Bibliothekar a.D. August Stehle (1879 - 1947), Selbstbiographie
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Abt. Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 1 T 6-7 Nr. 211
Akten Nr. 185
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 1 T 6-7 Stadtarchiv Sigmaringen: Nachlass Franz Keller, Pädagoge, Heimatkundler (1875-1950)
Stadtarchiv Sigmaringen: Nachlass Franz Keller, Pädagoge, Heimatkundler (1875-1950) >> Heimatforscher, Heimatschriftsteller, Heimatdichter und verdiente Persönlichkeiten
Enthält:
Bibliothekar August Stehle berichtet unter dem 1.12.1947, S. 1 - 17, handschriftlich über sein wechselvolles Leben und Wirken mit einführenden Hinweisen auf den Wert der Selbstbiographie und mit interessanten Rückblicken auf seine Bauernvorfahren im Unterland, denen er schöne Verse widmet. Stehles Urteil über Schule und Gymnasium seinerseits wird auch von anderer Seite bestätigt. Letzteres bezeichnet er als "tyrannische Anstalt und wahres Inferno für schwächliche, schüchterne Leutchen". Nach weiterem zweijährigen Besuch der Realschule Hechingen und dreijähriger kaufmännischer Lehrzeit im väterlichen Geschäft erweitert Stehle voller Drang nach Wissen auf einem Lehrinstitut in Stuttgart seine schulischen Kenntnisse
Nach Aufgabe seines technischen Studiums, das er als Fehlentschluss bezeichnet, widmet sich Stehle dem Studium der Chemie und Naturwissenschaft an der Technischen Hochschule Stuttgart, 1900 - 1903, und Dresden, 1904; er kam bald darauf nach München, wo er philosophische, geschichtliche, kunstgeschichtliche und nationalökonomische Vorlesungen hört und mit Künstlern - seinem Onkel Hofbildhauer Alois Stehle und Hofrat Ritter von Stehle - in regen Verkehr tritt und durch Theater, Bibliotheken, Museen und Ausstellungen weiteren Antrieb erhält
Frühjahr 1907 Gründung der Familie, Vermählung mit Mathilde Usländer, zwei Söhne, Wolf 1908, Arzt in Nürnberg, Hans-Georg hochbegabter Künstler, Maler und Keramiker (in russischer Gefangenschaft)
Juli 1910 Stehle in Berlin als Mitbegründer und Mitarbeiter der "deutschen Montagszeitung", Auflage 800 000 Exemplare - zahlt teures Lehrgeld und kehrt wieder nach München zurück, Stellung in dem großen Verlag Gg. Müller, der fast täglich ein neues Buch auf den Markt warf
Im Weltkrieg als Militärchemiker in Ebenhausen beschäftigt
Dezember 1919 Stehle als Bibliothekar an der Handelshochschule, Hindenburg-Hochschule für Wirtschaft- und Sozialwissenschaft in Nürnberg angestellt. Die Bibliothek und ihr umfänglicher Apparat ist von Grund auf Stehles Lebenswerk; beim Abgang 1943 zählt sie 100000 Bände. Eine Reihe Instituts- und Seminarbüchereien standen ebenfalls unter Stehles Kontrolle und Verwaltung
Der Rektor der Universität bestätigt Stehles Ausführungen, "eine Bibliothek auf- und auszubauen unter Einsatz aller Kräfte in vorzüglicher Weise erfüllt zu haben"
Wegen Herzleidens zog sich Stehle 1943 in seine Vaterstadt zurück, um hier seinen hereindämmernden Lebensabend zu verbringen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten nehmen, wie ich bei Besuchen und wiederholten Aussprachen erfuhr, ihren Fortgang
Sein Spezialgebiet Paracellsus, über das er etwa 1200 Schriften durchgearbeitet, dürfte in seiner Art wohl einmalig sein. Stehles Energie und Ausdauer in Arbeiten kommt auch hier wie in seiner früheren Berufsarbeit zum Ausdruck
Was Stehle über sein Elternhaus schreibt, ergänzt die Familien- und Geschäftschronik Kaufhaus Otto Stehle (1875 - 1946), s. Akten Nr. 76, 1 - 12 [Bestellnummer 91] durch viele Einzelheiten, über Familienleben und Geschäftsbetrieb in sehr anschaulichen, bis ins Kleinste ausgemalten Jugenderinnerungen
Bibliothekar August Stehle zählt zu den Schriftstellern unserer Stadt, die wie Dr. Alfons Bilharz und Dr. Hans Kaiser bedeutende wissenschaftlich anerkannte Werke geschaffen haben und noch schaffen, s. Akten Nr. 42 [Bestellnummer 52] und Akten Nr. 51 [Bestellnummer 61]
