Wilhelm (I.) Herzog von Urach Graf von Württemberg (1810-1869) (Bestand)

Verzeichnungsstufe:
Bestand
Bestandssignatur:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, GU 105
Kontext:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Archivtektonik) >> Archiv der Herzöge von Urach
Bestandslaufzeit:
(1464-) 1819 - 1869 (-1922)
Bestandsbeschreibung:
Überlieferungsgeschichte

Sohn von Wilhelm Herzog von Württemberg (GU 101 und G 253) und Wilhelmine Prinzessin von Württemberg geb. Freiin von Tunderfeld-Rhodis (GU 102 und G 254), geb. 6. Juli 1810 in Stuttgart, vermählt seit 8. Februar 1841 mit Theodolinde Prinzessin von Leuchtenberg, (GU 106) vermählt seit 15. Februar 1863 mit Florestine Prinzessin von Monaco (GU 107 und G 303), gest. 16. Juli 1869 auf Schloss Lichtenstein, seit 28. Mai 1867 als 1. Herzog von Urach Chef des Hauses
Nach Eintritt in den württembergischen Militärdienst 1828 Hauptmann der Artillerie, 1825 Major, 1837 Oberst und Kommandant des Artillerie-Regiments, 1841 Generalmajor, 1844 Kommandant der 2. Infanterie-Brigade, 1848 Teilnahme am Feldzug in Schleswig-Holstein und gegen die Revolutionäre in Baden, 1855 Generalleutnant, 1857 Gouverneur von Ulm, 1867 General der Infanterie, 1867 Erhebung zum Herzog von Urach, Mitbegründer und erster Vorsitzender des Württembergischen Geschichts- und Altertumsvereins und des Vereins für Vaterländische Naturkunde, Verfasser von Studien zur Kunstgeschichte, Archäologie und Meteorologie, 1845 Ehrendoktor der Philosophie der Universität Tübingen, Erbauer von Schloss Lichtenstein.

Inhalt und Bewertung

Person und Familie: Reisen (u. a. nach Italien, Frankreich, Nordafrika), Heirat mit Theodolinde Prinzessin von Leuchtenberg, Bestattung Theodolindes, Heirat mit Florestine Prinzessin von Monaco, Konfession der Kinder Wilhelms aus der ersten Ehe, Zeichnungen der Gräfinnen Auguste Eugenie, Marie Josephine und Eugenie von Württemberg, Tod Wilhelms, Reisepässe und Gesundheitszeugnisse, Tagebuch Wilhelms 1869, Poesiealben, Notizhefte, Schulaufsätze, Gedichte und Lieder Wilhelms, Widmungsgedichte für Olga Königin von Württemberg, Sprichwörter und Reime, Redensarten, Materialien zur Archäologie und zu Ausgrabungen in Württemberg, Abhandlungen Wilhelms v. a. über die Archäologie der Merowingerzeit, zur römischen Geschichte, zur Geschichte einzelner europäischer Staaten sowie zu anderen historischen, militärischen und philosophischen Themen, Geschichte des Hauses Grimaldi, Akt-, Portrait- und Architekturskizzen von Carl Alexander von Heideloff, Aquarelle, Dürer-Fest in Nürnberg 1840, Material zur Italienischen Malerei, Partituren, Liederbücher, Notizen, Übungsaufgaben und Materialien v. a. betreffend Mathematik, Chemie, Meteorologie, Maschinenbau, Geografie und Astronomie; Forschungen des Paul Herzog von Württemberg; Hirtenbrief des Erzbischofs von München-Freising, Autografensammlung (u. a. die Herzöge Ulrich, Christoph, Friedrich I., Johann Friedrich, Eberhard III., Eberhard Ludwig, Carl Eugen von Württemberg, Kaiserin Maria Theresia, Marie Antoinette Königin von Frankreich, Napoléon I. Kaiser der Franzosen, Papst Pius VII., Georg III. König von Großbritannien, Honoré de Balzac, Friedrich Schelling, Jérôme Bonaparte); Korrespondenz Herzog Wilhelms mit Mitgliedern des Hauses Urach (Alexander Graf von Württemberg, Theodolinde Gräfin von Württemberg, Florestine Herzogin von Urach), mit