[S 1] 10 Freie Turnerschaft Lemgo (Fotobestand) (Bestand)
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10 V 55
Stadtarchiv Lemgo (Archivtektonik) >> Private Organisationen, Vereine und Parteien
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben: Zu den Inhalten des Bestandes - siehe linke Seite.
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben: Geschichte
1865 gründete sich in Lemgo der Turnverein Lemgo. Die Sozialdemokratie wollte daneben nach der Jahrhundertwende einen eigenen Arbeitersportverein gründen. Dazu wurde am im Oktober 1906 eine Anzeige in der Lippischen Post geschaltet, die zur Gründungsversammlung eines Arbeiterturnvereins einlud. Am 10. Oktober 1906 kam es zu der besagten Versammlung, auf der Clemens Becker ein einleitendes Referat über "Zweck und Nutzen eines Arbeiterturnvereins" hielt. 30 Gründungmitglieder sind festgehalten.
Bei der ersten Mitgliederversammlung wurden die wöchentlichen Turnstunden auf Dienstags und Freitags festgelegt. Außerdem wurde als Termin für die Gründungsfeier der 10. Februar 1907 gewählt. Das Programm sah ein Konzert, ein Schauturnen mit der Beteiligung einiger Bielefelder Arbeiterturner, eine Theateraufführung und einen Festball am Abend vor.
Der preußische Staat gab den Arbeitersportvereinen enge Rahmenbedingungen vor. So durfte kein Jugendlicher unter 18 Jahren in "politischen" Vereinen Mitglied sein. So musste sich auch die Freie Turnerschaft Lemgo mit den Repressalien arrangieren und sich unauffällig verhalten, um eine Jugendarbeit gewährleisten zu können.
1910 richtete die Freie Turnerschaft das 13. Bezirksturnfest des Arbeiter-Turnerbundes aus. Neben den sportlichen Wettkämpfen wurde auch ein großer Umzug abgehalten, der mit einer Festrede von Clemens Becker gekrönt wurde.
1912 sind bei den Mitgliedermeldungen des Vereins an den Arbeiter-Turnerbund zum ersten Mal auch 6 Mitgliederinnen verzeichnet. Im Jahr 1920 wurde in der Freien Turnerschaft eine eigene Abteilung für Fußball eingerichtet, die unter dem Namen Spielverein 1920 Lemgo firmierte.
In den 1920er Jahren hatte die Freie Turnerschaft regen Anteil an der Arbeit des Arbeiter-Turn- und Sportbundes (vormals Arbeiter-Turnerbund) und stellte mit Karl Wöhler als Frauenturnwart und Karl Hoffmann als Turnspielwart zwei wichtige Funktionsträger. Der Verein war 1923 unter den lippischen Arbeitersportvereinen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes mit 213 aktiven Mitgliedern der zweitgrößte.
Im März 1933 wird die rechtliche Basis für die Auflösung von Vereinen wegen "marxistischer Betätigung" geschaffen. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund versuchte sich noch mit einer Neutralitätserklärung zu retten, was aber vergeblich war. Am 11. April 1933 werden alle Arbeiter-Turn- und Sportvereine verboten.
Wie genau das Ende der Freien Turnerschaft Lemgo kam, ist leider nicht mehr exakt zu ermitteln. Über den Verbleib der Arbeitersportler des Vereins ist ebenfalls nicht viel zu erfahren. Einige wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt, während andere den Repressionen entgingen und teilweise sogar in die "bürgerlichen" Sportvereine wechselten.
Inhalt und Überlieferung
Der Bestand besteht aus 37 Dias zur Freien Turnerschaft. Weiterhin befindet sich unter V55/38 eine Mappe mit Informationen zu jedem einzelnen Dia, zusammengestellt von Rolf Schwegmann.
Die Dias wurden dem Stadtarchiv von Rolf Schwegmann übereignet (Zugangsnummer 2013/002).
Literatur
Rolf Schwegmann: Freie Turnerschaft Lemgo 1906-1933. Ein fast vergessenes Kapitel Stadtgeschichte, 1991 (Bib.Sign. 2973).
