Nachlass Erwin Stahl MdB (Bestand)
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N 27
Kreisarchiv Viersen (Archivtektonik) >> N Nachlässe und Privatsammlungen
1972-1990
1. Übernahme des Nachlasses und Hinweise zur BenutzungDer Nachlass des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Erwin Stahl aus Kempen wurde als Depositum in drei Schritten an das Kreisarchiv abgegeben. Zunächst übergab er 1982 seine Ernennungs- und Entlass-Urkunden zu seinem Amt als Parlamentarischer Staatssekretär. Dann folgten im Jahre 1985 die Akten aus der Zeit im Bundestag von 1972 bis 1982 und zu Beginn der 1990er Jahre, nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag im Jahre 1990, folgte der Rest.Bei der Verzeichnung wurde die vorgefundene Ordnung weitestgehend übernommen, da es angesichts der Menge der Akten weder ratsam noch möglich erschien, diese komplett neu zu sortieren. Für eine bessere Orientierung innerhalb dieser Ordnung sollen die folgenden Hinweise dienen.Ein wesentlicher Anteil des Nachlasses bildet die Korrespondenz. In Stahls Büro wurden über alle Jahre hinweg „Schriftwechsel“-Ordner geführt. Diese finden sich unter dem entsprechenden Klassifikationspunkt. Darüber hinaus enthielt aber nahezu jeder weitere Ordner Schriftverkehr mit Korrespondenzpartnern, die für das entsprechende Thema von Bedeutung waren. Daraus ergeben sich Verflechtungen zwischen den einzelnen Verzeichnungseinheiten innerhalb der unterschiedlichen Klassifikationsunkte. So wurden zu besonderen Themenkomplexen eigene Ordner angelegt, in denen wichtige Unterlagen enthalten waren, beispielsweise Nr. 393 „Elektrochemische Fabrik“. Jedoch gibt es zu diesen Themen verstreut im gesamten Nachlass und über einen langen Zeitraum weitere Schriftstücke. Dieses Phänomen zieht sich durch den gesamten Nachlass. So sind auch Pressemitteilungen oder Reden nicht ausschließlich unter dem entsprechenden Klassifikationspunkt zu finden. Sämtliche Abkürzungen wurden, sofern möglich, aufgelöst, wobei die Abkürzung selbst auch mit aufgenommen wurde. Bei der Suche kann deshalb zum Beispiel sowohl nach Industrie- und Handelskammer als auch nach IHK gesucht werden. Lediglich bei den beiden am häufigsten vorkommenden Abkürzungen MdL (Mitglied des Landtages) und MdB (Mitglied des Bundestages) sowie bei den Abkürzungen der Parteien des Deutschen Bundestages wurde auf die Auflösung verzichtet. Nur bei sehr wenigen Verzeichnungseinheiten wurde jedes einzelne Schriftstück aufgelistet. Dies geschah unter anderem beim Schriftwechsel bei den Jahren 1976 und 1986, so dass sich hier Vergleiche ziehen lassen. Nicht jedes Schriftstück im Nachlass Stahl erwies sich als archivwürdig, redundant überlieferte Unterlagen wurden kassiert.Davon abgesehen sei darauf hingewiesen, dass der Nachlass Stahl einige Überlieferungslücken aufweist. 2. Zur PersonErwin Stahl, geboren am 25.06.1931 in Polen, gestorben 07.08.2019 in Kempen-Tönisberg, lebte nach Kriegsgefangenschaft und Vertreibung aus Polen seit 1949 in Mühlheim im Ruhrgebiet, wo er den Beruf des Bergmanns ergriff. Vom einfachen „Knappen“ bildete er sich fort zum Steiger, Bergingenieur und letztlich zum Diplom-Ingenieur. Krankheitsbedingt wechselte er 1967 von Untertage in die Verwaltung bei der Zeche Niederrhein in Neukirchen-Vluyn, wo er bereits seit 1955 gearbeitet hatte. Mit seiner Familie bezog er zu Beginn der 1960er Jahre ein Reihenhaus in Tönisberg innerhalb einer von der Zeche Niederrhein errichteten Bergarbeitersiedlung, der Wartsbergsiedlung.Erwin Stahl wurde laut eigener Aussage 1964 Mitglied der SPD, um die Ostpolitik Willy Brandts zu unterstützen. Von 1966 bis 1968 war er Vorsitzender des Ortsvereins Tönisberg, 1968 bis 1970 stellvertretender Vorsitzender des Unterbezirks Kempen, von 1970 