salomons Sohn Levi (Cousin) in Mengede heiratete, war die Mutter von Jacob Baum (*1878 in Mengede), des Vaters von Helmut Baum. Sie gründete das Kaufhaus Levi Baum in Mengede. Von Samuel Baum in Huckarde stammte Günter Baum, Sohn von Hermann Baum, dem letzten Synagogenvorsteher in Dorstfeld, ab, der zuletzt in Zürich lebte und dann in engem Kontakt mit Helmut Baum stand.
(Quellen: Angaben in Bestand 367)
Der Bestand enthält Nachlassmaterialien von Helmut Baum (1913 -2000) zur Genealogie der jüdischen Familien Baum im Raum Bochum, Datteln, Dortmund, Dorstfeld, Huckarde, Mengede und Waltrop. Ein Teil des Bestandes setzt sich aus der Korrespondenz von Helmut Baum mit Verwandten (u. a. in Argentinien) und Familienforschern zuammen, die ungefähr zwischen 1985 und 1995 überwiegend zur Klärung genealogischer Zusammenhänge geführt wurde; der andere Teil beinhaltet Materialsammlungen zu verschiedenen Baum-Familien bzw. zu einzelnen Familienmitgliedern. Zu den Materialsammlungen zählen neben Beurkundungen des Personenstands auch einige Dokumente und Fotografien von Personen sowie von Grabdenkmalen in den verschiedenen Orten.
Die Materialien des vorliegenden Bestandes wurden dem Stadtarchiv 2008 von Herrn Gerd Friedt, München, übereignet, "um allen interessierten Forschern zur Verfügung" zu stehen (Zg. 28/2008).
Gerd Friedt begleitete die genealogische Sucharbeit von Helmut Baum seit den 1980er Jahren. Er schrieb dem Stadtarchiv (2008) hinsichtlich des Nachlasses u. a.: "Die Niederschriften von Helmut Baum über seine Familie sind teilweise aufschlussreich und wiederholen sich. Er war zum Schluss ... ein alter kranker Mann, welcher in der Vergangenheit der Familie lebte. Da er keine Kinder hatte, ist dies evtl. zu verstehen. Egal wie, er hat die Vergangenheit der Familie konserviert und Brücken der Versöhnung nach Deutschland geschlagen." Friedt erarbeitete auch eine Genealogie der Familie Baum. Denjenigen Teil des Nachlasses von Helmut Baum, der sich inhaltlich auf die angeheirateten Familien im Bergheimer Raum bezieht, wollte Gerd Friedt dem Stadtarchiv in Bergheim/Erft übergeben.
Der Bestand umfasst 39 Archiveinheiten bzw. 0,2 lfd. Regalmeter.
Zur Person von Helmut Baum
Helmut Baum wurde am 22. November 1913 in Waltrop als ältester Sohn von Jakob und Martha Baum geb. Bendix geboren. Nach dem Besuch des Hindenburg-Realgymnasiums in Dortmund absolvierte er eine Ausbildung zum Textilkaufmann. Seine beiden Brüder, Werner bzw. Menachem Alon (1915-2006) und Günter bzw. Gideon Alon (1918 - 1972), wanderten in der Zeit des Nationalsozialismus nach Palästina aus. Helmut Baum emigrierte zunächst nach Dänemark und 1943 nach Schweden und setzte dort seine Arbeit als Landarbeiter fort, die er in Dänemark gelernt hatte. Nach dem Krieg wandte er sich wieder dem Kaufmannsberuf zu und versuchte es mit Agenturen, die dann später in eigener Fabrikation geführt wurden (Druck von Sammlerbildern für Kinder). Nach dem günstigen Verkauf der Firma lebte er seit 1979 als wohlhabender Pensionär und befasste sich in der Folgezeit intensiv mit der Familiengeschichte.
Er hatte 1944 in Malmö Natalie Tisch (*1919 in Wien, lebte noch 2000 in Malmö) geheiratet, mit der er bis zur Scheidung 1968 zusammenlebte. 1979 heiratete er in zweiter Ehe die Haushaltslehrerin Ottilie Wintersberger aus Niederbayern (*1931, lebte 2006 in Dillingen). Helmut Baum starb im Jahr 2000 ohne Nachkommen.
Der Vater von Helmut Baum, Jakob, wurde 1878 in Mengede und die Mutter Martha 1889 in Dortmund geboren. Jakob Baum war Textilkaufmann und gründete 1904 zusammen mit Isaak Stern das Kaufhaus Stern & Baum in Waltrop, dessen alleiniger Inhaber er 1910 wurde und das 1934 aus wirtschaftlichen Gründen für die Familie verloren ging. Jakob Baum starb 1938, Martha Baum wurde 1942 von den Nationalsozialisten deportiert und umgebracht.
Zur Familiengeschichte
Die Vorfahren von Helmut Baum väterlicherseits stammten vom linken Niederrhein südwestlich von Bonn und die seiner Mutter (Bendix) aus dem Münsterland (Billerbeck).
Die Geschichte der jüdischen Familien Baum väterlicherseits wird von Helmut Baum bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts in die Rheinebene zurückverfolgt, wo sie im kurkölnischen Rheinbach sesshaft wurden. Als "Ausgangspunkt" der Vorfahren sah er die Heirat von Abraham Hirtz mit Getta Maises Cain aus Stommeln (Landkreis Köln) im Jahr 1723 an. Deren Sohn, Jacob Hirtz, um 1732 in Rheinbach geboren, nannte sich seit 1808 Jacob Baum. Dessen Kinder Charlotta, Salomon und Herz verliessen Stommeln, um sich in Huckarde bei Dortmund niederzulassen.
Schon 1831 heiratete Salomon Baum (+1917), von Beruf Viehhändler und Metzger, Henerine Cosmann aus Huckarde. Deren Kinder kamen teils in Huckarde und teils im nahe gelegenen Mengede zur Welt; denn Salomon lebte seit etwa 1846 in Mengede als Metzger und Viehhändler.
Herz Baum (+1891), der eine Metzgerei mit Lebensmittel- und Textilhandel betrieb, gründete eine zahlreiche Familie in Huckarde, als er 1836 Sophia Levy Samuel (Neugarten) heiratete. Deren Kinder Jakob bauten in Dortmund, Samuel in Huckarde und Netta in Mengede ihre Familien auf. Die Baum-Familien in Mengede und Huckarde waren eng miteinander verbunden. Der älteste Sohn Jacob (1843-1906), der schon 1863 ein großes Stofflager in Mengede besaß, war Gründer der Bettfedernfabrik "Betten-Baum" in Dortmund. Netta (+1848 in Huckarde), die Salomons Sohn Levi (Cousin) in Mengede heiratete, war die Mutter von Jacob Baum (*1878 in Mengede), des Vaters von Helmut Baum. Sie gründete das Kaufhaus Levi Baum in Mengede. Von Samuel Baum in Huckarde stammte Günter Baum, Sohn von Hermann Baum, dem letzten Synagogenvorsteher in Dorstfeld, ab, der zuletzt in Zürich lebte und dann in engem Kontakt mit Helmut Baum stand.
(Quellen: Angaben in Bestand 367)
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.11.2025, 1:59 PM CET