Rottendorf; Ennigerloh (Bestand)
Show full title
N 116 N 116 Rottendorf; Ennigerloh
Kreisarchiv Warendorf (Archivtektonik)
1864-2009
Form und Inhalt: Vorwort
zum Bestand N 116, Andreas Josef Rottendorf
Biographie:
Andreas Josef [Schulte zu Ennigerloh gen.] Rottendorf wurde am 10. Oktober 1897 auf dem Hof Nr. 49, dem Schultenhof, in Ennigerloh als Sohn der Eheleute Heinrich Stephan und Josepha Antoinette Rottendorf geb. Wilke, geboren und fünf Tage später auf dem Standesamt gemeldet. Er selbst nannte sich später gelegentlich "Schulte Rottrup". Die Familie war seit etwa 700 Jahren in Ennigerloh ansässig. Auch die im 17. Jahrhundert hauptsächlich in Münster wirkenden Ärzte und Humanisten Bernhard Rottendorf sen. und jun werden zu dieser Familie gerechnet und waren die bekanntesten Mitglieder der Familie.
Andreas Josef Rottendorf besuchte bis 1912 die Rektoratsschule (Laurentianum) in Oelde und wechselte dann an das Paulinum in Münster. Dort schloss er 1916 wegen des Krieges vorzeitig mit dem Abitur ab. Schon 1915 wurden einige Mitschüler, 1916 schließlich der ganze Jahrgang eingezogen. Rottendorf entschloss sich, Offizier zu werden, um nicht wie die meisten Klassenkameraden zur Infanterie, sondern zu einem berittenen Truppenteil eingezogen zu werden. 1917 wurde er in Hilden zum Leutnant befördert und an der Front in Belgien und Frankreich eingesetzt.
Seine Feldpostbriefe tragen 1917/18 den Absender "Mun.-Kol.n./A. Nr. 242", wobei es sich lt. Mitteilung der Deutschen Dienststelle v. 25. Februar 2004 um die Artillerie-Munitionskolonne 242 handelt, über deren Unterstellung und Einsatzraum keine Angaben gemacht werden konnten, das jedoch 1918 durch die Train-Abteilung 16 des XVI. Armeekorps abgewickelt wurde. Laut "Dienstaltersliste der Offiziere der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps 1918", 19. Jahrgang, S. 222 war Rottendorfs letzter Friedenstruppenteil die Trainabteilung 21 (= 2. Rheinische Train-Abteilung Nr. 21, Standort Forbach). In einigen Gedichten Rottendorfs spiegelt sich die Zeit des Ersten Weltkriegs wider, ohne jedoch Details preiszugeben.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs blieb Rottendorf Soldat und besuchte die Offiziersschule in Potsdam. Er wurde zur Grenzfestsetzungskommission nach Danzig und Polen abkommandiert. Anschließend befand er sich an verschiedenen Standorten, u.a. Halberstadt, Stendal und Magdeburg. Danach versuchte er, seine Versetzung nach Münster zu erlangen, und kam schließlich als Leiter der Verbindungsstelle mit den Alliierten zur Heeresfriedenskommission nach Münster. 1922 schied er aus dem Dienst aus. Die Gründe hierfür sind nicht ganz klar. Ein Zeitungsartikel zu seinem 40. Dienstjubiläum gibt als Grund einen schweren Verkehrsunfall im Dienst an. In den Briefen an seine Mutter äußert er schon vorher die Befürchtung, dass er im Zuge der Verkleinerung der Reichswehr entlassen werden würde.
Rottendorf immatrikulierte sich schon Ostern 1921 für das Sommersemester an der Rechts- und Staatswisswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Als Adresse gab er die Brockhoffstraße 2 an. Mit den gleichen Daten war er auch für das folgende Wintersemester 1921/22 in Münster immatrikuliert. Da für die folgenden Jahre die Überlieferung im Universitätsarchiv nicht geschlossen ist, kann keine Aussage über sein Studienende getroffen werden. Eine Promotion kann jedoch ausgeschlossen werden, da für ihn kein Promotionsvorgang in der hier lückenlosen Überlieferung im Universitätsarchiv vorhanden ist.
Es ist wahrscheinlich, dass Rottendorf schon 1922 sein Studium in Münster abbrach, da er ab dem 9. Oktober 1922 in Bückeburg gemeldet war und ab November 1922 Briefe aus Bückeburg vorliegen, nachdem er am 31. Oktober 1922 noch in Münster geheiratet hatte. Schon im gleichen Jahr trat er als Kaufmann in eine chemische Fabrik in Bückeburg ein. Ob es die Chemischen Werke Schaumburg waren, von denen er für 62.000 Reichsmark Aktien kaufte, ist nicht klar, allerdings waren er und seine Frau ab dem 13. November 1922 mit der Adresse Chemische Werke, Feldstr. 10a in Bückeburg gemeldet (Niedersächsisches Staatsarchiv Bückeburg, Dep 9 (Stadt Bückeburg) R Nr. 392).
Unklar ist, ob er das Aktiengeschäft im Auftrag tätigte oder sich Geld für seine eigenen Geschäfte lieh, allerdings hatte er im November 1921 von seiner Mutter 8.000 Mark Kriegsanleihe und 52.000 Mark in Bar als Abfindung vom elterlichen Erbteil erhalten. Der Kurs der Aktien stieg in den nächsten Jahren beträchtlich und die Dividenden lagen weit über dem Durchschnitt, so dass es sich um eine lohnende Geldanlage handelte. Ein Jahr später berichtete er in einem Brief erneut vom Kauf von Aktien der gleichen Gesellschaft. Dieser Kauf fiel mit der Auszahlung einer Abfindung der Reichswehr zusammen, so dass anzunehmen ist, dass er dieses Geld in Aktien investierte. Damit legte er den Grundstein für sein späteres Vermögen.
Am 31. Oktober 1922 heiratete er in Münster Rose Nierenberger (geb. 18. April 1899 in Eschau/Elsass; gest. 29. Januar 1981), deren Eltern in Oberney bei Straßburg lebten, und richtete sich häuslich ein. Drei Jahre später ging er wohl für die Chemischen Werke Fehmeyer und Nolting als Direktionsassistent nach Berlin (Abmeldung nach Berlin-Lichterfeld-West, Richard-Wagner-Str. 19 am 5. Juni 1925). Innerhalb Berlins wechselte das Ehepaar mehrmals die Wohnung, um schließlich Ende 1926 oder Anfang 1927 nordwestlich von Berlin in Velten/Mark eine komfortablere Wohnung zu nehmen.
Im Februar 1928 kündigte Rottendorf seiner Mutter an, dass er beabsichtige, sich selbständig zu machen. Von dem Apotheker Zehrfeld, der Tabletten und Dragées produzierte, kaufte er eine kleine Produktionsstätte. So entstand 1928 (den Gründungstag legte Rottendorf nachträglich auf den 10. Oktober - seinen Geburtstag - fest) die Chemische Fabrik Rottendorf, die zunächst am ursprünglichen Standort erfolgreich produzierte, auch wenn Rottendorf sich über die schlechte Zahlungsmoral der Kunden und über unzuverlässige Mitarbeiter beklagte. 1933 investierte er in einen Fabrikneubau in der Kaiserin-Augusta-Allee, so dass er im industriellen Maßstab Granulate, Tabletten und Dragées produzieren konnte. Schon zwei Jahre nach dem Neubau betrug die Gesamtproduktion 30 Tonnen. Bis 1939 gelang es, den Ausstoß auf mehr als das Vierfache zu steigern.
Sein Privatleben verlief in dieser Zeit nicht so reibungslos wie seine Geschäfte. Rottendorfs Kinderwunsch blieb unerfüllt, da seine Frau Rose trotz Operation keine Kinder bekommen konnte. Er fiel den Ennigerlohern nach dem Zweiten Weltkrieg oft durch seine Kinderliebe und Großzügigkeit gegenüber Kindern auf, was die Stärke seines Wunsches erahnen lässt. Rottendorf selbst litt an Übergewicht und musste Diät halten, wie er mehrfach in Briefen erwähnt. In diesem Zeitraum hatte er zunehmend mehr Zeit und Mittel für die Jagd, die er leidenschaftlich betrieb. Schon in Bückeburg schien er sich erst richtig heimisch zu fühlen, als ihm seine Flinten nachgeschickt wurden. Seit 1937 erwähnt er, dass er eine eigene Jagd in Ungarn gepachtet hatte und einige Jagdaufenthalte sind dort für die folgende Zeit nachweisbar. Er jagte auf Rügen und wohl auch in der Umgebung von Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielt die Jagd im Leben Rottendorfs weiter eine wichtige Rolle, wie es nicht zuletzt viele seiner Gedichte zeigen. In den nächsten Jahren scheint Rottendorf viel auf Reisen gewesen zu sein. Seine Reisen, auf denen er Geschäftliches mit Privatem verband, führten ihn nach Ungarn, in den Schwarzwald, nach Frankreich, Oberschlesien und immer wieder nach Westfalen, dem er Zeit seines Lebens eng verbunden blieb.