Auch als Dichter sei August Stehle nicht vergessen. A. Akten 100 a - e [Bestellnummern 117 - 121]
Foto Stehles ist beigefügt
Was August Stehle über seinen Freund und Altersgenossen Karl Schnitzler, Dentist, ein philosophisches Talent, zu erzählen weiß, wäre wert, ebenfalls festgehalten zu werden, denn Karl Schnitzler, Sohn eines armen Schusters von hier, muss ganz außergewöhnliche Fähigkeiten und Kenntn isse besessen und in Berlin eine große Rolle beim Kapp-Putsch gespielt haben. Vielleicht gelingt Näheres hier beizufügen
Abgeschlossen 5.12.1947. Keller
Bibliothekar August Stehle berichtet unter dem 1.12.1947, S. 1 - 17, handschriftlich über sein wechselvolles Leben und Wirken mit einführenden Hinweisen auf den Wert der Selbstbiographie und mit interessanten Rückblicken auf seine Bauernvorfahren im Unterland, denen er schöne Verse widmet. Stehles Urteil über Schule und Gymnasium seinerseits wird auch von anderer Seite bestätigt. Letzteres bezeichnet er als "tyrannische Anstalt und wahres Inferno für schwächliche, schüchterne Leutchen". Nach weiterem zweijährigen Besuch der Realschule Hechingen und dreijähriger kaufmännischer Lehrzeit im väterlichen Geschäft erweitert Stehle voller Drang nach Wissen auf einem Lehrinstitut in Stuttgart seine schulischen Kenntnisse
Nach Aufgabe seines technischen Studiums, das er als Fehlentschluss bezeichnet, widmet sich Stehle dem Studium der Chemie und Naturwissenschaft an der Technischen Hochschule Stuttgart, 1900 - 1903, und Dresden, 1904; er kam bald darauf nach München, wo er philosophische, geschichtliche, kunstgeschichtliche und nationalökonomische Vorlesungen hört und mit Künstlern - seinem Onkel Hofbildhauer Alois Stehle und Hofrat Ritter von Stehle - in regen Verkehr tritt und durch Theater, Bibliotheken, Museen und Ausstellungen weiteren Antrieb erhält
Frühjahr 1907 Gründung der Familie, Vermählung mit Mathilde Usländer, zwei Söhne, Wolf 1908, Arzt in Nürnberg, Hans-Georg hochbegabter Künstler, Maler und Keramiker (in russischer Gefangenschaft)
Juli 1910 Stehle in Berlin als Mitbegründer und Mitarbeiter der "deutschen Montagszeitung", Auflage 800 000 Exemplare - zahlt teures Lehrgeld und kehrt wieder nach München zurück, Stellung in dem großen Verlag Gg. Müller, der fast täglich ein neues Buch auf den Markt warf
Im Weltkrieg als Militärchemiker in Ebenhausen beschäftigt
Dezember 1919 Stehle als Bibliothekar an der Handelshochschule, Hindenburg-Hochschule für Wirtschaft- und Sozialwissenschaft in Nürnberg angestellt. Die Bibliothek und ihr umfänglicher Apparat ist von Grund auf Stehles Lebenswerk; beim Abgang 1943 zählt sie 100000 Bände. Eine Reihe Instituts- und Seminarbüchereien standen ebenfalls unter Stehles Kontrolle und Verwaltung
Der Rektor der Universität bestätigt Stehles Ausführungen, "eine Bibliothek auf- und auszubauen unter Einsatz aller Kräfte in vorzüglicher Weise erfüllt zu haben"
Wegen Herzleidens zog sich Stehle 1943 in seine Vaterstadt zurück, um hier seinen hereindämmernden Lebensabend zu verbringen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten nehmen, wie ich bei Besuchen und wiederholten Aussprachen erfuhr, ihren Fortgang
Sein Spezialgebiet Paracellsus, über das er etwa 1200 Schriften durchgearbeitet, dürfte in seiner Art wohl einmalig sein. Stehles Energie und Ausdauer in Arbeiten kommt auch hier wie in seiner früheren Berufsarbeit zum Ausdruck
Was Stehle über sein Elternhaus schreibt, ergänzt die Familien- und Geschäftschronik Kaufhaus Otto Stehle (1875 - 1946), s. Akten Nr. 76, 1 - 12 [Bestellnummer 91] durch viele Einzelheiten, über Familienleben und Geschäftsbetrieb in sehr anschaulichen, bis ins Kleinste ausgemalten Jugenderinnerungen
