Konsulat Christiansand (Bestand)
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I. HA Rep. 81 Christiansand I. HA Rep. 81 Christiansand nach 1807
Tektonik >> STAATSOBERHAUPT UND OBERSTE STAATSBEHÖRDEN, MINISTERIEN UND ANDERE ZENTRALBEHÖRDEN PREUSSENS AB 1808 >> Auswärtige und Bundes-Angelegenheiten >> Auswärtige Angelegenheiten
Laufzeit: 1850 - 1866
Findmittel: Datenbank; Findbuch, 1 Bd.
Behördengeschichte
Konsularbehörden sind diplomatischen Vertretungen nachgeordnete Einrichtungen; ihre gesetzliche Grundlage bildet das Konsularrecht.
Zu den spezifischen Aufgaben eines Konsulats gehören die Wahrung und Förderung der jeweiligen wirtschaftlichen Interessen des Absendestaates in Bezug auf Handel, Verkehr und Schifffahrt sowie der Schutz der eigenen Staatsangehörigen in Form von Unterstützungen und der Ausübung polizeilicher Befugnisse. Dazu kommen verschiedene Einzelaufgaben wie Kontrolle der Schifffahrt, Überprüfung der Seetüchtigkeit, Hilfe bei Schiffsunglücken sowie die Schlichtung von Streitigkeiten auf Schiffen.
Den Konsuln im Dienste Preußens oblag die Führung des Verzeichnisses der in ihrem Einflussbereich wohnenden Angehörigen ihres Staates (Konsularmatrikel).
Auf Grund der wichtigen Seelage von Christiansand, als einem Hauptein- und -ausgangspunkt für den Handel mit Norwegen (bis 1814 zu Dänemark gehörig und durch einen dänischen Statthalter regiert und ab 1814-1904 mit Schweden verbunden), kam dem Konsulat eine bedeutende Stellung zu, zumal sich ursprünglich bei der Einrichtung 1799 sein Aufgabenbereich über ganz Norwegen erstreckte. Erst ab 1806 kam es zur Bildung weiterer Konsulate, u. a. 1806 in Bergen, 1827 in Christiania (Oslo) und 1848 in Aredal. Zu den vorrangigen Aufgaben des Konsulats Christiansand gehörte die Interessenvertretung des preußischen Staates in Norwegen unter besonderer Berücksichtigung der Handels- und Schifffahrtsverhältnisse zwischen beiden Staaten. Eine weitere konsularische Aufgabe war die Unterstützung preußischer Staatsangehöriger u. a. durch die Vorstreckung finanzieller Mittel bzw. die Betreuung schiffbrüchiger Matrosen. Besonderes Augenmerk richtete man auf die Kontrolle des Schiffsverkehrs bzw. die Überprüfung des Warendurchgangsverkehrs. Dies wiederum spiegelt sich in den Konsulatsberichten wieder.
Als erster preußischer Konsul in Christiansand wurde am 22.Juli.1799 der Kaufmann Nils Moe ernannt.
Auf Grund einer Anzeige geriet der Konsul im August 1811 unter den Verdacht der Beteiligung an der Kaperei. In den folgenden Monaten wurde eine Untersuchung über sein Betragen gegenüber preußischen Schiffen eingeleitet, besonderes Augenmerk wurde darauf gerichtet, ob er Kaperer ausrüste oder an Kapereien teilgenommen habe. Die Überprüfung ergab, dass sich preußische Schiffe nicht mehr bei ihm meldeten, da sie von seiner Teilnahme an Kapereien Kenntnis hatten.
Nachdem sich in einer offiziellen Anzeige vom 8.9.1811 der Verdacht bestätigt hatte, wurde Nils Moe mit sofortiger Wirkung als preußischer Konsul entlassen, Konsulatspatent und Konsulatssiegel waren abzugeben und er hatte sich aller konsularischer Tätigkeiten zu enthalten.
