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Firmenarchiv Wolff (Bestand)
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>> Familien- und Herrschaftsarchive, Archive von Organisationen und Firmen
1802/2010
Vorwort: Die Unterlagen wurden in den Jahren 1997-2006 aus dem Privatbesitz ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammengetragen und von Herrn Peter Kolb geordnet und verzeichnet. Zuletzt ist vor zwei Jahren nochmals eine Sammlung mit Feldpostbriefen von Mitarbeitern an die Firmenleitung aus dem Besitz des Konkursverwalters in das Stadtarchiv gelangt. Das Firmenarchiv umfasst Unterlagen über Standorte, Personal und Produkte, darunter Kataloge, Geschäftsbücher und auch 2400 Fotos. Die Sammlung lagert in der Pionierkaserne.
Bilder auch in G7/2.1 Ulm vor der Zerstörung Nr. 3189 - 3111 + 3113- 3115
Firmengeschichte (verfasst von Herrn Kolb)
Die Firma Joh. Heinr. Wolff GmbH existierte von 1843 bis 1986.
Gegründet wurde die Firma als ein Eisenwaren-Einzelhandelsgeschäft im Gebäude Kornhausplatz 4 von Joh. Heinr. Wolff. Dazu kamen 1889 Hafengasse 15 als Werkzeugladen, 1926 Lange Straße, heute Neue Straße 73 mit Haushaltwaren, Glas und Porzellan.
1884 übernahm der Sohn Albert Heinrich Wolff die Firmenleitung im Alter von 26 Jahren schon ein ausgebildeter Fachmann und weitblickender Kaufmann. Er erweiterte das Sortiment und war einer der Pioniere des Radsport: Er gründete den Ulmer Radfahrverein, entwickelte Rad-Zubehör wie Gepäckträger, Pedalbügel, ließ gepresste Fahrradglocken herstellen, (die gegossenen zerbrachen oft). Wolff war Mitglied im Ulmer Gemeinderat 1905 bis 1919. (Info Stadt Ulm: Ratsdemokratie Ulm 5/2006)
1894: Als eines der ersten Geschäftes Ulms bekommt Wolff elektrisches Licht, ca. 20 Mitarbeiter wurden beschäftigt, u.a. mein Großvater, das erklärt auch mein Interesse an der Wolff Firmengeschichte.
1912 hatte Wolff das Geschäft am Kornhausplatz umgebaut und mit einer für den Eisenwarenhandel im In- und Ausland beachteten Neuheit ausgestattet. Eine spezielle Ladeneinrichtung, die zuerst komplett im Keller montiert wurde und dann ins Erdgeschoß eingebaut wurde. Das Besondere waren Schubladen mit Vorbund, der den Inhalt zeigt und das waren im Eisenwarenhandel tausende Artikel, sowie fahrbare Leitern, die jede Stelle der Einrichtung erreichten.
1913/14: Wolff s Ulmer Reformladen, später "Ulmia" Ladeneinrichtung war erfunden und durch Patente und Gebrauchsmuster geschützt. Erste Einrichtungen wurden u.a. geliefert nach Augsburg, Goslar, Reutlingen und Biel /Schweiz.
1914: von 41 Firmenangehörigen wurden 19 zum Militärdienst eingezogen.
1918: Kriegsende, Liebesgaben im Wert von 4738 Reichsmark wurden im Krieg an Firmenangehörige verschickt. Eine neue Entwicklungsphase beginnt. Statt der Stehpulte gibt es jetzt Schreibtische.
1921: wird die Firma in eine GmbH umgewandelt. Mitarbeiter Martin Kolb (Eintritt 1894), Wilhelm Klenk (1902), Eduard Langguth (1908), Jacob Salzmann (1912) und Heinrich Wolff (1918) werden Gesellschafter.
1935: wird in der Bauhoferstraße ein Kontor- und Fabrikationsgebäude im Anschluss an das Großhandels - Lagerhaus erstellt. Die Geschäftsbereiche Verwaltung, Großhandel, Fabrikation und Einzelhandel sind klar gegliedert.
1942: seit Dezember verlagern, wegen mit zunehmender Heftigkeit geführten Luftangriffe, immer mehr Firmen, wie Abt, Ebner, Laumayer, Ulrich und Wolff ihre Geschäftsaustattungen und Waren in nahe gelegene Ortschaften und nahmen dort Gastwirtschaften, Turnhallen, größere Scheuern und Garagen in Beschlag.
1943: am 23. Juli begeht die Firma ihr 100-jähriges Firmenjubiläum mit einem feierlichen Appell und einer Feier abends im Gasthof zum "Goldenen Greifen.