Bibliothekar August Stehle zählt zu den Schriftstellern unserer Stadt, die wie Dr. Alfons Bilharz und Dr. Hans Kaiser bedeutende wissenschaftlich anerkannte Werke geschaffen haben und noch schaffen, s. Akten Nr. 42 [Bestellnummer 52] und Akten Nr. 51 [Bestellnummer 61]
Auch als Dichter sei August Stehle nicht vergessen. A. Akten 100 a - e [Bestellnummern 117 - 121]
Foto Stehles ist beigefügt
Was August Stehle über seinen Freund und Altersgenossen Karl Schnitzler, Dentist, ein philosophisches Talent, zu erzählen weiß, wäre wert, ebenfalls festgehalten zu werden, denn Karl Schnitzler, Sohn eines armen Schusters von hier, muss ganz außergewöhnliche Fähigkeiten und Kenntn isse besessen und in Berlin eine große Rolle beim Kapp-Putsch gespielt haben. Vielleicht gelingt Näheres hier beizufügen
Abgeschlossen 5.12.1947. Keller
Archivale
Schnitzler, Karl, Dentist
Stehle, Alois, Sigmaringen
Stehle, August, Bibliothekar
Stehle, Hans-Georg, Künstler
Stehle, Mathilde, geb. Usländer
Stehle, Otto; Kaufmann, Sigmaringen
Stehle, von, Hofrat
Stehle, Wolf, Arzt, Nürnberg
Usländer, Mathilde, verh. Stehle
Berlin B
Dresden DD
Ebenhausen, Baar-Ebenhausen PAF
Hechingen BL; Realschule
München M
München M; Verlag Gg. Müller
Nürnberg N
Nürnberg N; Hochschule für Wirtschaft- und Sozialwissenschaft
Stuttgart S
Stuttgart S; Technische Hochschule
Angaben zum entzogenen Vermögen
Weitere Angaben
BZK-Nr.
Die Bundeszentralkartei (BZK) ist das zentrale Register des Bundes und der Länder zu den durchgeführten Entschädigungsverfahren. Bei der Aufnahme eines Verfahrens in die BZK wurde zur eindeutigen Identifizierung eine Nummer vergeben. Diese BZK-Nummer bezieht sich nicht auf eine Person, sondern auf ein Entschädigungsverfahren: Hat eine Person mehrere Ansprüche geltend gemacht (z.B. für sich selbst und für Angehörige), liegt im Normalfall für jedes Verfahren eine eigene BZK-Nummer vor. Häufig wurde als BZK-Nr. schlicht das Aktenzeichen der jeweiligen Entschädigungsbehörde übernommen.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Diese Nummer ist für eine Anfrage im entsprechenden Archiv wichtig.
Delikt nach NS-Justiz
Handlungen, die im Nationalsozialismus überhaupt erst kriminalisiert wurden (z.B. Heimtückegesetz, "Judenbegünstigung") oder die die NS-Justiz in verschärftem Maß verfolgte (z.B. Hochverrat).
Verfolgungsgrund
Die hier angegebenen Gründe orientieren sich am Wortlaut der in den Quellen genannten Verfolgungsgründe.
Rolle im Verfahren
„Verfolgt“ meint eine Person oder Organisation, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde. Sie konnte im Rahmen der Wiedergutmachung Entschädigung oder Rückerstattung beantragen. Wenn der Antrag nicht von dem oder der Verfolgten selbst, sondern von einer anderen Person (zum Beispiel dem Sohn oder der Tochter) oder einer Organisation gestellt wurde, so wird diese als „antragstellend“ bezeichnet und ihre Beziehung zu dem oder der Verfolgten soweit bekannt vermerkt. In den Quellen wird für die Verfolgten auch der Begriff „Geschädigte“ und für die Antragstellenden der Begriff „Anspruchsberechtigte“ verwendet.
Suche im Archivportal-D
Weitere Archivalien zu dieser Person oder Organisation über die Wiedergutmachung hinaus können Sie eventuell im Archivportal-D finden.
Nähere Angaben zum Verfolgungsgrund
Ergänzende oder spezifischere Angaben zu Mitgliedschaft, Gruppenzugehörigkeit bzw. Gruppenzuschreibung, die Anlass für die Verfolgung war.
Es gelten die Nutzungsbedingungen des Landesarchivs Baden-Württemberg.
03.04.2025, 13:50 MESZ
Hierarchie
Hierarchie Detailansicht
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen (Archivtektonik)
- Deposita (ohne FAS - Dep. 39) (Tektonik)
- Stadtarchiv Sigmaringen (Tektonik)
- Nachlässe (Tektonik)
- Stadtarchiv Sigmaringen: Nachlass Franz Keller, Pädagoge, Heimatkundler (1875-1950) (Bestand)
- Heimatforscher, Heimatschriftsteller, Heimatdichter und verdiente Persönlichkeiten (Gliederung)