Einer Bewerbung des Sohnes des Konsuls Moe um diesen Posten konnte auf Grund des Verhaltens seines Vaters nicht stattgegeben werden.
Sein Nachfolger wurde der Kaufmann Gottlob Ferdinand Reinhardt zu Christiansand, der am 29.November 1811 seine Bestallung erhielt. Im April 1814 berichtete Konsul Reinhardt, dass die veränderte politische Situation, die Aufhebung der diplomatischen Verhältnisse zwischen Preußen und Dänemark, keinen Einfluss auf die Konsulatsgeschäfte in Christiansand genommen habe, dass allerdings durch die Kriegserklärung Dänemarks an Preußen auch kein preußisches Schiff durch seinen Konsulatsdistrikt gekommen sei. Im Jahr 1814 wurde Norwegen an Schweden abgetreten und auf Grund dieser Regierungsveränderung erfolgte die schwedische Exequatur für Konsul Reinhardt im Dezember 1814.
Konsul Reinhardt erwarb bei Führung des Konsulats große Verdienste, so dass ihm am 21.Februar 1828 das Prädikat "Geheimer Kommerzienrat" verliehen wurde. Nach 36-jähriger vorbildlicher Tätigkeit im Dienste Preußens starb er am 16. September 1847.
Die kommissarische Leitung des Konsulats übernahm sein Sohn Otto Carl Reinhardt, der sich gleichzeitig um die hauptamtliche Übertragung des Konsulats bewarb.
Nach Zustimmung der Handelsverbände der Ostseeprovinzen erfolgte im Mai 1848 die Bestallung des Kaufmanns Otto Carl Reinhardt zum Konsul in Christiansand.
Im Interesse der Erleichterung der umfangreichen konsularischen Aufgaben in seinem Einzugsbereich wurde Konsul Reinhardt durch das preußische Außenministerium im August 1852 die Genehmigung erteilt, konsularische Privatbevollmächtigte in Stavanger, Egersund, Farsund, Mandal und Hekkefjord anzustellen.
Für seine Verdienste erhielt er am 16.Januar 1859 den Roten Adlerorden IV. Klasse. Am 27. März 1868 wurde er von seinen Dienstpflichten als preußischer Konsul entbunden und gleichzeitig zum Konsul des Norddeutschen Bundes ernannt.
Das Konsulat Christiansand ging wie alle anderen preußischen Konsulate in die alleinige Zuständigkeit des Norddeutschen Bundes über und wurde ab 1871, mit der Gründung des Deutschen Reiches, als eine Reichsbehörde weitergeführt.
Bestandsgeschichte
Bei den vorliegenden Akten des Konsulats Christiansand handelt es sich um eine Abgabe des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes im Oktober 2001 an das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.
Sie wurden innerhalb des Gesamtbestandes I. HA Rep. 81 Gesandtschaften (Residenturen) und (General-) Konsulate eingeordnet.
2005 fiel die Entscheidung, den Gesamtbestand I. HA Rep. 81 Gesandtschaften (Residenturen) und (General-) Konsulate nach 1807 provenienzgerecht als Einzelbestände der verschiedenen Gesandtschaften etc. aufzustellen, so dass die vorliegenden Archivalien nun unter der Bestandsbezeichnung GStA PK, I. HA Rep. 81 Konsulat Christiansand nach 1807 firmieren.
Bestandsumfang: 17 Verzeichnungseinheiten
Laufzeit: 1799-1866
Letzte vergebene Nummer: Nr. 17
Zu bestellen: I. HA Rep. 81 Konsulat Christiansand nach 1807, Nr. #
Zu zitieren: GStA PK, I. HA Rep. 81 Konsulat Christiansand nach 1807, Nr. #
Quellen: Handbuch über den königlich-preußischen Staat (Staatshandbuch) von 1798-1866
GStA PK, III. HA Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, II Nr. 475-478, 496
Preußisches Konsulat zu Christiansand, 1808-1868
Berlin, 30.4.2002/19.6.2017
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 81 Christiansand nach 1807
Behördengeschichte
Konsularbehörden sind diplomatischen Vertretungen nachgeordnete Einrichtungen; ihre gesetzliche Grundlage bildet das Konsularrecht.
