Auf unserer Webseite werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt. Sie können die Website auch ohne diese Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Ich stimme zu“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen. Sie können Ihre Cookie-Einstellungen hier einsehen und ändern.
Archiv für Diakonie und Entwicklung (Archivtektonik) >> Zentrale und übergeordnete Organisationen >> Central-Ausschuss für Innere Mission
1920-1947
Hauptaufgabe des Referats Gesundheitsfürsorge des Central-Ausschusses war die Organisation der bestehenden ev. Kranken- und Pflegeverbände.
Vorwort: Die Umgestaltung des Central-Ausschusses für die innere Mission der deutschen evangelischen Kirche (CA) zu einem Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege nach dem Ersten Weltkrieg führte zu einer deutlichen Ausweitung der Geschäftsstelle, in der sich sieben Abteilungen herausbildeten: 1. die allgemeine Abteilung (Gerhard Füllkrug), die seit 1919 bestehende Abteilung Volksmission, seit 1924 aufgeteilt in 2. die evangelistische Abteilung (Füllkrug) und 3. die apologetische Abteilung (Carl Schweitzer), 4. die Abteilung Wohlfahrts- und Jugenddienst, Diakonie und soziale Fragen (Johannes Steinweg), 5. die Wirtschaftsabteilung (Walter Schlunk), 6. die Abteilung Propagandadienst (Wilhelm Engelmann) und 7. die wissenschaftliche Abteilung (Adolf Stahl).
Um den ständig wachsenden Aufgabenkreis der Abteilung Wohlfahrtspflege besser bewältigen zu können, wählte der CA in seiner Sitzung am 19. März 1924 eine Kommission, die in der folgenden Sitzung am 12. Mai Vorschläge zur Umgestaltung der Abteilung Wohlfahrtspflege machte (ADE, CA 94 Druckprotokolle). Es wurde die Gründung einer selbständigen Wohlfahrtsabteilung mit eigenem Finanzetat beschlossen, die nach Bedarf zu den bereits bestehenden Sonderreferaten weitere Referate bilden konnte. So wurde 1926 unter der Leitung von Hans Harmsen das Referat Gesundheitsfürsorge im CA geschaffen, um vor allem die Organisation der bestehenden evangelischen Kranken- und Pflegeverbände voranzutreiben.
Hans Harmsen
Er wurde am 5. Mai 1899 in Berlin-Charlottenburg geboren und starb am 5. Juli 1989 in Hamburg.
Nachdem er als 16jähriger Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teilgenommen und im Lazarett sein Kriegsabitur abgelegt hatte, studierte er nach Kriegsende zuerst Schiffbau und Nationalökonomie, später Medizin, stark beeinflußt von Alfred Grotjahn, einem führenden Sozialhygieniker. 1924 promovierte er bei ihm mit einer Doktorarbeit über "Die französische Sozialgesetzgebung im Dienste der Bekämpfung des Geburtenrückgangs". Darauf folgte ein Studium der Volkswirtschaft und des Staatsrechts, das er 1926 in Marburg mit einer Arbeit über das Thema "Bevölkerungsprobleme Frankreichs unter besonderer Berücksichtigung des Geburtenrückgangs" (Promotion zum Dr. phil. 1927) abschloß.
Erste berufliche Erfahrungen erwarb er als wissenschaftlicher Mitarbeiter (ab 30. Mai 1925), später als Geschäftsführer der überkonfessionellen "Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung". Daneben war er im Deutschen Schutzbund für das Grenz- und Auslandsdeutschtum tätig. Sein lebenslanges Interesse an der Familienplanung zeigte sich bereits 1926, als er den Verein "Mütterhilfe e.V." gründete und ein Heim für Schwangere aus gehobenen Berufsschichten in Straußberg-Eggersdorf in Brandenburg betrieb.