Der Zweite Weltkrieg veränderte auch Rottendorfs Leben stark. Auf der einen Seite berichtet er von einer extrem guten Auftragslage des Betriebes, der 1939 50 Mitarbeiter beschäftigte. Auf der anderen Seite wurde er wieder Soldat, so dass die Führung des Unternehmens durch seinen Frontdienst zunehmend schwerer und schließlich sogar unmöglich für ihn wurde. Dennoch scheint der Betrieb durch den Einsatz seiner Frau Rose, die vorher die Buchführung innehatte und nunmehr faktisch die Geschäftsführung übernahm, erfolgreich gewesen zu sein. Die Auftragslage war gut und die Produktionskapazitäten waren ausgelastet, als sich der Medikamenten-Bedarf im Krieg erhöhte. Nachdem die Verwaltung bereits am 1. März 1943 ausgebombt worden war, zerstörte ein Bombenangriff in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1943 den Betrieb in der Kaiserin-Augusta-Allee 4 bis auf die Grundmauern. Da das Unternehmen kriegswichtige Medikamente herstellte, wurde die Produktion, in der auch russische Zwangsarbeiter aus dem Raum Kiew beschäftigt waren, 1944 nach Reichenbach/Vogtland zwischen Zwickau und Plauen in die Räume einer Zuckerfabrik ausgelagert. Selbst hier kam es zur Ausbombung und dadurch zu Stockungen der Produktion.
Rottendorfs Militärdienst im Zweiten Weltkrieg lässt sich aufgrund der Mitteilung der Deutschen Dienststelle v. 25.02.2004 gut nachvollziehen (genaue Dienstzeiten s.u.), während seine Briefe an die Mutter diesbezüglich nur wenige konkrete Informationen enthalten: Am 26. August 1939 wurde Rottendorf wieder zum Militärdienst eingezogen. Als Adjutant nahm er am Überfall auf Polen teil und gehörte - wenigstens kurzzeitig - zur Besatzung Warschaus. Anschließend war er in Sorau/Lausitz stationiert. Seit Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion war Rottendorf in verschiedenen Stäben an der Front in der Führung und Versorgung eingesetzt. Über Rumänien kam er auf die Krim und führte im Oktober 1942 ein Kommando am Asowschen Meer. Im Winter 1942/43 war er auf der Krim stationiert. Nach eigener Aussage fand er von 1941 bis 1943 im Kriegsgefangenenwesen und in der "Bandenbekämpfung" in der 11. Armee "in ganz exponierter Stellung" Verwendung, war vom 26. April bis 27. Juli 1943 als "Ia - Bandenbekämpfung" beim Befehlshaber Krim unter ausschließlicher Verantwortung dem Chef des Generalstabes und dem Befehlshaber gegenüber eingesetzt, gab die "grundlegenden Befehle für die Bandenbekämpfung" und nahm an dieser aktiv im Raum Karasu-Basar, auf dem Demertschi-Plateau und auf der südlichen Krim als Kommandeur von Truppenteilen in Regimentsstärke teil und sorgte für die "führungsmäßige Räumung, Lähmung und Zerstörung" der Krim. Mit dem ihm verliehenen Bandenkampfabzeichen wurden Einsätze in der "Bandenbekämpfung" von 20 bis 49 Tagen ausgezeichnet. Der tatsächliche Verlauf und Hintergrund dieser Einsätze wurden nicht rekonstruiert. Während des Rückzuges 1944 war er in Rumänien und schließlich in Ungarn eingesetzt. Über sein Schicksal gegen Ende des Krieges ist wenig bekannt. Er geriet am 8. Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde Ende Juli 1945 nach Neubeckum entlassen. Im August 1945 schrieb Rottendorf schon aus Göttingen bei Wadersloh (Westfalen) an seine Mutter.
Die Produktion in Reichenbach wurde nach der Besetzung durch russische Truppen und nahezu vollständigen Beschlagnahmung des Warenlagers im Wert von 100.000 Mark wegen der hohen Produktionsauflagen und gleichzeitigem Rohstoffmangel eingestellt, obwohl der Maschinenbestand intakt war. Eine Rückkehr nach Reichenbach kam für Rottendorf wegen seiner militärischen Verwendung und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg nicht in Frage. Rottendorf mietete statt dessen in Berlin-Spandau, Brunsbütteler Damm etwa 1.000 qm Raum an, jedoch behinderten die Blockade, der damit einhergehende Ausfall der Kundschaft in der sog. SBZ und die teilweise Abwanderung der Berliner Kundschaft nach Westen die in kleinem Stil aufgenommene Herstellung, so dass lediglich in der Turmstraße in Berlin bis mindestens 1951 produziert wurde. Aber schon im März 1946 bemühte sich Rottendorf bei der Militärverwaltung darum, einen Betrieb in Ennigerloh eröffnen zu dürfen. Für kurze Zeit nahm Rottendorf die Produktion in einer stillgelegten Schokoladenfabrik in Herford wieder auf, da ihm noch keine anderen Fabrikräume zur Verfügung standen. Am 1. Juni 1949 konnte endlich die Produktion in der neuerrichteten Fabrik in Ennigerloh auf dem etwa 30.000 qm großen Gelände an der Ostenfelder Straße aufgenommen werden, das er nach und nach einschließlich der Direktionsvilla von dem kinderlosen Ehepaar Stolze gekauft hatte. Unklar bleibt, wann Rottendorf endgültig von Berlin nach Ennigerloh zurückkehrte. Er konnte jedoch nicht mehr auf seinen elterlichen Hof zurückkehren, da seine Mutter diesen 1910 an die Zementindustrie verkauft hatte und schließlich nach Münster gezogen war. Um den Erlös dieses Verkaufs wurde in der Folge ein gerichtlicher Streit zwischen der Mutter Rottendorfs und ihren Geschwistern geführt. Rottendorf trauerte diesem Hof noch lange nach. Er musste in der ersten Zeit Quartier in der Gaststätte Nünning (heute Kolpinghaus) nehmen, bevor er 1950 eine Villa außerhalb des Ortskerns kaufte.
Für eine Betätigung als Schriftsteller vor den frühen 1950er Jahren liegen keine Nachweise vor. Rottendorf hinterließ eine Fülle von Gedichten, die er zum Teil in den 1950er und 1960er Jahren in der Glocke veröffentlichte. Rottendorf gründete den Verlag "Contra torrentem", in dem er seine Gedichte und anderen kleineren Schriften verlegte. Als Verlagssitz wählte er Berlin, wo seine Frau ihren Hauptwohnsitz aufrecht erhielt. Er veröffentlichte unter anderem folgende Gedichtbände und Prosawerke, die sich auch im Nachlass befinden: 1958 "Düörgemeus" (niederdeutsche Gedichte), 1959 "Am Rande" (Prosa), "Die enterbte Seele" (Vorabdruck als Geschenk für Geschäftsfreunde zur Jahreswende), 1960 "Zur Weihnacht und zur Jahreswende 1960/61", 1962 "De Dag Vergonk" (Bemerkungen zu seinem 65. Geburtstag), "Bittere Pillen" (hochdeutsche Gedichte), "Das Blinde Huhn" (hochdeutsche Gedichte), 1963 "Sand im Getriebe" (Prosa), 1964 "Arabesken" (Prosa), "Ick sinn de Finck Ick sing" (niederdeutsche Gedichte), 1966 "Wegemarken" (hochdeutsche Gedichte), 1967 "Bagatellen" (Prosa) und "Hakäsen" (niederdeutsche Gedichte).
Was Rottendorf dazu bewegte, Gedichte, die zu einem guten Teil als Heimatgedichte bezeichnet werden können aber auch Gedichte zu aktuellen politischen und sozialen Themen und Reflektionen über die Vergangenheit waren, zu schreiben, ist nicht klar. Eine Inspiration durch Augustin Wibbelt, den er persönlich kannte und mit dem er nach dem Zweiten Weltkrieg mindestens ein nachbarschaftliches Verhältnis pflegte, ist nicht auszuschließen. Auch der Schriftsteller und Dichter Heinrich Luhmann gehörte zu den Freunden Rottendorfs.
