Urgicht
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A 2 f (Hexenprozesse) Nr. A 2 f (Hexenprozesse) Nr. 7733
A 2 f (Hexenprozesse) Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 23-25)
Reichsstädtische Urkunden und Akten (Bde. 23-25) >> Bd. 23 Hexenprozesse
(15)65 August 1
Regest: Anna Groner hat inner- und ausserhalb der Peinigung nicht einmal, sondern oft das folgende bekannt:
1) Ungefähr vor 12 Jahren sei sie gen Plieningen auf den Fildern gegangen. Da sei der Satan in eines jungen Gesellen Gestalt zu ihr gekommen nicht fern von Neuenhaus (Neuhausen) und habe mit ihr geredet, sie solle sich ihm ergeben und Unzucht mit ihm treiben. Er wolle sie nicht verlon (= verlassen). Das habe sie bewilligt, seines Mutwillens gepflegt, Gott und alle Christen verleugnet, auch ihnen Schaden zu tun mit Leib und Seel sich ergeben (= bereit erklärt).
2) Hernach sei sie mit ihm gefahren auf die Scheib, an den Rangenberg, zu Bläsins Steig und andern viel Orten. Ihr Buhle habe sie immer selber geführt, da haben sie gegessen, getrunken, getanzt und ihr Wesen getrieben, haben gar gute, wohlgemachte Kost und Trank, aber weder Brot noch Salz dazu gehabt, und sie seien immer nicht lang daselbst geblieben, dann habe ihr Buhle sie immer wiederum heimgeführt.
3) Im vergangenen Frühlung habe sie den Schnee helfen machen und die 12 Jahr einher (= bis jetzt) etliche Hagel, sie wisse nicht wieviel.
4) An ihrer Tochter Hochzeit ungefähr vor 8 Jahren habe sie der Anna Schengkel versprochen, sie wolle ihre Magd sein; was sie sie tun heisse.
5) Sie habe oft mit ihrem Buhlen in ihrem Haus gezecht und ihn gebeten, er solle nicht weit mit ihr fahren, denn sie sei gern daheim.
6) Ungefähr um vergangene Pfingsten sei Satan in ihre Behausung gekommen, habe sie getröstet und gesagt, er wolle sie nicht hier lassen. Aber sie habe heftig geweint und gesagt: "Du wirst mir's nicht halten." Dabei sei so laut brecht (= berechtet, gestritten?) worden, dass die Leute es hörten.
7) Sie habe zu dieser Zeit einen Monat oder drei weggehen wollen, bis das Geschrei vorüber wäre, und es doch unterlassen, da sie besorgte, man würde ihren Mann dazu halten (= anhalten), sie wieder zuwegezubringen (= herzubringen).
8) Am Palmtag i. J. (15)63 habe sie Mathis jung Nürmberger, einem Kind, zu essen gebracht. Da habe ihr der Satan ein Pulver gegeben. Das habe sie in das Essen getan. Davon sei das Kind gestorben.
9) Sie habe dem Hans jung Nürnberger 2 Kinder in der Wiege angegriffen. Seien beide gestorben. Das erste (15)57, das zweite (15)59.
10) Dem Peter Hepper sei sie am Tüwinger Jahrmarkt in seinen Stall gegangen, habe einem Fohlen den Kopf gestraft (= gestreift, gestreichelt?) und ins Futter gegriffen. Der Teufel habe ihr am selben Morgen die Hand geboten. Es sei gestorben.
11) Sie habe Friedrich Beck dem Gerber 2 Kühe umgebracht, die erste (15)60, die andere (15)65.
12) Sie habe oft versucht, von ihrem Buhlen abzustehen. Er habe sie jedesmal übel geschlagen und so besonders 2mal bewirkt, dass sie die Arme nicht habe aufheben können. Sie habe es ihrem Mann verborgen und nicht sagen dürfen.
13) An St. Gallen Tag (15)53 habe Caspar Helb auf den Gerbersteig gehen wollen. Da habe ihr der Satan ein Steckelein gegeben. Damit habe sie ihn geworfen (= getroffen). Darauf sei er krank und verletzt worden.
14) Als Jos Weiss im Jahr (15)62 einen Weinkauf in ihrem Haus trinken half. Da habe sie ihm an den Bauch gegriffen. Davon sei er krank worden.
Darauf hat der Rat ihr zur Straf und andern zum abscheulichen (= abschreckenden) Exempel erkannt, dass sie dem Nachrichter gegeben, von ihm gebunden, mit dem Feuer vom Leben zum Tod gerichtet und ihr Leib zu Asche verbrannt werden soll nach kaiserlichem und des Reichs Recht.