Berührungspunkte mit der Inneren Mission ergaben sich aus seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des am 16. April 1926 gegründeten Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes, dessen Vorsitzender Pastor Thiel war. Thiel war Vorsitzender des Kaiserswerther Verbandes deutscher Diakonissenmutterhäuser und gleichzeitig auch Referent des Sonderreferates "Kranken- und Pflegeanstalten, Hilfskasse" der Abteilung Wohlfahrtspflege im CA. In der Sitzung des CA am 8. Februar 1927 wurde Harmsen als Mitglied der Wohlfahrtsabteilung bestätigt (ADE, CA 94, Druckprotokolle) und trat offiziell seine Stellung als Referent der Gesundheitsfürsorge am 1. Juli 1927 an. Nach der organisatorischen Zusammenfassung des evangelischen Krankenhauswesen folgte 1928 eine Neuorganisation der Fachgruppe 4 des CA für Gesundheitsfürsorge, Kranken- und Pflegeanstalten, der sich neben dem Deutschen Evangelischen Krankenhausverband auch der Verband der deutschen Krüppelheime der Inneren Mission, die Konferenz der Vorsteher evangelischer Anstalten für Geistesschwache und Epileptiker, der Deutsche Verband evangelischer Erholungsheime und Heilstätten für Kinder und Jugendliche, der Reichsverband evangelischer Altersheime und Siechenstifte, der Verband deutscher evangelischer Irrenseelsorger und die Konferenz evangelischer Krankenhausseelsorger anschlossen. Im Oktober 1928 gründeten die gleichen Verbände den Gesamtverband der deutschen evangelischen Kranken- und Pflegeanstalten, dessen Geschäftsführer ebenfalls Harmsen wurde.
Seine Referententätigkeit schloß auch eine weitreichende publizistische Aufgabe ein. 1928 wurden die "Mitteilungsblätter des deutschen evangelischen Krankenhausverbandes" in ein Organ des Gesamtverbandes umgewandelt und erschienen seit 1928 unter dem Titel "Gesundheitsfürsorge, Zeitschrift der evangelischen Kranken- und Pflegeanstalten". Zur Fortbildung der Schwestern gab Harmsen ab 1930 die Zeitschrift "Dienst am Leben, Blätter zur Fortbildung im Krankendienst und in der Gesundheitsfürsorge" heraus. In diesem Zusammenhang bearbeitete das Referat auch Fragen der Schwesterngesundheit. Des weiteren gehörten zu den Aufgaben des Referats die Einflußnahme auf gesetzgeberische Reformen der Krankenversicherung und der Reichsversicherung, der Unfallverhütung in den Betrieben der freien Wohlfahrtspflege sowie die wirtschaftlichen Belange der Anstalten.
Eine herausragende Rolle nahm Harmsen in der in der Inneren Mission einsetzenden Debatte über Fragen der Eugenik ein, insbesondere im Hinblick auf die Durchsetzung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses und den Kampf gegen die Euthanasie. Die Auseinandersetzungen über diese Themenkreise sind in den Akten der Gesundheitsfürsorge ausführlich dokumentiert. Hier und in der ebenfalls von ihm gegründeten Zeitschrift "Archiv für Bevölkerungspolitik, Sexualethik und Familienkunde" wurde er nicht müde, auf moderne eugenische Erkenntnisse, den die Gesellschaft bedrohenden Geburtenrückgang, auf die Bedeutung erbgesunder Familien etc. hinzuweisen.
Zum 30. September 1937 schied Harmsen aus dem CA aus und trat als ärztlicher technischer Aufsichtsbeamter der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege bei. Sein Nachfolger im Referat wurde Dr. med. Dr. phil. Horst Fichtner. 1939 habilitierte sich Harmsen am Hygienischen Institut der Universität Berlin mit einer Arbeit über "Gesundheitssicherung und Gesundheitsfürsorge für die weiblichen Krankenkräfte". Am Zweiten Weltkrieg nahm er als beratender Hygieniker beim Afrikacorps, in Rußland und auf dem Balkan teil. Nach dem Krieg war er Leiter der Akademie für Staatsmedizin in Hamburg, ordentlicher Professor für Allgemeine Sozialhygiene an der Universität Hamburg und Direktor des Hygienischen Instituts der Freien Hansestadt Hamburg bis zu seiner Emeritierung 1969. 1952 wurde er zum Mitbegründer der International Planned Parenthood Federation (IPPF) und auch von Pro-Familia, die er als erster Präsident viele Jahre lang leitete. 1953 gründete er die Deutsche Akademie für Bevölkerungswissenschaft an der Universität Hamburg, deren Präsident - und seit 1971 Ehrenpräsident - er war.