bis 1986 Vorsitzender des Unterbezirks Kempen, der seit der kommunalen Neugliederung 1975 Unterbezirk Viersen heißt und deckungsgleich mit dem heutigen Kreis Viersen ist.Von 1970 bis 1975 war er Ratsmitglied und stellvertretender Bürgermeister der Kreisstadt Kempen. Außerdem gehörte er von 1984 bis 1990 dem Kreistag an, seit 1989 war er dort SPD-Fraktionsvorsitzender.Entscheidend für Stahls weitere politische Karriere innerhalb der SPD war seine Wahl in den Bezirksvorstand des SPD-Bezirks Niederrhein im Jahr 1969. Dort konnte er wichtige Kontakte knüpfen, die ihm zu einem guten Listenplatz für die Bundestagswahl verhalfen. Bei keiner der Bundestagswahlen konnte Stahl das Direktmandat in seinem Wahlkreis erlangen. Er gehörte dem Deutschen Bundestag von 1972 bis 1990 an, wo er ab 1974 Obmann im Ausschuss für Forschung und Technologie war. Dies bot ihm eine gute Vorbereitung für die Aufgabe als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung und Technologie, die er von 1978 bis 1982 wahrnahm. Von 1986 - 1990 war er dann Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit sowie ab 1986 in der Begleitkommission Ausstieg aus der Kernenergie, auch Klose-Kommission genannt. Zudem war er mehrmals in den Verwaltungsrat des Deutschen Atomforums gewählt worden, zuletzt 1987. Von den zahlreichen weiteren Gruppierungen, in denen Stahl Mitglied war, sei hier nur noch die Deutsch-Polnische Parlamentariergruppe erwähnt.Nach dem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag widmete er sich dem Wiederaufbau Ostdeutschlands, wo er als Direktor für Personal und Soziales bei dem Energieunternehmen ESPAG (Energiewerke Schwarze Pumpe AG) in Schwarze Pumpe bei Hoyerswerda tätig war. 1985 erhielt Erwin Stahl von Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.Die vorliegende Verzeichnung erfolgte im Jahr 2023 durch Annegret Hols.
Stahl, Erwin
97 Kartons (97 KÄ; Fotos im Fotosammelkarton für die N-Bestände)
Bestand
Amtsblatt für den Kreis Kempen-Krefeld 1970, S. 257, Stadt- und Gemeinderäte.
Amtsblatt des Kreises Viersen, Nr. 34, 18,10.1984, S. 664; Amtsblatt des Kreises Viersen, Nr. 30, 19.10.1989, S. 621.
Westdeutsche Zeitung vom 29.06.1985, Erst in 30 Jahren dürfen die Historiker ran. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Erwin Stahl übergab jetzt seine Akten an das Kreisarchiv.
Rheinische Post vom 29.12.1982, Noch gar nicht gelesen. Stahls Ernennungs- und Entlassungsurkunde im Archiv.
Rheinische Post vom 29.06.1985, Hundert Meter Akten.
Erwin Stahl, Aus meinem Leben, hersg. v. Jörg Stahl, erschienen im Selbstverlag, Kempen ohne Jahr [2015]
Margret Vieregge, Erwin Stahl – vom Bergmann zum Politiker, in: Tönisberger Heimatblätter 2016, S. 31-33.
Eintrag "Erwin Stahl" aus Munzinger Online/Personen, URL: https://online.munzinger.de/document/00000015244 (abgerufen von Stadtbibliothek Viersen am 28.2.2024)
Amtsblatt des Kreises Viersen, Nr. 34, 18,10.1984, S. 664; Amtsblatt des Kreises Viersen, Nr. 30, 19.10.1989, S. 621.
Westdeutsche Zeitung vom 29.06.1985, Erst in 30 Jahren dürfen die Historiker ran. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Erwin Stahl übergab jetzt seine Akten an das Kreisarchiv.
Rheinische Post vom 29.12.1982, Noch gar nicht gelesen. Stahls Ernennungs- und Entlassungsurkunde im Archiv.
Rheinische Post vom 29.06.1985, Hundert Meter Akten.
Erwin Stahl, Aus meinem Leben, hersg. v. Jörg Stahl, erschienen im Selbstverlag, Kempen ohne Jahr [2015]
Margret Vieregge, Erwin Stahl – vom Bergmann zum Politiker, in: Tönisberger Heimatblätter 2016, S. 31-33.
Eintrag "Erwin Stahl" aus Munzinger Online/Personen, URL: https://online.munzinger.de/document/00000015244 (abgerufen von Stadtbibliothek Viersen am 28.2.2024)
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