Alte Kloster Neustadter Prozesse, vorzugsweise die Streitigkeiten mit Würzburg betreffend (Bestand)
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Abt. Staatsarchiv Wertheim, R-Rep. 3
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Wertheim (Archivtektonik) >> Rosenbergisches Archiv >> Altes Archiv (sog. Rosa Repertorien)
(794-1264) 1590-1785
Geschichtlicher Hintergrund: Am 26. Juni 1559 erwirkten Abt Heinrich, Prior und Konvent des Benediktinerklosters Neustadt a.M. beim Reichskammergericht zu Speyer die Eröffnung eines Prozesses gegen das Hochstift Würzburg wegen Beeinträchtigung ihrer Rechte und Freiheiten. Damals wie später ging es vor allem um den Besitz des sogenannten Würzburger Spessart und die damit zusammenhängenden Rechte (Jagd, Fischerei, Weide und Hut sowie die Vogtei über mehrere Dörfer im und am Spessart). Von Würzburg erstrebte gütliche Vergleiche scheiterten 1561 und 1591 am Widerstand des Klosters. Nachdem sich Abt Martin aus finanziellen Gründen geweigert hatte, dem Wunsch Bischof Julius Echters nach einem Neubau des Klosters nachzukommen, wurde er 1615 abgesetzt. Der unter seinem Nachfolger begonnene Neubau verschuldete das Kloster tief. Infolge dieser Schulden und der Not des 30jährigen Krieges kam der Prozess fast zum Erliegen. Erst in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts wurde er wieder aufgenommen, um neuen, nun vom Kloster ausgehenden Vergleichsverhandlungen Nachdruck zu verschaffen. 1794 endlich wurde der Prozess mit einem Vergleich beendet. Direkter Gegner des Klosters in seinen Auseinandersetzungen mit Würzburg waren freilich in den meisten Fällen nicht Bischof und Domkapitel, sondern die Beamten des würzburgischen Amtes Rothenfels, an ihrer Spitze der Amtmann. Während der ersten Hälfte der Prozessdauer war Kloster Neustadt vor allem dadurch benachteiligt, dass 1558 Bischof Friedrich von Würzburg unter Berufung auf eine Bulle Papst Pauls III. von 1541 das gesamte Klosterarchiv nach Würzburg weggeführt hatte. 1562 gab Bischof Friedrich nur einige wenige Bände zurück. Das Kloster war deshalb darauf angewiesen, durch Kopiare eine möglichst umfangreiche Doppelüberlieferung aufzubauen. Erst 1690 erhielt es von Bischof Johann Gottfried einen Großteil seines Archivs zurück; einige Stücke scheinen freilich in Würzburg geblieben zu sein. Der Bestand Rep. 3 "Alte Kloster-Neustadter Prozesse" enthält v.a. fünf Gruppen von Akten, die sämtlich Neustadter Provenienz sind: Die älteste Gruppe bilden die oben erwähnten Kopiare, die zu Ende des 16. Jahrhunderts angelegt wurden und im Wesentlichen bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Aus dem Ende des 16. Jahrhunderts sind ferner Beschwerdeschriften an die Würzburger Bischöfe und Akten über die Vergleichsverhandlungen mit Bischof Julius Echter vorhanden. Für die letzten Jahre des Prozesses (etwa 1760 - 1780) liegen Prozessakten, Unterlagen über die Vergleichsverhandlungen jener Jahre und Abhandlungen über Rechte und Freiheiten des Klosters, über ihre Beeinträchtigung und über den Verlauf des Prozesses vor.
