Autographensammlung van Endert/Engelmann, HHI.2016.G.1001.288
HHI.SLG van Endert/Engelmann Autographensammlung van Endert/Engelmann
Autographensammlung van Endert/Engelmann >> Archivalie – Korrespondenz
1836
Transkription:
Berlin Thiergartenstraße
No 23 1836
mit Frl. von Humboldt soll ich Ihnen, liebe Freundin,
schreiben? Diese vermuthe ich Einwohnerin im
großen Garten u gar nicht mehr in Berl, ich
hörte wenigstens daß sie schon fort sei – Abschied
hat sie übrigens nicht von mir genommen, ich wünschte
aber denoch daß es ihr recht, recht wohl gehn möge.
Diese Zeilen erhalten Sie durch Frl. Lüder die mit
ihrer mutter ein Paar monate in Dresden zu
bringen wird – sie ist eine feine, artige, gebildete
Person, die mutter sie anerkennend, artig u einfach,
was auch die Tochter ist – Viele Jahre habe ich in ihrem
Hause, in der neuen Fried-straße gewohnt, freilich ehe
die Tochter geboren war schon, wir sind aber immer
freundlich zu einander - seien Sie, liebe, es auch gegen
sie – wie es eben geht.
–
Wir sind d. 7t mai hierher gezogen weil – wir in
schönem Wetter eingepackt hatten u nun uns vom
schlechten nicht wollten dahin bringen laßen, zum Theil,
wieder aus zu pakken, wir haben daher 3 Wochen in
geheizten Zimmern gewohnt, doch aber jeden Tag im
u. unter dem neuen Grün spazieren gegangen u
seit 8 Tagen ist es quasi Sommer, noch nicht recht.
Hanne ist wohl ich beßer, doch sehr leicht vergippst
und es ist die Hoffnung die ich fast ganz verloren
hatte wieder zu genesen, zum Theil wieder in mir
aufgegangen – qui vivra verra – Besucht
werde ich hier recht viel, was mir viele Freu
de macht wenn es nicht am Vormittag geschieht –
was, da ich so à partè der Stadt bin nur zu
oft geschieht – Gestern war auch Conticini den mor
gen hier, u zwar zum ersten male, der aimable
Dusell hatte meine adreße verloren – u
mich nun ausfragen müßen, dafür hat er mir aber
auch ein Buch mit gebracht -
Die Schleiermacher hat Rom sehr glüklich
erreicht u. eine bewundrenswürdige ange
nehme u von allen Seiten begünstigte Reise
gehabt. sogar hat sie auf angenehme Weise
in Radicofane ein 5tägige Quàrantai
ne gehalten – muth thut gar viel: haben Sie
u ich ihn ja auch gehabt u es ist uns gut ge
gangen.
meinen Freund Weigel bitte ich zu grüßen,
schreiben kann ich ihm Heute nicht werde es aber
bald thun – Wo geht er denn hin? Der Brief wird
ihm wol von den Seinigen nachgeschikt werden,
wo er auch sei.
grüßen Sie die Seidelmann herzlich von mir
u den guten artmanne –
Schweigen Sie nicht wieder so lang u bleiben
Sie mir fein treu u gut.
Meine Schwester grüßt allerfreundlichst,
Ihre H. Herz.
Bertha Goldschmidt ist sehr glüklich – sie war
mit dem manne bei mir –
–
uber mein nicht in Dresden leben schweige ich,
trauen Sie mir aber so viel Tact u Wißen zu
daß ich weiß was ich davon hätte, glauben
Sie mir aber auch daß es rein unmöglich ist
daß es geschehe.
Berlin Thiergartenstraße
No 23 1836
mit Frl. von Humboldt soll ich Ihnen, liebe Freundin,
schreiben? Diese vermuthe ich Einwohnerin im
großen Garten u gar nicht mehr in Berl, ich
hörte wenigstens daß sie schon fort sei – Abschied
hat sie übrigens nicht von mir genommen, ich wünschte
aber denoch daß es ihr recht, recht wohl gehn möge.
Diese Zeilen erhalten Sie durch Frl. Lüder die mit
ihrer mutter ein Paar monate in Dresden zu
bringen wird – sie ist eine feine, artige, gebildete
Person, die mutter sie anerkennend, artig u einfach,
was auch die Tochter ist – Viele Jahre habe ich in ihrem
Hause, in der neuen Fried-straße gewohnt, freilich ehe
die Tochter geboren war schon, wir sind aber immer
freundlich zu einander - seien Sie, liebe, es auch gegen
sie – wie es eben geht.
–
Wir sind d. 7t mai hierher gezogen weil – wir in
schönem Wetter eingepackt hatten u nun uns vom
schlechten nicht wollten dahin bringen laßen, zum Theil,
wieder aus zu pakken, wir haben daher 3 Wochen in
geheizten Zimmern gewohnt, doch aber jeden Tag im
u. unter dem neuen Grün spazieren gegangen u
seit 8 Tagen ist es quasi Sommer, noch nicht recht.
Hanne ist wohl ich beßer, doch sehr leicht vergippst
und es ist die Hoffnung die ich fast ganz verloren
hatte wieder zu genesen, zum Theil wieder in mir
aufgegangen – qui vivra verra – Besucht
werde ich hier recht viel, was mir viele Freu
de macht wenn es nicht am Vormittag geschieht –
was, da ich so à partè der Stadt bin nur zu
oft geschieht – Gestern war auch Conticini den mor
gen hier, u zwar zum ersten male, der aimable
Dusell hatte meine adreße verloren – u
mich nun ausfragen müßen, dafür hat er mir aber
auch ein Buch mit gebracht -
Die Schleiermacher hat Rom sehr glüklich
erreicht u. eine bewundrenswürdige ange
nehme u von allen Seiten begünstigte Reise
gehabt. sogar hat sie auf angenehme Weise
in Radicofane ein 5tägige Quàrantai
ne gehalten – muth thut gar viel: haben Sie
u ich ihn ja auch gehabt u es ist uns gut ge
gangen.
meinen Freund Weigel bitte ich zu grüßen,
schreiben kann ich ihm Heute nicht werde es aber
bald thun – Wo geht er denn hin? Der Brief wird
ihm wol von den Seinigen nachgeschikt werden,
wo er auch sei.
grüßen Sie die Seidelmann herzlich von mir
u den guten artmanne –
Schweigen Sie nicht wieder so lang u bleiben
Sie mir fein treu u gut.
Meine Schwester grüßt allerfreundlichst,
Ihre H. Herz.
Bertha Goldschmidt ist sehr glüklich – sie war
mit dem manne bei mir –
–
uber mein nicht in Dresden leben schweige ich,
trauen Sie mir aber so viel Tact u Wißen zu
daß ich weiß was ich davon hätte, glauben
Sie mir aber auch daß es rein unmöglich ist
daß es geschehe.
1 eigenhändiger Brief mit Unterschrift
Archivalie – Korrespondenz
Deutsch
Unbekannt - Empfänger*in
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
11.11.2025, 11:59 AM CET
Attribution - ShareAlike 4.0 International