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Landesarchiv Berlin (Archivtektonik) >> C Bestände (Ost-) Berliner Behörden bis 1990 >> C 7 Kammern und Körperschaften, Parteien, Organisationen und Vereine >> C 7.2 Verbände und Vereine
Vorwort: C Rep. 830 Runder Tisch Berlin
1. Geschichte des Gremiums
Der Runde Tisch Berlin war ein vom Volk nicht gewähltes Gremium, welches den neuen demokratischen Initiativen und Parteien als Plattform dienen sollte, um im Gegensatz zu Stadtverordnetenversammlung und Magistrat demokratische Strukturen zu verdeutlichen. Dazu paritätisch vertreten waren aber auch die bisherigen Mandatsträger in den gesellschaftlichen Gremien der DDR.
Eine erste Sitzung fand am 4. Dezember 1989 statt; eingeladen hatte Oberbürgermeister Erhard Krack. Er hatte sich mit der Einladung aber nicht an alle späteren Teilnehmergruppen gewandt, so dass es zu Protesten kam. Allerdings finden sich zu dieser ersten Sitzung im Bestand keine Unterlagen; die Überlieferung beginnt, auch von der Zählung her, mit der Tagung am 14. Dezember 1989, zu der nun die Kirchen eingeladen hatten. Auf dieser wurde eine Geschäftsordnung verabschiedet, welche die Stellung der Geschäftsordnungsanträge und Sachanträge, die Leitung des Runden Tisches und die Teilnahme an den Sitzungen des Runden Tisches regelte.
Moderatoren des Runden Tisches waren Dekan Monsignore Peter Riedel, Superintendent Walter Kratschell und Superintendent Fritz Wittko als Vertreter der Katholischen, Evangelischen und Evangelisch-Methodistischen Kirche. Als Protokollant und Sekretär fungierte Peter Matz.
Um zum einen die Arbeitsfähigkeit und die Konstruktivität des Runden Tischs zu sichern und zum anderen die verschiedenen politischen Kräfte in der Stadt nicht auszuschließen, wurde in den ersten beiden Sitzungen zwischen den Teilnehmergruppen und anderen Interessierten hart darum gestritten, zu den Tagungen als Gruppierung zugelassen zu werden. Mit den "Zulassungskriterien" wurden Normen aufgestellt, die es ermöglichen sollten, dass mit bestimmten Mehrheiten interessierte Gruppen bzw. Gruppierungen mitwirken oder nur beraten konnten.
Im "Selbstverständnis des Runden Tischs Berlins" heißt es: "Die Beschlüsse des Runden Tischs müssen ohne Verzug zu Entscheidungen des Magistrats bzw. der zuständigen StadträtInnen führen. Der Runde Tisch nimmt im Interesse der BürgerInnen eine umfassende Kontrolle wahr.".
Zur Beratung und Erörterung der jeweiligen Themen waren im Januar 1990 zehn Arbeitsgruppen und im Mai 1990 bereits 23 Arbeitsgruppen tätig. Vom Büro des Runden Tischs wurden die Arbeitsgruppen Selbstverständnis, Medien - Rundfunk, Medien - Zeitung, Öffentlichkeitsarbeit, Redaktion, Presseerklärung und Parlamentsstruktur einberufen. Andere Arbeitsgruppen, welche von anderen interessierten Gruppierungen einberufen wurden, beschäftigten sich mit den folgenden Themen: Zulassungskriterien, Müllverbrennungsanlage Rhinstraße, Sicherheit, Bildung und Erziehung, Ausländerfragen, Verfassung, Extremismus, Gleichstellung, Gesundheitswesen, Stadt- und Verkehrsentwicklung, Provisorischer Regionalausschuss, Kfz- und Objektvergabe.
Die Tätigkeit des Runden Tischs Berlin endete im Mai 1990. Eine 22. Tagung am 24. Mai 1990 war geplant, hat aber nicht stattgefunden und wurde offensichtlich auf den 31. Mai verschoben. Diese Tagung hat stattgefunden. Allerdings fanden sich im Bestand die Tagesordnung und der Bericht des Präsidiums der Volkspolizei in einem Stapel von je fast 20 Exemplaren. Sie scheinen gar nicht mehr verschickt worden zu sein, so dass zu fragen ist, wie viele Teilnehmer an dieser letzten Tagung noch teilgenommen haben. Auch finden sich kein Protokoll und keine Liste mit Beschlüssen zu dieser Sitzung. Es hat den Anschein, als ob die Arbeit des Runden Tischs Berlin "langsam auslief".
Ein Abschlussbericht wurde aber am 8. Juni 1990 noch an die Stadtverordnetenvorsteherin Christine Bergmann überreicht.
