"Wir sind jetzt wieder 4.000". Zwei Jahrhunderte jüdisches Leben in Baden
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Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 3/005 D023227/101
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, R 3/005 Hörfunksendungen des SWR aus dem Jahre 2002
Hörfunksendungen des SWR aus dem Jahre 2002 >> Oktober 2002
27. Oktober 2002
Liberalität war in Baden von Anfang an ein hoher Wert, an dem auch die jüdische Bevölkerungsminderheit teil hatte. Bereits 1806, bald nach der Gründung des badischen Großherzogtums, wurde mit einem "Judenedikt" ein wichtiger Schritt in Richtung Gleichberechtigung getan. Juden aus ganz Deutschland beneideten deswegen ihre badischen Glaubensbrüder und -schwestern. Als dann der jüdischen Bevölkerung ein halbes Jahrhundert später auch das passive Wahlrecht gewährt wurde, gestalteten die Juden die Landesgeschichte mit. Ein jüdischer Rechtsanwalt aus Durlach wird Finanzminister, in Mannheim beleben jüdische Kaufleute mit ihren unternehmerischen Aktivitäten die Wirtschaft, und an der Universität Heidelberg studieren über viele Jahrzehnte prominente russische Juden. Aber es gab auch die andere Seite: massive Diskriminierung und Verfolgung. Städte wie Freiburg und Offenburg hielten sich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts "judenfrei".
Im 20. Jahrhundert war es unter der Nazidiktatur mit der badischen Liberalität vorbei. Das politische Pendel schlug in die entgegengesetzte Richtung aus: An der Universität Heidelberg zum Beispiel wütete der Antisemitismus früher und heftiger als anderswo. 1940 wurden alle badischen Juden in das Konzentrationslager Gurs in den Pyrenäen verschleppt. Die 20.000 Juden, die in Baden gelebt hatten, wurden verfolgt, vertrieben und vernichtet, ihre Synagogen verbrannt.
Nach dem Krieg sind allmählich neue Gemeinde enstanden. Jetzt leben in Baden wieder 4.000 Juden, zugezogen aus aller Welt, vor allem aber aus Russland, was die Gemeinden vor besondere Integrationsprobleme stellt. (SWR-PR-Text)
Im 20. Jahrhundert war es unter der Nazidiktatur mit der badischen Liberalität vorbei. Das politische Pendel schlug in die entgegengesetzte Richtung aus: An der Universität Heidelberg zum Beispiel wütete der Antisemitismus früher und heftiger als anderswo. 1940 wurden alle badischen Juden in das Konzentrationslager Gurs in den Pyrenäen verschleppt. Die 20.000 Juden, die in Baden gelebt hatten, wurden verfolgt, vertrieben und vernichtet, ihre Synagogen verbrannt.
Nach dem Krieg sind allmählich neue Gemeinde enstanden. Jetzt leben in Baden wieder 4.000 Juden, zugezogen aus aller Welt, vor allem aber aus Russland, was die Gemeinden vor besondere Integrationsprobleme stellt. (SWR-PR-Text)
0:59:00; 0'59
Audio-Visuelle Medien
Herkunft: Der Samstagabend aus dem Land
Bayer, Tilde
Erlich, Manfred; Vorsitzender Jüdische Gemeinde Mannheim, 1951-2009
Friesländer, Berti
Gezow, Amira
Kessler, David
Kobzereva, Maya
Maier-Moses, Hannah
Stein, Ernst
Teschemacher, Klaus; Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, 1940-2018
Wodowoda, Anatoli
Wodowoda, Valencina
Baden
Emmendingen EM
Gurs, Dép. Pyrénées-Atlantiques [F]
Heidelberg HD; Universität
Mannheim MA
Russland [RUS]
Diskriminierung
Einwanderung
Integration
Juden
Judentum
Nationalsozialismus; Judenverfolgung
Neunzehntes Jahrhundert
Rassismus: Antisemitismus
Zwanzigstes Jahrhundert
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
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Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
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21.11.2025, 15:32 MEZ
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