Firmenarchiv Stickerei und Schneiderei Ida Hess (Bestand)
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FA-Hess
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[1931-01-01/2000-12-31]
Laufzeit: 1931 - 2000 Umfang: 7 Verzeichnungseinheiten (0,2 lfm.) Zitierung: StdAMs, Firmenarchiv Stickerei und Schneiderei Ida Hess, Nr. ... Geschichte: Ida Hess wurde am 05. Februar 1905 in Münster geboren. Ihr Vater Heinrich Hess, Packmeister beim Bekleidungsamt VII des Armeekorps in Münster, stammte aus Groß-Bösendorf (Westpreußen), ihre Mutter Anna, geb. Budde war Tochter eines Schneidermeisters aus Dissen. Ida Hess besuchte 8 Jahre die Volksschule und begann am 01. April1922 eine Lehre als Maschinenstickerin bei der im Jahr 1845 gegründeten Firma Jos.Weglage, Münster. Diese beendete sie am 31. März 1925 und blieb anschließend in diesem Betrieb. Inzwischen vollzog sich dort ein Generationswechsel. Dies führte u.a. dazu, dass der neue Inhaber während der wirtschaftlich schweren Zeiten im Jahr 1929 das Interesse am Geschäft verlor und den Betrieb schließen wollte. Ida Hess lich sich aus dem Verwandtenkreis die notwendigen Mittel und übernahm zum 01. Februar 1929 den Betrieb, der sich damals in der Salzstraße 7 über dem Restaurant "Salzrümpchen" befand. Etwa im Jahr 1924 lernte sie Clemens Beiske kennen. Dieser absolvierte gerade seine Lehrzeit bei der Firma Bernhard Kluxen am Prinzipalmarkt, die er am 18. April 1922 begonnen hatte und am 18. April 1925 beendete. Clemens Beiske, geb. am 06. Oktober 1905 war der älteste Sohn des Wildhändlers Caspar Beiske, Münster, Verspoel 4/5 und dessen Ehefrau Agnes, geb. Wüller. Clemens Beiske arbeitete bei der Firma Kluxen noch bis zum 31. August 1925 und wechselte dann als Lagerist und Versandleiter zur Firma Aug. Kolck & Cie, einer Weberei in Coesfeld, wo er bis zum 30. Juni 1935 blieb. Danach trat er in die Firma Ida Hess ein. Im September 1933 verlobten sich Ida Hess und Clemens Beiske und heirateten am 27. August 1934. Im Jahr 1937 konnten sie das Haus Münster, Rothenburg 48 von der Firma Vahlkampf anmieten; Diese hatte dort früher eine Handschuhfabrik betrieben; zwischenzeitlich waren die Geschäftsraume an die Firma Foto-Heinkele vermietet. Gleichzeitig wurde ein Vorkaufsrecht in das Grundbuch eingetragen. In diesem Haus, gegenüber der Sparkassenpassage, befanden sich im Erdgeschoss das Ladenlokal und ein Büroraum, im 1. Obergeschoss die Werkstatträume, in denen bis zu 14 Mitarbeiterinnen tätig waren, darüber in zwei Etagen die Wohnräume der Familie. Zum Kundenkreis gehörten weite Kreise der münsterschen Damenwelt; aus dem Umland brachten die Bauern, besonders in der Zeit vor dem Krieg, ihre handgewebten Leinenstoffe zur Anfertigung von Aussteuern. Der münstersche und münsterlandische Adel, fast alle Schneiderinnen aus Münster, das münstersche Theater, ja auch der Bischof waren Kunden bei Ida Hess. Die aus Münster stammende Schauspielerin Ruth Leuwerick blieb auch nach ihren Weggang aus Münster über viele Jahre eine treue Kundin, ebenso wie die Mitglieder einer Liliput-Zirkustruppe, die bei ihrem ersten Gastspiel in Münster die Arbeit des Betriebes kennen gelernt hatten. Nach Beginn des Krieges wurde Clemens Beiske am 21. Mai 1940 zur Wehr-Ersatz-Inspektion in Münster eingezogen, jedoch wegen einer starken Impfallergie und eines schweren Magenleidens bereits am 30. Juni 1943 wieder ausgemustert. So