Neben dem Runden Tisch Berlin gründete sich auch ein Runder Tisch der Jugend. Wann dessen erste Beratung stattfand, ist nicht überliefert. Er arbeitete aber länger als der Runde Tisch Berlin und wurde ab der 11. Sitzung am 06. Juni 1990 vom neu gegründeten Demokratischen Landesjugendbund Berlin getragen.
Ebenso bildeten sich in den Stadtbezirken und Ortsteilen Runde Tische, welche sich entsprechend der örtlichen Begebenheiten berieten und versuchten, im Interesse der Bürger politisch zu wirken.
Das Landesarchiv Berlin erhielt die Akten Mitte der 1990er Jahre und im Jahr 2004.
2. Bestandsinformation
Der Bestand umfasst 52 Akten (1,20 lfm) mit der Laufzeit 1989-1992. Er beinhaltet Akten zu Organisation und Büro des Runden Tischs Berlin (mit Eingaben und Abschlussbericht).- Tagungen und Beratungen des Runden Tischs Berlin (mit Anträgen, Beschlüssen, Pressemitteilungen).- Arbeitsgruppen (mit Zeitung "Runde Tische").- Runder Tisch der Jugend (bis 1992).- Runde Tische der Stadtbezirke und Ortsteile.
Die hier vorliegenden Unterlagen wurden Mitte der 1990er Jahre von Peter Matz dem Landesarchiv Berlin übergeben. Im Dezember 2004 wurden dem Landesarchiv Berlin weitere Unterlagen des Runden Tisches Berlin und des Runden Tisches der Jugend von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport angeboten und auch übergeben.
Der so entstandene Bestand enthält vor allem Akten zu den Tagungen des Runden Tisches Berlin. Daneben finden sich Unterlagen der Arbeitsgruppen. Auch ist die Teilnahme von Mitgliedern des Runden Tisches an der Tagung der Stadtverordnetenversammlung von Berlin und am sogenannten "Provisorischen Regionalausschuss" überliefert. Für letztere wie für die Herstellung und den Vertrieb der Zeitung "Runde Tische", eine Sonderausgabe der Berliner Zeitung, waren Arbeitsgruppen eingesetzt, deren Akten sehr gut überliefert sind. Hinzu kommen Korrespondenz und Geschäftsunterlagen sowie, als ebenfalls umfangreiche Akte, Eingaben der Bevölkerung an den Runden Tisch.
Auch der Runde Tisch der Jugend ist mit Akten zu den Beratungen, mit Korrespondenz und verschiedenen Arbeitsunterlagen dokumentiert. Aus den Runden Tischen der Stadtbezirke und Ortsteile sind Akten der Runden Tische Altglienicke und Marzahn überliefert.
Eine erste, vorläufige Verzeichnung einiger Akten des Bestands erfolgte 2005 durch die Archivarin Kerstin Bötticher. Deren Verzeichnungsordnung wurde allerdings nochmals aufgelöst. Die Tagungen stellen nun den Kern der Verzeichnung dar: Maßgabe war, möglichst viele Unterlagen jeweils den Tagungen zuzuordnen, auf denen sie behandelt wurden. Da der Bestand aber in großen Teilen völlig ungeordnet ans Landesarchiv gegeben wurde, war nicht bei allen Unterlagen eine solche Zuordnung möglich.
Deshalb finden sich unter Nr. 39 (Allgemeine Korrespondenz und Unterlagen) viele interessante Unterlagen, die wohl über den Schreibtisch von Sekretär und Protokollant Peter Matz gingen, die aber den einzelnen Tagungen oder den Arbeitsgruppen nicht mehr zuzuordnen sind.
Die Nr. 38 und 39 (Abschlussbericht des Runden Tischs Berlin an den Oberbürgermeister von Berlin. Teil 1 bzw. Teil 2) können faktisch auch als Ergänzung zu diesem Findbuch dienen, und für den ersten Zugang benutzt werden, weil sie Tagesordnungen, Protokolle, Beschlüsse etc. enthalten und quasi ein detailliertes Inhaltsverzeichnis dessen darstellen, was auf den einzelnen Tagungen behandelt wurde.
Hin und wieder wurden auch bewusst Konzepte, Manuskripte und Notizzettel in den Bestand mit aufgenommen, um zu zeigen, wie die Arbeit des sich in der Zeit des Umbruchs neu und relativ spontan gegründeten Runden Tischs Berlin langsam aufgenommen wurde, die Organisation sich formierte und die Strukturen sich entwickelten. Denn neben der politik-, gesellschafts- und mentalitätsgeschichtlich herausragenden Bedeutung des Bestands lässt dieser auch behördengeschichtlich in beeindruckender Weise das Entstehen (aber später auch Verschwinden) einer Institution nachvollziehen.
Die Akten wurden mit der Software Augias-Archiv 8.3 im Rahmen der Ausbildung zum Archivreferendar von Wolfgang Krauth verzeichnet.