Die Geschäftsstellen des Referates Gesundheitsfürsorge, des Deutschen Evangelischen Krankenhausverbandes sowie des Gesamtverbandes befanden sich zuerst in dem Haus Berlin, Oranienburger Straße 13/14, in dem auch die Liga der Freien Wohlfahrtspflege ihren Sitz hatte. 1931 wurden sie nach Berlin-Dahlem zum Sitz des CA verlegt. Die Trennung der Akten aus diesen Geschäftsführungen war weder sinnvoll noch möglich, so daß sie im Archiv einen gemeinsamen Bestand bilden (vgl. dazu ADE, CA/G 74). Die Akten wurden erstmals in den 1970er Jahren von Ursula Domke verzeichnet, 1996 von Dr. Michael Häusler neu geordnet und anschließend von Annerose Schwittlinsky nochmals verzeichnet, umgebettet und elektronisch erfaßt. Akten, die erst nach 1945 angelegt worden sind, sind aus dem Bestand entfernt und den Akten des Central-Ausschusses, Geschäftsstelle Berlin (CA/O), zugeordnet worden. Es wurden keine Akten kassiert. Die Akten CA/G 53000/1 - 6 wurden in den Bestand CA unter der Nummer 837/III eingeordnet. Die Akte "Gesamtverband der deutschen ev. Kranken- und Pflegeanstalten" (alte Signatur CA/G 95 II) wurde zum Bestand Deutscher Evangelischer Krankenhausverband gelegt und trägt die Signatur ADE, DEKV 128. Der Bestand ist ADE, CA/G zu zitieren.
Literatur:
Gerhardt, Martin: Ein Jahrhundert Innere Mission. 2 Bände Gütersloh 1948.
Kaiser, Jochen-Christoph: Sozialer Protestantismus im 20. Jahrhundert. Beiträge zur Geschichte der Inneren Mission 1914-1945. München 1989.
Schleiermacher, Sabine: Sozialethik im Spannungsfeld von Sozial- und Rassenhygiene. Der Mediziner Hans Harmsen im Centralausschuß für die Innere Mission. Husum 1998.
Schubnell, Hermann (Hg.): Alte und neue Themen der Bevölkerungswissenschaft. Festschrift für Hans Harmsen. Schriftenreihe des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung Bd. 10, Wiesbaden 1981.
Ebbinhaus, Angelika u.a. (Hg.): Heilen und Vernichten im Mustergau, Hamburg 1984.
Abkürzungen
AEG Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft
AG Aktiengesellschaft
AG Arbeitsgemeinschaft
Bd. Band
CA Central-Ausschuß für die innere Mission der deutschen evangelischen Kirche
CSR Tschechisch-slowakische Republik
DC Deutsche Christen
Deuzag Deutsche Entschuldungs- und Zweckspar-Aktiengesellschaft
Devaheim Deutsche Evangelische Heimstättengesellschaft
DRK Deutsches Rotes Kreuz
dt. deutsch
EREV Evangelischer Reichs-Erziehungsverband
ev. evangelisch
Gestapo Geheime Staatspolizei
Jg. Jahrgang
luth. lutherisch
Nr. Nummer
NS- Nationalsozialistisch-
NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei
NSV Nationalsozialistische Volkswohlfahrt
o.D. ohne Datum
o.V. ohne Verfasser
P. Pastor
Pafim Brandenburgischer Provinzial-Ausschuß für Innere Mission
Pf. Pfarrer
TBC Tuberkulose
u.a. unter anderem
uk unabkömmlich
v.a. vor allem
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgte Person“ meint eine Person, die einen Entschädigungsanspruch für einen Schaden durch NS-Verfolgung geltend machte. Wenn der Antrag nicht von der verfolgten Person selbst, sondern von einer anderen Person gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ angegeben und ihre Beziehung zur verfolgten Person, soweit vorhanden, vermerkt. In den Quellen wird die verfolgte Person mitunter als „Geschädigter“, die antragstellende Person als „Anspruchsberechtigter“ bezeichnet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.