von Reden, Otto (Bestand)
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06.03 Nachlass
Archiv der Lippischen Landeskirche (Archivtektonik) >> Nachlässe, (Handakten)
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben: Otto Jobst Johann Ulrich von Reden wurde am 3. November 1877 in Geldern als einziger Sohn unter vier Töchtern des Paul von Reden und der Stieftochter des Oberst Gustav von Wedel, Gertrud Freiin geb. von Schroetter geboren und wuchs in Düsseldorf auf.
1888 zog die Familie nach Berlin. Otto besuchte das dortige Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, wo er 1895 das Abitur machte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Offizier in einem der ruhmreichen preußischen Regimenter, dem 2. Garde-Regiment zu Fuß.
Er wurde 1897 Unteroffizier und wurde an die Kriegsakademie Hannover versetzt. 1898 erfolgte die Beförderung zum Leutnant. Seinen künstlerischen Neigungen allerdings entsprach dieser Weg nicht unbedingt, und so blieb Otto von Reden innerlich ein suchender Mensch. Er besuchte regelmäßig religiöse Vorträge des Pfarrers Johannes Müller an der Singakademie, der großen Einfluss auf ihn hatte.
1899 erbte sein Vater Paul von Reden das Rittergut Wendlinghausen und zog dorthin. Otto von Reden quittierte auf seinen Wunsch hin den Offiziersdienst und begann eine landwirtschaftliche Lehre. Es folgte eine zweijährige Ausbildung auf dem Rittergut Astfeld und ein drittes Jahr auf der braunschweigischen Domäne Supplingenburg bei Königslutter. Ein Studium in Leipzig und an der Universität München folgte. 1904 brach er jedoch das Studium ab, um seinen gesundheitlich angeschlagenen Vater bei der Bewirtschaftung des Gutes mit viel Elan und auch neuen Methoden zu unterstützen. Die Hochzeit mit Marta Freiin von Werthern fand am 3. März 1903 in Detmold statt. Das junge Paar zog auf das nahe gelegene zu Wendlinghausen gehörige Gut Stumpenhagen, das zu einer Villa umgebaut worden war. Das Rittergut entwickelte sich gut, eine neue Rentabilität war zu spüren, und Otto von Reden genoss höchstes Ansehen. Man schätzte sein Urteilsvermögen und seine geistige Übersicht. Beides brachte ihm etliche Ämter ein.
Nach dem Tod seines Vaters Paul von Reden am 19.12.1913 zog die Familie zurück von Stumpenhagen nach Wendlinghausen. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde Otto von Reden als Reserveoffizier wieder in seinem alten Garderegiment eingesetzt und wurde mehrfach schwer verwundet. Das Gut wurde 1915 verpachtet. Otto von Reden kam als mehrfach schwer verwundeter Offizier nach langen Krankenhaus- und Kuraufenthalten nach Hause zurück.
Er betätigte sich zunächst politisch und war mit beteiligt an der Gründung der DNVP. Er merkte aber bald, dass dieses Engagement ihm, der sein Leben fortan nur dem Wort Gottes widmen wollte, nicht entsprach. Er widmete sich als Ortsvorsteher des Gutes sozialen Aufgaben, wurde Mitglied im Schulvorstand, im Vorstand des Johanniterordens etc. Was er suchte, war aber eine aktive Mitarbeit in der Kirche. Er knüpfte Verbindungen zu Theologen, insbesondere zu Pastor Tölle, der auch Leiter der sogenannten Lemgoer Brüderkonferenz war, einer losen Vereinigung von Pfarrern und Laien. Von diesem Kreis wurden ab 1922 Gemeinschaftsbibelstunden eingerichtet. Hier fand Otto von Reden auch die Möglichkeit zur Mitarbeit, ein erster Schritt zur Gründung des Lippischen Gemeinschaftsbundes 1924, dessen 1. Vorsitzender er wurde. 1925 erfolgte der Zusammenschluss mit der Lemgoer Brüderkonferenz.
Um die enge Bindung an die Landeskirche deutlich zu machen, wurde in der gemeinsamen Satzung der Begriff „Christliche Gemeinschaft“ durch „Landeskirchliche Gemeinschaft“ ersetzt. Der Bund sah sich nicht als der Kirche unterstellt an, sondern fühlte sich unabhängig von ihr, war aber bereit, mit ihr zusammen zu arbeiten.
Die Arbeit des Gemeinschaftsbundes war vielfältig: von missionarischen Aktivitäten (u.a. Zieglermission) bis hin zu Bibelkursen, Konferenzen, Brüdertagen sowie zur Tätigkeit von Gemeinschaftsschwestern und Gründung des Kinderheims Wiembeck im Jahre 1925.
Durch seine Mitgliedschaft im Vorstand des Gnadauer Verbandes knüpfte Otto von Reden vielfältige Verbindungen. Er wurde ein viel gefragter Evangelist und sprach in ganz Deutschland. 1936 wurde er sowohl in den Vorstand der Tersteegensruh-Konferenz berufen als auch in das leitende Gremium des Schriftenmissionsverlages Gladbeck.