Zahlreiche Akten sind auf Grund archivgesetzlicher Bestimmungen bzw. der EU-Datenschutz-Grundverordnung für die Benutzung befristet gesperrt. Eine Verkürzung der Schutzfristen kann auf Antrag erfolgen. Dazu bedarf es der besonderen Zustimmung des Landesarchivs Berlin.
Der Bestand ist wie folgt zu zitieren: LAB C Rep. 830, Nr. … .
3. Korrespondierende Bestände
LAB C Rep. 100 - Magistrat von Berlin, Bereich Sekretär
LAB C Rep. 100-01 - Volksvertretung Groß-Berlin/Stadtverordnetenversammlung
LAB C Rep. 100-05 Magistrat von Berlin, Büro des Magistrats
LAB C Rep. 101 - Der Oberbürgermeister von Berlin
LAB C Rep. 107 - Magistrat von Berlin, Bezirksplankommission
LAB C Rep. 118 - Magistrat von Berlin, Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen
LAB C Rep. 120 - Magistrat von Berlin, Abteilung Volksbildung
LAB C Rep. 131-01 - Rat des Stadtbezirks Berlin-Mitte, Bezirksbürgermeister
LAB C Rep. 131-11 - Rat des Stadtbezirks Berlin-Mitte, Abteilung Finanzen
LAB C Rep. 150-02-02 - Rat des Stadtbezirks Berlin-Marzahn, Ratssitzungen
LAB C Rep. 150-13 - Rat des Stadtbezirks Berlin-Marzahn, Abteilung Volksbildung
LAB C Rep. 151-01 Rat des Stadtbezirks Hohenschönhausen, Stadtbezirksbürgermeister
LAB C Rep. 151-16 - Rat des Stadtbezirks Hohenschönhausen, Abteilung Gesundheits- und Sozialwesen
LAB C Rep. 152-01 - Rat des Stadtbezirks Berlin-Hellersdorf, Bezirksbürgermeister
LAB C Rep. 303 - Präsidium der Volkspolizei Berlin
LAB C Rep. 960 - Kulturbund der DDR, Bezirksorganisation Berlin
BArch DA 3 Zentraler Runder Tisch
4. Literatur
Der Zentrale Runde Tisch der DDR. Wortprotokolle und Dokumente. 5 Bde., bearbeitet, mit einem einleitenden Essay versehen und hgg. von Uwe THAYSEN. Wiesbaden 2000.
ALBRECHT, Martin u.a.: Das Pankower Modell. Momente des Runden Tisches im Stadtbezirk Berlin-Pankow 1989-1990, Berlin 2003.
BREUNIG, Werner: Berlin-Chronik 1990, in: Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 1991, hgg. v. Dagmar UNVERHAU, Berlin 1991, S. 263-421.
HAHN, André: Der Runde Tisch: das Volk und die Macht - politische Kultur im letzten Jahr der DDR, Berlin 1998.
IZEKI, Tadahisa: Das Erbe der Runden Tische in Ostdeutschland: bürgerorientierte Foren in und nach der Wendezeit, Frankfurt am Main 1999.
KUNZE, Gerhard: Grenzerfahrungen. Kontakte und Verhandlungen zwischen dem Land Berlin und der DDR 1949 -1989, Berlin 1999.
REICHHARDT, Hans J.: Berlin-Chronik 1989. Ereignisse in und um Berlin, in: Berlin in Geschichte und Gegenwart. Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 1990, hgg. v. DEMS., Berlin 1990, 295-438.
SCHRÖDER, Roswitha: Politischer Umbruch und Bürgerbewegung: Publikationsfindbuch zum Bestand DA 3 - Zentraler Runder Tisch, in: Mitteilungen aus dem Bundesarchiv 1/2008, 16. Jahrgang,
vgl. http://www.argus.bstu.bundesarchiv.de/DA3-26498/index.htm
SEMTNER, Klemens: Der Runde Tisch in der DDR, München 1992.
THAYSEN, Uwe: Der Runde Tisch. Oder: Wo blieb das Volk ? Der Weg der DDR in die Demokratie, Opladen 1990.
THAYSEN , Uwe: Der zentrale Runde Tisch der DDR. Leistungen und Legenden, in: FRICKE, Karl Wilhelm - LECHNER, Hans - THAYSEN, Uwe: Errungenschaften und Legenden. Runder Tisch, Willkürherrschaft und Kommandowirtschaft im DDR-Sozialismus (Deutsch-land-Report 11) Melle 1990.
WINKLER, Friedrich: Die Moderatoren der Runden Tische. Evangelische Kirche und Politik 1989/90, Leipzig 1999.
Berlin, im November 2008 / April 2019 Wolfgang Krauth / Kerstin Bötticher
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person who submitted a compensation claim for damage caused by Nazi persecution. If the application was submitted by a person other than the persecuted person, this other person is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecuted person, if there is one, is noted. In the sources, the persecuted person is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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