Besitzstreit um die Hälfte von Haus und Herrschaft Odenkirchen (Rheydt) wie in RKG 2755 (H 1727/5760). Der Appellant erhebt diesen Besitzanspruch als Nachfahre der Petronella von Bronckhorst, Gattin des Martin (von) Bentinck. Der Appellat ist ein Nachfahre von Petronellas Bruder Maximilian von Bronckhorst, der die Herrschaft Odenkirchen 1636 nach dem Tod des Floris Hattard van den Boetzelaer in Besitz genommen hat. Er erhebt Anspruch auf die ganze Herrschaft Odenkirchen, die ihm 1698 in einem Vergleich mit dem Erzbischof von Köln zugesprochen und eingeräumt worden ist. Streitig ist auch, ob Odenkirchen ein ligisches Lehen ist. Der Appellant klagt außerdem auf Erstattung aller Einkünfte aus Haus und Herrschaft Odenkirchen seit 1698. Er beruft sich gegen ein Dekret der Vorinstanz vom 16. April 1707, durch das sich der kurkölnische Hofrat als zuständiges Gericht erklärt hat, obgleich das RKG 1699 das erzstiftische Manngericht als ordentliches Gericht für die Forderung des Appellanten bestimmte. Die Einrede des Erzbischofs von Köln gegen den Gerichtsstand des RKG unter Verweis auf ein in dieser Sache am Reichshofrat anhängiges Verfahren lehnt das RKG ab. Es urteilt am 26. Juni 1716, daß der appellantische Anspruch rechtens ist und dem Freiherrn von Horrion die Nutznießung der halben Herrschaft Odenkirchen vom Zeitpunkt der Wiedereinsetzung des Appellaten in die streitige Herrschaft, also von 1698 an, zu erstatten ist. Durch mehrere Exekutionsmandate versucht das RKG, seinem Urteil Geltung zu verschaffen. 1727 erzwingen König Friedrich Wilhelm von Preußen und Pfalzgraf Karl Philipp bei Rhein als Urteilsvollstrecker des RKG die Einräumung der appellatischen Herrschaften Petersheim und Stein zugunsten des Appellanten, so lange bis die Nutznießungsansprüche des Appellanten erfüllt sind. Die Prozeßgegner vergleichen sich 1735 über die Höhe der zu erstattenden Nutznießung.
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Besitzstreit um die Hälfte von Haus und Herrschaft Odenkirchen (Rheydt) wie in RKG 2755 (H 1727/5760). Der Appellant erhebt diesen Besitzanspruch als Nachfahre der Petronella von Bronckhorst, Gattin des Martin (von) Bentinck. Der Appellat ist ein Nachfahre von Petronellas Bruder Maximilian von Bronckhorst, der die Herrschaft Odenkirchen 1636 nach dem Tod des Floris Hattard van den Boetzelaer in Besitz genommen hat. Er erhebt Anspruch auf die ganze Herrschaft Odenkirchen, die ihm 1698 in einem Vergleich mit dem Erzbischof von Köln zugesprochen und eingeräumt worden ist. Streitig ist auch, ob Odenkirchen ein ligisches Lehen ist. Der Appellant klagt außerdem auf Erstattung aller Einkünfte aus Haus und Herrschaft Odenkirchen seit 1698. Er beruft sich gegen ein Dekret der Vorinstanz vom 16. April 1707, durch das sich der kurkölnische Hofrat als zuständiges Gericht erklärt hat, obgleich das RKG 1699 das erzstiftische Manngericht als ordentliches Gericht für die Forderung des Appellanten bestimmte. Die Einrede des Erzbischofs von Köln gegen den Gerichtsstand des RKG unter Verweis auf ein in dieser Sache am Reichshofrat anhängiges Verfahren lehnt das RKG ab. Es urteilt am 26. Juni 1716, daß der appellantische Anspruch rechtens ist und dem Freiherrn von Horrion die Nutznießung der halben Herrschaft Odenkirchen vom Zeitpunkt der Wiedereinsetzung des Appellaten in die streitige Herrschaft, also von 1698 an, zu erstatten ist. Durch mehrere Exekutionsmandate versucht das RKG, seinem Urteil Geltung zu verschaffen. 1727 erzwingen König Friedrich Wilhelm von Preußen und Pfalzgraf Karl Philipp bei Rhein als Urteilsvollstrecker des RKG die Einräumung der appellatischen Herrschaften Petersheim und Stein zugunsten des Appellanten, so lange bis die Nutznießungsansprüche des Appellanten erfüllt sind. Die Prozeßgegner vergleichen sich 1735 über die Höhe der zu erstattenden Nutznießung.