konnte er in dieser schweren Zeit auch weiterhin den kaufmännischen Teil der Arbeit übernehmen, während Ida Beiske-Hess sich um die Werkstatt kümmerte. Am 14.0ktober 1943 wurde durch den Luftdruck von Sprengbomben, die in das Haus Rothenburg 9 ( Weinhaus ,"Kakadu") schräg gegenüber und auf die Straße gefallen waren, Betrieb und Wohnung stark beschädigt. Am 30. September 1944 erlitt das Haus einen schweren Bombenschaden. Personen kamen nicht zuschaden. Danach ließ Ida Beiske-Hess alle transportablen Maschinen zu Mitarbeitern, die auf dem Land wohnten, auslagern. Am 05. Oktober 1944 wurde das Haus total zerstört. Bei ihrer Schwester, Frau Paula Dönicke, die am 10.09.1944 ihre Wohnung in Münster verloren hatte und am 04. Oktober 1944 in ein Behelfsheim in der Bauernschaft Kontrup bei Ostenfelde im Kreis Warendorf gezogen war, fand sie Unterschlupf. In der Niahe stand ein halbfertiges Gebäude, das wegen der Kriegsereignisse nicht weiter ausgebaut wurde. Hier konnte Ida Beiske einen kleinen Raum abtrennen lassen, in dem sie einige Maschinen aufstellen konnte. Nur unter großen Schwierigkeiten und unter Ausnutzung aller Beziehungen war es ihr möglich, den Transport der Maschinen zu bewerkstelligen. Zum 01. Februar 1945 meldete sie ihr Gewerbe als Reparaturbetrieb dort an. Als die US-Amerikaner Ostern 1945 dort einmarschierten, wollten diese das leerstehende Gebäude besetzen. In harten Verhandlungen mit dem Kommandierenden gelang es Ida Beiske, den von ihr belegten Raum auch weiterhin zu nutzen. Damit hatte sie gleichzeitig einen neuen Kundenkreis erschlossen, der mit Gütern zahlte, die sonst nirgends zu bekommen waren. Am 12.06.1945 beantragte sie beim städtischen Gewerbeamt in Münster den Weiterbetrieb; am 02.08.1945 wurde der Zuzug nach Münster genehmigt und am 07.09,1945 wurde ihr eine Wohnung auf der Wermelingstraße 5 zugewiesen, die sie nach intensiver Suche gefunden hatte. Als im Jahr 1946/47 das Haus Rothenburg 48 wiederaufgebaut werden sollte, konnte sie von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch machen. Im Brotgeschift Freese, das nun dort entstand, richtete sie eine kleine Annahmetheke ein, um an alter Stelle wieder Kontakt mit den Kunden aufzunehmen. Im Jahr 1948 konnte sie dann im Haus Nr. 47 in der 1. Etage einen Raum beziehen, in dem nun auch wieder zwei Mitarbeiter tatig waren. 1952 konnte sie 3 Räume im vorderen Teil des gleichen Hauses anmieten, sodass jetzt Werkstatt, Büro und Ladenlokal wieder getrennt waren. Neben ihrer Schwester, die inzwischen auch wieder in Münster wohnte, arbeiteten jetzt wieder 4 Mitarbeiterinnen an den über den Krieg geretteten Maschinen. Als ihr diese Räume im Jahr 1971 gekündigt wurden , war Ida Beiske-Hess schon im Rentenalter. Dennoch führte sie ihr Geschäft in einem kleinen Raum des Hinterhauses im Erdgeschoss weiter, jetzt nur noch mit Unterstützung durch ihre Schwester und eine Teilzeitkraft. Erst im Alter von 80 Jahren, am 31.07.1987 meldete sie ihr Gewerbe ab und schloss das Geschäft. Sie starb am 27.12.1993. Bestandsgeschichte: Der Zugang erfolgte wahrscheinlich um das Jahr 2000. Die Erschließung wurde im Oktober 2024 vom Archivmitarbeiter und Historiker Tino Towara vorgenommen. Inhalt: Buchhaltung des Handwerkerbetriebs (1932-1987); Berufsverbände - Steuern - Versicherungen (1935-1960, 1987); Darstellung der Firmengeschichte (um 2000) Münster, den 04.11.2024, Tino Towara, M.A.