In der Zeit von 1933 – 1945 machte er aus seiner Abneigung gegen die Deutschen Christen keinen Hehl. Die Barmer Theologische Erklärung empfand er als eine wegweisende Hilfe und empfahl dem Gemeinschaftsbund und dem Jugendbund, sich auf keinen Fall auf die Deutschen Christen einzulassen, sondern die Erklärung der Bekennenden Kirche „Unter dem Wort“ zu unterschreiben.
Bibellager und Jugendfreizeiten sowie Schülerbibelkreise fanden auf Gut Wendlinghausen statt und erregten den Unmut staatlicher Stellen. Die Gestapo stattete dem Schloss regelmäßige Besuche ab, die Vorträge Otto von Redens wurden bespitzelt und seine Post kontrolliert. Es begannen Verhöre durch die Gestapo und schließlich wurde ihm ein Redeverbot auferlegt.
In seinen Rundbriefen behandelte Otto von Reden seit 1942 fortlaufend biblische Texte in Form von Andachten. Im Juli 1946 erschien die 1. Folge seiner „Täglichen Andachten“ in 5000 Exemplaren, gefolgt von der Schriftenreihe „Hilfe für Bibelleser“ im Jahre 1948.
Nach Beendigung des Krieges wurden u.a. zwei für die Jugendarbeit der Landeskirche wichtige Beschlüsse auf Vorschlag Otto von Redens gefasst: die Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft Lippischer Verbände innerhalb der Landeskirche“ und einer „Jugendkammer“. Beide waren für die Entwicklung der Jugendarbeit in Lippe von nicht unerheblicher Bedeutung.
Evangelische Wochen fanden unter seiner Federführung in der Zeit von 1951 bis 1958 statt. Namhafte Referenten aus ganz Deutschland nahmen daran teil.
Otto von Reden starb am 6. Dezember 1962.
Teile des schriftlichen Nachlasses Otto von Redens wurden auf Betreiben seines Enkels Heiko von Houwald im Oktober 1998 an das Archiv der Lippischen Landeskirche übergeben, wo sie geordnet und verzeichnet wurden.
Das Findbuch enthält außerdem eine Abhandlung über den Lippischen Gemeinschaftsbund von Erich Kindsvater sowie ein Verzeichnis der auch im Archiv der Lippischen Landeskirche befindlichen Akten des 1987 aufgelösten Kinderheims Wiembeck sowie eine Stellungnahme Heiko von Houwalds zum Nachlass seines Großvaters Otto von Reden vom Juni 1996.
Detmold, 1996/97
Maja Schneider
1888 zog die Familie nach Berlin. Otto besuchte das dortige Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, wo er 1895 das Abitur machte. Er absolvierte eine Ausbildung zum Offizier in einem der ruhmreichen preußischen Regimenter, dem 2. Garde-Regiment zu Fuß.
Er wurde 1897 Unteroffizier und wurde an die Kriegsakademie Hannover versetzt. 1898 erfolgte die Beförderung zum Leutnant. Seinen künstlerischen Neigungen allerdings entsprach dieser Weg nicht unbedingt, und so blieb Otto von Reden innerlich ein suchender Mensch. Er besuchte regelmäßig religiöse Vorträge des Pfarrers Johannes Müller an der Singakademie, der großen Einfluss auf ihn hatte.
1899 erbte sein Vater Paul von Reden das Rittergut Wendlinghausen und zog dorthin. Otto von Reden quittierte auf seinen Wunsch hin den Offiziersdienst und begann eine landwirtschaftliche Lehre. Es folgte eine zweijährige Ausbildung auf dem Rittergut Astfeld und ein drittes Jahr auf der braunschweigischen Domäne Supplingenburg bei Königslutter. Ein Studium in Leipzig und an der Universität München folgte. 1904 brach er jedoch das Studium ab, um seinen gesundheitlich angeschlagenen Vater bei der Bewirtschaftung des Gutes mit viel Elan und auch neuen Methoden zu unterstützen. Die Hochzeit mit Marta Freiin von Werthern fand am 3. März 1903 in Detmold statt. Das junge Paar zog auf das nahe gelegene zu Wendlinghausen gehörige Gut Stumpenhagen, das zu einer Villa umgebaut worden war. Das Rittergut entwickelte sich gut, eine neue Rentabilität war zu spüren, und Otto von Reden genoss höchstes Ansehen. Man schätzte sein Urteilsvermögen und seine geistige Übersicht. Beides brachte ihm etliche Ämter ein.
Nach dem Tod seines Vaters Paul von Reden am 19.12.1913 zog die Familie zurück von Stumpenhagen nach Wendlinghausen. Nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde Otto von Reden als Reserveoffizier wieder in seinem alten Garderegiment eingesetzt und wurde mehrfach schwer verwundet. Das Gut wurde 1915 verpachtet. Otto von Reden kam als mehrfach schwer verwundeter Offizier nach langen Krankenhaus- und Kuraufenthalten nach Hause zurück.