Rottendorf trat daneben als Förderer der Mundartdichtung auf und stiftete 1963 den Preis für die Erforschung, Erhaltung und Verbreitung der niederdeutschen Sprache - kurz auch Rottendorf-Preis für niederdeutsche Sprache -, den er selbst von 1963 bis 1969 verlieh und nach einer Unterbrechung seit 1976 von der Rottendorf-Stiftung verliehen wird. Auch das heutige Heimathaus, das "Kleine Drubbelhaus", ist dem Engagement Rottendorfs zu verdanken. Als die Gemeinde das alte Haus Dorf Nr. 12, heute im Drubbel, abbrechen wollte, kaufte Rottendorf es und ließ es renovieren. Jetzt befinden sich das Heimathaus des Heimatvereins und eine Altentagesstätte darin. Auch das Haus Neuengraben versuchte er vor dem Abriss zu bewahren. Er konnte es jedoch nicht kaufen, pachtete es aber viele Jahre vom Grafen v. Galen, so dass er den Abriss hinauszögern konnte. Für dieses vielfältige Engagement wurde Rottendorf auf Anregung des Westfälischen Heimatbundes und des Kreisheimatpflegers des Kreises Beckum 1968 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse geehrt.
Rottendorf, der in Ennigerloh oft mit dem Fahrrad und fast immer mit einer alten Aktentasche, in der er nicht zuletzt Süßigkeiten für Kinder versteckt hatte, zu sehen war, wird in den Erinnerungen eines Zeitgenossen als liebenswürdig, aber mit Ecken und Kanten charakterisiert. Pflichterfüllung, Gehorsam, Pünktlichkeit und Disziplin haben sein Denken und Handeln stark beeinflusst. Ihn brachten Opportunisten und Personen auf, die Traditionen verwarfen, um dem Trend der Zeit folgen zu können. Auch in seinen Gedichten tritt dies immer wieder hervor. Ebenso verurteilte er den Nationalsozialismus und die Verbrechen während der NS-Zeit.
Rottendorf führte auch nach dem Zweiten Weltkrieg das Unternehmen erfolgreich weiter und konnte es zu einem modernen mittelständischen Betrieb ausbauen. Sein Engagement in Fachverbänden der chemisch-pharmazeutischen Industrie setzte schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein und wurde auch in der Nachkriegszeit fortgesetzt.
Rottendorf starb am 20. November 1971 im Alter von 74 Jahren in den Universitätskliniken in Münster. Bestattet wurde er in Ennigerloh, wo auch die Eltern begraben sind, in einem Sarg, den er aus einer alten Eiche fertigen lassen hat, die auf dem alten Familienbesitz gewachsen war.
Sein Unternehmen wurde nach seinem Tod zunächst von seiner Frau Rose weitergeführt. Im November 1974 wurde an der Ostenfelder Straße in Ennigerloh ein von Dr. Claus Fernbach geplanter Neubau in Betrieb genommen. Das Unternehmen wurde, wie Frau Rottendorf es bestimmt hatte, 1975 in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt. Die Rottendorf-Stiftung, die unter der "Obhut" der Societas Jesu steht, vergibt Preise für die Verbreitung niederdeutschen Gedankengutes und zur Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Pharmazie und Pharmakologie. Heute beschäftigt die Rottendorf Pharma GmbH mehr als 500 Mitarbeiter.
Dienstzeiten Rottendorfs in der Wehrmacht (lt. Deutsche Dienststelle):
Heimatanschrift 1939: Berlin-Schmargendorf, Friedrichshallerstr. 31
Heimatanschrift 1943/44: Berlin-Grunewald, Trabener Str. 21.
Truppenteile:
lt. Meldungen v. 07. U. 18.09.1939: beim Stab Divisionsführer 354 (Unterstand der 50. Infanterie-Division; Einsatzraum September 1939: Polen)
am 07.11.1939: aus dem Reserve-Lazarett 112 Berlin dienstfähig zur Kraftfahr-Ersatzabteilung 3, Standort Rathenow versetzt
lt. Meldung v. 11.03.1940: beim Stab Kraftfahr-Ersatzabteilung 23 (aus Teilen der Kraftfahr-Ersatzabteilung 3 gebildet), Standort Sorau/Lausitz (Wehrkreis III)
lt. Meldung v. 19.07.1940: bei der 3. Kompanie Kraftfahr-Ersatzabteilung 23
lt. Meldung v. 12.09.1940: beim Stab Kraftfahr-Ersatzabteilung 23
lt. Meldungen v. 20.05.1941 u. 10.06.1943: beim Kommandant rückwärtiges Armeegebiet (auch Oberfeldkommandantur 553 genannt)
lt. Meldungen v. 11.11.1943 u. 15.04.1944: beim Befehlshaber Heeresgebiet A [Adjutant], Zugang von Befehlshaber Westtaurien
lt. Meldung v. 10.06.1944: beim Befehlshaber der deutschen Truppe in Nordrumänien [Dienststellung: Ia-Offizier = Adjutant)
Lazarettaufenthalte:
19.09.1939: Kriegslazarett 1/581 Bromberg (Erkrankung, Zugang von der Truppe)
22.09.1939: Abgang zur weiteren Behandlung im Reservelazarett 112 Berlin
07.11.1939: dienstfähig zur Kraftfahr-Ersatzabteilung 3, Standort Rathenow
29.03.1941-19.04.1941: Reservelazarett 101 in Berlin (Erkrankung, Zugang von der Truppe; Abgang dienstfähig zur Truppe)
30.08.1943-08.09.1943: Kriegslazarett 3/509 Simferopol [Krim] (Erkrankung, Zugang von der Truppe; Abgang dienstfähig zur Truppe)
Keine Angaben zur Kriegsgefangenschaft/Internierung
Dienstgrade:
31.08.1917 (Datum des Patents): Leutnant des Trains
lt. Meldung v. 29.03.1941: Hauptmann
lt. eigenen Angaben: Major
Orden und Ehrenzeichen:
EK II (1914)
Frontkämpferkreuz
Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern
Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern
Medaille Winterschlacht im Osten (Ostmedaille)
Krone Rumäniens mit Schwertern 5. Klasse
Rumänische Medaille Kreuzzug gegen den Kommunismus
Krimschild
Ritterkreuz des Ordens der heiligen Krone mit Schwertern (Ungarn)
Offizierkreuz des Ordens der heiligen Krone mit Schwertern (Ungarn)
Bandenkampfabzeichen in Bronze (30. Januar 1945)
Ungarische Kriegserinnerungsmedaille
Bulgarische Kriegserinnerungsmedaille
Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2. Februar 1968)
Bestandsgeschichte:
Der Bestand wurde in vier Abgaben an das Kreisarchiv als Dauerleihgabe übergeben.
Am 5. Oktober 1992 überreichte Dr. Claus Fernbach, der ehemalige Geschäftsführer der Rottendorf Pharma GmbH und Mitkurator der Rottendorf-Stiftung, 14 Ordner mit maschinenschriftlichen Gedichten, drei Ordner mit Veröffentlichungen in "Die Glocke", einen Ordner und 15 Stenoblöcke handschriftliche Gedichte und diverse publizierte Druckschriften. Der Aufbau des Bestands wurde erhalten, indem die Verzeichnungseinheiten analog zu den Ordnern gebildet wurden. Der Nachlass wurde entmetallisiert und umgebettet. Die Gedichte wurden 1992/1993 von Frau Baumgarten erfasst, so dass eine alphabetische Liste und eine Liste, die den Überlieferungszusammenhang des Bestandes widerspiegelt, gebildet werden konnte.
Mit den beiden folgenden Abgaben, die ebenfalls Dr. Fernbach dem Kreisarchiv am 19. November 2003 und am 7. April 2004 in vier Kartons übergab, ist der Bestand um Briefwechsel, persönliche Dokumente, Familiengeschichtliches, Zeitungsausschnitte und weitere Publikationen ergänzt worden. Die Abgabe enthielt nicht nur Dokumente von Andreas Josef Rottendorf, sondern auch seiner Eltern und Großeltern.
Die Dokumente, die rein chronologisch vorsortiert waren, was nicht die ursprüngliche Ordnung widerspiegelte, wurden nach Art und Provenienz geordnet: 1. Familiengeschichte, 2. persönliche Dokumente (Josepha und Heinrich Rottendorf (Eltern des Andreas Josef Rottendorf), Andreas Josef Rottendorf), 3. Dokumente zur Hofstelle, 4./5. Zeitungsausschnitte, Prospekte, Druckschriften, 6. Veröffentlichungen, 7. Gedichte.