Vollstreckt am 3. August (15)65.
1) Ungefähr vor 12 Jahren sei sie gen Plieningen auf den Fildern gegangen. Da sei der Satan in eines jungen Gesellen Gestalt zu ihr gekommen nicht fern von Neuenhaus (Neuhausen) und habe mit ihr geredet, sie solle sich ihm ergeben und Unzucht mit ihm treiben. Er wolle sie nicht verlon (= verlassen). Das habe sie bewilligt, seines Mutwillens gepflegt, Gott und alle Christen verleugnet, auch ihnen Schaden zu tun mit Leib und Seel sich ergeben (= bereit erklärt).
2) Hernach sei sie mit ihm gefahren auf die Scheib, an den Rangenberg, zu Bläsins Steig und andern viel Orten. Ihr Buhle habe sie immer selber geführt, da haben sie gegessen, getrunken, getanzt und ihr Wesen getrieben, haben gar gute, wohlgemachte Kost und Trank, aber weder Brot noch Salz dazu gehabt, und sie seien immer nicht lang daselbst geblieben, dann habe ihr Buhle sie immer wiederum heimgeführt.
3) Im vergangenen Frühlung habe sie den Schnee helfen machen und die 12 Jahr einher (= bis jetzt) etliche Hagel, sie wisse nicht wieviel.
4) An ihrer Tochter Hochzeit ungefähr vor 8 Jahren habe sie der Anna Schengkel versprochen, sie wolle ihre Magd sein; was sie sie tun heisse.
5) Sie habe oft mit ihrem Buhlen in ihrem Haus gezecht und ihn gebeten, er solle nicht weit mit ihr fahren, denn sie sei gern daheim.
6) Ungefähr um vergangene Pfingsten sei Satan in ihre Behausung gekommen, habe sie getröstet und gesagt, er wolle sie nicht hier lassen. Aber sie habe heftig geweint und gesagt: "Du wirst mir's nicht halten." Dabei sei so laut brecht (= berechtet, gestritten?) worden, dass die Leute es hörten.
7) Sie habe zu dieser Zeit einen Monat oder drei weggehen wollen, bis das Geschrei vorüber wäre, und es doch unterlassen, da sie besorgte, man würde ihren Mann dazu halten (= anhalten), sie wieder zuwegezubringen (= herzubringen).
8) Am Palmtag i. J. (15)63 habe sie Mathis jung Nürmberger, einem Kind, zu essen gebracht. Da habe ihr der Satan ein Pulver gegeben. Das habe sie in das Essen getan. Davon sei das Kind gestorben.
9) Sie habe dem Hans jung Nürnberger 2 Kinder in der Wiege angegriffen. Seien beide gestorben. Das erste (15)57, das zweite (15)59.
10) Dem Peter Hepper sei sie am Tüwinger Jahrmarkt in seinen Stall gegangen, habe einem Fohlen den Kopf gestraft (= gestreift, gestreichelt?) und ins Futter gegriffen. Der Teufel habe ihr am selben Morgen die Hand geboten. Es sei gestorben.
11) Sie habe Friedrich Beck dem Gerber 2 Kühe umgebracht, die erste (15)60, die andere (15)65.
12) Sie habe oft versucht, von ihrem Buhlen abzustehen. Er habe sie jedesmal übel geschlagen und so besonders 2mal bewirkt, dass sie die Arme nicht habe aufheben können. Sie habe es ihrem Mann verborgen und nicht sagen dürfen.
13) An St. Gallen Tag (15)53 habe Caspar Helb auf den Gerbersteig gehen wollen. Da habe ihr der Satan ein Steckelein gegeben. Damit habe sie ihn geworfen (= getroffen). Darauf sei er krank und verletzt worden.
14) Als Jos Weiss im Jahr (15)62 einen Weinkauf in ihrem Haus trinken half. Da habe sie ihm an den Bauch gegriffen. Davon sei er krank worden.
Darauf hat der Rat ihr zur Straf und andern zum abscheulichen (= abschreckenden) Exempel erkannt, dass sie dem Nachrichter gegeben, von ihm gebunden, mit dem Feuer vom Leben zum Tod gerichtet und ihr Leib zu Asche verbrannt werden soll nach kaiserlichem und des Reichs Recht.
Vollstreckt am 3. August (15)65.
Beschreibstoff: Pap.
Archivale
Genetisches Stadium: Or.
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
20.03.2025, 11:14 AM CET