Zu den spezifischen Aufgaben eines Konsulats gehören die Wahrung und Förderung der jeweiligen wirtschaftlichen Interessen des Absendestaates in Bezug auf Handel, Verkehr und Schifffahrt sowie der Schutz der eigenen Staatsangehörigen in Form von Unterstützungen und der Ausübung polizeilicher Befugnisse. Dazu kommen verschiedene Einzelaufgaben wie Kontrolle der Schifffahrt, Überprüfung der Seetüchtigkeit, Hilfe bei Schiffsunglücken sowie die Schlichtung von Streitigkeiten auf Schiffen.
Den Konsuln im Dienste Preußens oblag die Führung des Verzeichnisses der in ihrem Einflussbereich wohnenden Angehörigen ihres Staates (Konsularmatrikel).
Auf Grund der wichtigen Seelage von Christiansand, als einem Hauptein- und -ausgangspunkt für den Handel mit Norwegen (bis 1814 zu Dänemark gehörig und durch einen dänischen Statthalter regiert und ab 1814-1904 mit Schweden verbunden), kam dem Konsulat eine bedeutende Stellung zu, zumal sich ursprünglich bei der Einrichtung 1799 sein Aufgabenbereich über ganz Norwegen erstreckte. Erst ab 1806 kam es zur Bildung weiterer Konsulate, u. a. 1806 in Bergen, 1827 in Christiania (Oslo) und 1848 in Aredal. Zu den vorrangigen Aufgaben des Konsulats Christiansand gehörte die Interessenvertretung des preußischen Staates in Norwegen unter besonderer Berücksichtigung der Handels- und Schifffahrtsverhältnisse zwischen beiden Staaten. Eine weitere konsularische Aufgabe war die Unterstützung preußischer Staatsangehöriger u. a. durch die Vorstreckung finanzieller Mittel bzw. die Betreuung schiffbrüchiger Matrosen. Besonderes Augenmerk richtete man auf die Kontrolle des Schiffsverkehrs bzw. die Überprüfung des Warendurchgangsverkehrs. Dies wiederum spiegelt sich in den Konsulatsberichten wieder.
Als erster preußischer Konsul in Christiansand wurde am 22.Juli.1799 der Kaufmann Nils Moe ernannt.
Auf Grund einer Anzeige geriet der Konsul im August 1811 unter den Verdacht der Beteiligung an der Kaperei. In den folgenden Monaten wurde eine Untersuchung über sein Betragen gegenüber preußischen Schiffen eingeleitet, besonderes Augenmerk wurde darauf gerichtet, ob er Kaperer ausrüste oder an Kapereien teilgenommen habe. Die Überprüfung ergab, dass sich preußische Schiffe nicht mehr bei ihm meldeten, da sie von seiner Teilnahme an Kapereien Kenntnis hatten.
Nachdem sich in einer offiziellen Anzeige vom 8.9.1811 der Verdacht bestätigt hatte, wurde Nils Moe mit sofortiger Wirkung als preußischer Konsul entlassen, Konsulatspatent und Konsulatssiegel waren abzugeben und er hatte sich aller konsularischer Tätigkeiten zu enthalten.
Einer Bewerbung des Sohnes des Konsuls Moe um diesen Posten konnte auf Grund des Verhaltens seines Vaters nicht stattgegeben werden.