Die Abgaben wurde zusammengeführt und verzeichnet, wobei auf die schon erfassten Gedichttitel zurückgegriffen werden konnte. Die Briefe und Karten wurden mit Datum, Ort und kurzer Inhaltsangabe erfasst. An Korrespondenz ist enthalten: Josepha Rottendorf, sieben Briefe (1890-1927), Maria Catharina Bernardina ("Dina") Rottendorf an ihre Eltern, zwei Briefe (1864-1866), Heinrich Stephan Rottendorf, zwei Briefe (1864-1911), Andreas Josef Rottendorf, 109 Briefe und Karten, 100 an seine und einer von seiner Mutter (1911-1950), Irma Praxedis (Marianne) an Andreas Josef Rottendorf, ein Brief (1950).
Unter der Nr. 47 ist eine von Dr. Claus Fernbach angelegte Materialsammlung zur Familie und zum Unternehmen Rottendorf eingefügt, die originär nicht zum Nachlass gehört.
Für die Gedichte, die bisher über Listen erschlossen waren, wurden Signaturen vergeben, die den Überlieferungszusammenhang widerspiegeln. Der Bestand zählt 46 Verzeichnungseinheiten, die in sieben Archivkartons lagern, und hat eine Gesamtlaufzeit von 1864 bis 1997.
Eine vierte Ablieferung im Umfang von drei Archivkartons erfolgte am 17. November 2014 durch Herrn Dr. Claus Fernbach, ehemaliger Geschäftsführer der Firma Rottendorf Pharma in Ennigerloh.
Dieser Ablieferung wurden im Mai 2015 weitere Dokumente aus dem Besitz der Firma Rottendorf in Ennigerloh hinzugefügt.
Der thematische Schwerpunkt des Bestandes liegt auf dem Leben und Werk Andreas Josef Rottendorfs. Nummer 20 bis 46 enthalten die veröffentlichten und unveröffentlichten Gedichte Rottendorfs sowie seine sonstigen Schriften. Diese Sammlung ist, soweit dies zu überblicken ist, annähernd vollständig. Insgesamt sind 2678 Gedichte (ohne die in Druckschriften publizierten) in nieder- und hochdeutscher Sprache vorhanden, die soweit es nachzuvollziehen ist, ab den 1950er Jahren entstanden sind. Dabei liegen viele Gedichte mehrfach und in unterschiedlichen Versionen vor. Schätzungsweise handelt es sich um 1500-1700 unterschiedliche Gedichte. Die Signaturen der ursprünglichen Ordner "A" bis "O" wurden übernommen und die veröffentlichten Gedichte bekamen die Signaturen "V1" bis "V3". Die Stenoblöcke wurden nummeriert, die Arabesken mit "Ar" und unsortierte Gedichte mit "un" gekennzeichnet. Für die Gedichte, die sich in dem von Rottendorf als "Das Ausgeschiedene" bezeichneten Ordner befanden, wurde das Kürzel "aus" vergeben. Innerhalb der einzelnen Verzeichnungseinheiten sind die Gedichte nummeriert worden, soweit noch keine Nummern vorhanden waren. Dabei sind hintereinanderliegende Dubletten übersprungen worden. Die Stenoblöcke wurden paginiert. Über die Kombination der Buchstaben und Zahlen mit der Nummer der Verzeichnungseinheit, lässt sich jedes Gedicht auffinden.
Rottendorf selbst hat einige Abkürzungen verwendet, um Gedichtreihen zu bilden: "X" steht dabei für Xenien. Die anderen Abkürzungen "R" (sieben Gedichte), "SM" (49 Gedichte, die meist Ortsbeschreibungen enthalten) und "XP" (ein Gedicht) konnten nicht aufgelöst werden. Einige Gedichte hat Rottendorf mit den Buchstaben "TN" markiert, die sich als "Taugt nichts" auflösen lassen, und somit eine Wertung Rottendorfs darstellen.
Den Gedichten liegen verschiedenste Themen zu Grunde. Neben der Heimatverbundenheit geben sie zeitgeschichtliche, geschäftliche und persönliche Ereignisse wieder. Daneben findet sich Kritik an Gesellschaft und Politik und in einigen Gedichten der Bezug zur Vergangenheit, besonders zum NS-Regime, und zu den beiden Weltkriegen. Wie weit die Beschreibungen aus der Zeit vor 1945 autobiographisch sind, ist nicht klar. An vielen Stellen ist dies zu vermuten, an anderen anzuzweifeln.
Die Briefe an seine Mutter decken den Zeitraum von Rottendorfs Schulzeit bis zur Unternehmensansiedlung in Ennigerloh ab und sind überwiegend privaten Inhalts. Neben Erlebnisberichten und alltäglicher Kommunikation, ist immer das besonders enge Verhältnis zwischen Mutter und Sohn zu erkennen. Die anderen Briefwechsel sind stark persönlicher Natur und durch ihren geringen Umfang weniger aussagekräftig.
Die Sammlung von Dokumenten zu Rottendorf ergänzt die Briefwechsel, so dass sich aus dem Bestand ein Überblick über das private - aber nur eingeschränkt das berufliche und militärische - Leben Rottendorfs und sein Wirken als Dichter und Schriftsteller gewinnen lässt. Neben einigen Kalendern und Schulheften der Mutter Rottendorfs befinden sich Dokumente, die die Vererbung der Hofstelle an seine Eltern und den Verkauf Anfang des 20. Jahrhunderts wiedergeben, im Bestand. Ebenso ist ein Verfahren der Eheleute Georg Höner gegen Josepha Rottendorf wegen Abfindung aus dem Erbe des Gerhard Rottendorf enthalten. Eine Sammlung zur Familiengeschichte und Abstammungsnachweise sind wahrscheinlich in den 1930er Jahren entstanden und beleuchten einige Kapitel der Familiengeschichte.
Benutzung:
Der gesamte Bestand ist nicht gesperrt. Urheberrechtliche Ansprüche bei der Veröffentlichung von Gedichten und Gedichtauszügen sind mit der Rottendorf-Stiftung, Ostenfelder Str. 51- 61, 59320 Ennigerloh, Tel: 02524/268-0, Fax: 0049-2524-268-100, E-Mail: info@rottendorf.de (Stand Mai 2004), zu regeln.
Literatur (soweit nicht im Bestand enthalten):
- A.J. Rottendorfs Vermächtnis erfüllt, in: An Ems und Lippe: Heimatkalender für den Kreis Warendorf 1977, S. 52.
- Chemische Fabrik Rottendorf GmbH: 1928-1978 (Ennigerloh, [1978]).
- Barth, Rudolf, Andreas J. Rottendorf, der letzte seines Geschlechts, in: Münsterland: Jahrbuch des Kreises Warendorf 1997, S. 204-205.
- Fechtrup, Hermann, Zum 100. Geburtstag von Andreas J. Rottendorf, Jahrbuch der Augustin Wibbelt-Gesellschaft 12 (1996), S. 102-104.
- Fernbach, Claus, Industriegeschichte mit Sonderfall Pharma: Firma Rottendorf als Mitbegründer des örtlichen Wohlstands, in: Münsterland: Jahrbuch des Kreises Warendorf 1997, S. 104-108.
- Lahrkamp, Helmut, Bernhard Rottendorf, in: Robert Stupperich (Hg.): Westfälische Lebensbilder (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens XVII A), Münster 1970, S. 19-38.
- Lehnhart, Norbert, "Szenenwechsel", in: ders., Westfalen ein Rosinenbrot (o.O., 6. Auflage [2003]), S. 169-189.
- Rath, Jochen, "Meine geliebte Mutter ..." - Manuskripte und Korrespondenz von Andreas J. Rottendorf und Dr. Otto Nisch im Kreisarchiv Warendorf hinterlegt, in: Münsterland - Jahrbuch des Kreises Warendorf 54 (2005), S. 315-317.
- Rottendorf, Andreas J., Gedichte, in: Chemische Fabrik Rottendorf GmbH: 1928-1978, Ennigerloh [1978].
- Rottendorf, Andreas J., Der letzte Besuch bei Augustin Wibbelt, in: Unsere Heimat Kreis Beckum 1972, S. 108-109.
- Schmieder, Siegfried, Ennigerloh: Häuser und Höfe (Schriftenreihe der Aemtersparkasse Oelde-Ennigerloh, Bd. 10) Oelde 1988.
- Schmieder, Siegfried/Friedrich Helmert, Ennigerloh: Chronik einer münsterländischen Gemeinde, Ennigerloh 1983.
