Mandatum poenale Auseinandersetzung um Nutzung des Viehs
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(1) 2228
Wismar M 166 (W M n. 166)
Abt. IV. Rep. 1. B Prozeßakten des Tribunals 1653-1803
Prozeßakten des Tribunals 1653-1803 >> 13. 1. Kläger M
(1741-1776) 05.09.1777-13.05.1778
Kläger: (2) Johann Jochim Möller, kgl. Strandreiter zu Poel
Beklagter: Heinrich Christoph Jörns, Amtmann zu Poel
Anwälte, Prokuratoren: Bekl.: Philipp Wilhelm Sengebusch (A); Dr. Joachim Christoph Ungnade (P)
Fallbeschreibung: Kl. hat bei Dienstantritt 1 Pferd, 1 Kuh, 1 Schwein, 1 Gans und einige Gössel erhalten, die er auf der Amtsweide weiden lassen durfte. Diese Tiere beansprucht seit kurzem der Bekl., läßt sie für sich arbeiten und beansprucht ihre Erträge. Kl. beschwert sich darüber bei der Gouvernementskanzlei. Das Tribunal erläßt am selben Tag ein Mandat mit Androhung von 50 Rtlr Strafe, daß Bekl. dem Kl. die Tiere zu dessen freien Gebrauch zurückgeben solle. Bekl. erwidert am 25.10., die genannten Vorzüge seien nicht im Kontrakt des Kl.s erwähnt, der zudem seinen Dienst nicht ordentlich versähe und zahlreiche, früher übliche Dienste für den Amtsinhaber verweigere. Das Tribunal urteilt am 12.05.1778, Bekl. habe Kl. sein Vieh zurückzugeben und ihn bei den bisherigen Privilegien zu schützen. Für seine Anrufung der Juristenfakultät Rostock wird er mit 50 Rtlr bestraft, sein Anwalt mit Entzug der Advokatur am Tribunal für ein halbes Jahr. Außerdem erhält Bekl. 6 Wochen Zeit, um sich zu seinen Anschuldigungen zu erklären, sein Pachtvertrag würde ihm nicht erfüllt. Für den Fall, daß das Tribunal seine Argumente nicht überzeugen, droht ihm ein fiskalischer Prozeß.
Instanzenzug: 1. Tribunal 1777-1778
Prozessbeilagen: (7) eidesstattliche Erklärung des Amtsschreibers Carl Ludwig Helmbold vom 25.02.1774; Aufstellung über 5.397 entwendete Zaunpfähle, 132 Fuß Plancken und 550 Weiden auf Poel zwischen 1773 und 1776; durch Gerichtsschreiber J.C. Lehmann vorgenommenes Zeugenverhör des Amtsschreibers Carl Friedrich Borgwedel und des Vogts Claus Barten vom 27.02.1773, des Hausmannes Mathias Schmidt vom 14.12.1773; Protokolle im Poeler Amtsgericht vom 31.10.1741, 23.06.1749, 15.06. und 11.11.1752, 20.11.1772; durch Notar Christian Adolph Schultz geführte Zeugenbefragung des Jägers Gutjahr zu Behrenhagen vom 02.05.1776; Gutachten der Rostocker Juristenfakultät vom 12.04.1776
Beklagter: Heinrich Christoph Jörns, Amtmann zu Poel
Anwälte, Prokuratoren: Bekl.: Philipp Wilhelm Sengebusch (A); Dr. Joachim Christoph Ungnade (P)
Fallbeschreibung: Kl. hat bei Dienstantritt 1 Pferd, 1 Kuh, 1 Schwein, 1 Gans und einige Gössel erhalten, die er auf der Amtsweide weiden lassen durfte. Diese Tiere beansprucht seit kurzem der Bekl., läßt sie für sich arbeiten und beansprucht ihre Erträge. Kl. beschwert sich darüber bei der Gouvernementskanzlei. Das Tribunal erläßt am selben Tag ein Mandat mit Androhung von 50 Rtlr Strafe, daß Bekl. dem Kl. die Tiere zu dessen freien Gebrauch zurückgeben solle. Bekl. erwidert am 25.10., die genannten Vorzüge seien nicht im Kontrakt des Kl.s erwähnt, der zudem seinen Dienst nicht ordentlich versähe und zahlreiche, früher übliche Dienste für den Amtsinhaber verweigere. Das Tribunal urteilt am 12.05.1778, Bekl. habe Kl. sein Vieh zurückzugeben und ihn bei den bisherigen Privilegien zu schützen. Für seine Anrufung der Juristenfakultät Rostock wird er mit 50 Rtlr bestraft, sein Anwalt mit Entzug der Advokatur am Tribunal für ein halbes Jahr. Außerdem erhält Bekl. 6 Wochen Zeit, um sich zu seinen Anschuldigungen zu erklären, sein Pachtvertrag würde ihm nicht erfüllt. Für den Fall, daß das Tribunal seine Argumente nicht überzeugen, droht ihm ein fiskalischer Prozeß.
Instanzenzug: 1. Tribunal 1777-1778
Prozessbeilagen: (7) eidesstattliche Erklärung des Amtsschreibers Carl Ludwig Helmbold vom 25.02.1774; Aufstellung über 5.397 entwendete Zaunpfähle, 132 Fuß Plancken und 550 Weiden auf Poel zwischen 1773 und 1776; durch Gerichtsschreiber J.C. Lehmann vorgenommenes Zeugenverhör des Amtsschreibers Carl Friedrich Borgwedel und des Vogts Claus Barten vom 27.02.1773, des Hausmannes Mathias Schmidt vom 14.12.1773; Protokolle im Poeler Amtsgericht vom 31.10.1741, 23.06.1749, 15.06. und 11.11.1752, 20.11.1772; durch Notar Christian Adolph Schultz geführte Zeugenbefragung des Jägers Gutjahr zu Behrenhagen vom 02.05.1776; Gutachten der Rostocker Juristenfakultät vom 12.04.1776
Akten
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
29.10.2025, 11:26 MEZ