Vorwort: Laufzeit: 1931 - 2000
Umfang: 7 Verzeichnungseinheiten (0,2 lfm.)
Zitierung: StdAMs, Firmenarchiv Stickerei und Schneiderei Ida Hess, Nr. ...
Geschichte:
Ida Hess wurde am 05. Februar 1905 in Münster geboren. Ihr Vater Heinrich Hess, Packmeister beim Bekleidungsamt VII des Armeekorps in Münster, stammte aus Groß-Bösendorf (Westpreußen), ihre Mutter Anna, geb. Budde war Tochter eines Schneidermeisters aus Dissen. Ida Hess besuchte 8 Jahre die Volksschule und begann am 01. April1922 eine Lehre als Maschinenstickerin bei der im Jahr 1845 gegründeten Firma Jos.Weglage, Münster. Diese beendete sie am 31. März 1925 und blieb anschließend in diesem Betrieb. Inzwischen vollzog sich dort ein Generationswechsel. Dies führte u.a. dazu, dass der neue Inhaber während der wirtschaftlich schweren Zeiten im Jahr 1929 das Interesse am Geschäft verlor und den Betrieb schließen wollte. Ida Hess lich sich aus dem Verwandtenkreis die notwendigen Mittel und
übernahm zum 01. Februar 1929 den Betrieb, der sich damals in der Salzstraße 7 über dem Restaurant "Salzrümpchen" befand.
Etwa im Jahr 1924 lernte sie Clemens Beiske kennen. Dieser absolvierte gerade seine Lehrzeit bei der Firma Bernhard Kluxen am Prinzipalmarkt, die er am 18. April 1922 begonnen hatte und am 18. April 1925 beendete. Clemens Beiske, geb. am 06. Oktober 1905 war der älteste Sohn des Wildhändlers Caspar Beiske, Münster, Verspoel 4/5 und dessen Ehefrau Agnes, geb. Wüller. Clemens Beiske arbeitete bei der Firma Kluxen noch bis zum 31. August 1925 und wechselte dann als Lagerist und Versandleiter zur Firma Aug. Kolck & Cie, einer Weberei in Coesfeld, wo er bis zum 30. Juni 1935 blieb.
Danach trat er in die Firma Ida Hess ein. Im September 1933 verlobten sich Ida Hess und Clemens Beiske und heirateten am 27. August 1934. Im Jahr 1937 konnten sie das Haus Münster, Rothenburg 48 von der Firma Vahlkampf anmieten; Diese hatte dort früher eine Handschuhfabrik betrieben; zwischenzeitlich waren die Geschäftsraume an die Firma Foto-Heinkele vermietet. Gleichzeitig wurde ein Vorkaufsrecht in das Grundbuch eingetragen. In diesem Haus, gegenüber der Sparkassenpassage, befanden sich im Erdgeschoss das Ladenlokal und ein Büroraum, im 1. Obergeschoss die Werkstatträume, in denen bis zu 14 Mitarbeiterinnen tätig waren, darüber in zwei Etagen die Wohnräume der Familie.
Zum Kundenkreis gehörten weite Kreise der münsterschen Damenwelt; aus dem Umland brachten die Bauern, besonders in der Zeit vor dem Krieg, ihre handgewebten Leinenstoffe zur Anfertigung von Aussteuern. Der münstersche und münsterlandische Adel, fast alle Schneiderinnen aus Münster, das münstersche Theater, ja auch der Bischof waren Kunden bei Ida Hess. Die aus Münster stammende Schauspielerin Ruth Leuwerick blieb auch nach ihren Weggang aus Münster über viele Jahre eine treue Kundin, ebenso wie die Mitglieder einer Liliput-Zirkustruppe, die bei ihrem ersten Gastspiel in Münster die Arbeit des Betriebes kennen gelernt hatten.