Zitierweise:
Der Bestand ist folgendermaßen zu zitieren:
Kreisarchiv Warendorf, N 116 Andreas Josef Rottendorf Nr. [ ]
Warendorf, Mai 2004 und Juli 2015
zum Bestand N 116, Andreas Josef Rottendorf
Biographie:
Andreas Josef [Schulte zu Ennigerloh gen.] Rottendorf wurde am 10. Oktober 1897 auf dem Hof Nr. 49, dem Schultenhof, in Ennigerloh als Sohn der Eheleute Heinrich Stephan und Josepha Antoinette Rottendorf geb. Wilke, geboren und fünf Tage später auf dem Standesamt gemeldet. Er selbst nannte sich später gelegentlich "Schulte Rottrup". Die Familie war seit etwa 700 Jahren in Ennigerloh ansässig. Auch die im 17. Jahrhundert hauptsächlich in Münster wirkenden Ärzte und Humanisten Bernhard Rottendorf sen. und jun werden zu dieser Familie gerechnet und waren die bekanntesten Mitglieder der Familie.
Andreas Josef Rottendorf besuchte bis 1912 die Rektoratsschule (Laurentianum) in Oelde und wechselte dann an das Paulinum in Münster. Dort schloss er 1916 wegen des Krieges vorzeitig mit dem Abitur ab. Schon 1915 wurden einige Mitschüler, 1916 schließlich der ganze Jahrgang eingezogen. Rottendorf entschloss sich, Offizier zu werden, um nicht wie die meisten Klassenkameraden zur Infanterie, sondern zu einem berittenen Truppenteil eingezogen zu werden. 1917 wurde er in Hilden zum Leutnant befördert und an der Front in Belgien und Frankreich eingesetzt.
Seine Feldpostbriefe tragen 1917/18 den Absender "Mun.-Kol.n./A. Nr. 242", wobei es sich lt. Mitteilung der Deutschen Dienststelle v. 25. Februar 2004 um die Artillerie-Munitionskolonne 242 handelt, über deren Unterstellung und Einsatzraum keine Angaben gemacht werden konnten, das jedoch 1918 durch die Train-Abteilung 16 des XVI. Armeekorps abgewickelt wurde. Laut "Dienstaltersliste der Offiziere der Königlich Preußischen Armee und des XIII. (Königlich Württembergischen) Armeekorps 1918", 19. Jahrgang, S. 222 war Rottendorfs letzter Friedenstruppenteil die Trainabteilung 21 (= 2. Rheinische Train-Abteilung Nr. 21, Standort Forbach). In einigen Gedichten Rottendorfs spiegelt sich die Zeit des Ersten Weltkriegs wider, ohne jedoch Details preiszugeben.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs blieb Rottendorf Soldat und besuchte die Offiziersschule in Potsdam. Er wurde zur Grenzfestsetzungskommission nach Danzig und Polen abkommandiert. Anschließend befand er sich an verschiedenen Standorten, u.a. Halberstadt, Stendal und Magdeburg. Danach versuchte er, seine Versetzung nach Münster zu erlangen, und kam schließlich als Leiter der Verbindungsstelle mit den Alliierten zur Heeresfriedenskommission nach Münster. 1922 schied er aus dem Dienst aus. Die Gründe hierfür sind nicht ganz klar. Ein Zeitungsartikel zu seinem 40. Dienstjubiläum gibt als Grund einen schweren Verkehrsunfall im Dienst an. In den Briefen an seine Mutter äußert er schon vorher die Befürchtung, dass er im Zuge der Verkleinerung der Reichswehr entlassen werden würde.
Rottendorf immatrikulierte sich schon Ostern 1921 für das Sommersemester an der Rechts- und Staatswisswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Als Adresse gab er die Brockhoffstraße 2 an. Mit den gleichen Daten war er auch für das folgende Wintersemester 1921/22 in Münster immatrikuliert. Da für die folgenden Jahre die Überlieferung im Universitätsarchiv nicht geschlossen ist, kann keine Aussage über sein Studienende getroffen werden. Eine Promotion kann jedoch ausgeschlossen werden, da für ihn kein Promotionsvorgang in der hier lückenlosen Überlieferung im Universitätsarchiv vorhanden ist.
Es ist wahrscheinlich, dass Rottendorf schon 1922 sein Studium in Münster abbrach, da er ab dem 9. Oktober 1922 in Bückeburg gemeldet war und ab November 1922 Briefe aus Bückeburg vorliegen, nachdem er am 31. Oktober 1922 noch in Münster geheiratet hatte. Schon im gleichen Jahr trat er als Kaufmann in eine chemische Fabrik in Bückeburg ein. Ob es die Chemischen Werke Schaumburg waren, von denen er für 62.000 Reichsmark Aktien kaufte, ist nicht klar, allerdings waren er und seine Frau ab dem 13. November 1922 mit der Adresse Chemische Werke, Feldstr. 10a in Bückeburg gemeldet (Niedersächsisches Staatsarchiv Bückeburg, Dep 9 (Stadt Bückeburg) R Nr. 392).
Unklar ist, ob er das Aktiengeschäft im Auftrag tätigte oder sich Geld für seine eigenen Geschäfte lieh, allerdings hatte er im November 1921 von seiner Mutter 8.000 Mark Kriegsanleihe und 52.000 Mark in Bar als Abfindung vom elterlichen Erbteil erhalten. Der Kurs der Aktien stieg in den nächsten Jahren beträchtlich und die Dividenden lagen weit über dem Durchschnitt, so dass es sich um eine lohnende Geldanlage handelte. Ein Jahr später berichtete er in einem Brief erneut vom Kauf von Aktien der gleichen Gesellschaft. Dieser Kauf fiel mit der Auszahlung einer Abfindung der Reichswehr zusammen, so dass anzunehmen ist, dass er dieses Geld in Aktien investierte. Damit legte er den Grundstein für sein späteres Vermögen.
Am 31. Oktober 1922 heiratete er in Münster Rose Nierenberger (geb. 18. April 1899 in Eschau/Elsass; gest. 29. Januar 1981), deren Eltern in Oberney bei Straßburg lebten, und richtete sich häuslich ein. Drei Jahre später ging er wohl für die Chemischen Werke Fehmeyer und Nolting als Direktionsassistent nach Berlin (Abmeldung nach Berlin-Lichterfeld-West, Richard-Wagner-Str. 19 am 5. Juni 1925). Innerhalb Berlins wechselte das Ehepaar mehrmals die Wohnung, um schließlich Ende 1926 oder Anfang 1927 nordwestlich von Berlin in Velten/Mark eine komfortablere Wohnung zu nehmen.
Im Februar 1928 kündigte Rottendorf seiner Mutter an, dass er beabsichtige, sich selbständig zu machen. Von dem Apotheker Zehrfeld, der Tabletten und Dragées produzierte, kaufte er eine kleine Produktionsstätte. So entstand 1928 (den Gründungstag legte Rottendorf nachträglich auf den 10. Oktober - seinen Geburtstag - fest) die Chemische Fabrik Rottendorf, die zunächst am ursprünglichen Standort erfolgreich produzierte, auch wenn Rottendorf sich über die schlechte Zahlungsmoral der Kunden und über unzuverlässige Mitarbeiter beklagte. 1933 investierte er in einen Fabrikneubau in der Kaiserin-Augusta-Allee, so dass er im industriellen Maßstab Granulate, Tabletten und Dragées produzieren konnte. Schon zwei Jahre nach dem Neubau betrug die Gesamtproduktion 30 Tonnen. Bis 1939 gelang es, den Ausstoß auf mehr als das Vierfache zu steigern.
Sein Privatleben verlief in dieser Zeit nicht so reibungslos wie seine Geschäfte. Rottendorfs Kinderwunsch blieb unerfüllt, da seine Frau Rose trotz Operation keine Kinder bekommen konnte. Er fiel den Ennigerlohern nach dem Zweiten Weltkrieg oft durch seine Kinderliebe und Großzügigkeit gegenüber Kindern auf, was die Stärke seines Wunsches erahnen lässt. Rottendorf selbst litt an Übergewicht und musste Diät halten, wie er mehrfach in Briefen erwähnt. In diesem Zeitraum hatte er zunehmend mehr Zeit und Mittel für die Jagd, die er leidenschaftlich betrieb. Schon in Bückeburg schien er sich erst richtig heimisch zu fühlen, als ihm seine Flinten nachgeschickt wurden. Seit 1937 erwähnt er, dass er eine eigene Jagd in Ungarn gepachtet hatte und einige Jagdaufenthalte sind dort für die folgende Zeit nachweisbar. Er jagte auf Rügen und wohl auch in der Umgebung von Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielt die Jagd im Leben Rottendorfs weiter eine wichtige Rolle, wie es nicht zuletzt viele seiner Gedichte zeigen. In den nächsten Jahren scheint Rottendorf viel auf Reisen gewesen zu sein. Seine Reisen, auf denen er Geschäftliches mit Privatem verband, führten ihn nach Ungarn, in den Schwarzwald, nach Frankreich, Oberschlesien und immer wieder nach Westfalen, dem er Zeit seines Lebens eng verbunden blieb.