Sein Nachfolger wurde der Kaufmann Gottlob Ferdinand Reinhardt zu Christiansand, der am 29.November 1811 seine Bestallung erhielt. Im April 1814 berichtete Konsul Reinhardt, dass die veränderte politische Situation, die Aufhebung der diplomatischen Verhältnisse zwischen Preußen und Dänemark, keinen Einfluss auf die Konsulatsgeschäfte in Christiansand genommen habe, dass allerdings durch die Kriegserklärung Dänemarks an Preußen auch kein preußisches Schiff durch seinen Konsulatsdistrikt gekommen sei. Im Jahr 1814 wurde Norwegen an Schweden abgetreten und auf Grund dieser Regierungsveränderung erfolgte die schwedische Exequatur für Konsul Reinhardt im Dezember 1814.
Konsul Reinhardt erwarb bei Führung des Konsulats große Verdienste, so dass ihm am 21.Februar 1828 das Prädikat "Geheimer Kommerzienrat" verliehen wurde. Nach 36-jähriger vorbildlicher Tätigkeit im Dienste Preußens starb er am 16. September 1847.
Die kommissarische Leitung des Konsulats übernahm sein Sohn Otto Carl Reinhardt, der sich gleichzeitig um die hauptamtliche Übertragung des Konsulats bewarb.
Nach Zustimmung der Handelsverbände der Ostseeprovinzen erfolgte im Mai 1848 die Bestallung des Kaufmanns Otto Carl Reinhardt zum Konsul in Christiansand.
Im Interesse der Erleichterung der umfangreichen konsularischen Aufgaben in seinem Einzugsbereich wurde Konsul Reinhardt durch das preußische Außenministerium im August 1852 die Genehmigung erteilt, konsularische Privatbevollmächtigte in Stavanger, Egersund, Farsund, Mandal und Hekkefjord anzustellen.
Für seine Verdienste erhielt er am 16.Januar 1859 den Roten Adlerorden IV. Klasse. Am 27. März 1868 wurde er von seinen Dienstpflichten als preußischer Konsul entbunden und gleichzeitig zum Konsul des Norddeutschen Bundes ernannt.
Das Konsulat Christiansand ging wie alle anderen preußischen Konsulate in die alleinige Zuständigkeit des Norddeutschen Bundes über und wurde ab 1871, mit der Gründung des Deutschen Reiches, als eine Reichsbehörde weitergeführt.
Bestandsgeschichte
Bei den vorliegenden Akten des Konsulats Christiansand handelt es sich um eine Abgabe des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes im Oktober 2001 an das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.
Sie wurden innerhalb des Gesamtbestandes I. HA Rep. 81 Gesandtschaften (Residenturen) und (General-) Konsulate eingeordnet.
2005 fiel die Entscheidung, den Gesamtbestand I. HA Rep. 81 Gesandtschaften (Residenturen) und (General-) Konsulate nach 1807 provenienzgerecht als Einzelbestände der verschiedenen Gesandtschaften etc. aufzustellen, so dass die vorliegenden Archivalien nun unter der Bestandsbezeichnung GStA PK, I. HA Rep. 81 Konsulat Christiansand nach 1807 firmieren.
Bestandsumfang: 17 Verzeichnungseinheiten
Laufzeit: 1799-1866
Letzte vergebene Nummer: Nr. 17
Zu bestellen: I. HA Rep. 81 Konsulat Christiansand nach 1807, Nr. #
Zu zitieren: GStA PK, I. HA Rep. 81 Konsulat Christiansand nach 1807, Nr. #
Quellen: Handbuch über den königlich-preußischen Staat (Staatshandbuch) von 1798-1866
GStA PK, III. HA Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, II Nr. 475-478, 496
Preußisches Konsulat zu Christiansand, 1808-1868
Berlin, 30.4.2002/19.6.2017
Zitierweise: GStA PK, I. HA Rep. 81 Christiansand nach 1807
Umfang: 0,1 lfm (17 VE); Angaben zum Umfang: 0,10 lfm (17 VE)
Bestand
deutsch
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
Search in Archivportal-D
You may find additional archival material on this person or organization not related to Wiedergutmachung in the Archivportal-D.
Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
19.08.2025, 12:19 PM CEST
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