Mitgliedern des Hauses Württemberg (u. a. Paul Herzog von Württemberg, König Karl und Königin Olga), mit Mitgliedern der Fürstenhäuser in Europa und Südamerika (u. a. Josephine Königin und Oscar I. König von Schweden, Napoléon III. Kaiser der Franzosen, Amalie Kaiserin von Brasilien, Charles III. Fürst von Monaco, Nikolaus I. Zar von Russland), mit Mitgliedern der regierenden deutschen Fürstenhäuser und Standesherren (u. a. Stephanie Großherzogin von Baden, Karl Anton Fürst von Hohenzollern-Sigmaringen, Mitglieder des Hauses Leuchtenberg und der Grafenfamilie von Taubenheim, Ludwig I. König von Bayern); Sonstige Korrespondenz (u. a. mit Karl Freiherr von Varnbüler), Korrespondenz mit Militärs und mit Wissenschaftlern, Publizisten, Schriftstellern und Künstlern (u. a. mit Gustav Schwab, Julius von Mohl, Franz von Kobell, Eduard Paulus), Korrespondenz mit verschiedenen Personen A-Z, Briefkonzepte Wilhelms; Notizen, Aufzeichnungen und Entwürfe Wilhelms; Standesrechtliche Stellung des Hauses Urach (u. a. Gutachten von Heinrich Zoepfl), Militärische Laufbahn: Urkunden über die Beförderungen und Ernennungen Wilhelms, Tätigkeit als Offizier und Truppenkommandant bei der Artillerie und Infanterie (bis 1857): Tagesdienst, Manöver; Einsatz während der Revolution 1848/49 in Schleswig-Holstein und Baden: Entlohnung der württembergischen Soldaten, dienstliches Notizbuch, Gliederung der preußischen und Bundestruppen, Tagesdienst, Truppentransporte, Stationierung württembergischer Truppen in Baden, Verlegung der Garnison des 8. Infanterie-Regiments von Heilbronn nach Ludwigsburg, Erlasse des Kriegsministeriums und der Kommandobehörden, Briefregister, Konzept-Buch, Rapporte, Meldungen, Berichte und Operationsjournal der württembergisch-hessischen Feld-Brigade, Personalverwaltung der Truppen, Meldungen und Rapporte des 8. Infanterie-Regiments zu Rendsburg, Kontakt mit Zivilstellen, Feldpost, Verlegung der deutschen Nationalversammlung nach Stuttgart; Tätigkeit als Gouverneur der Bundesfestung Ulm und General der Infanterie: Visitationen der Garnisonswachen in Ulm durch Herzog Wilhelm, Rechnungen und Quittungen des Festungsgouverneurs; sonstige militärische Dienstangelegen

1. Wilhelm I. Herzog von Urach Graf von Württemberg (1810-1869): Wilhelm I. Herzog von Urach Graf von Württemberg kam am 06. Juli 1810 in Stuttgart als Sohn Wilhelms Herzog von Württemberg und seiner Frau Wilhelmine zur Welt. Er besuchte u. a. die Schule in Hofwyl bei Bern und machte anschließend Karriere im württembergischen Heer. 1844 stieg er zum Kommandanten der 2. Infanterie-Brigade auf, 1855 wurde er Generalleutnant, 1857 Gouverneur der Bundesfestung Ulm und 1867 General der Infanterie. Im Revolutionsjahr 1848 befehligte Wilhelm eine Feldbrigade, die in Schleswig-Holstein und in Baden im Einsatz war. Wilhelm verfügte über weit gespannte gesellschaftliche, literarische und wissenschaftliche Interessen. Er war politisch aktiv, schrieb Gedichte und Schauspiele und legte Publikationen zu historischen, kunsthistorischen und naturwissenschaftlichen Themen vor. Wilhelm war zudem maßgeblich an der Gründung sowohl des Württembergischen Altertumsvereins (1843) als auch des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg (1844) beteiligt. In beiden Vereinen übernahm er nach der Konstituierung für mehrere Jahre den Vorsitz. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste verlieh die Universität Tübingen Wilhelm im Jahre 1845 ehrenhalber den Titel "Doktor der Philosophie". Ausdruck des romantischen Zugangs zur Geschichte, der Wilhelm kennzeichnete, war der 1840/41 erfolgte Ausbau von Schloss Lichtenstein bei Reutlingen. In Lichtenstein hatte Wilhelm in den folgenden Jahrzehnten nicht nur seinen festen Wohnsitz, sondern empfing auch zahlreiche Freunde und Bekannte, so etwa die Mitglieder der von ihm 1852 gegründeten Gesellschaft "Werft". Wilhelm heiratete am 08. Februar 1841 Theodolinde Prinzessin von Leuchtenberg. Der Ehe entstammten vier Töchter: Auguste Eugenie (1842-1916), Marie Josephine (1844-1864), Eugenie (1848-1867) und Mathilde (1854-1907). Nach dem Tod Theodolindes 1857 heiratete Wilhelm am 15. Februar 1863 Florestine Prinzessin von Monaco. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Wilhelm (1864-1928) und Karl (1865-1925) hervor. 1867 wurde Graf Wilhelm zum Herzog von Urach erhoben; im selben Jahr trat er zur katholischen Konfession über. Wilhelm starb am 16. Juli 1869 auf Schloss Lichtenstein. Er liegt in der Gruft (Katholische Abteilung) der Schlosskirche Ludwigsburg begraben.

2. Zu Ordnung und Verzeichnung des Bestandes GU 105: Der Bestand GU 105 stellt einen Teilbestand des Gesamtarchivs der Familie Herzog von Urach Graf von Württtemberg dar. Er umfasst im Wesentlichen diejenigen Unterlagen, die Wolfgang Schmierer im Zuge seiner Ordnungsarbeiten 1995/1996 dem Nachlass Herzog Wilhelms I. zugeordnet hat. Während der Erschließung wurden aus dem von Schmierer gebildeten Bestand Akteneinheiten im Umfang von ca. 0,5 lfd.m ausgegliedert und den Beständen GU 96 (Vermischtes und Ungeklärtes), GU 100 (Fremdarchivalien und sonstige Sammlungen), GU 101 (Wilhelm Herzog von Württemberg), GU 102 (Wilhelmine Prinzessin von Württemberg), GU 103 (Alexander Graf von Württemberg), GU 106 (Theodolinde Gräfin von Württemberg), GU 107 (Florestine Herzogin von Urach Gräfin von Württemberg), GU 108 (Marie Gräfin von Taubenheim) und GU 117 (Wilhelm II. Herzog von Urach Graf von Württemberg) zugewiesen. Die Erschließung des Bestandes GU 105 wurde in den Monaten Juni bis September 2001 von den Referendarinnen Kathrin Borrmann und Alexandra Lutz sowie dem Referendar Benedikt Mauer begonnen. Nach einer längeren Unterbrechung führte Archivrat Dr. Wolfgang Mährle die Arbeiten ab Sommer 2004 fort und schloss sie 2005 ab. Da die Unterlagen in einem außergewöhnlich schlechten Ordnungszustand waren, mussten die Verzeichnungseinheiten sehr häufig erst gebildet werden. Wenn es möglich war, wurden bestehende Ordnungsformen beibehalten. Korrespondenzakten, die zum Teil als Korrespondenz-Serienakten (Gruppenbildung nach dem Anfangsbuchstaben der Namen der Partner), zum Teil jedoch auch als Einzelkorrespondenzakten geführt worden sind, wurden bei der Erschließung in der Regel in der vorgefundenen Grobordnung belassen. Die Faszikel, die lediglich den Briefwechsel Wilhelms mit einer Person dokumentieren, umfassen zumeist Korrespondenzen mit gesellschaftlich sehr hochgestellten Partnern, mit engen Verwandten oder mit Persönlichkeiten, mit denen Wilhelm in besonders intensivem schriftlichem Austausch stand. Einige wenige Korrespondenzen gliederte Wilhelm in seine Autografensammlung ein; diese wurden ebenfalls in den entsprechenden Faszikeln belassen und sind dort nachgewiesen. Innerhalb der einzelnen Gliederungspunkte entspricht