Der Zweite Weltkrieg veränderte auch Rottendorfs Leben stark. Auf der einen Seite berichtet er von einer extrem guten Auftragslage des Betriebes, der 1939 50 Mitarbeiter beschäftigte. Auf der anderen Seite wurde er wieder Soldat, so dass die Führung des Unternehmens durch seinen Frontdienst zunehmend schwerer und schließlich sogar unmöglich für ihn wurde. Dennoch scheint der Betrieb durch den Einsatz seiner Frau Rose, die vorher die Buchführung innehatte und nunmehr faktisch die Geschäftsführung übernahm, erfolgreich gewesen zu sein. Die Auftragslage war gut und die Produktionskapazitäten waren ausgelastet, als sich der Medikamenten-Bedarf im Krieg erhöhte. Nachdem die Verwaltung bereits am 1. März 1943 ausgebombt worden war, zerstörte ein Bombenangriff in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1943 den Betrieb in der Kaiserin-Augusta-Allee 4 bis auf die Grundmauern. Da das Unternehmen kriegswichtige Medikamente herstellte, wurde die Produktion, in der auch russische Zwangsarbeiter aus dem Raum Kiew beschäftigt waren, 1944 nach Reichenbach/Vogtland zwischen Zwickau und Plauen in die Räume einer Zuckerfabrik ausgelagert. Selbst hier kam es zur Ausbombung und dadurch zu Stockungen der Produktion.
Rottendorfs Militärdienst im Zweiten Weltkrieg lässt sich aufgrund der Mitteilung der Deutschen Dienststelle v. 25.02.2004 gut nachvollziehen (genaue Dienstzeiten s.u.), während seine Briefe an die Mutter diesbezüglich nur wenige konkrete Informationen enthalten: Am 26. August 1939 wurde Rottendorf wieder zum Militärdienst eingezogen. Als Adjutant nahm er am Überfall auf Polen teil und gehörte - wenigstens kurzzeitig - zur Besatzung Warschaus. Anschließend war er in Sorau/Lausitz stationiert. Seit Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion war Rottendorf in verschiedenen Stäben an der Front in der Führung und Versorgung eingesetzt. Über Rumänien kam er auf die Krim und führte im Oktober 1942 ein Kommando am Asowschen Meer. Im Winter 1942/43 war er auf der Krim stationiert. Nach eigener Aussage fand er von 1941 bis 1943 im Kriegsgefangenenwesen und in der "Bandenbekämpfung" in der 11. Armee "in ganz exponierter Stellung" Verwendung, war vom 26. April bis 27. Juli 1943 als "Ia - Bandenbekämpfung" beim Befehlshaber Krim unter ausschließlicher Verantwortung dem Chef des Generalstabes und dem Befehlshaber gegenüber eingesetzt, gab die "grundlegenden Befehle für die Bandenbekämpfung" und nahm an dieser aktiv im Raum Karasu-Basar, auf dem Demertschi-Plateau und auf der südlichen Krim als Kommandeur von Truppenteilen in Regimentsstärke teil und sorgte für die "führungsmäßige Räumung, Lähmung und Zerstörung" der Krim. Mit dem ihm verliehenen Bandenkampfabzeichen wurden Einsätze in der "Bandenbekämpfung" von 20 bis 49 Tagen ausgezeichnet. Der tatsächliche Verlauf und Hintergrund dieser Einsätze wurden nicht rekonstruiert. Während des Rückzuges 1944 war er in Rumänien und schließlich in Ungarn eingesetzt. Über sein Schicksal gegen Ende des Krieges ist wenig bekannt. Er geriet am 8. Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft und wurde Ende Juli 1945 nach Neubeckum entlassen. Im August 1945 schrieb Rottendorf schon aus Göttingen bei Wadersloh (Westfalen) an seine Mutter.
Die Produktion in Reichenbach wurde nach der Besetzung durch russische Truppen und nahezu vollständigen Beschlagnahmung des Warenlagers im Wert von 100.000 Mark wegen der hohen Produktionsauflagen und gleichzeitigem Rohstoffmangel eingestellt, obwohl der Maschinenbestand intakt war. Eine Rückkehr nach Reichenbach kam für Rottendorf wegen seiner militärischen Verwendung und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg nicht in Frage. Rottendorf mietete statt dessen in Berlin-Spandau, Brunsbütteler Damm etwa 1.000 qm Raum an, jedoch behinderten die Blockade, der damit einhergehende Ausfall der Kundschaft in der sog. SBZ und die teilweise Abwanderung der Berliner Kundschaft nach Westen die in kleinem Stil aufgenommene Herstellung, so dass lediglich in der Turmstraße in Berlin bis mindestens 1951 produziert wurde. Aber schon im März 1946 bemühte sich Rottendorf bei der Militärverwaltung darum, einen Betrieb in Ennigerloh eröffnen zu dürfen. Für kurze Zeit nahm Rottendorf die Produktion in einer stillgelegten Schokoladenfabrik in Herford wieder auf, da ihm noch keine anderen Fabrikräume zur Verfügung standen. Am 1. Juni 1949 konnte endlich die Produktion in der neuerrichteten Fabrik in Ennigerloh auf dem etwa 30.000 qm großen Gelände an der Ostenfelder Straße aufgenommen werden, das er nach und nach einschließlich der Direktionsvilla von dem kinderlosen Ehepaar Stolze gekauft hatte. Unklar bleibt, wann Rottendorf endgültig von Berlin nach Ennigerloh zurückkehrte. Er konnte jedoch nicht mehr auf seinen elterlichen Hof zurückkehren, da seine Mutter diesen 1910 an die Zementindustrie verkauft hatte und schließlich nach Münster gezogen war. Um den Erlös dieses Verkaufs wurde in der Folge ein gerichtlicher Streit zwischen der Mutter Rottendorfs und ihren Geschwistern geführt. Rottendorf trauerte diesem Hof noch lange nach. Er musste in der ersten Zeit Quartier in der Gaststätte Nünning (heute Kolpinghaus) nehmen, bevor er 1950 eine Villa außerhalb des Ortskerns kaufte.
Für eine Betätigung als Schriftsteller vor den frühen 1950er Jahren liegen keine Nachweise vor. Rottendorf hinterließ eine Fülle von Gedichten, die er zum Teil in den 1950er und 1960er Jahren in der Glocke veröffentlichte. Rottendorf gründete den Verlag "Contra torrentem", in dem er seine Gedichte und anderen kleineren Schriften verlegte. Als Verlagssitz wählte er Berlin, wo seine Frau ihren Hauptwohnsitz aufrecht erhielt. Er veröffentlichte unter anderem folgende Gedichtbände und Prosawerke, die sich auch im Nachlass befinden: 1958 "Düörgemeus" (niederdeutsche Gedichte), 1959 "Am Rande" (Prosa), "Die enterbte Seele" (Vorabdruck als Geschenk für Geschäftsfreunde zur Jahreswende), 1960 "Zur Weihnacht und zur Jahreswende 1960/61", 1962 "De Dag Vergonk" (Bemerkungen zu seinem 65. Geburtstag), "Bittere Pillen" (hochdeutsche Gedichte), "Das Blinde Huhn" (hochdeutsche Gedichte), 1963 "Sand im Getriebe" (Prosa), 1964 "Arabesken" (Prosa), "Ick sinn de Finck Ick sing" (niederdeutsche Gedichte), 1966 "Wegemarken" (hochdeutsche Gedichte), 1967 "Bagatellen" (Prosa) und "Hakäsen" (niederdeutsche Gedichte).
Was Rottendorf dazu bewegte, Gedichte, die zu einem guten Teil als Heimatgedichte bezeichnet werden können aber auch Gedichte zu aktuellen politischen und sozialen Themen und Reflektionen über die Vergangenheit waren, zu schreiben, ist nicht klar. Eine Inspiration durch Augustin Wibbelt, den er persönlich kannte und mit dem er nach dem Zweiten Weltkrieg mindestens ein nachbarschaftliches Verhältnis pflegte, ist nicht auszuschließen. Auch der Schriftsteller und Dichter Heinrich Luhmann gehörte zu den Freunden Rottendorfs.