Nach Beginn des Krieges wurde Clemens Beiske am 21. Mai 1940 zur Wehr-Ersatz-Inspektion in Münster eingezogen, jedoch wegen einer starken Impfallergie und eines schweren Magenleidens bereits am 30. Juni 1943 wieder ausgemustert. So konnte er in dieser schweren Zeit auch weiterhin den kaufmännischen Teil der Arbeit übernehmen, während Ida Beiske-Hess sich um die Werkstatt kümmerte. Am 14.0ktober 1943 wurde durch den Luftdruck von Sprengbomben, die in das Haus Rothenburg 9 ( Weinhaus ,"Kakadu") schräg gegenüber und auf die Straße gefallen waren, Betrieb und Wohnung stark beschädigt. Am 30. September 1944 erlitt das Haus einen schweren Bombenschaden. Personen kamen nicht zuschaden. Danach ließ Ida Beiske-Hess alle transportablen Maschinen zu Mitarbeitern, die auf dem Land wohnten,
auslagern. Am 05. Oktober 1944 wurde das Haus total zerstört.
Bei ihrer Schwester, Frau Paula Dönicke, die am 10.09.1944 ihre Wohnung in Münster verloren hatte und am 04. Oktober 1944 in ein Behelfsheim in der Bauernschaft Kontrup bei Ostenfelde im Kreis Warendorf gezogen war, fand sie Unterschlupf. In der Niahe stand ein halbfertiges Gebäude, das wegen der Kriegsereignisse nicht weiter ausgebaut wurde. Hier konnte Ida Beiske einen kleinen Raum abtrennen lassen, in dem sie einige Maschinen aufstellen konnte. Nur unter großen Schwierigkeiten und unter Ausnutzung aller Beziehungen war es ihr möglich, den Transport der Maschinen zu bewerkstelligen. Zum 01. Februar 1945 meldete sie ihr Gewerbe als Reparaturbetrieb dort an. Als die US-Amerikaner Ostern 1945 dort einmarschierten, wollten diese das leerstehende Gebäude besetzen. In harten Verhandlungen mit dem Kommandierenden gelang es Ida Beiske, den von ihr belegten Raum auch weiterhin zu nutzen. Damit hatte sie gleichzeitig einen neuen Kundenkreis erschlossen, der mit Gütern zahlte, die sonst nirgends zu bekommen waren. Am 12.06.1945 beantragte sie beim städtischen Gewerbeamt in Münster den Weiterbetrieb; am 02.08.1945 wurde der Zuzug nach Münster genehmigt und am 07.09,1945 wurde ihr eine Wohnung auf der Wermelingstraße 5 zugewiesen, die sie nach intensiver Suche gefunden hatte.
Als im Jahr 1946/47 das Haus Rothenburg 48 wiederaufgebaut werden sollte, konnte sie von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch machen. Im Brotgeschift Freese, das nun dort entstand, richtete sie eine kleine Annahmetheke ein, um an alter Stelle wieder Kontakt mit den Kunden aufzunehmen. Im Jahr 1948 konnte sie dann im Haus Nr. 47 in der 1. Etage einen Raum beziehen, in dem nun auch wieder zwei Mitarbeiter tatig waren. 1952 konnte sie 3 Räume im vorderen Teil des gleichen Hauses anmieten, sodass jetzt Werkstatt, Büro und Ladenlokal wieder getrennt waren. Neben ihrer Schwester, die inzwischen auch wieder in Münster wohnte, arbeiteten jetzt wieder 4 Mitarbeiterinnen an den über den Krieg geretteten
Maschinen.
Als ihr diese Räume im Jahr 1971 gekündigt wurden , war Ida Beiske-Hess schon im Rentenalter. Dennoch führte sie ihr Geschäft in einem kleinen Raum des Hinterhauses im Erdgeschoss weiter, jetzt nur noch mit Unterstützung durch ihre Schwester und eine Teilzeitkraft. Erst im Alter von 80 Jahren, am 31.07.1987 meldete sie ihr Gewerbe ab und schloss das Geschäft. Sie starb am 27.12.1993.
Bestandsgeschichte:
Der Zugang erfolgte wahrscheinlich um das Jahr 2000. Die Erschließung wurde im Oktober 2024 vom Archivmitarbeiter und Historiker Tino Towara vorgenommen.
Inhalt:
Buchhaltung des Handwerkerbetriebs (1932-1987); Berufsverbände - Steuern - Versicherungen (1935-1960, 1987); Darstellung der Firmengeschichte (um 2000)
Münster, den 04.11.2024, Tino Towara, M.A.
