A Rep. 250-11-01 (Karteien) Praxis Prof. Hugo Blaschke (Kartei) (Bestand)
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A Rep. 250-11-01 (Karteien)
Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> A Bestände vor 1945 >> A 6 Unternehmen der Wirtschaft >> A 6.2 Unternehmen der privaten Wirtschaft
Vorwort: A Rep. 250-11-01
Praxis Prof. Hugo Blaschke, Zahnarzt
Hugo Johannes Blaschke wurde am 14. November 1881 in Neustadt geboren. Er studierte anfangs in Berlin und dann 1908-1911 in Philadelphia und London Zahnheilkunde und kehrte mit guten Zeugnissen mit dem in Deutschland nicht anerkannten Titel "Dr. dent. surg." zurück. Ab 1912 praktizierte er als Dentist in Berlin. Er eröffnete eine Praxis am Kurfürstendamm 213 und gewann prominente Patienten, darunter auch Josef Goebbels und Hermann Göring.
1931 trat er in die NSDAP ein. Im November/Dezember 1933 behandelte er auch einmal Adolf Hitler in einem Notfall; in der Folge wurde er zum Leibzahnarzt Hitlers und wurde von Hitler zum "Dr. med. dent.", später zum Professor, ernannt. Er praktizierte stets in der Nähe Hitlers und hatte daher Behandlungsräume in der Reichskanzlei, in der ?Wolfsschanze? und auch auf dem ?Berghof? bei Garmisch-Partenkirchen.
Auf Aufforderung des ?Reichsarztes? der SS, Prof. Dr. Robert Grawitz, richtete Blaschke für die SS einen ?zahnärztlichen Dienst? ein. Er baute in Dachau, Oranienburg und Buchenwald Zahnstationen auf. 1944 wurde Blaschke schließlich Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS und Reichsarzt der SS.
Nach Kriegsende wurde Hugo Blaschke verhaftet und interniert. Er wirkte bei der Identifizierung der Leiche Hitlers mit, indem er aus dem Gedächtnis ein Gipsmodell von Hitlers Gebiss erstellte. Als Hauptschuldiger wurde er für drei Jahre in das Arbeitslager Langwasser-Nürnberg eingewiesen. Sein Verteidiger erreichte, ihm auf dem "Gnadenweg die Bewährungsfrist abzukürzen" und ihn "ohne weiteres Nachverfahren? in die Gruppe IV der Mitläufer einzustufen. Am 15. Dezember 1948 wurde Blaschke entlassen.
Blaschke heiratete die wohlhabende Erna Böbel, die er während der Verurteilungen seiner SS-Kollegen als Sekretärin beim Militärgericht kennengelernt hatte. Nach Auseinandersetzungen mit den bayerischen Berufsverbänden ließ sich Blaschke in Nürnberg nieder und behandelte Ersatzkassen- und Privatpatienten. Auswanderungspläne scheitern; ein von ihm konstruiertes Patent "Ärztliches Gerät zur schmerzlosen Behandlung von lebenden Organen, insbesondere Zähnen" setzte sich in der Dentalindustrie nicht durch.
Am 15. September 1960 starb Hugo Blaschke in Nürnberg.
Die Überlieferung wurde aus unsortiertem Material aus dem sog. ?NS-Archiv? des MfS zusammengestellt, dessen Berliner Provenienzen dem Landesarchiv Berlin ab dem Jahre 2004 vom Bundesarchiv übergeben worden waren.
Enthält:
Patientenkartei A-Z, u. a. prominente NS-Funktionäre und adlige Persönlichkeiten (182 Karteikarten).
Erschlossen: 1 [AE] 0,15 [lfm]
Laufzeit:
1930 - 1945
Benutzung:
Datenbank, Findbuch
Benutzungsbeschränkung
Literatur:
-> Deprem-Hennen, Menevsem: Hitlers Leibzahnarzt. Hugo Johannes Blaschkes Leben zwischen Politik und Zahnheilkunde ? eine Studie nach bekannten und bisher unveröffentlichten Dokumenten (= Diss. beim Institut für Geschichte der Medizin, Universität Düsseldorf), Düsseldorf 2007.