Hartl, März 2015.
Verwaltungsgeschichte/biographische Angaben: Geschichte
1865 gründete sich in Lemgo der Turnverein Lemgo. Die Sozialdemokratie wollte daneben nach der Jahrhundertwende einen eigenen Arbeitersportverein gründen. Dazu wurde am im Oktober 1906 eine Anzeige in der Lippischen Post geschaltet, die zur Gründungsversammlung eines Arbeiterturnvereins einlud. Am 10. Oktober 1906 kam es zu der besagten Versammlung, auf der Clemens Becker ein einleitendes Referat über "Zweck und Nutzen eines Arbeiterturnvereins" hielt. 30 Gründungmitglieder sind festgehalten.
Bei der ersten Mitgliederversammlung wurden die wöchentlichen Turnstunden auf Dienstags und Freitags festgelegt. Außerdem wurde als Termin für die Gründungsfeier der 10. Februar 1907 gewählt. Das Programm sah ein Konzert, ein Schauturnen mit der Beteiligung einiger Bielefelder Arbeiterturner, eine Theateraufführung und einen Festball am Abend vor.
Der preußische Staat gab den Arbeitersportvereinen enge Rahmenbedingungen vor. So durfte kein Jugendlicher unter 18 Jahren in "politischen" Vereinen Mitglied sein. So musste sich auch die Freie Turnerschaft Lemgo mit den Repressalien arrangieren und sich unauffällig verhalten, um eine Jugendarbeit gewährleisten zu können.
1910 richtete die Freie Turnerschaft das 13. Bezirksturnfest des Arbeiter-Turnerbundes aus. Neben den sportlichen Wettkämpfen wurde auch ein großer Umzug abgehalten, der mit einer Festrede von Clemens Becker gekrönt wurde.
1912 sind bei den Mitgliedermeldungen des Vereins an den Arbeiter-Turnerbund zum ersten Mal auch 6 Mitgliederinnen verzeichnet. Im Jahr 1920 wurde in der Freien Turnerschaft eine eigene Abteilung für Fußball eingerichtet, die unter dem Namen Spielverein 1920 Lemgo firmierte.
In den 1920er Jahren hatte die Freie Turnerschaft regen Anteil an der Arbeit des Arbeiter-Turn- und Sportbundes (vormals Arbeiter-Turnerbund) und stellte mit Karl Wöhler als Frauenturnwart und Karl Hoffmann als Turnspielwart zwei wichtige Funktionsträger. Der Verein war 1923 unter den lippischen Arbeitersportvereinen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes mit 213 aktiven Mitgliedern der zweitgrößte.
Im März 1933 wird die rechtliche Basis für die Auflösung von Vereinen wegen "marxistischer Betätigung" geschaffen. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund versuchte sich noch mit einer Neutralitätserklärung zu retten, was aber vergeblich war. Am 11. April 1933 werden alle Arbeiter-Turn- und Sportvereine verboten.
Wie genau das Ende der Freien Turnerschaft Lemgo kam, ist leider nicht mehr exakt zu ermitteln. Über den Verbleib der Arbeitersportler des Vereins ist ebenfalls nicht viel zu erfahren. Einige wurden verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt, während andere den Repressionen entgingen und teilweise sogar in die "bürgerlichen" Sportvereine wechselten.
Inhalt und Überlieferung
Der Bestand besteht aus 37 Dias zur Freien Turnerschaft. Weiterhin befindet sich unter V55/38 eine Mappe mit Informationen zu jedem einzelnen Dia, zusammengestellt von Rolf Schwegmann.
Die Dias wurden dem Stadtarchiv von Rolf Schwegmann übereignet (Zugangsnummer 2013/002).
Literatur
Rolf Schwegmann: Freie Turnerschaft Lemgo 1906-1933. Ein fast vergessenes Kapitel Stadtgeschichte, 1991 (Bib.Sign. 2973).
Hartl, März 2015.
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