Vorwort: Laufzeit: 1931 - 2000
Umfang: 7 Verzeichnungseinheiten (0,2 lfm.)
Zitierung: StdAMs, Firmenarchiv Stickerei und Schneiderei Ida Hess, Nr. ...
Geschichte:
Ida Hess wurde am 05. Februar 1905 in Münster geboren. Ihr Vater Heinrich Hess, Packmeister beim Bekleidungsamt VII des Armeekorps in Münster, stammte aus Groß-Bösendorf (Westpreußen), ihre Mutter Anna, geb. Budde war Tochter eines Schneidermeisters aus Dissen. Ida Hess besuchte 8 Jahre die Volksschule und begann am 01. April1922 eine Lehre als Maschinenstickerin bei der im Jahr 1845 gegründeten Firma Jos.Weglage, Münster. Diese beendete sie am 31. März 1925 und blieb anschließend in diesem Betrieb. Inzwischen vollzog sich dort ein Generationswechsel. Dies führte u.a. dazu, dass der neue Inhaber während der wirtschaftlich schweren Zeiten im Jahr 1929 das Interesse am Geschäft verlor und den Betrieb schließen wollte. Ida Hess lich sich aus dem Verwandtenkreis die notwendigen Mittel und
übernahm zum 01. Februar 1929 den Betrieb, der sich damals in der Salzstraße 7 über dem Restaurant "Salzrümpchen" befand.
Etwa im Jahr 1924 lernte sie Clemens Beiske kennen. Dieser absolvierte gerade seine Lehrzeit bei der Firma Bernhard Kluxen am Prinzipalmarkt, die er am 18. April 1922 begonnen hatte und am 18. April 1925 beendete. Clemens Beiske, geb. am 06. Oktober 1905 war der älteste Sohn des Wildhändlers Caspar Beiske, Münster, Verspoel 4/5 und dessen Ehefrau Agnes, geb. Wüller. Clemens Beiske arbeitete bei der Firma Kluxen noch bis zum 31. August 1925 und wechselte dann als Lagerist und Versandleiter zur Firma Aug. Kolck & Cie, einer Weberei in Coesfeld, wo er bis zum 30. Juni 1935 blieb.
Danach trat er in die Firma Ida Hess ein. Im September 1933 verlobten sich Ida Hess und Clemens Beiske und heirateten am 27. August 1934. Im Jahr 1937 konnten sie das Haus Münster, Rothenburg 48 von der Firma Vahlkampf anmieten; Diese hatte dort früher eine Handschuhfabrik betrieben; zwischenzeitlich waren die Geschäftsraume an die Firma Foto-Heinkele vermietet. Gleichzeitig wurde ein Vorkaufsrecht in das Grundbuch eingetragen. In diesem Haus, gegenüber der Sparkassenpassage, befanden sich im Erdgeschoss das Ladenlokal und ein Büroraum, im 1. Obergeschoss die Werkstatträume, in denen bis zu 14 Mitarbeiterinnen tätig waren, darüber in zwei Etagen die Wohnräume der Familie.
Zum Kundenkreis gehörten weite Kreise der münsterschen Damenwelt; aus dem Umland brachten die Bauern, besonders in der Zeit vor dem Krieg, ihre handgewebten Leinenstoffe zur Anfertigung von Aussteuern. Der münstersche und münsterlandische Adel, fast alle Schneiderinnen aus Münster, das münstersche Theater, ja auch der Bischof waren Kunden bei Ida Hess. Die aus Münster stammende Schauspielerin Ruth Leuwerick blieb auch nach ihren Weggang aus Münster über viele Jahre eine treue Kundin, ebenso wie die Mitglieder einer Liliput-Zirkustruppe, die bei ihrem ersten Gastspiel in Münster die Arbeit des Betriebes kennen gelernt hatten.