Praxis Prof. Hugo Blaschke, Zahnarzt
Hugo Johannes Blaschke wurde am 14. November 1881 in Neustadt geboren. Er studierte anfangs in Berlin und dann 1908-1911 in Philadelphia und London Zahnheilkunde und kehrte mit guten Zeugnissen mit dem in Deutschland nicht anerkannten Titel "Dr. dent. surg." zurück. Ab 1912 praktizierte er als Dentist in Berlin. Er eröffnete eine Praxis am Kurfürstendamm 213 und gewann prominente Patienten, darunter auch Josef Goebbels und Hermann Göring.
1931 trat er in die NSDAP ein. Im November/Dezember 1933 behandelte er auch einmal Adolf Hitler in einem Notfall; in der Folge wurde er zum Leibzahnarzt Hitlers und wurde von Hitler zum "Dr. med. dent.", später zum Professor, ernannt. Er praktizierte stets in der Nähe Hitlers und hatte daher Behandlungsräume in der Reichskanzlei, in der ?Wolfsschanze? und auch auf dem ?Berghof? bei Garmisch-Partenkirchen.
Auf Aufforderung des ?Reichsarztes? der SS, Prof. Dr. Robert Grawitz, richtete Blaschke für die SS einen ?zahnärztlichen Dienst? ein. Er baute in Dachau, Oranienburg und Buchenwald Zahnstationen auf. 1944 wurde Blaschke schließlich Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS und Reichsarzt der SS.
Nach Kriegsende wurde Hugo Blaschke verhaftet und interniert. Er wirkte bei der Identifizierung der Leiche Hitlers mit, indem er aus dem Gedächtnis ein Gipsmodell von Hitlers Gebiss erstellte. Als Hauptschuldiger wurde er für drei Jahre in das Arbeitslager Langwasser-Nürnberg eingewiesen. Sein Verteidiger erreichte, ihm auf dem "Gnadenweg die Bewährungsfrist abzukürzen" und ihn "ohne weiteres Nachverfahren? in die Gruppe IV der Mitläufer einzustufen. Am 15. Dezember 1948 wurde Blaschke entlassen.
Blaschke heiratete die wohlhabende Erna Böbel, die er während der Verurteilungen seiner SS-Kollegen als Sekretärin beim Militärgericht kennengelernt hatte. Nach Auseinandersetzungen mit den bayerischen Berufsverbänden ließ sich Blaschke in Nürnberg nieder und behandelte Ersatzkassen- und Privatpatienten. Auswanderungspläne scheitern; ein von ihm konstruiertes Patent "Ärztliches Gerät zur schmerzlosen Behandlung von lebenden Organen, insbesondere Zähnen" setzte sich in der Dentalindustrie nicht durch.
Am 15. September 1960 starb Hugo Blaschke in Nürnberg.
Die Überlieferung wurde aus unsortiertem Material aus dem sog. ?NS-Archiv? des MfS zusammengestellt, dessen Berliner Provenienzen dem Landesarchiv Berlin ab dem Jahre 2004 vom Bundesarchiv übergeben worden waren.
Enthält:
Patientenkartei A-Z, u. a. prominente NS-Funktionäre und adlige Persönlichkeiten (182 Karteikarten).
Erschlossen: 1 [AE] 0,15 [lfm]
Laufzeit:
1930 - 1945
Benutzung:
Datenbank, Findbuch
Benutzungsbeschränkung
Literatur:
-> Deprem-Hennen, Menevsem: Hitlers Leibzahnarzt. Hugo Johannes Blaschkes Leben zwischen Politik und Zahnheilkunde ? eine Studie nach bekannten und bisher unveröffentlichten Dokumenten (= Diss. beim Institut für Geschichte der Medizin, Universität Düsseldorf), Düsseldorf 2007.
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Für nähere Informationen zu Nutzungs- und Verwertungsrechten kontaktieren Sie bitte info@landesarchiv.berlin.de.
22.08.2025, 11:21 MESZ