Cannes, 11. Februar 1906. "Lieber Präsident Nicolai! Herzlichen Dank für Ihren freundlichen, gestern erhaltenen Brief vom 8. diesen Monats mit allen seinen reichhaltigen Mittheilungen. Sehr willkommen waren uns die höchst erfreulichen guten Nachrichten über das Befinden des Großherzogs; wie ich höre haben sich die Minister, die nun ja wieder zum Vortrag empfangen wurden, in gleich günstigem Sinn ausgesprochen. - Daß die Kunstgewerbe-Ausstellung nun - in Folge Fallenlassens des Festzuges, was gewiß zweckmäßig - doch im Markgräflichen Palais stattfinden wird, macht mir außerordentliche Freude; wie glücklich wird Hoffacker sein. Eine Vereinigung dieser Ausstellung mit einer Gemäldeausstellung würde ich nicht für die letztere vortheilhaft halten, da das Palais keine Räume besitzt, die sich hinsichtlich des Lichts mit dem des Kunstmuseums messen könnten. Daß der Kunstverein sich gern selbstständig mit einer Huldigung bethätigen möchte, halte ich eigentlich für sehr begreiflich, wusste aber bis jetzt von einem solchen Projekt noch gar nichts. Auch das Ergebniß Ihrer vorläufigen Besprechung mit Oberbürgermeister Schnetzler war mir von großem Interesse. Das Leitmotiv für alle Veranstaltungen muß sein, Häufungen zu vermeiden, so daß immer wieder Zeit zum Ausruhen dazwischen ist. Mit Ihrem Vorschlag wegen Nd. Mendig bin ich respektive sind wir beide einverstanden. Die Zeichnungen des Hofbaurats füge ich hier wieder bei. Mit dem Entwurf des Holzschuppens bin ich einverstanden und bitte nur, daß er möglichst einfach, unter Weglassung aller unnöthigen Ausschmückungen, zur Ausführung kommt. Was die Anlage der elektrischen Beleuchtung für das Palais anlangt, so habe ich einige Bleistiftkorrekturen gemacht. Ich nehme an, daß es sich hier nur um die Zuleitung handelt und behalte mir alles Nähere wegen Auswahl der Beleuchtungskörper, d.h. der "Deckenbeleuchtungen", Pendel etc. vor. Auch glaube ich, daß auf die Doppel-Bogenlampe im Garten ganz gut verzichtet werden kann. - Sehr betrübt bin ich über den vorläufigen Rechnungsabschluß für 1905. Die größeren Ablieferungen an mich rühren wohl von England her, diejenigen an die Hofhaltungskasse vermuthlich von den langen Aufenthalten in Vulpera und Badenweiler. Es ist mir äußerst peinlich, wieder mit einem außerordentlichen Zuschuß des Großherzogs rechnen zu müssen. Es wird aber wohl nichts übrig bleiben, als dem Großherzog die Sachlage vorzutragen. Das Mehr von 500 Mark bei den Portoauslagen gibt mir erneut Anlaß zur Klage über die vor 30 Tagen erfolgte Entziehung der Portofreiheit, die einer ganz erheblichen Besteuerung gleichkommt. - Dem im anliegenden Brief des Hofpredigers Fischer geäußerten Wunsch wollen wir, wie seither entsprechen. Wegen des Heizers (?) Hirt möchte Hofmarschall von Freystett, dem ich diese Zeilen morgen mitgebe, noch mit Ihnen sprechen. Ist Uebereinstimmung erzielt, so bin ich mit der Lohnerhöhung einverstanden. - Erbgroßherzogin und ich erwidern Ihrer Beider freundliche Empfehlungen dankbar mit vielen Grüßen. Es geht uns, bei mäßiger Wärme, gut. Stets Ihr sehr ergebener Friedrich Erbgroßherzog. P.S. Das Papier Ihres Kuverts ist nicht sehr widerstandsfähig; beide Mal zeigte es stärkere Risse."