Rottendorf trat daneben als Förderer der Mundartdichtung auf und stiftete 1963 den Preis für die Erforschung, Erhaltung und Verbreitung der niederdeutschen Sprache - kurz auch Rottendorf-Preis für niederdeutsche Sprache -, den er selbst von 1963 bis 1969 verlieh und nach einer Unterbrechung seit 1976 von der Rottendorf-Stiftung verliehen wird. Auch das heutige Heimathaus, das "Kleine Drubbelhaus", ist dem Engagement Rottendorfs zu verdanken. Als die Gemeinde das alte Haus Dorf Nr. 12, heute im Drubbel, abbrechen wollte, kaufte Rottendorf es und ließ es renovieren. Jetzt befinden sich das Heimathaus des Heimatvereins und eine Altentagesstätte darin. Auch das Haus Neuengraben versuchte er vor dem Abriss zu bewahren. Er konnte es jedoch nicht kaufen, pachtete es aber viele Jahre vom Grafen v. Galen, so dass er den Abriss hinauszögern konnte. Für dieses vielfältige Engagement wurde Rottendorf auf Anregung des Westfälischen Heimatbundes und des Kreisheimatpflegers des Kreises Beckum 1968 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse geehrt.
Rottendorf, der in Ennigerloh oft mit dem Fahrrad und fast immer mit einer alten Aktentasche, in der er nicht zuletzt Süßigkeiten für Kinder versteckt hatte, zu sehen war, wird in den Erinnerungen eines Zeitgenossen als liebenswürdig, aber mit Ecken und Kanten charakterisiert. Pflichterfüllung, Gehorsam, Pünktlichkeit und Disziplin haben sein Denken und Handeln stark beeinflusst. Ihn brachten Opportunisten und Personen auf, die Traditionen verwarfen, um dem Trend der Zeit folgen zu können. Auch in seinen Gedichten tritt dies immer wieder hervor. Ebenso verurteilte er den Nationalsozialismus und die Verbrechen während der NS-Zeit.
Rottendorf führte auch nach dem Zweiten Weltkrieg das Unternehmen erfolgreich weiter und konnte es zu einem modernen mittelständischen Betrieb ausbauen. Sein Engagement in Fachverbänden der chemisch-pharmazeutischen Industrie setzte schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein und wurde auch in der Nachkriegszeit fortgesetzt.
Rottendorf starb am 20. November 1971 im Alter von 74 Jahren in den Universitätskliniken in Münster. Bestattet wurde er in Ennigerloh, wo auch die Eltern begraben sind, in einem Sarg, den er aus einer alten Eiche fertigen lassen hat, die auf dem alten Familienbesitz gewachsen war.
Sein Unternehmen wurde nach seinem Tod zunächst von seiner Frau Rose weitergeführt. Im November 1974 wurde an der Ostenfelder Straße in Ennigerloh ein von Dr. Claus Fernbach geplanter Neubau in Betrieb genommen. Das Unternehmen wurde, wie Frau Rottendorf es bestimmt hatte, 1975 in eine gemeinnützige Stiftung umgewandelt. Die Rottendorf-Stiftung, die unter der "Obhut" der Societas Jesu steht, vergibt Preise für die Verbreitung niederdeutschen Gedankengutes und zur Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses auf dem Gebiet der Pharmazie und Pharmakologie. Heute beschäftigt die Rottendorf Pharma GmbH mehr als 500 Mitarbeiter.
Dienstzeiten Rottendorfs in der Wehrmacht (lt. Deutsche Dienststelle):
Heimatanschrift 1939: Berlin-Schmargendorf, Friedrichshallerstr. 31
Heimatanschrift 1943/44: Berlin-Grunewald, Trabener Str. 21.
Truppenteile:
lt. Meldungen v. 07. U. 18.09.1939: beim Stab Divisionsführer 354 (Unterstand der 50. Infanterie-Division; Einsatzraum September 1939: Polen)
am 07.11.1939: aus dem Reserve-Lazarett 112 Berlin dienstfähig zur Kraftfahr-Ersatzabteilung 3, Standort Rathenow versetzt
lt. Meldung v. 11.03.1940: beim Stab Kraftfahr-Ersatzabteilung 23 (aus Teilen der Kraftfahr-Ersatzabteilung 3 gebildet), Standort Sorau/Lausitz (Wehrkreis III)
lt. Meldung v. 19.07.1940: bei der 3. Kompanie Kraftfahr-Ersatzabteilung 23
lt. Meldung v. 12.09.1940: beim Stab Kraftfahr-Ersatzabteilung 23
lt. Meldungen v. 20.05.1941 u. 10.06.1943: beim Kommandant rückwärtiges Armeegebiet (auch Oberfeldkommandantur 553 genannt)
lt. Meldungen v. 11.11.1943 u. 15.04.1944: beim Befehlshaber Heeresgebiet A [Adjutant], Zugang von Befehlshaber Westtaurien
lt. Meldung v. 10.06.1944: beim Befehlshaber der deutschen Truppe in Nordrumänien [Dienststellung: Ia-Offizier = Adjutant)
Lazarettaufenthalte:
19.09.1939: Kriegslazarett 1/581 Bromberg (Erkrankung, Zugang von der Truppe)
22.09.1939: Abgang zur weiteren Behandlung im Reservelazarett 112 Berlin
07.11.1939: dienstfähig zur Kraftfahr-Ersatzabteilung 3, Standort Rathenow
29.03.1941-19.04.1941: Reservelazarett 101 in Berlin (Erkrankung, Zugang von der Truppe; Abgang dienstfähig zur Truppe)
30.08.1943-08.09.1943: Kriegslazarett 3/509 Simferopol [Krim] (Erkrankung, Zugang von der Truppe; Abgang dienstfähig zur Truppe)
Keine Angaben zur Kriegsgefangenschaft/Internierung
Dienstgrade:
31.08.1917 (Datum des Patents): Leutnant des Trains
lt. Meldung v. 29.03.1941: Hauptmann
lt. eigenen Angaben: Major
Orden und Ehrenzeichen:
EK II (1914)
Frontkämpferkreuz
Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern
Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern
Medaille Winterschlacht im Osten (Ostmedaille)
Krone Rumäniens mit Schwertern 5. Klasse
Rumänische Medaille Kreuzzug gegen den Kommunismus
Krimschild
Ritterkreuz des Ordens der heiligen Krone mit Schwertern (Ungarn)
Offizierkreuz des Ordens der heiligen Krone mit Schwertern (Ungarn)
Bandenkampfabzeichen in Bronze (30. Januar 1945)
Ungarische Kriegserinnerungsmedaille
Bulgarische Kriegserinnerungsmedaille
Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (2. Februar 1968)
Bestandsgeschichte:
Der Bestand wurde in vier Abgaben an das Kreisarchiv als Dauerleihgabe übergeben.
Am 5. Oktober 1992 überreichte Dr. Claus Fernbach, der ehemalige Geschäftsführer der Rottendorf Pharma GmbH und Mitkurator der Rottendorf-Stiftung, 14 Ordner mit maschinenschriftlichen Gedichten, drei Ordner mit Veröffentlichungen in "Die Glocke", einen Ordner und 15 Stenoblöcke handschriftliche Gedichte und diverse publizierte Druckschriften. Der Aufbau des Bestands wurde erhalten, indem die Verzeichnungseinheiten analog zu den Ordnern gebildet wurden. Der Nachlass wurde entmetallisiert und umgebettet. Die Gedichte wurden 1992/1993 von Frau Baumgarten erfasst, so dass eine alphabetische Liste und eine Liste, die den Überlieferungszusammenhang des Bestandes widerspiegelt, gebildet werden konnte.
Mit den beiden folgenden Abgaben, die ebenfalls Dr. Fernbach dem Kreisarchiv am 19. November 2003 und am 7. April 2004 in vier Kartons übergab, ist der Bestand um Briefwechsel, persönliche Dokumente, Familiengeschichtliches, Zeitungsausschnitte und weitere Publikationen ergänzt worden. Die Abgabe enthielt nicht nur Dokumente von Andreas Josef Rottendorf, sondern auch seiner Eltern und Großeltern.
Die Dokumente, die rein chronologisch vorsortiert waren, was nicht die ursprüngliche Ordnung widerspiegelte, wurden nach Art und Provenienz geordnet: 1. Familiengeschichte, 2. persönliche Dokumente (Josepha und Heinrich Rottendorf (Eltern des Andreas Josef Rottendorf), Andreas Josef Rottendorf), 3. Dokumente zur Hofstelle, 4./5. Zeitungsausschnitte, Prospekte, Druckschriften, 6. Veröffentlichungen, 7. Gedichte.