Nach Beginn des Krieges wurde Clemens Beiske am 21. Mai 1940 zur Wehr-Ersatz-Inspektion in Münster eingezogen, jedoch wegen einer starken Impfallergie und eines schweren Magenleidens bereits am 30. Juni 1943 wieder ausgemustert. So konnte er in dieser schweren Zeit auch weiterhin den kaufmännischen Teil der Arbeit übernehmen, während Ida Beiske-Hess sich um die Werkstatt kümmerte. Am 14.0ktober 1943 wurde durch den Luftdruck von Sprengbomben, die in das Haus Rothenburg 9 ( Weinhaus ,"Kakadu") schräg gegenüber und auf die Straße gefallen waren, Betrieb und Wohnung stark beschädigt. Am 30. September 1944 erlitt das Haus einen schweren Bombenschaden. Personen kamen nicht zuschaden. Danach ließ Ida Beiske-Hess alle transportablen Maschinen zu Mitarbeitern, die auf dem Land wohnten,
auslagern. Am 05. Oktober 1944 wurde das Haus total zerstört.
Bei ihrer Schwester, Frau Paula Dönicke, die am 10.09.1944 ihre Wohnung in Münster verloren hatte und am 04. Oktober 1944 in ein Behelfsheim in der Bauernschaft Kontrup bei Ostenfelde im Kreis Warendorf gezogen war, fand sie Unterschlupf. In der Niahe stand ein halbfertiges Gebäude, das wegen der Kriegsereignisse nicht weiter ausgebaut wurde. Hier konnte Ida Beiske einen kleinen Raum abtrennen lassen, in dem sie einige Maschinen aufstellen konnte. Nur unter großen Schwierigkeiten und unter Ausnutzung aller Beziehungen war es ihr möglich, den Transport der Maschinen zu bewerkstelligen. Zum 01. Februar 1945 meldete sie ihr Gewerbe als Reparaturbetrieb dort an. Als die US-Amerikaner Ostern 1945 dort einmarschierten, wollten diese das leerstehende Gebäude besetzen. In harten Verhandlungen mit dem Kommandierenden gelang es Ida Beiske, den von ihr belegten Raum auch weiterhin zu nutzen. Damit hatte sie gleichzeitig einen neuen Kundenkreis erschlossen, der mit Gütern zahlte, die sonst nirgends zu bekommen waren. Am 12.06.1945 beantragte sie beim städtischen Gewerbeamt in Münster den Weiterbetrieb; am 02.08.1945 wurde der Zuzug nach Münster genehmigt und am 07.09,1945 wurde ihr eine Wohnung auf der Wermelingstraße 5 zugewiesen, die sie nach intensiver Suche gefunden hatte.
Als im Jahr 1946/47 das Haus Rothenburg 48 wiederaufgebaut werden sollte, konnte sie von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch machen. Im Brotgeschift Freese, das nun dort entstand, richtete sie eine kleine Annahmetheke ein, um an alter Stelle wieder Kontakt mit den Kunden aufzunehmen. Im Jahr 1948 konnte sie dann im Haus Nr. 47 in der 1. Etage einen Raum beziehen, in dem nun auch wieder zwei Mitarbeiter tatig waren. 1952 konnte sie 3 Räume im vorderen Teil des gleichen Hauses anmieten, sodass jetzt Werkstatt, Büro und Ladenlokal wieder getrennt waren. Neben ihrer Schwester, die inzwischen auch wieder in Münster wohnte, arbeiteten jetzt wieder 4 Mitarbeiterinnen an den über den Krieg geretteten
Maschinen.
Als ihr diese Räume im Jahr 1971 gekündigt wurden , war Ida Beiske-Hess schon im Rentenalter. Dennoch führte sie ihr Geschäft in einem kleinen Raum des Hinterhauses im Erdgeschoss weiter, jetzt nur noch mit Unterstützung durch ihre Schwester und eine Teilzeitkraft. Erst im Alter von 80 Jahren, am 31.07.1987 meldete sie ihr Gewerbe ab und schloss das Geschäft. Sie starb am 27.12.1993.
Bestandsgeschichte:
Der Zugang erfolgte wahrscheinlich um das Jahr 2000. Die Erschließung wurde im Oktober 2024 vom Archivmitarbeiter und Historiker Tino Towara vorgenommen.
Inhalt:
Buchhaltung des Handwerkerbetriebs (1932-1987); Berufsverbände - Steuern - Versicherungen (1935-1960, 1987); Darstellung der Firmengeschichte (um 2000)
Münster, den 04.11.2024, Tino Towara, M.A.
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.11.2025, 1:59 PM CET