Zum Bestand: Die Akten wurden wohl schon im Klosterarchiv nach Latera (Latus A - mindestens Latus DDD) und innerhalb dieser nach Litera A ff. geordnet. Nach der Säkularisation des Klosters 1803 kamen mit dem Klosterbesitz auch die Archivalien an die Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Ob die umfangreichen Verluste, die sich aufgrund des alten Ordnungsschemas erschließen lassen, damals (durch Kassation?) eintraten oder ob sie älter sind, ließ sich nicht ermitteln. In der ersten Hälfte des 19. Jhdts. wurden die älteren Akten des fürstlichen Archivs (bis ca. 1825) repertorisiert, wobei die Repertorien nach alphabetischen Schlagworten geordnet und mit numerus currens versehen wurden. Der Bestand "Alte Kloster-Neustadter Prozesse" erhielt dabei die Nr. 3. Bei der damaligen Verzeichnung des Bestandes wurde die alte Archivordnung zerstört. Um 1900 schließlich wurden die einzelnen Faszikel innerhalb des Bestandes durchnumeriert. Nach dem Erwerb der fürstlichen Archive durch das Land Baden-Württemberg 1975 und der Errichtung eines staatlichen Archivs in Wertheim 1977 wurde eine Revision der übernommenen Bestände durchgeführt, bei der das Repertorium 3 der Abt. Rosenberg vermisst wurde. Der Bestand wurde deshalb Anfang September 1977 vom Unterfertigten unter Beibehaltung der jüngeren, rosenbergischen Ordnung neu verzeichnet. Der Verbleib der fehlenden Nummern 1,3,5,6,8,9,10 und 17 konnte nicht ermittelt werden. Analog zu anderen Beständen kann vermutet werden, dass diese Nummern mindestens teilweise in die rosenbergische "Neuere Registratur" (ab etwa 1857) oder in eines der jüngeren Repertorien übernommen wurden. Die einschlägigen Akten des Reichskammergerichts verwahrt das Hauptstaatsarchiv München. Vgl auch Bestand StAWt-R J 4. Der Bestand umfasst nunmehr 0,3 lfd. m in 10 Büscheln. Wertheim, September 1977 Dr. Hofmann
Zum Bestand: Die Akten wurden wohl schon im Klosterarchiv nach Latera (Latus A - mindestens Latus DDD) und innerhalb dieser nach Litera A ff. geordnet. Nach der Säkularisation des Klosters 1803 kamen mit dem Klosterbesitz auch die Archivalien an die Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Ob die umfangreichen Verluste, die sich aufgrund des alten Ordnungsschemas erschließen lassen, damals (durch Kassation?) eintraten oder ob sie älter sind, ließ sich nicht ermitteln. In der ersten Hälfte des 19. Jhdts. wurden die älteren Akten des fürstlichen Archivs (bis ca. 1825) repertorisiert, wobei die Repertorien nach alphabetischen Schlagworten geordnet und mit numerus currens versehen wurden. Der Bestand "Alte Kloster-Neustadter Prozesse" erhielt dabei die Nr. 3. Bei der damaligen Verzeichnung des Bestandes wurde die alte Archivordnung zerstört. Um 1900 schließlich wurden die einzelnen Faszikel innerhalb des Bestandes durchnumeriert. Nach dem Erwerb der fürstlichen Archive durch das Land Baden-Württemberg 1975 und der Errichtung eines staatlichen Archivs in Wertheim 1977 wurde eine Revision der übernommenen Bestände durchgeführt, bei der das Repertorium 3 der Abt. Rosenberg vermisst wurde. Der Bestand wurde deshalb Anfang September 1977 vom Unterfertigten unter Beibehaltung der jüngeren, rosenbergischen Ordnung neu verzeichnet. Der Verbleib der fehlenden Nummern 1,3,5,6,8,9,10 und 17 konnte nicht ermittelt werden. Analog zu anderen Beständen kann vermutet werden, dass diese Nummern mindestens teilweise in die rosenbergische "Neuere Registratur" (ab etwa 1857) oder in eines der jüngeren Repertorien übernommen wurden. Die einschlägigen Akten des Reichskammergerichts verwahrt das Hauptstaatsarchiv München. Vgl auch Bestand StAWt-R J 4. Der Bestand umfasst nunmehr 0,3 lfd. m in 10 Büscheln. Wertheim, September 1977 Dr. Hofmann
Bestand
Neustadt am Main MSP; Kloster
Würzburg WÜ; Hochstift
Information on confiscated assets
Additional information
BZK no.
The Bundeszentralkartei (BZK) is the central register of the federal government and federal states for completed compensation proceedings. When a claim is entered into the BZK, a number is assigned for unique identification. This BZK number refers to a compensation claim, not to a person. If a person has made several claims (e.g. for themselves and for relatives), each claim generally has its own BZK number. Often, the file number of the respective compensation authority is used as the BZK number.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
This number is important for making an inquiry to the relevant archive.
Delict according to Nazi judicial system
Conduct that was first criminalized under National Socialism (e.g. the Treachery Act, ‘Judenbegünstigung’) or which the Nazi judiciary prosecuted more severely (e.g. high treason).
Reason for persecution
The reasons provided here are based on the wording in the reasons for persecution stated in the sources.
Role in the proceeding
‘Verfolgt’ refers to a person or organization that was persecuted under National Socialism. They could file a claim for compensation or restitution as part of the Wiedergutmachung policy. If the application was submitted by another person or organization than the persecutee (for example, their son or daughter), this other person or organization is designated as ‘antragstellend’ and their relationship to the persecutee is noted, if known. In the sources, the persecutee is sometimes referred to as ‘Geschädigter’ (aggrieved party) and the applicant as ‘Anspruchsberechtigter’(claimant).
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Additional information on reason for persecution
Additional or more specific information on membership and group affiliation which were the reason for the persecution.
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13.11.2025, 2:40 PM CET