Die Abgaben wurde zusammengeführt und verzeichnet, wobei auf die schon erfassten Gedichttitel zurückgegriffen werden konnte. Die Briefe und Karten wurden mit Datum, Ort und kurzer Inhaltsangabe erfasst. An Korrespondenz ist enthalten: Josepha Rottendorf, sieben Briefe (1890-1927), Maria Catharina Bernardina ("Dina") Rottendorf an ihre Eltern, zwei Briefe (1864-1866), Heinrich Stephan Rottendorf, zwei Briefe (1864-1911), Andreas Josef Rottendorf, 109 Briefe und Karten, 100 an seine und einer von seiner Mutter (1911-1950), Irma Praxedis (Marianne) an Andreas Josef Rottendorf, ein Brief (1950).
Unter der Nr. 47 ist eine von Dr. Claus Fernbach angelegte Materialsammlung zur Familie und zum Unternehmen Rottendorf eingefügt, die originär nicht zum Nachlass gehört.
Für die Gedichte, die bisher über Listen erschlossen waren, wurden Signaturen vergeben, die den Überlieferungszusammenhang widerspiegeln. Der Bestand zählt 46 Verzeichnungseinheiten, die in sieben Archivkartons lagern, und hat eine Gesamtlaufzeit von 1864 bis 1997.
Eine vierte Ablieferung im Umfang von drei Archivkartons erfolgte am 17. November 2014 durch Herrn Dr. Claus Fernbach, ehemaliger Geschäftsführer der Firma Rottendorf Pharma in Ennigerloh.
Dieser Ablieferung wurden im Mai 2015 weitere Dokumente aus dem Besitz der Firma Rottendorf in Ennigerloh hinzugefügt.
Der thematische Schwerpunkt des Bestandes liegt auf dem Leben und Werk Andreas Josef Rottendorfs. Nummer 20 bis 46 enthalten die veröffentlichten und unveröffentlichten Gedichte Rottendorfs sowie seine sonstigen Schriften. Diese Sammlung ist, soweit dies zu überblicken ist, annähernd vollständig. Insgesamt sind 2678 Gedichte (ohne die in Druckschriften publizierten) in nieder- und hochdeutscher Sprache vorhanden, die soweit es nachzuvollziehen ist, ab den 1950er Jahren entstanden sind. Dabei liegen viele Gedichte mehrfach und in unterschiedlichen Versionen vor. Schätzungsweise handelt es sich um 1500-1700 unterschiedliche Gedichte. Die Signaturen der ursprünglichen Ordner "A" bis "O" wurden übernommen und die veröffentlichten Gedichte bekamen die Signaturen "V1" bis "V3". Die Stenoblöcke wurden nummeriert, die Arabesken mit "Ar" und unsortierte Gedichte mit "un" gekennzeichnet. Für die Gedichte, die sich in dem von Rottendorf als "Das Ausgeschiedene" bezeichneten Ordner befanden, wurde das Kürzel "aus" vergeben. Innerhalb der einzelnen Verzeichnungseinheiten sind die Gedichte nummeriert worden, soweit noch keine Nummern vorhanden waren. Dabei sind hintereinanderliegende Dubletten übersprungen worden. Die Stenoblöcke wurden paginiert. Über die Kombination der Buchstaben und Zahlen mit der Nummer der Verzeichnungseinheit, lässt sich jedes Gedicht auffinden.
Rottendorf selbst hat einige Abkürzungen verwendet, um Gedichtreihen zu bilden: "X" steht dabei für Xenien. Die anderen Abkürzungen "R" (sieben Gedichte), "SM" (49 Gedichte, die meist Ortsbeschreibungen enthalten) und "XP" (ein Gedicht) konnten nicht aufgelöst werden. Einige Gedichte hat Rottendorf mit den Buchstaben "TN" markiert, die sich als "Taugt nichts" auflösen lassen, und somit eine Wertung Rottendorfs darstellen.
Den Gedichten liegen verschiedenste Themen zu Grunde. Neben der Heimatverbundenheit geben sie zeitgeschichtliche, geschäftliche und persönliche Ereignisse wieder. Daneben findet sich Kritik an Gesellschaft und Politik und in einigen Gedichten der Bezug zur Vergangenheit, besonders zum NS-Regime, und zu den beiden Weltkriegen. Wie weit die Beschreibungen aus der Zeit vor 1945 autobiographisch sind, ist nicht klar. An vielen Stellen ist dies zu vermuten, an anderen anzuzweifeln.
Die Briefe an seine Mutter decken den Zeitraum von Rottendorfs Schulzeit bis zur Unternehmensansiedlung in Ennigerloh ab und sind überwiegend privaten Inhalts. Neben Erlebnisberichten und alltäglicher Kommunikation, ist immer das besonders enge Verhältnis zwischen Mutter und Sohn zu erkennen. Die anderen Briefwechsel sind stark persönlicher Natur und durch ihren geringen Umfang weniger aussagekräftig.
Die Sammlung von Dokumenten zu Rottendorf ergänzt die Briefwechsel, so dass sich aus dem Bestand ein Überblick über das private - aber nur eingeschränkt das berufliche und militärische - Leben Rottendorfs und sein Wirken als Dichter und Schriftsteller gewinnen lässt. Neben einigen Kalendern und Schulheften der Mutter Rottendorfs befinden sich Dokumente, die die Vererbung der Hofstelle an seine Eltern und den Verkauf Anfang des 20. Jahrhunderts wiedergeben, im Bestand. Ebenso ist ein Verfahren der Eheleute Georg Höner gegen Josepha Rottendorf wegen Abfindung aus dem Erbe des Gerhard Rottendorf enthalten. Eine Sammlung zur Familiengeschichte und Abstammungsnachweise sind wahrscheinlich in den 1930er Jahren entstanden und beleuchten einige Kapitel der Familiengeschichte.
Benutzung:
Der gesamte Bestand ist nicht gesperrt. Urheberrechtliche Ansprüche bei der Veröffentlichung von Gedichten und Gedichtauszügen sind mit der Rottendorf-Stiftung, Ostenfelder Str. 51- 61, 59320 Ennigerloh, Tel: 02524/268-0, Fax: 0049-2524-268-100, E-Mail: info@rottendorf.de (Stand Mai 2004), zu regeln.
Literatur (soweit nicht im Bestand enthalten):
- A.J. Rottendorfs Vermächtnis erfüllt, in: An Ems und Lippe: Heimatkalender für den Kreis Warendorf 1977, S. 52.
- Chemische Fabrik Rottendorf GmbH: 1928-1978 (Ennigerloh, [1978]).
- Barth, Rudolf, Andreas J. Rottendorf, der letzte seines Geschlechts, in: Münsterland: Jahrbuch des Kreises Warendorf 1997, S. 204-205.
- Fechtrup, Hermann, Zum 100. Geburtstag von Andreas J. Rottendorf, Jahrbuch der Augustin Wibbelt-Gesellschaft 12 (1996), S. 102-104.
- Fernbach, Claus, Industriegeschichte mit Sonderfall Pharma: Firma Rottendorf als Mitbegründer des örtlichen Wohlstands, in: Münsterland: Jahrbuch des Kreises Warendorf 1997, S. 104-108.
- Lahrkamp, Helmut, Bernhard Rottendorf, in: Robert Stupperich (Hg.): Westfälische Lebensbilder (Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens XVII A), Münster 1970, S. 19-38.
- Lehnhart, Norbert, "Szenenwechsel", in: ders., Westfalen ein Rosinenbrot (o.O., 6. Auflage [2003]), S. 169-189.
- Rath, Jochen, "Meine geliebte Mutter ..." - Manuskripte und Korrespondenz von Andreas J. Rottendorf und Dr. Otto Nisch im Kreisarchiv Warendorf hinterlegt, in: Münsterland - Jahrbuch des Kreises Warendorf 54 (2005), S. 315-317.
- Rottendorf, Andreas J., Gedichte, in: Chemische Fabrik Rottendorf GmbH: 1928-1978, Ennigerloh [1978].
- Rottendorf, Andreas J., Der letzte Besuch bei Augustin Wibbelt, in: Unsere Heimat Kreis Beckum 1972, S. 108-109.
- Schmieder, Siegfried, Ennigerloh: Häuser und Höfe (Schriftenreihe der Aemtersparkasse Oelde-Ennigerloh, Bd. 10) Oelde 1988.
- Schmieder, Siegfried/Friedrich Helmert, Ennigerloh: Chronik einer münsterländischen Gemeinde, Ennigerloh 1983.
Zitierweise:
Der Bestand ist folgendermaßen zu zitieren:
Kreisarchiv Warendorf, N 116 Andreas Josef Rottendorf Nr. [ ]
Warendorf, Mai 2004 und Juli 2015
Bestand
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
05.11.2025, 1:59 PM CET