AA 0627, 2756 - H 1728/5761
AA 0627 Reichskammergericht, Teil IV: H
Reichskammergericht, Teil IV: H >> 1. Buchstabe H
1711 - 1716 (1323 - 1740) - 3
Enthaeltvermerke: Kläger: Gerhard Ahasver (Assuerus) von Horrion (Horion), (Kl.) Beklagter: Graf Johann Philipp Eugenius von Merode, Marquis von Westerloo (Westerlohe), Reichsbannerherr von Petersheim (Peterschem) bei Aachen und Stein, Herr von Odenkirchen, Erbburggraf des Erzstifts Köln, Grande von Spanien, Ritter erster Klasse des Goldenen Vlieses, kaiserl. Kammerherr und General der Kavallerie, Oberst eines Regiments zu Pferd etc., seit 1720 die verwitwete Freifrau von Bentinck als Intervenientin, (Bekl.) Prokuratoren (Kl.): Dr. Johann Friedrich Hofmann 1711 - Subst.: Lic. Johann Justus Faber - Lic. Johann Jakob Zwierlein 1730 - Subst.: Lic. Wilhelm Ludwig Ziegler - Subst.: Lic. Johann Wilhelm Weylach 1735 - Dr. Johann Goy 1737 - Subst.: Dr. Georg Melchior Hofmann Prokuratoren (Bekl.): Lic. Konrad Franz Steinhausen [1694] 1712 - Subst.: Dr. Krebs - Notar Johann Georg Busch (auch Stadtgerichtsprokurator zu Wetzlar) 1716 - Subst.: Notar Johann Martin Gruner - Dr. Johann Rudolph Sachs 1720 - Subst.: Dr. J. N. Schmid - Dr. Johann Friedrich Hofmann senior [1713] 1730 - Subst.: Dr. Johann Melchior Hofmann - Lic. Johann Wilhelm Heeser (für Vogt und Schöffen zu Odenkirchen) 1730 - Subst.: Dr. Johann Adolph Brandt - Lic. J. C. M. J. Heeser 1736 - Subst.: Lic. Johann Werner Prozeßart: Appellationis cum restitutione in intregrum brevi manu, nunc (1716) revisionis, nunc (1718) executionis Instanzen: 1. Hofrat (Räte) des Stifts Köln zu Bonn 1700 - 1707 - 2. RKG 1711 - 1716 (1323 - 1740) - 3. Erzbischof von Mainz (Erzkanzellariat) als Revisionsgericht 1716 - 1740 Beweismittel: Kautionsschein (Q 11). RKG- „Ulteriores compulsoriales ad edendum acta et rationes decidendi“ vom 17. März 1712 (Q 14). Stammtafel des Wilhelm von Vlodrop zu Odenkirchen und der Anna von Dunk (Donck) (Q 30 und in Q 67). Lehnbrief des Erzbischofs Gebhard von Köln für Karl von Bronckhorst-Batenburg namens seiner Gattin Alverta von Vlodrop, einer „Mitleibstochter“ zu Odenkirchen, von 1578 (Q 31). Erbvergleich von 1610/12 zwischen Martin von Bentinck zu Leeuwenburg und seiner Gattin Petronella von Bronckhorst - Batenburg einerseits und deren Bruder Maximilian von Bronckhorst - Batenburg andererseits in niederländischer Sprache (Q 32, zweisprachig Q 39). Testament des Florens Hattard van den Boetzelaer zu Asperen, Langerak, Rheydt und Odenkirchen von 1623 in französischer Sprache (Q 33, zweisprachig Q 40). Ehevertrag von 1640 zwischen Dietrich von Westrem zu Holtum (Holthumb) und Alfens, Sohn des verstorbenen Johann von Westrem zu Holtum (Holthumb) und der Elisabeth von Hegem (Heygim) gen. Alfens, und Magdalena von Bentinck (Bending), Tochter des Philipp Heinrich von Bentinck und der Justina Maria von und zu Weichs (Weix) (Q 36). Erbschaftsvertrag von 1688 zwischen den Schwestern Anna Elisabeth von Westrem, verwitwete von Brempt zu Holthumb, und Justina Maria von Westrem, verwitwete von Horrich zu Glimbach und Alfens, Töchter der Magdalena von Bentinck zu Wolfrath (Wolfradt), einerseits und Franz Niklas von Bentinck, Amtmann von Millen und Born, Otto Ignatius von Bentinck und Maximilian von Bentinck, Erben des Johann Wolfgang Wilhelm von Bentinck zu Wolfrath, des Bruders der Magdalena von Bentinck, andererseits (Q 37). Ehevertrag von 1644 zwischen Johann Wolfgang Wilhelm von Bentinck, dem ältesten Sohn des Philipp Heinrich von Bentinck und der Justina Maria von und zu Weichs, und der Maria Elisabeth von Breil (Breill), der ältesten Tochter des