Er betätigte sich zunächst politisch und war mit beteiligt an der Gründung der DNVP. Er merkte aber bald, dass dieses Engagement ihm, der sein Leben fortan nur dem Wort Gottes widmen wollte, nicht entsprach. Er widmete sich als Ortsvorsteher des Gutes sozialen Aufgaben, wurde Mitglied im Schulvorstand, im Vorstand des Johanniterordens etc. Was er suchte, war aber eine aktive Mitarbeit in der Kirche. Er knüpfte Verbindungen zu Theologen, insbesondere zu Pastor Tölle, der auch Leiter der sogenannten Lemgoer Brüderkonferenz war, einer losen Vereinigung von Pfarrern und Laien. Von diesem Kreis wurden ab 1922 Gemeinschaftsbibelstunden eingerichtet. Hier fand Otto von Reden auch die Möglichkeit zur Mitarbeit, ein erster Schritt zur Gründung des Lippischen Gemeinschaftsbundes 1924, dessen 1. Vorsitzender er wurde. 1925 erfolgte der Zusammenschluss mit der Lemgoer Brüderkonferenz.
Um die enge Bindung an die Landeskirche deutlich zu machen, wurde in der gemeinsamen Satzung der Begriff „Christliche Gemeinschaft“ durch „Landeskirchliche Gemeinschaft“ ersetzt. Der Bund sah sich nicht als der Kirche unterstellt an, sondern fühlte sich unabhängig von ihr, war aber bereit, mit ihr zusammen zu arbeiten.
Die Arbeit des Gemeinschaftsbundes war vielfältig: von missionarischen Aktivitäten (u.a. Zieglermission) bis hin zu Bibelkursen, Konferenzen, Brüdertagen sowie zur Tätigkeit von Gemeinschaftsschwestern und Gründung des Kinderheims Wiembeck im Jahre 1925.
Durch seine Mitgliedschaft im Vorstand des Gnadauer Verbandes knüpfte Otto von Reden vielfältige Verbindungen. Er wurde ein viel gefragter Evangelist und sprach in ganz Deutschland. 1936 wurde er sowohl in den Vorstand der Tersteegensruh-Konferenz berufen als auch in das leitende Gremium des Schriftenmissionsverlages Gladbeck.
In der Zeit von 1933 – 1945 machte er aus seiner Abneigung gegen die Deutschen Christen keinen Hehl. Die Barmer Theologische Erklärung empfand er als eine wegweisende Hilfe und empfahl dem Gemeinschaftsbund und dem Jugendbund, sich auf keinen Fall auf die Deutschen Christen einzulassen, sondern die Erklärung der Bekennenden Kirche „Unter dem Wort“ zu unterschreiben.
Bibellager und Jugendfreizeiten sowie Schülerbibelkreise fanden auf Gut Wendlinghausen statt und erregten den Unmut staatlicher Stellen. Die Gestapo stattete dem Schloss regelmäßige Besuche ab, die Vorträge Otto von Redens wurden bespitzelt und seine Post kontrolliert. Es begannen Verhöre durch die Gestapo und schließlich wurde ihm ein Redeverbot auferlegt.
In seinen Rundbriefen behandelte Otto von Reden seit 1942 fortlaufend biblische Texte in Form von Andachten. Im Juli 1946 erschien die 1. Folge seiner „Täglichen Andachten“ in 5000 Exemplaren, gefolgt von der Schriftenreihe „Hilfe für Bibelleser“ im Jahre 1948.
Nach Beendigung des Krieges wurden u.a. zwei für die Jugendarbeit der Landeskirche wichtige Beschlüsse auf Vorschlag Otto von Redens gefasst: die Gründung einer „Arbeitsgemeinschaft Lippischer Verbände innerhalb der Landeskirche“ und einer „Jugendkammer“. Beide waren für die Entwicklung der Jugendarbeit in Lippe von nicht unerheblicher Bedeutung.
Evangelische Wochen fanden unter seiner Federführung in der Zeit von 1951 bis 1958 statt. Namhafte Referenten aus ganz Deutschland nahmen daran teil.
Otto von Reden starb am 6. Dezember 1962.
Teile des schriftlichen Nachlasses Otto von Redens wurden auf Betreiben seines Enkels Heiko von Houwald im Oktober 1998 an das Archiv der Lippischen Landeskirche übergeben, wo sie geordnet und verzeichnet wurden.
Das Findbuch enthält außerdem eine Abhandlung über den Lippischen Gemeinschaftsbund von Erich Kindsvater sowie ein Verzeichnis der auch im Archiv der Lippischen Landeskirche befindlichen Akten des 1987 aufgelösten Kinderheims Wiembeck sowie eine Stellungnahme Heiko von Houwalds zum Nachlass seines Großvaters Otto von Reden vom Juni 1996.
Detmold, 1996/97
Maja Schneider
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.11.2025, 1:59 PM CET