Taschenmesserfabrik Gustav Bertram (Bestand)
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Fi 47
Stadtarchiv Solingen (Archivtektonik) >> Bestände nichtstädtischer Provenienz >> Firmenarchive
1895 - 1947
Vorwort Das Adressbuch für Wald nennt 1896 zum ersten Mal die Firma Gustav Bertram, Federmesserfabrik in der Victoriastraße 5 (später Beethovenstraße 270) an der Ortsgrenze zu Ohligs. Auf Visitenkarten erscheint sie später als Fabrik in Taschen- und Federmessern. Die Kassen- und Rechnungsbücher von 1896 bis 1911 deuten darauf hin, dass Bertram Zulieferbetrieb für größere Stahlwarenproduzenten und -verkäufer war, u.a. die Firmen Kastor (Ohligs), Krusius (Wald), Konejung (Solingen) und Hilger (Remscheid). Das Rechnungsbuch weist zwischen 1896 und 1911 schwankende Jahresumsätze zwischen 16.000 und 45.000 Mark aus. Dabei ist allerdings nicht auszuschließen, dass die Firma weitere Kunden bedient hat, die in diesem Buch nicht aufgeführt sind. Nach Angaben im Kassenbuch für 1903 (ähnlich 1908) scheint Bertram vier bis fünf Männer und Frauen in seiner "Fabrik" beschäftigt zu haben. Die Lohnsumme betrug im Schnitt 90 Mark pro Woche. Daneben gab er Aufträge an einen Stamm von vier bis sechs Heimarbeitern aus. Hier liegt die wöchentliche Lohnsumme um 100 Mark. Seine Rohmaterialien wie Backen, Klingen und Schalen bezog er von nahegelegenen Fabriken (Rautenbach, Schlemper, Stamm) , Messing und Neusilber bekam er zeitweise aus dem Sauerland. Insgesamt handelt es sich wohl um ein sehr überschaubares Unternehmen, das von der Arbeitsteilung und Spezialisierung im Solinger Stahlwarengewerbe lebte und für die Schwankungen in der Konjunktur anfällig war. Der Schriftwechsel im Bestand deutet darauf hin, dass sich die Firma nach dem 1. Weltkrieg auch stärker um eigene Auslandsgeschäfte bemüht hat. Einen klaren Überblick über den Erfolg bietet das Archivmaterial nicht, da keine wesentliche Buchhaltung für diese Jahre vorliegt. Über die Herkunft der Familie, die Nachfolge in der Firmenleitung und private Angelegenheiten gibt der Bestand sehr wenig Auskunft. Nach dem 2. Weltkrieg wurde von zwei Witwen aus der Familie Bertram eine Wiederaufnahme des Betriebs beantragt und auch genehmigt; 1947 erscheint Margarethe Bertram als Federmesserfabrikantin in einer Steuererklärung. Sie hat das Geschäft aber schon bald nicht mehr weitergeführt und das Gebäude in der Beethovenstraße 270 nach Angaben der Adressbücher für einen Heißmangelbetrieb genutzt. Der Bestand wurde im Sommer 2013 von Hartmut Roehr verzeichnet.
Eingrenzung und Inhalt: Bestand enthält u.a.: Geschäftlicher Schriftwechsel, Kassenbücher, Fotos, Reklameflugblätter
Eingrenzung und Inhalt: Bestand enthält u.a.: Geschäftlicher Schriftwechsel, Kassenbücher, Fotos, Reklameflugblätter
Findbuch: 15 AE
Bestand
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
05.11.2025, 13:59 MEZ