Die 165 Firmenangehörigen mussten für das Essen Lebensmittelmarken abgeben. Der Senior-Chef Albert Heinrich Wolff feierte gleichzeitig seinen 85. Geburtstag.
1944 kamen beim Luftangriff am 17. Dezember auf Ulm 707 Personen ums Leben, 60 % der Wohngebäude wurden zerstört, 25 000 Menschen obdachlos. Große Teile der Wolff-Betriebsgebäude wurden zerstört. Restlos vernichtet mit allen Maschinen und Vorräten wurden die Fabrikabteilung und auch das große Fachgeschäft am Hauptwachplatz, im Frühjahr 1945 wurde das Geschäft am Kornhausplatz von einer Sprengbombe getroffen.
1939: bis nach dem Krieg stand die Firma mit ihren Firmenangehörigen an den Fronten im Osten, Westen, Norden, in Afrika und wo sie überall verstreut waren, in regelmäßiger Verbindung. Die Soldaten und Arbeitsmaiden erhielten regelmäßig Lebensmittel-Päckchen, Rundschreiben, Zeitschriften, auch praktische Dinge, wie Esbitkocher, Taschenmesser, Feuerzeuge usw. Durch diese Kontakte kam es zu regem Briefwechsel. Von 147 Personen Liegen 1447 Feldpostbriefe vor. Ganz wesentlich hat Herr Jacob Salzmann diese Arbeit geleistet und dies, obwohl drei seiner Söhne im Krieg gefallen sind. Weiter sind (nach heutigen Unterlagen) 26 Finnenangehörige gefallen und 7 vermisst. Sämtliche Briefe habe ich unter Mithilfe meiner Frau gelesen und wichtige Passagen herausgeschrieben, es war nicht immer einfach, da die Briefe doch oft unter schwierigsten Bedingungen verfasst wurden. Pro Kriegsjahr stellvertretend sind in der Anlage 7 Briefe zitiert.
1948: noch bis zum 20 Juni gab es das Problem mit dem Warenbezugsrecht. Erst die Währungsumstellung brachte die Möglichkeit mit der Auffüllung des stark zusammengeschmolzenen Warenlagers wieder zu beginnen und vor allem auch wieder Vorräte für die Fabrikabteilung anzulegen. Mit einem Teil-Wiederaufbau wurde begonnen, zunächst mit der zur Herstellung der "Ulmia" Laden- und Lager-Einrichtungen erforderlichen Betriebsräumen, die Nachfrage nach Einrichtungen häuften sich. Das zweite Lagerhaus wurde wieder aufgebaut.
1949: wird am Westplatz eine Filiale eröffnet. Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 8. Mai gegründet.
1950: das Stammhaus am Kornhausplatz wird wieder eröffnet, das Industriegebiet Donautal
wird erschlossen.
1951: das Fabrikgebäude Bauhoferstraße wird wieder aufgebaut. Auf der Kölner Frühjahrsmesse, wird die durch Patent geschützte "Schaubild-Einrichtung" erstmalig präsentiert.
1965: eröffnet Eberhard Reihlen, Geschäftsführender Gesellschafter das neue Geschäftshaus Neue Straße 73, wo die bisherigen Geschäfte, Kornhausplatz/Hafengasse/Eselsberg konzentriert werden.
1968: die Firma besteht 125 Jahre und beschäftigt ca. 300 Mitarbeiter. Tausende In- und Ausländische Fachgeschäfte der Branchen Eisenwaren, Hausrat, Glas und Porzellan arbeiten bis zu diesem Zeitpunkt mit Ladeneinrichtungen des Hauses Wolff. Neue Vertriebswege beschreitet der Handel, in der Einsteinstraße wird ein neues Gemeinschafts-Warenhaus am Stadtrand mit großem Parkplatz eröffnet. (KARGA)
1976: das Geschäft Neue Straße 73 wird geschlossen.
1982: die Erträge und ungünstige Prognosen der Marktsituation zwingen die Firma zur Schließung der Verbrauchermarkt-Abteilungen (Ulm, Friedrichshafen, Memmingen, Vöhringen, Ludwigsburg und Saulgau). Der Großhandel hat somit seine Geschäftsgrundlage verloren und wird ebenfalls 1983 geschlossen.
1985: Strukturwandel und neue Vertriebsformen erfordern keine Spezialisierung im Ladenbau. Baumärkte können mit beliebigen Einrichtungen von Metallbauern ausgestattet werden. Über 50 Mitarbeiter beschäftigt ein Bochumer Geschäftsmann in einer Nachfolge-Firma, dem es aber nur um Abziehen von Kapital ging, was auch in einer Gerichtsverhandlung und Verurteilung geahndet wurde.
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Sonstige Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.