Niklas von Breil und der Maria von Eynatten (Q 61). RKG-Urteil vom 26. Juni 1716 (Q 62). Original verschlossener Brief an das RKG (Q 64). Auszug aus dem Admodiationsregister der Lehen des gräflichen Hauses von Horn von 1681 und 1715 in niederländischer Sprache mit deutscher Übersetzung (Q 78f.). RKG- „Mandatum de exequendo sine clausula“ vom 15. Juli 1718 an den ErzbischofLothar Franz von Mainz als ausschreibenden Fürsten des Kurrheinischen Kreises (Q 80). Kurmainzische Relation in Exekutionskommissionssachen mit zahlreichen Rechnungen (Q 83 = Q 129). RKG-Urteil bzw. „Mandatum de se non amplius Caesareae executioni et mandato de exequendo opponendo neque eius effectum ullo modo impediendo...“ vom 20. Dez. 1719 (Q 94, Original Q 115). Rechnungen über Renten und Einkünfte aus der Herrschaft Odenkirchen von 1698 an (Q 95-97). Attestate der Gerichtsschöffen der Herrschaft Odenkirchen von 1712 über den Wert eines Malters Erbsen und Buchweizen (Q 98), über die Differenz zwischen dem Odenkirchener und dem stadtkölnischen Kornmaß (Q 99). Originales RKG-Urteil vom 20. Dez. 1729 (Q 103). Prozeßkostenrechnungen (Q 104-114, 120). Stammtafel von Hermann von Bronckhorst und Petronella van Praet (Q 148). Lehnsurkunden der Erzbischöfe Heinrich von Köln für den Ritter Gerhard, Burggrafen von Odenkirchen, und seinen erstgeborenen Sohn Rabod von 1323 (Q 132 B), Diederich für Arnold von Hoemen, Burggrafen von Odenkirchen, von 1441 (Q 132 C), Hermann für Ritter Johann von Hoemen, Burggrafen von Odenkirchen, von 1481 (Q 132 D), Hermann für Heinrich Nagel, Burggrafen von Odenkirchen, von 1502 (Q 132 E), Hermann für Wilhelm von Vlodrop (Flodorff), Burggrafen von Odenkirchen, von 1531 (Q 132 F), Adolph für Wilhelm von Vlodrop von 1549 (Q 132 G), Salentin für Floris van den Boetzelaer von 1572 (Q 132 H), und Ernst für Florenz Gotthard van den Boetzelar den Jüngeren von 1595 (Q 132 I). RKG- „Mandatum de exequendo sine clausula“ vom 28. Juni 1727 an König Friedrich Wilhelm von Preußen und Pfalzgraf Karl Philipp bei Rhein (Q 155a). Rechnung über die Vollstreckungs- und Einräumungskosten (Q 173). Rechnung über die Geldforderungen des Appellanten gegen den Appellaten (Q 180). RKG- „Mandatum de non contraveniendo rei iudicatae sed in vim illius admittendo denominatum praefectum ad officium neque illum in eo turbando sine clausula“ vom 15. Dez. 1729 (Q 191). Ernennung des Konrad Henrich Vogel zum Vogt von Odenkirchen durch den Appellanten als Burggrafen von Odenkirchen 1729 (Q 193). Insinuationsgebühren (Q 201). Originale RKG - Urteile vom 15. März 1730 (Q 224), 28. Juni 1730 (Q 235), 17. Juli 1730 (Q 236) und 20. Dez. 1730 (Q 240). Rechnungen (Q 248, 252). Auszug aus dem Vergleich zwischen Philipp Eugen von und zu Merode und Gerhard Assuerus (Ahasver) von Horion über Odenkirchen von 1735 (Q 256). Die Aktenstücke, die sich auch in RKG 2755 (H 1727/5760) befinden, wurden nicht nochmals aufgeführt. Beschreibung: 4 Bde., 37,5 cm; Bd. I: 3,5 cm, 113 Bl., lose; Prot. und 2 Beilagen; Bd. II: 10,5 cm, 114-618 Bl., lose; Q 1 - 67, einige Aktenstücke sehr beschädigt; Bd. III: 14 cm, 619-1220 Bl., lose; Q 68 - 149; Bd. IV: 9,5 cm, Bl. 1221-1653, lose; Q 150 - 219, 221 - 252, 254 -271, es fehlen Q 220 und 253*. Vgl. dazu RKG 2687 (H 1575/5312) und RKG 2755 (H 1727/5760). Lit.: Franz Rixen, Geschichte Odenkirchens. Laurentiusbote Folge 12, 1950, S. 13ff.
Sachakte
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
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Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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28.04.2026, 8:32 AM CEST