die Abfolge der Titelaufnahmen in der Regel der Chronologie. Lediglich in den Fällen, in denen eine an der Laufzeit der Büschel orientierte Ordnung die Suche nach bestimmten Unterlagen unnötig erschwert hätte (z.B. bei Korrespondenzserienakten), wurden die Unterlagen nach sachlichen Gesichtspunkten gegliedert. Der Bestand GU 105 enthält schwerpunktmäßig Unterlagen, die über Person und Familie Wilhelms, seine militärische Laufbahn sowie über das wissenschaftliche, gesellschaftliche und politische Engagement des Herzogs Aufschluss geben. Kleinere Aktengruppen beziehen sich auf das Vermögen und die Wirtschaftsführung Wilhelms. Schließlich enthält der Teilbestand auch Zeitungen, Zeitungsausschnitte und Druckschriften. Der Bestand GU 105 umfasst nach der Erschließung und Verpackung 440 Büschel und Bände im Umfang von 7,5 lfd. m. Die Laufzeit reicht von 1819 bis 1869. Vorakten, etwa die vom Herzog gesammelten Autografen, reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Dem Nachlass Herzog Wilhelms beigefügte Schriftstücke datieren bis in das Jahr 1922. Die Nutzung durch Dritte ist im Depositalvertrag wie folgt geregelt: Vor Benutzungen des Archivs durch Dritte ist die Zustimmung des Chefs der Familie Herzog von Urach Graf von Württemberg einzuholen. Bei der Zustimmung können Auflagen erteilt werden. Wird Zustimmung nicht versagt oder eingeschränkt, regelt die Leitung des Hauptstaatsarchivs - im Rahmen der Benutzungsordnung der staatlichen Archive Baden-Württemberg - die Benutzung. In jedem Falle sind die Benutzer zur Wahrung der Personenrechte zu verpflichten. Stuttgart, im April 2005 Dr. Wolfgang Mährle Archivrat
Umfang:
440 Büschel
Verwandte Bestände und Literatur:
Karl Christian Gratianus: Die Ritterburg Lichtenstein: Landsitz Sr. Erlaucht des Grav Wilhelm von Wirtemberg. Vergangenheit und Gegenwart. Tübingen 1844; Heinrich Zoepfl: Rechtliches Gutachten über die dermalige familienrechtliche und staatsrechtliche Stellung (...) des Grafen Wilhelm von Württemberg. Heidelberg 1865; Friedrich Wintterlin: Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württemberg. In: ADB 39 S. 343-345; Konrad Kümmel: Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württemberg. In: Katholisches Sonntagsblatt vom 8. November 1903 - 26. Juni 1904; Peter Goeßler: Graf Wilhelm von Württemberg, der Erbauer des Lichtensteins und die deutschen Geschichtsvereine. In: Blätter des Schwäbischen Albvereins 47 (1935) Sp. 295-302; Wilhelm Hauff und der Lichtenstein: [Ausstellung von März bis Juni 1981 im Schiller-Nationalmuseum Marbach am Neckar (...)]. Bearbeitet von Friedrich Pfäfflin. Hg. von der Deutschen Schillergesellschaft (Marbacher Magazin 18). Marbach 1981. 2. durchges. Auflage. Marbach. [1999]; Rolf Bidlingmaier: Schloß Lichtenstein - Die Baugeschichte eines romantischen Symbols. In: Reutlinger Geschichtsblätter NF 33 (1994) S. 113-152; Christian Ottersbach: Befestigte Schloßbauten der Romantik: die Schlösser Lichtenstein ob Honau und Hohenzollern. Magisterarbeit (vervielfältigte Fotokopien). Marburg 1998; Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. A. a. O. S. 384. Sylvia Hartig: Schloß Lichtenstein - ein Eigendenkmal des Grafen Wilhelm von Württemberg: erste Forschungsergebnisse zu den Privatgemächern des Palas. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 28 (1999) S. 98-106.
Online-Beständeübersicht im Angebot des Archivs: